Richard Erfurth

Richard ErfurthGedichte und Geschichten

Richard Erfurth, Lehrer in Dobien
geb. am 14.01.1869 in Schleinitz bei Weißenfels a. d. Saale,
gest. am 23.08.1949 in der Lutherstadt Wittenberg

Mein Heimatland

Sei mir gegrüßt, mein Heimatland,
Du Kleinod unter deutschen Gauen!
Wie schön bist du im Prunkgewand
Der flußumsäumten Blütenauen!

In segenschweren Wellen rollt
Das hohe Korn, und aus dem Laube
Lacht mir, gereift im Sonnengold,
Des Obstbaums Frucht, die würz’ge Traube.

Im dunklen Harzwald heimlich zieht
Frau Sage ihre Zauberkreise
Und singt manch hohes Heldenlied
Und manche süße Minneweise.

Kyffhäuser hier und gold’ne Au,
Dort grüßt sich Rudelsburg und Saale.
Hoch strebt manch Dom zum Himmelsblau,
Manch Schloß blickt stolz hinab zum Tale.

Maschinen stampfen Tag und Nacht,
Und Räder rollen raschen Reigen,
Der Bergmann läßt aus dunklem Schacht
Die Schätze auf zum Lichte steigen.

Drum lieb ich dich, mein Heimatland
In deiner stolzen Schönheit Schimmer
Wie mit der Arbeit Schwielenhand
Und schwör dir Treue heut und immer.

Den Toten von Reinsdorf
(… zum Gedenken des WASAG – Unglücks 1925)

Dumpf hallt die Klage durch Stadt und durch Land:
Weh! Dreizehn Tote – verstümmelt, verbrannt!
Männer und Frauen im Dienste der Pflicht
Mitten im Leben vernicht‘.

Helden der Arbeit, die rangen so heiß
Im Kampf des Lebens mit Stirnen voll Schweiß,
Um ihre Lieben zu schützen vor Not
Und zu erwerben das tägliche Brot.

Täglich und stündlich umringt vor Gefahr
Botet dem Tode die Stirne Ihr dar,
Weih’tet dem Dienste des Ganzen die Kraft
Teil eines Ganzen, das Werke erschafft.

In einem tückischen Augenblick
Riß jäh von uns Euch ein grausig Geschick.
Tieftrauernd stehen wir, schmerzenerfüllt
Hier an der Riesengruft, die Euch umhüllt.

Erde der Heimat deckt liebreich Euch zu,
Bettet Euch sanft wie die Mutter zur Ruh.
Menschen der Heimat, nun tut eure Pflicht
Und verlaßt die Verlassenen nicht!

Die Ihr vom bittersten Kelche trankt,
Helden der Arbeit, seid innig gedankt.
Solange Räder im Kreise sich dreh’n,
Soll Euer ehrend Gedächtnis bestehn.

1927.04.11. Wittenberger Tageblatt

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