A. Lufterscheinungen und Klima
Bringen wir Wasser in einem Topfe zum Kochen, so bemerken wir, daß dasselbe sich verringert und als Wasserdampf entweicht. Bedecken wir den Topf mit einem Deckel, so setzt sich der Wasserdampf in Tropfen am Deckel an.
Ein ähnlicher Vorgang geschieht täglich auf der Erde.
Von den Gewässern der Erde steigt fortwährend Wasserdampf empor. Gewöhnlich ist dieser dem Auge nicht sichtbar.
Wird er sichtbar, was besonders im Frühling und Herbst geschieht, so nennen wir ihn Nebel.
In der Höhe kühlt sich der Wasserdampf ab und verdichtet sich zu Wolken. Die Wolken werden vom Winde über die ganze Erde getrieben und lassen den Wasserdampf wieder als Regen, Schnee, Graupeln und Hagel herabfallen.
Bleiben die aufsteigenden Wasserdämpfe als Wassertropfen oder Perlen an den Pflanzen hängen, so entsteht der Tau.
Gefrorener Tau heißt Reif.
Nebel, Regen, Schnee, Graupeln, Hagel, Tau und Reif sind wässerige Lufterscheinungen oder Niederschläge.
Die Erde ist überall mit Luft umgeben.
Diese Luft ist nicht immer und überall gleich.
Im Frühling und Herbst ist sie gewöhnlich feucht, nebelig und kühl, im Sommer trocken und heiß, im Winter trocken und kalt.
Die Luft steht nicht still, sondern bewegt sich nach einer bestimmten Gegend hin.
Diese Bewegung oder Strömung der Luft wird Wind genannt.
Ist dieser sehr stark, so nennt man ihn Sturm.
Ein großer Sturm heißt Orkan.
Von der Luft hängt vorwiegend das Wetter oder die Witterung ab. Ostwind bringt trockenes, helles Wetter, der Südwind warmes Wetter, der Westwind bringt Regen oder trübes Wetter, der Nordwind macht kalt.
Die vorherrschende Witterung einer Gegend heißt ihr Klima.
Es gibt ein heißes, ein kaltes und ein gemäßigtes Klima.
Unsere Heimat hat ein gemäßigtes Klima, d.h., es ist weder zu warm noch zu kalt. Das gemäßigte Klima ist das gesundeste.
Am Wärmemesser oder Thermometer können wir sehen, wie warm oder kalt die Luft ist.
Das Wetter wird durch ein Instrument angezeigt, welches Wetterglas oder Barometer heißt.
B. Das Wichtigste über Erde, Sonne, Mond und Sterne
1. Die Erde und die Sonne
Wenn wir von unserem Wohnorte aus immer nach derselben Richtung reisen würden, so kämen wir niemals an ein Ende der Erde. Wir würden vielmehr zuletzt wieder in die Gegend kommen, aus welcher wir abreisten, aber von der entgegengesetzten Seite. Nähern wir uns aus der Ferne einem hohen Gegenstande,
z.B. einem Berge, so erblicken wir zuerst seine Spitze, dann die Mitte desselben und endlich seinen Fuß.
Hieraus erkennen wir, daß die Erde die Gestalt einer Kugel hat.
Eine künstliche Nachbildung der Erdkugel heißt Globus.
Jeden Morgen steigt die Sonne im Osten über den Horizont.
Sie bewegt sich dann am Himmel in einem Bogen aufwärts, gleitet in gleichem Bogen abwärts und sinkt endlich am Abend im Westen unter den Horizont.
Diese Bewegung der Sonne ist aber nur eine scheinbare.
In Wirklichkeit steht die Sonne still und die Erde bewegt sich.
Die Erde macht eine zweifache Bewegung.
Erstens bewegt sich die Erde in 24 Stunden von Westen nach Osten einmal um sich selbst oder um ihre eigene Achse.
Durch die Drehung der Erde um sich selbst entstehen Tag und Nacht. Sobald uns am Morgen die Sonne im Osten sichtbar wird, so wird es hell; der Tag beginnt. Schwindet die Sonne am Abend im Westen aus unserem Gesichtskreise, dann wird es dunkel:
die Nacht beginnt.
Hieraus erkennen wir, daß die Erde ihr Licht von der Sonne erhält. Solche Körper, die kein eigenes Licht haben, sondern dasselbe von der Sonne erhalten und sich um diese drehen, heißen Planeten.
Die Erde ist also ein Planet.
Zweitens bewegt sich die Erde in 365 Tagen 5 Stunden 48 Minuten einmal um die Sonne.
Diese Zeit heißt ein Jahr.
Dasselbe wird rund zu 365 Tagen gerechnet.
Die übrigen 5 Stunden und 48 Minuten werden vier Jahre lang ausgespart, bis sie einen Tag bilden.
Dieser wird dann dem Februar jeden vierten Jahres als 29. Tag zugelegt oder eingeschaltet; er heißt darum Schalttag.
Ein solches Jahr mit 366 Tagen wird Schaltjahr genannt.
Durch die Bewegung der Erde um die Sonne entstehen auch die vier Jahreszeiten:
– Frühling,
– Sommer,
– Herbst,
– Winter.
Der Frühling beginnt am 21. März,
der Sommer am 21. Juni,
der Herbst am 23. September und
der Winter am 21. Dezember.
Die Sonne hat gleichfalls die Gestalt einer Kugel.
Sie ist viel größer als unsere Erde.
Daß sie uns so klein erscheint kommt daher, daß sie sehr weit
(147 Millionen km) von uns entfernt ist.
2. Der Mond
Der wichtigste Himmelskörper nächst der Sonne ist für uns der Mond. Er erhellt die Nächte.
Wärme wie die Sonne gibt er aber nicht.
Der Mond besitzt kein eigenes Licht, sondern erhält dasselbe von der Sonne; er ist also ein Planet.
Der Mond ist ebenfalls eine Kugel.
Er ist kleiner als die Erde und sehr weit (400.000 km) von dieser entfernt.
Der Mond hat eine dreifache Bewegung:
1. bewegt er sich in 27 Tagen und 8 Stunden einmal um die Erde,
2. dreht er sich in derselben Zeit um sich selbst oder um seine Achse, 3. bewegt er sich während eines Jahres einmal um die Sonne.
Der Mond erscheint uns nicht immer in derselben Gestalt, sondern er verändert dieselbe fortwährend.
Eine Zeit ist er im Zunehmen, die andere im Abnehmen.
Diese Veränderung seiner Gestalt nennen wir Mondwechsel.
Sehen wir die ganze Mondscheibe erhellt, so haben wir Vollmond.
Ist die rechte Hälfte (Mondsichel) erleuchtet, dann haben wir das erste Viertel oder zu nehmenden Mond.
Ist dagegen die linke Hälfte erhellt, so haben wir das letzte Viertel oder abnehmenden Mond.
Kehrt uns der Mond seine unbeleuchtete, dunkle Seite zu, dann sehen wir ihn nicht und sagen:
Wir haben Neumond.
Die Zeit, in welcher der Mond seine vier Hauptgestalten durchläuft, nennen wir einen Monat.
Der Mond geht jeden Tag 50 Minuten später auf.
Er steht oft mit der Sonne zugleich am Himmel.
Sein schwaches Licht wird aber vom Sonnenlichte überstrahlt.
Als Vollmond leuchtet der Mond die ganze Nacht.
Als erstes Viertel scheint er bis Mitternacht und als letztes Viertel die letzte Hälfte der Nacht, da er dann erst um Mitternacht aufgeht.
3. Sonnen und Mondfinsternis
Steht die Mondkugel zur Zeit des Neumondes in einer geraden Linie zwischen Sonne und Erde, so erscheint uns die Sonne durch den davor stehenden Mond verfinstert.
Wir haben dann eine Sonnenfinsternis.
Tritt die Erde zur Zeit des Vollmondes in eine gerade Linie zwischen Sonne und Mond, so dass der Erdschatten auf den Mond fällt, so haben wir eine Mondfinsternis.
4. Die Sterne
Außer der Sonne und dem Monde sehen wir am Himmel noch unzählbare andere Himmelskörper, die wir Sterne nennen.
Die Sterne sind untereinander sehr verschieden.
Die einen sind groß, andere kleiner, einer leuchtet hell, ein anderer schwach, der eine besitzt rötliches, der andere bläuliches Licht usw. Die Sterne, welche hellflimmerndes Licht haben und ihre Stellung zu einander nicht verändern, heißen Fixsterne (feststehende Sterne). Man hat diese in Gruppen zusammengefaßt, die man Sternbilder nennt. Die schönsten Sternbilder sind der große Bär (Himmelswagen), der kleine Bär und das Siebengestirn.
Im Schwanze des kleinen Bären leuchtet der helle Polarstern. Andere Sterne haben ruhiges Licht und verändern ihre Lage zu einander und zu den Fixsternen.
Sie heißen daher Wandelsterne oder Planeten.
Einer der schönsten Planeten ist die Venus.
Vor Sonnenaufgang glänzt sie als Morgenstern, und nach Sonnenuntergang leuchtet sie als Abendstern am Himmel.
Hin und wieder erblickt man am Himmel Sterne, die einen glänzenden Kern haben, dem eine durchsichtige Dunsthülle wie ein Schweif folgt.
Solche Sterne heißen Schweifsterne oder Kometen.
Wegen ihres seltenen Erscheinens und ihres eigenartigen Aussehens meinen abergläubische Leute, daß ihr Erscheinen großes Unglück ankündige.
In klaren Nächten sehen wir am Himmelsgewölbe einen hellen, milchweißen Streifen. Dieser besteht aus unzähligen kleinen Sternen und wird Milchstraße genannt.
Häufig sieht man in hellen Nächten Sternschnuppen fallen.
Das geschieht besonders in den Nächten um den 10. August und 13. November jeden Jahres.
Sternschnuppen sind kleine Teile von Himmelskörpern, die aus ihrer Bahn gedrängt wurden. Hierdurch kommen dieselben der Erde nahe und werden von dieser angezogen.
Richard Erfurth
Quellen: Heimatkunde des Kreises Wittenberg 1902
