Jeder Wittenbarcher weeß, daß in Wittenbarch frieher – bis zus Joahr 1815 – ene Unevarsetät woar, wude Schtudenten, wennse mets Jumminaschum fartig woaren.
Paster, Dokter, Rechtsanwalt, Amtsrichter un no mäniches annerte larnen taten. Mänichen geful das so siehre, dasse sich goar nich trennen kunne vun de Unevarsetät un immer weiter schtudieren tat, bissen de Hoare ausjehn taten.
Den hußen se denne e ahles Samester.
Schtudenten han immer Dorscht – awer nich alleene Wissensdorscht – nee, oo annerten, bloß nich uffs Wasser.
An liewesten leschen se ehren Dorscht mets Bier.
Was son Schtudent an Bier vartilgen kann, das jeht uff keene Kuhhaut nich. Desterwähn hanse oo ville Lieder uffs Bier gedicht un e dickes Buk draus gemacht, wasse Kummarschbuk heeßen tun. Dadraus singense immer, wennse kneipen tun, wozuse Kummarsch sahn.
In Wittenbarch is immer scheenes Bier gebraut wurrn.
Dazemah awer, wo de Jeschichte passiert ist, die ich erzähln will, da hottense ene besunnersch jute Sorte, wasse Guckuck heeßen taten – woahrscheinlich, weilse darbei immer sehre fleißig in de Bierteppe kuken taten. Na, un wu Schtudenten un Bier is, da sin oo Kneipen, un in unse Wittenbarch sin immer ene janse Masse Kneipen gewäst. Ville woarn dazemah vor de Schtadt, weil Wittenbarch doch ene Festung woar un’s desterwähn drinne e bischen enge zujunk, un weil da de ahlen Professorsch un de Schpießer, wiese zu de Barger sahten, metsamst de Polezei de Schtudenten zu sehr uff de Finger kukten. Mäniche vun die Kneipen hotten janz putzige Namen.
Da woar de „Goldene Gans“ vorsch Schloßtor, der „Graue Wolf“ in de Klausschtraße, de „Weiße Kanne“ vorsch Elstertor, der „Blaue Hecht“ in de Dresdener Schtraße, die awer dazemah „Lange Reihe“ huß, un no annerte. An liewesten awer junken de Schtudenten nah de Rothemark. Da musses dazemah sehre scheene gewäst sin. Dadermet will ich awer nich gesat han, dasses heite nicht oo no scheene da wiere, weil se heitzetake durt oo no recht scheenes Bier han. ’s is zwoarschtens keen Guckuck nich – se hans Aktienbier getooft; mäniche san oo Diwidentenjauche darzu.
Awer den Noamen kann ich nich scheen singen, denn ’s Bier schmeckt doch janz jut.
Awer frieher musses in de Rothemark doch ville scheener gewäsen sin, als heite. Mer kanns jo uff die ahlen Bilder sähn, die in unse Heimatsmuseum ins Schloß sin, wu der Harr Dokter Krüger alles so scheene gesammelt hot, wasse aus de ahlen Zeiten hat krein kennen. ’s jiwet awer jlowе ich ville Wittenbarcher, die no nich ema ins Museum gewäsen sin un goar nich wissen tun, wasses da allens ze sähn jiwet. Die sallten sich eegentlich schämen, dasse so wenig Varschehstemich for ehre Heimat han.
Mer hat sogar Jedichte uff de Rothemark gemacht. Eens darvun is sogar recht lank; das hot e Wittenbarcher Schtudente gedicht, der da ville kneipen tat. E Varsch darvun mechte ich ema hierhersetze. Weil awer das Jedicht in de lateinsche Schprache gemacht is, un doch heitzetake nich ville Leite sin, die das ahle Latein varschtehn tun, da will ich’s in de deitsche Schprache schreim, un da heeßt der Varsh so:
„Drum will ich diesen Hain
hinfort den Schönen weihn.
Er werde der Hain am Elbestrand,
er werde der Hain der Schönen genannt.
Dieser Name, lieber, grüner Hain,
den die Schönen dir durch mich verleihn,
müsse immerdar die eigen sein.“
In de Rothemark musses also dazemah oo ville scheene Mächens gegän han. Na, ze wunnern braucht mer sich da jo nich, denn wu Schtudenten sin, da sin oo jedesmah hibsche Mächens.
Dadermet will ich awer nich gesat han, dasses heite in Wittenbarch keene scheenen Machens mehr gäwen täte, weil doch keene Schtudenten mehr da sin, ins Gegenteel.
Wie mer wissen tut, machen de Schtudenten garne e Ulk, un mer weeß oo, daß ville uff son Ulk ninfallen tun.
So junks oo ema’n Gastwurt vun de Rothemark, un dadervun will ich heite ma was erzähln:
Der Wurt – Krampe huße – hotte e jroßen schwarzen Kuter; ’s woar e scheenes Tier, uff dasse jroße Schticke hult, denn Peter – so hatten getooft – woar e gescheites Viech un e tichtger Mausejäger.
Nu kamen eenes scheenen Taks e Hofen Schtudenten aus Wittenbarch nah de Rothemark un nin in de Jastschtuwe.
Wiese sich nu uff de Holzschtiehle gesetzt hotten, un der Wurt
’s ierschte Bier gebracht hotte, da bemarkense ’n Kuter, der uffs Fensterbrett saß un sich putzte, denn e woar e ehre rendliches Tier.
„Herr Wirt“, roff da der eene, „was haben Sie da für eine schöne Kаtzе?“
„Ja“, sahte der tscholz „unse Peter is e hibscher Karl, un sehre gescheit. Seit der ins Haus is, läßt sich keen Schwanz vun ene Maus mehr sähn.“
„Hm“, meente der Schtudente wedder,
„wissen Sie denn aber auch, daß das eine Mostrichkatze ist?“ „Mostrichkatze – Mostrichkatze? Was soll denn das bedeiten?“ frahte Krampe janz varwunnert.
„Nun, das ist doch ganz klar. Die frißt lieber Mostrich als zum Beispiel Wurst.“ Krampe lachte helleweg. „Se wolln miche wohl varklapsen? Haha! Unse Peter soll liemer Mostrich als Worscht fressen? – Da kennensen awer schlecht. Der frißt ewerhopt keen Mostrich nich. Der is so wieso sehre kiesäte.“
„Das wissen Sie eben no gar nicht, Krampe“, sahte nu e annerter Schtudente wedder.
„Ich sehe es ihr auch an; das ist eine Mostrichkatze.“
„Ach schwatzense doch nich son Unsinn. Ich were doch mein Peter kennen.“
„Aber es ist wahrhaftig so: das ist eine Mostrichkatze und frißt lieber Mostrich statt Wurst“ sate nu der ierschte wedder.
„Wollen wir wetten?“
Un darbei hulte ’n Wurt de Hand hen, un der schluk in un roff:
„Da jehe ich jede Wette in! Awer das sahe ich se jlei: se varliern de Wette! Das werden wir ja sehen“, meente der annerte.
„Aber um was wollen wir wetten?“
„Nu“ sahte Krampe, „wenn ich verlieren tue, bezahle ich zwee Taler
un de freie Zeche for sie alle, awer wenn sie varliern, kreie ich vun sie de zwee Taler un eene Vurteltunne Guckuck, die se meinswegen jlei trinken kennen.“
„Topp, es gilt!“ roffen de Schtudenten un se gam sich de Hände druff.
Der Kuter hotte mets Putzen uffgeheert un kukte sich met seine jroßen Kulleroogen de Leite an. Wie e nu immer sein Noamen heerte un bemarkte, dasse alle nahn kukten, da mochte wohl was marken un wolle sich ausen Schtoowe machen.
Awer e Schtudente kriegten ans Schlawittchen ze fassen un hulten fest. Das luß sich awer mei Peter nich gefalln, e fauchte un kratzte un biß, dassen Schtudenten de Hand bluten tat.
Der Wurt mengete sich darzwischen.
„So darfense unse Peter nich kumm’n; sone Behandlung is der nich gewehnt.“
E schtreichelten un reden jut zu, un da wurre der Kuter wedder ruhig. Krampe langete nu ene Bratworscht ran un e jroßen Topp met Mostrich. „So, nu kanns far meinswegen losjehn“, meente er.
Un’s junk oo los. Der eene vun de Schtudenten hult ’n Kuter de Bratworscht var de Noase, e annerter hob’n Schwanz hok, un e dritter klacksten e jroßen Leffel vull Mostrich ungern Schwanz.
Weil das awer doch sehre brennen tat, da fuhr der Kuter wie’n Blitz met de Schnauze nach hingene und – leckte sich n‘ Mosterich ab.
De Worscht kukte awer joar nich an.
De Schtudenten machten e jroßes Hallo un schprungen allehoofe um’n Kuter rum, der sich no immer’s Hingerteel lecken tat..
Krampe аwer machte e janz dummes Jesichte un kratzte sich hinger de Ohren. ’s argerten furchterlich, dasse de Wette varlorn hotte, denn e woar sehre jenau un rickte nich garne was raus.
E wolle desterwähn oo de Wette nich gelten lasen un meente, so wiere das doch nich gemeent gewäsen.
Awer da kame bei de Schtudenten scheep an. Das wiere no setter schenner, meenten die.
Eeen Mann – een Wort; se hätten gewett, un e hätte varlorn, un misse nu oo zahln.
Krampe wolles met de Schtudenten nu oo nich vardarwen; e bezahlte de zwee Taler un jaben de freie Zechе, na, un das die nich so kleen wurre, dadervor sorgten de Schtudenten schon.
’s fuchsten awer doch janz gewalt’g, un e simmelierte in een furt, wie e sein Schaden wedder beikummen wolle. –
’s mochte so e halwes Joahr vargangen sin. Uff de Unevarsetät hotte e neies Samester angefangen, wie mer saht, wu neie Schtudenten kummen. Un eenes scheenen Taks kam e janzer Trippes naus in de Rothemark un bei Krampen in de Jastschtuwe nin.
Se hotten awer ehren jroßen Hund metgebracht – Korhund sahnse wohl zu son Tier.
Wie nu Krampe den sak, da junken jlei der Gedanke durchen Kopp: „Heite warschte dein Schaden vun dazemah wedder beikumm’n.“
Alse nu de Schtudenten met Bier varsorget hotte, da bekuckte sich den Hund recht uffmarksam un meente:
„..Se han da awer e schenen Hund, meine Harren.“
„Jawohl, Herr Wirt“, sahtense, „da haben sie recht. Unser Karo ist auch ein schönes Tier, und klug ist er – klüger als mancher Gastwirt.“
„Na, na“, meente Krampe, „sahnse das nich; mer sall e Tier nich meten Menschen varjleichen. Awer – awer“, setzte nah ner Weile derzu, indem e’n Hund vun vorne bis hingene bekukte, „das is jo een Mostrichhund!“
„Mostrichhund? — Mostrichhund?“ roffen de Schtudenten allehoofe. „Was soll denn das heißen?“
„Nu, der frißt liewer Mostrich als Worscht“, antwurte Krampe.
„Reden sie doch kein Blech. Unser Karo Mostrich lieber fressen als Wurst! Das glauben sie doch wohl selber nicht.“
“ ’s is awer so; das is e Mostrichhund – ich kenne die Sorte janz jenau, die fressen liewer Mostrich als Worscht. Molln mer wetten?“
„Jawohl, wetten wir! Und um was?“
„Nu“, meente Krampe, „sahn mer mah drei Taler un de freie Zeche, wenn ich varliere, un drei Taler un eene Vurteltonne Bier, wenn sie varliern.“
„Einverstanden!“ roffen de Schtudenten.
„Hier die Hand darauf!“
Krampe langete nu wedder ene jroße Bratworscht un e Topp met Mosterich. Der eene vun de Schtudenten hult Karo de Worscht var de Schnauze, un Krampe hoben met die eene Hand’n Schwanz hok, un met die annerte Hand klatschten e mächtgen Leffel vull Mostrich drunger.
Awer was machte mei Karo? – E schnappte mets Maul de Worscht un – setzte sich uffs Hingerteel un rutschte uffen Fußboden länk hen, dasse’n Mostrich los wurre, un daderbei schpachtelte janz jemietlich de Worscht uff.
De Schtudenten brillten, daß de Wände wakelten.
Krampe awer schtund da wie vun Dunner geriehrt un machte e Jesichte, wie wenn’n de Buttermilch varhagelt wiere.
’s hulfen awer alles nischt – es mußte de drei Taler berappen un oo de varschprochene Zeche bezahlen. Un die wurre dies mah oo nich kleener wies irschte mah – darvor kennt mer jo de Schtudenten.
E hätte sich an liewesten gebackfeift un nahm sich vor, in sein Läm nich wedder met de Schtudenten ze wetten.
Die awer erzählten noch lange vun de Mostrichkatze un vun Mostrichhund.
Richard Erfurth

Quellen: Unser Heimatland vom 28.10.1933