Es ist ein glücklicher Gedanke, an einem Tage im Jahre die gesamte deutsche Jugend festlich zu vereinen und so durch sie die wiedergewonnene Einigkeit unseres Volkes zum sichtbaren Ausdruck zu bringen.
Reichsinnenminister Dr. Frick hat angeordnet, daß dieses „Fest der Jugend“ am 24. Juni als Sonnenwendfeier stattfinden soll.
Und wer schon einmal mit der deutschen Jugend an diesem Tage am flammenden Holzstoß des Sonnenwendfeuers stand und miterlebte, wie froh und fest sich die Hände der Jungen und Mädels zum Bunde zusammenschlossen, der hat im tiefsten Herzen die große symbolische Bedeutung dieser Stunde gefühlt, die ihm zu einem Ereignis wurde.
Die Sonnenwendfeier ist ein altes germanisches Fest, in welchem die innige Verbundenheit des Menschen mit der Natur zum Ausdruck gelangt. Der tiefe Sinn, der dieser Feier zugrunde liegt, findet seinen Niederschlag in der germanischen Göttersage.
Baldur, der heitere Gott des Lichts und des Frühlings, ist der erkorene Liebling aller Götter.
Solange er lebt, wird Walhall alles Unheil fernbleiben.
Um ihren Liebling vor jedem Ungemach zu schützen, nimmt seine Mutter Freya allem, was auf Erden lebt und wächst, den Eid ab, ihrem Sohne kein Leid zuzufügen.
Nur ein Strauch wird dabei übersehen – die Mistel, die auf den Bäumen wuchert und also nicht in der Erde wurzelt.
Bei einem Feste vergnügen sich die Götter damit, Baldurs Unverletzlichkeit zu prüfen, indem sie Pfeile auf ihn abschießen.
Der heimtückische, eifersüchtige Loki aber legt arglistiger Weise dem blinden Hödur einen aus einem Mistelzweig geschnitzten Pfeil auf den Bogen, der den Lichtgott Baldur tötet und damit das Dunkel der Götterdämmerung beschleunigt.
Am 24. Juni haben wir den längsten Tag.
Von da an senkt sich die Sonne wieder zum Horizonte nieder, und die Dunkelheit gewinnt wieder an Ausdehnung und Macht.
Dieser Kampf zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Sommer und Winter wird in der Sage von Baldur und Loki versinnbildlicht. Sonnensehnsucht, Lichthunger bildeten den Grundzug der religiösen Vorstellungswelt unserer germanischen Vorfahren.
Den Sieg des Lichts über die Finsternis feierten sie zur Zeit der Wintersonnenwende im Julfest mit allerlei Gebräuchen und Gesängen, und dem Lichtgott zu Ehren entzündeten sie zur Sommersonnenwende den flammenden Holzstoß, den der Priester mit dem Radkreuz aus dürrem Holze anzündete, und dessen heilige Glut in glimmenden Scheiten durch den anbrechenden Morgen ins Haus getragen wurde, um damit das Herdfeuer anzufachen.
So sicherte man sich während des Jahres Glück und Frieden am häuslichen Herde.
Den im Sonnenwendfeuer angekohlten Pfahl steckte man in den Trank der Haustiere, um sie vor Krankheiten zu schützen; auch versenkte man ihn in den Acker, was diesem Fruchtbarkeit verlieh. Um den lodernden Holzstoß aber sammelten sich die Glieder der Sippe von nah und fern, um ihre Verbundenheit bei Opfer, Gesang und Spiel zu bekunden.
Lieblich war die Nacht, die kurze,
vor dem Tag der Sonnenwende.
Auf der Iburg stumpfem Kegel
flackerten die Opferbrände.
Auf der Iburg stumpfem Kegel
hatten sich zum Baldurfeste
fromm geschart die Heidenleute,
Gaugenossen, fremde Gäste.
F. W. Weber, „Dreizehnlinden“.
Als dann die christlichen Sendboten das Kreuz predigten, knüpften sie in weiser Vorsicht an den alten Götterglauben und die alten Gebräuche an, denen sie christliche Namen und christliche Deutung gaben. So setzten sie auch das germanische Lichtfest in Beziehung zu Johannes dem Täufer, dem „Mann mit dem brennenden Herzen“, zumal dieser mit dem Hinweis auf Christus gesagt hatte:
„Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen“ – ein Ausspruch, den die Missionare zur Sommersonnenwende in Beziehung setzten.
Das Rad, welches man drehte, um das heilige Feuer zu entzünden, wurde und wird noch heute in vielen Gegenden als Feuerreifen durch die Lust geschleudert und den Berg hinab gerollt oder auch als der aus Feldblumen und Rosen gewundene „Johanniskranz“ an die Hauswand gehängt, um das Haus vor Blitzschlag zu schützen, während das lodernde Sonnenwendfeuer zum „Johannisfeuer“ wurde, über welches man springt, um sich vor Krankheiten und Gebrechen zu bewahren – ein symbolischer Hinweis auf die läuternde und reinigende Kraft des Feuers.
Im Volksbewußtsein aber blieb der Johannisnacht noch viel von ihrem geheimnisvollen, wundersamen Wesen und erhielt sich in mancherlei Sitten und Gebräuchen bis auf unsere Tage.
In der Johannisnacht beginnen die verborgenen Schätze zu leuchten.
Bestimmte Kräuter, wie Johanniskraut, Bärlapp, Rittersporn, Lattich usw., erhalten besondere Heilkraft.
Sammelt man sie vor Sonnenaufgang – „vor Tau und Tag“ -, so gewähren sie sicheren Schutz vor allerlei Krankheiten.
Auch windet man aus ihnen nach der Zahl der Familienglieder Sträuße und Kränze – erstere für die männlichen, letztere für die weiblichen Glieder der Familie – und legt sie in der Johannisnacht vor die Fenster zur Abwehr der unholden Mächte.
Mit Zaubergewalt hat sich der fast vergessene Brauch des Sonnenwendfeuers bei der deutschen Jugend wieder durchgesetzt. Als die erstandene „Jugendbewegung“ den deutschen Menschen, dem durch Industrie und Großstadt die Verbundenheit mit der Natur abhanden gekommen war, zu erneuern suchte, da flammten diese symbolischen Feuer wieder empor als Zeichen einer Zeitenwende, in deren Glut alles Überaltete, Morsche und Unreine untergehen sollte.
Die unglückseligen Jahre der liberalistischen und marxistischen Herrschaft suchten das Feuer der Begeisterung auszutreten, aber es glomm weiter in den Herzen einer Anzahl junger deutscher Menschen und erfaßte immer mehr, bis der schlichte Frontsoldat H. die Führung übernahm, dem es gegeben war, ein ganzes Volk mit der heiligen Flamme zu entzünden, die alles Unreine und Schmachvolle vernichtete und das deutsche Volk von Grund aus läuterte, die ein neues Deutschland schuf, in dem die Liebe zu den Volksgenossen, zu Heimat und Vaterland, zu deutscher Art und Sitte heiß in den Herzen brennt.
Sommersonnenwende!
Ihre Feier hat im Dritten Reich einen neuen, tieferen Sinn erhalten. Sie ist die Feier der Schicksalswende unseres Volkes.
Für unsere deutsche Jugend ist sie die große Gemeinschaftsfeier; jeder soll ein Scheit zum Holzstoß bringen als Sinnbild des allgemeinen Opferwillens, und die Hände, die sich zum Ringe um das Feuer schließen, sie sollen die unverbrüchliche Treue, die schicksals-verhaftete Verbundenheit bekunden.
Die Flamme aber, die zum Himmel emporloht, sie ist das weithin leuchtende Fanal der Freude und des Dankes dafür, daß nach jahrelanger Dunkelheit unserem Volke wieder Licht und neues Leben geschenkt wurde. Und mit ihr soll das aus tiefstem Herzen kommende Gelübde emporsteigen:
Leuchtender Schein!
Siehe, wir singenden Paare
schwören am Flammenaltare,
Deutsche zu sein.
Höre das Wort,
Vater, auf Leben und Sterben
hilf uns die Freiheit erwerben.
Sei unser Hort!
Richard Erfurth

Quelle: Unser Heimatland vom 23.06.1934