In diesem Jahre feiert die Wittenberger Schützengesellschaft das Fest ihres 500 jährigen Bestehens.
Gedenktage sind Sonnenblicke im Alltagsgrau; sie laden zum Verweilen ein und lassen den Wunsch lebendig werden, Rückschau zu halten in die Vergangenheit.
Der Unterzeichnete wurde damit betraut, die Geschichte der Schützengesellschaft von der Zeit nach der Reformation an bis zur Gegenwart zu schreiben, während der erste Teil derselben die Zeit von der Gründung der Gesellschaft bis zur Reformation einschließlich umfassend von dem vortrefflichen Kenner der Geschichte Wittenbergs, Herrn D. Dr. Nikolaus Müller, Professor an der Universität Berlin, bearbeitet wurde.
Die in meiner Arbeit gegebenen Nachrichten stützen sich durchweg auf urkundliches Material, wie es in den Protokollbüchern und Rechnungen der Schützengesellschaft sowie im städtischen Archiv sich vorfand.
Die charakteristischsten Urkunden oder Teile derselben sind im Wortlaut wiedergegeben.
Daneben fanden auch Mitteilungen aus dem „Wittenberger Tageblatt“ und der „Wittenberger Allgemeinen Zeitung“ Verwendung.
Beim Beschaffen des Materials wurde der Verfasser durch den derzeitigen Kommandeur der Schützengesellschaft, Kaufmann und Stadtverordneten Herrn Paul Friedrich, wesentlich unterstützt. Hierfür sei diesem auch an dieser Stelle herzlich gedankt.
Die Festschrift ist mit einer Reihe von Bildern aus dem alten und neuen Wittenberg geschmückt – aus gutem Grunde:
Sie soll bei den zur Jubelfeier hier einkehrenden zahlreichen Gästen Interesse und Freude an unserer ehrwürdigen Lutherstadt erwecken.
Ein Teil der Bilder führt uns das mit Wall und Mauern bewehrte alte Wittenberg vor Augen, während andere zeigen, wie aus den gefallenen Festungswerken unter sachkundiger Hand die Anlagen herauswuchsen, welche die Zierde und den Stolz unserer Stadt bilden.
Auch eine ihrer Lebensadern, daß breite, blitzende Hafenbecken, und andere bemerkenswerte Punkte sind im Bilde festgehalten und sollen bekunden, wie Wittenberg sich im Laufe der Jahre wesentlich vergrößert und verschönert hat, daß es nicht bloß eine große Vergangenheit, sondern auch eine lebensvolle Gegenwart und aussichtsreiche Zukunft besitzt, kurz daß es eine Stadt ist, in der sichs gut leben läßt.
Möge die Schrift, die gleichzeitig einen Beitrag zur Geschichte der Stadt Wittenberg bildet, überall freundliche Aufnahme finden.
Wittenberg, im Januar 1912.
Richard Erfurth
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