Königsschild und Königskette

Königsschild mit wertvollen Andenken.
Wurde wiederholt dem Rat der Stadt zur Linderung der Not resp. zur Geldbeschaffung zur Verfügung gestellt

Das hervorragendste Kleinod unserer Schützengesellschaft bildet die Königskette mit dem Königsschild, kurzweg Kleinod genannt.
Die erste Nachricht über die Kette gibt eine Rechnung aus dem Jahre 1511.
Es heißt dort:
„2 Schock 7 Groschen dem Goldt Schmiede von der Ketten zu machen, welche vorher 6 Loth gehabt und jetzund 14 hat von dem Lothe 3 Groschen zu machen.“

Über die Königskette finden sich folgende weitere Nachrichten: „1586 ist die Vogelkette dem Könige, dieweyl Churfürst Augustus selbigen Jahres mit Tod abgegangen, in des Herrn Vorstehers Hause überantwortet, für die der König sich mit zweyen aus der Gesellschaft Zugethanen durch gegebenen Handschlag allemahl auf dreyßig Silber-Schock verbürgen und mit Anhengung eines neuen Schildes zu vermehren versprechen müssen.
Es ist wegen obgemeldeten Trauerns kein Schützen-Gelag beym Vogelschießen gehalten worden.“
„1605 ist dem neuen König Görg Wildt, Uhrmacher, das Kleinodt oder Kette mit 100 Schilden überantwortet und in sein Gewahrsam überliefert worden, welcher zusagt, ein neues Schild zu geben.

Zu Bürgen sind von der Gesellschaft gesetzet Meister Michael Horn und Jacob Mallig.“
Im Jahre 1655 wurde beschlossen:
„Das Kleinodt soll zu gelde gemacht, das geld ausgeliehen oder eine braupfanne davor gekaufft werden.“
Dieser durch die finanzielle Lage der Schützengesellschaft hervorgerufene Beschluß ist indessen nicht zur Ausführung gekommen.
Jedenfalls hat der Rat der Stadt gegen die Veräußerung Einspruch erhoben, er scheint auch die Kette zur größeren Sicherheit in seinen Gewahrsam genommen zu haben, denn in einem Inventarverzeichnis der Schützengesellschaft vom Jahre 1653 wird aufgeführt „die Vogel-Kette so uffs Rathhaus lieget.“
Nach dem Inventarverzeichnis vom 23. Juli 1665 haben die Schützen noch eine zweite Königskette besessen.
Die entsprechende Aufzeichnung darüber lautet:
„Der Gesellschaft anderes Kleinodt hat gewoget den 23. Juli 1665 sieben und ein Viertel Loth.
Die Kette sambt den Vogel, welche Albrecht Krüger hiesiger Vestung und Stadt Wachtmeister, der Gesellschaft vorehret 1653. Es ist geschäßet auf 28 Thlr. 10 Gr. 6 Pf.“
Um diese Zeit hat die Schützengesellschaft die erstgenannte große silberne Schützenkette jedenfalls wieder in eigenen Gewahrsam genommen, denn im Jahre 1666 verlangt der Rat, daß ihm die Königskette jedesmal zur Verwahrung übergeben werden solle. Gegen dieses Verlangen legten die Schützen unter Berufung auf das alte Herkommen zwar Beschwerde ein, doch hatten sie damit keinen Erfolg, denn erst 1673 ist das Kleinod von dem Rate den Schützen zur eigenen Verwahrung wieder ausgeliefert worden.
Im genannten Jahre ist die Kette wegen der Bauschulden des Schießgrabens verpfändet worden.
An ihr befanden sich 119 Schaumünzen; die Kette wog 6 Pfund und 17 Lot.
Am 30. September 1676 richteten die Bogenschützen an den Rat die Bitte, ihnen den Verkauf der alten Kette zu gestatten, um damit die zur Erhaltung des Schießgrabens und zur Errichtung einer neuen Vogelstange gemachten Schulden bezahlen zu können.
Diese Erlaubnis wurde erteilt und die Kette, welche auf 99 Thlr. 18 Gr. 9 Pf. abgeschätzt war, in Leipzig für 104 Thlr. 5 Gr. verkauft.
Im Inventarverzeichnis vom Juli 1688 wird eine Schützenkette von Silber und vergoldet in einem gestrickten Beutel mit einem silbernen vergoldeten Vogel aufgeführt.
An dieser befanden sich 17 Golddukaten.
Im Jahre 1698 trägt die Kette bereits 21 Spezies-Dukaten, 1 Doppeldukaten und 1 Schaustück.
Aus der Geschichte des Schützenkleinods ist insbesondere das Jahr 1707 bemerkenswert.
Im Verlaufe des sogenannten Nordischen Krieges rückte am Michaelistage 1706 ein 1200 Mann starkes schwedisches Heer in Wittenberg ein.
Obgleich der Rat der Stadt dem Obersten Rosenstierna bei seiner Ankunft zwei vergoldete silberne Deckelbecher als Geschenk überreichte, erwies sich dieser doch sehr unfreundlich gegen die arme Stadt, die schon durch die voraufgegangenen französischen Einquartierungen schwer gelitten hatte.
Der Rat wurde verpflichtet, dem Obersten wöchentlich 50 Taler Tafelgeld zu zahlen.
Indeffen war dies noch gering im Vergleich zu den sonstigen Lasten, welche der Stadt innerhalb von 9 Monaten von den ungebetenen feindlichen Gästen zugemutet wurden, und die an barem Gelde allein die ungeheure Summe von 49.568 Talern betrugen, ungerechnet der sonstigen bedeutenden Kosten.
Da die Stadt nicht imstande war, diese hohe Kriegskontribution aufzubringen, so sah sich der Rat genötigt, einen Teil des städtischen Grundbesitzes, wie den Fleischerwerder, Teile von Bodemar und vom Rittergut Seegrehna, zu verpfänden.
Als dessenungeachtet der ärmere Teil der Einwohner nicht imstande war, den auf sie entfallenden Teil der Kriegslast zu beschaffen, da bewies die Schützengesellschaft ihren opferbereiten, edlen Bürgersinn.
Sie übergab dem Rate ihr Kleinod, das auf 100 Taler abgeschätzt wurde, um durch dessen Verpfändung die schwedische Kontribution decken zu helfen.
Wir lassen hier den Wortlaut des betreffenden Dokuments folgen, da es ein Ehrendenkmal unserer Schützengesellschaft bildet:

„Wir Bürgermeister und Rath der Chur-Stadt Wittenbergk hiermit thun kunth und bekennen, demnach die Schwedt. Contribution bey hiesiger Stadt wegen der großen Armuth nicht völlig auffgebracht werden können und wir deshalben einige Gelder hierzu aufzunehmen gemüßiget worden, daß die Löbl. Schützengesellschaft eine silberne Kette aus ihrer Lade mit Sieben und dreyßig angemachten gehenkelten Ducaten, welche der Goldschmidt Herr Kupfer auf Einhundert Thaler Current geschätzet, zur höchsten Nothdurfft der Schwedt. Contribution uns ausgeantworttet, welche wir auch richtig empfangen und das Geld, so wir darauff borgen und erhalten werden, gewißen armen Contribuenten, die ihre Contribution nicht aufzubringen vermögend darzuleihen und ihnen dargegen ihre Häußer oder Grund-Stücken nachbemelter Löbl. Schützen-Gesellschafft unterpfändlich und zur hypothec verschreiben lassen wollen.
Zu uhrkundt deßen wir unser und gemeiner Stadt Innsiegel hierunter aufdrucken laßen.

So geschehen Wittenberg ben 27. Febr. 1707.“

(L. S.)                                                                                    M. E. Hoffmann
Cons. p. t. reg.

Die im Inventarverzeichnis von 1688 bereits aufgeführte Königskette ist im Jahre 1724 von der Schützengesellschaft verkauft worden.
Im Schützenregister II findet sich darüber nachstehende Notiz: „Diese Kette ist Anno 1724 mit genehmer Haltung eines Hochlöblichen Raths und sämtl. Gesellschafft in Present des Hochedlen Herrn Burgermeister Enken und Rathsverwandten Herrn August Fleischhauern taxiret und an den meist Bietenden verkauffet worden, nebst mir, P. Krausen, Schützenhauptmann.
Und sollen des Capitals ertragende Zinsen dem Bogen- oder Vogelschützen-König jährlich über die sonst gewöhnlich genützende Beneficia mit dazu gegeben und außgezahlet werden.“
Im Inventarverzeichnis vom 21. Mai 1751 wird wieder ein silbernes Schild mit 13 Dukaten und 1 Louisdor behangen aufgeführt und dazu bemerkt:
„Das Schild an sich mit der Kette wiegt 22 Loth.“
Dieses Schild wurde im Jahre 1765 verpfändet, um die in den drei letzten Jahren des Siebenjährigen Krieges der Schützengesellschaft auferlegte Kriegskontribution zu decken.
Die Bücher unserer Stadtkirche enthalten darüber folgende Notiz:
„Die hiesige Löbl. Schützengesellschafft suchet ein Darlehen von 50 Thaler aus unserm Fisko auf ein Jahr aufzunehmen gegen Verpfändung ihres Königsschildes, so silbern und 22 Loth im Gewicht hält, auch mit 13 Ducaten mit goldenen Henkeln und einem Fünfthalerstück behangen nebst einer Verschreibung vom Schützenrichter, Herrn Rathsverwandten Krebs, Oberhauptmann und anderen Häuptern der Gesellschafft unterschrieben.
Wittenberg am 15. Juni 1765.“
Dieses Königsschild ist von der Schützengesellschaft bald wieder eingelöst worden, jedoch wurden im Jahre 1775 zur Deckung von Bauschulden von dem Schilde 21 Dukaten an den Juden Meyer für 70 Thaler verkauft.
Im Inventarverzeichnis vom Jahre 1778 wird es wieder aufgeführt. In diesem Jahre hat der vorjährige Schützenkönig
„zum Andenken der Schützengesellschaft an das obgemelde Königs-Schild ein klein silbern und stark vergoldet Schild anhenkeln lassen“. Auch späterhin wird des Kleinods wiederholt in den Schützenregistern gedacht, u. a.
– 1792,
– 1796,
– 1802,
– 1818.
In dem am 22. Juni des letztgenannten Jahres aufgestellten Inventarverzeichnis wird unter Nr. 54 aufgeführt:
„Ein silbernes Schild nebst Kette, das sogenannte Königsschild“,
und unter Nr. 56:
„Ein kleines Schild von Silber und vergoldet vom Jahre 1777.“
Von den am Schilde resp. an der Kette befindlichen Dukaten verlautet aber nichts.
Jedenfalls befinden sich unter den 69 Denkmünzen, welche zur Zeit Königsschild und Kette zieren, keine Dukaten mehr.
Die älteste nachweisbare Münzenstiftung zum jetzigen Kleinod erfolgte im Jahre 1834.
Es ist dies eine von August Trautmann gestiftete Medaille auf die Einverleibung Pommerns in das Königreich Preußen im Jahre 1815. Das wertvollste Schaustück bildet die von König Friedrich Wilhelm IV. im Jahre 1846 gestiftete goldene Huldigungsmedaille auf den Regierungsantritt des Königs im Jahre 1840, welche die Mitte des Königsschildes schmückt.

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