Die Auslösung der Hochwasser-Alarmstufe IV für unseren Bereich der Elbe war in den letzten Märztagen dieses Jahres nicht mehr erforderlich, da der Wasserstand des Flusses am 31. März nur 5,79 Meter erreichte.
Ab einem Wasserstand von 5,80 Meter am Wittenberger Pegel besteht die Notwendigkeit, diese höchste Alarmstufe auszurufen. Obwohl die Hochwasserprognosen eintrafen, musste der Elbdamm ganztägig von unzähligen freiwilligen Helfern bewacht werden, denn nicht nur der Zustand der Dammkronen, sondern auch Sickerwasser an den Dammsohlen und die Schleusendichtungen sind zu kontrollieren. Wenn auch größere Schäden durch diese Hochwasserwelle ausblieben, bleibt es doch beim Statistiker in Erinnerung.
In diesem Jahrhundert wurde erst siebenmal ein höherer Wasserstand am Wittenberger Pegel abgelesen, als an diesem bewussten 31. März 1988.
Die Gemeinde Gallin war besonders im Jahre 1940 arg betroffen, als es passierte, dass bei einem Wasserstand der Elbe von 6,21 m noch zusätzlich ein Damm des Zahna-Baches brach.
Die Bewohner dieses Ortes fuhren mit Handkähnen auf den Straßen oder auf ihren Grundstücken. Zur Versorgung der Menschen und Tiere waren im gesamten Ort provisorische Laufstege auf Holzböcken errichtet.
Die Gäste der Gaststätte „Walde“ kamen ebenfalls über den Steg oder mit dem Kahn zur Schenke. Langschäfter (Stiefel) waren aber in jedem Fall notwendig.
1920 reichte das Wasser in Wittenberg bei einem Pegelstand von 6,14 m bis zur Elbstraße. Das ehemalige „Schützenhaus“ auf der Kuhlache war nur mit dem Handkahn zu erreichen.
Besonders aus dem vorigen Jahrhundert gibt es Meldungen und Berichte die über gewaltige Dammbrüche links und rechts der Elbe berichten, welche große Not bei den Elbanliegern verursachten.
So brach am 2. März 1830 und im Februar 1833 bei Merschwitz der Damm. Zu einer verheerenden Katastrophe kam es am 31. März 1845, als das Wasser durch die Häuser floss.
Ein Zeitgenosse dieses Ereignisses schätzte dieses so ein:
„Das Hochwasser mit seinen Nöten hat damals allgemeinste Teilnahme erweckt, aber es wird leichter vergessen werden, als die Schlacht von Wartenburg 1813 (vor 175 Jahren), obwohl der wirtschaftliche Schaden, den das Wasser verursacht hat, vielleicht größer und länger spürbar gewesen ist, als die Verluste im Kriegsjahr 1813″.
5.600 Kubikmeter Wasser führte damals die Elbe ab, das Zehnfache des Normalwertes.
Am 10. März 1866 brach dann noch ein Damm bei Priesitz und rechts des Flusses am 14. März 1881 bei Maucken.
Dabei reichten die Wassermassen bis nach Jessen.
Ein Augenzeuge berichtete: „Nach Düßnitz kam die Flut schneller als die Menschen laufen konnten“.
Zwei Frauen konnten nur mit großer Mühe gerettet werden, als sie durch die Flutwelle von der Straße gerissen wurden.
Die letztgenannten Katastrophen gehören dank der Staustufen und Regulierungsbauwerke im Oberlauf der Elbe der Vergangenheit an, aber Wasserstände um 6,0 m liegen noch immer im Bereich des Möglichen.
Bei der Betrachtung der Jahreszeiten fällt auch auf, dass besonders im Monat März, hervorgerufen durch die Schneeschmelze in den Hochlagen. diese extremen Wasserstände zu verzeichnen sind.
Karl Jüngel
Quellen: Freiheit vom 04.06.1988
