Belzig einstmals kursächsische Grenzstadt.
Wer hat nicht schon auf Wanderungen in das märkische Hochland, in den reizvollen Fläming, das freundliche Städtchen Belzig besucht? Landschaftliche Reize, gepaart mit einer interessanten historischen Vergangenheit ließen die einstmals sächsische Grenzstadt in den letzten Jahren zu immer größerer Bedeutung für Wanderungen in den langgestrekten Fläming mit seinen alten Burgen, Kirchenruinen und eigenartigen Naturschönheiten gelangen.
Der Historiker und Heimatfreund findet im alten Belzig mancherlei Anregung, denn die ein Jahrtausend alte Geschichte der Stadt hat eine Fülle von Zeugen der Vergangenheit zurückgelassen.
In erster Linie ist es der altersgraue Eisenhardt mit dem die Burg überragenden Bergsfried, den Hauptrest der einstigen Grenzfeste gegen Brandenburg und Magdeburg bildet.
Die alte Burg wurde 1406 von den Magdeburgern zerstört und 1460 -1465 in erweiterter und verschönter Form wieder aufgebaut. Ihren Namen „Eisenhardt“ führt sie mit Recht, wenn man die noch heute unveränderten Ausmaße des Kastells, die dicken Mauern des „Butterturms“ und die starken Ringmauern betrachtet.
Durch stilgerechte Erneuerung ist das mittels alterliche Bild der interessanten Burg im wesentlichen wieder hergestellt.
Im Frieden alter Häuschen erhebt sich die gewaltige Marienkirche mit ihrem pittoresken, reizvoll die Landschaft belebenden Turm. Über dem rundbogigen, niedrigen Hauptportal erinnert eine Inschrift daran, daß Martin Luther hier am 14. Januar 1530 predigte. – An die einstigen Beziehungen zu Sachsen erinnert ein ebenfalls restaurierter Grabstein mit der Darstellung eines Kindes:
„Anno 1626 den 7. Marty ist des Edlen und Ernvest Man von Barb (y) Töchterlein Catharina Sophia auf auf diese Welt geboren und den 24. April 1626 seliglich entschlafen“ –
Neben der Kirche erhebt sich das ehemalige Belziger Schulhaus, heute Kantorhaus, mit seinem charakteristischen Dach.
Es ist das Geburtshaus des Hofkapellmeisters Karl Gottlieb Reißiger, der hier 1798 das Licht der Welt erblickte.
Die Überlieferung berichtet, daß in dem gleichen Hause vermutlich, jedenfalls auch in dem alten Belzig, der Schöpfer des idyllischen Epos „Hannchen und die Küchlein“, der Dichter Christian August Gottlob Eberhardt geboren wurde.
Von großem Interesse ist die Briccius-Kapelle, die sich gegenüber der Burg Eisenhardt inmitten eines stimmungsvollen Friedhofes erhebt.
Sie ist nach Briccius benannt, einem flämischen Heiligen, dem zu Ehren die nach Osten vordringenden und die deutsche Nordmark besiedelnden Flamen an vielen Orten Kapellen errichteten.
Am anderen Ende der Stadt liegt, ebenfalls auf einem alten Friedhof, die St. Gertraudt-Kapelle, ein gotisches Kirchlein, in dem sich alte Altarreste usw. erhalten haben.
Bemerkenswert ist weiterhin die alte sächsische Postsäule in dem Vorort Sandberg mit ihren Entfernungsangaben aus der
„guten alten Zeit“.
Robert Ernst
aus: Deutsche Heimat von 09.07.1933