
Die älteste Kirche ist die evangelische Pfarrkirche, deren östlicher Teil bereits im Jahre 1300 stand.
Sie ist die eigentliche Mutterkirche der Reformation, da in ihr bereits Neujahr 1522 mit dem evangelischen Gottesdienste begonnen wurde.
In dieser Kirche hat auch Luther gepredigt.
Durch mehrfachen Anbau und Umbau (1412, 1570 usw.) hat das Gotteshaus seine heutige Gestalt erhalten.
Im Äußeren bemerkenswert ist ein Stein an der Südost-ecke, der eine Sau zeigt, mit mehreren Männern, die an ihr säugen.
Darunter stehen die Worte „Rabbini Schemhamphoras“.
Nach gewöhnlicher Annahme bedeutet das eigenartige Steinbild eine Verspottung der Juden, die im Jahre 1304 aus Wittenberg vertrieben wurden.
An den Außenwänden der Kirche befindet sich eine größere Anzahl
bemerkenswerter Grabdenkmäler.
Der Platz um die Kirche diente bis 1762 als Begräbnisstätte.

Die Westseite des Gebäudes wird durch zwei 66 Meter hohe Türme flankiert, die durch eine Brücke miteinander verbunden sind.
Im Inneren der Kirche sind besonders sehenswert ein achteckiger Taufstein, von Hermann Vischer im Jahre 1457 aus Erz gegossen, mehrere Epitaphien und vor allem der Flügelaltar, der vier Meisterwerke Lukas Kranachs (Abendmahl, Taufe, Predigt und Absolution) enthält.
Die Pfarrkirche besitzt auch ein wertvolles Archiv.
Neben ihr befindet sich die Kapelle zum heiligen Leichnam Christi. Sie wurde 1377 erbaut und reich dotiert.
Früher diente sie zu gottesdienstlichen Handlungen; jetzt ist sie unbenutzt.
Am Ende der Schloßstraße erhebt sich das sehenswerteste Gebäude der Lutherstadt, die Schloßkirche.
Sie wurde in der Zeit von 1493 bis 1499 von Friedrich dem Weisen erbaut.
Bei den wiederholten Beschießungen Wittenbergs hat sie schwer zu leiden gehabt.
Durch das Bombardement am 13. Oktober 1760 wurde sie so weit
zerstört, daß von ihr fast nur noch die nackten Mauern übrigblieben. Ihr Aufbau wurde 1770 vollendet.
Aber bereits im Jahre 1813 brach neues Unheil über das ehrwürdige Gotteshaus herein.
Bei der furchtbaren Beschießung in der Nacht vom 27. zum 28. September 1813 wurde der Turm samt den herrlichen Glocken bis auf die Grundmauern zerstört.
König Friedrich Wilhelm III. ließ die Kirche bis zum 31. Oktober 1817 wiederherstellen.
Gleichzeitig wurde sie dem neugegründeten Predigerseminare überwiesen.
Seit 1826 wird auch der evangelische Militärgottesdienst darin abgehalten.
In den Jahren 1885 bis 1892 wurde die Schloßkirche in ihrer jetzigen Gestalt, die sich an die ursprünglichen Formen anlehnt, wiederhergestellt und am 31. Oktober 1892 in Gegenwart Kaiser Wilhelms II., vieler evangelischer Fürsten Deutschlands und ihrer Vertreter feierlich eingeweiht.

An die Tür der Schloßkirche schlug D. Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine gegen den Ablaßhandel gerichteten 95 Thesen.
Die historische Thesentür ist bei der Beschießung Wittenbergs am 13. Oktober 1760 mitverbrannt.
Als Ersatz schenkte König Friedrich Wilhelm IV. im Jahre 1858 die prächtige in Erz gegossene Tür, in welcher die 95 Sätze eingelassen sind.
Das Türbogenfeld wird durch ein enkaustisch auf Lava ausgeführtes Gemälde ausgefüllt, das auf Goldgrund in der Mitte den gekreuzigten Heiland, rechts Luther mit der Bibel, links Melanchthon mit der Augsburger Konfession und im Hintergrund Wittenberg zeigt.

Der 88 Meter hohe Turm trägt auf einem breiten Mosaikfries unterhalb der Kuppel in meterhohen gotischen Buchstaben die Anfangsworte des Lutherliedes:
„Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen“.
Bei Einrichtung der Innenarchitektur ging man von dem Grundsatze aus, eine zielbewußte künstlerisch schöne Herstellung im Rahmen der Pietät zu erreichen.
Die Renovation fand statt nach den Plänen und unter der

Oberleitung des Geheimen Oberbaurats Professor Adler in Berlin.
Das Deckengewölbe, sämtliche 14 Pfeiler sowie das Orgelchor und das Treppenhaus sind neu aus Sandstein ausgeführt und mit bunten Kaseinfarben bemalt.
Vor neun dieser Pfeiler sind 3 Meter hohe ziselierte Sandsteinsäulen errichtet, welche die in Lebensgröße gehaltenen Standbilder Luthers, Melanchthons und der anderen hervorragenden Reformatoren tragen.
Rund um das Kirchenschiff läuft eine Empore mit einer in reichem Maßwerk ausgeführten Sandsteinbrüstung.
Sie ist mit 52 in Sandstein gearbeiteten und mit Kaseinfarben bemalten Wappen der Fürsten, Ritter und Grafen geschmückt, die für die Reformation eintraten.
Zwischen den Pfeilern, an den Bogen der Emporen, befinden sich 22 Bronzemedaillons mit den Köpfen der Vorläufer, Beschützer und Förderer der Reformation.
Sämtliche Fenster sind mit prächtigen Glasmalereien geschmückt. Die der Nord- und Südfront zeigen die Wappen derjenigen 198 Städte, welche zuerst die Reformation annahmen.
Die drei Altarfenster enthalten Szenen aus der Lebens- und

Leidensgeschichte des Heilandes. Der Altar ist in prächtigen gotischen Formen aus Kalkstein gearbeitet und trägt neben 8 kleinen Apostelfiguren die in fast Lebensgröße gehaltenen Figuren von Christus, Petrus und Paulus.
Die kunstvoll geschnitzte Kanzel am zweiten Pfeiler ist ebenso wie sämtliches Gestühl aus dem Atelier des Hofbildhauers Lober in Wittenberg hervorgegangen. Von hervorragender Schönheit ist das Fürstengestühl mit den Fürstenwappen.
In der Mauer links vom Altar befindet sich das lebensgroße Reliefbild Friedrichs des Weisen, von Peter Vischer aus Nürnberg in Kupfer gegossen, gegenüber ein gleiches Reliefbild Johanns des Beständigen, ein Werk Hans Vischers.
Beide Fürsten haben vor dem Altar ihre Ruhestätte gefunden.
Dem Altar gegenüber, an der Westseite der Kirche, ist das Orgelchor mit der Orgel, einem Werke des Orgelbauers Ladegast aus Weißenfels.
Unter diesem befindet sich die durch eine Bronzeplatte gekennzeichnete Ruhestätte der Askanischen Fürsten, deren Gebeine man aus dem früheren Franziskanerkloster am Arsenalplatze im Jahre 1883 nach der Schloßkirche überführt hat.

Bemerkenswert sind ferner die Sandsteinreliefs der Herzogin Kunigunde (gest. 1331) und des Kurfürsten Rudolfs III. (gest. 1419) mit seiner Gemahlin Anna (gest. 1395), sowie mehrere Gedenk-platten, darunter ein äußerst wertvolles Erzbild von Peter Vischer: – die Krönung der Maria – das Grabdenkmal für Henning Göden, den letzten katholischen Propst der Schloßkirche (gest. 1521).

Dicht neben der Tür zur Sakristei befindet sich eine neuere große Kupferplatte
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