Für über 160 Fahrgastschiffe auf den Flüssen und Seen unserer Republik begann in den zurückliegenden Tagen die Saison 1987. Meistens wurde der lang ersehnte Auftakt mit einer würdigen Eröffnungsfahrt oder mit einem Bootskorso begangen.
Unser Wittenberger Fahrgastschiff „Sputnik“ befindet sich jedoch zurzeit noch in den Händen von Fachleuten der Schiffsreparatur – werft in Alsleben an der Saale.
Nach nunmehr 23 Betriebsjahren war eine Grundinstandsetzung des Schiffes notwendig, die trotz des Fleißes der Schiffbauer erst zum Monatswechsel abgeschlossen sein wird.
Bei den anstehenden Arbeiten geht es aber nicht nur um eine Überprüfung oder den Austausch beschädigter Teile, sondern auch die Veränderung der Innenausstattung soll das gebotene Niveau für die Fahrgäste zukünftig maßgeblich verbessern. Damit verbunden ist auch der Einbau einer neuen Stereoanlage, die besonders bei Extrafahrten das kulturelle Angebot für die Passagiere beleben soll. Neben, Veränderung des Ausstattungsnormativs ist natürlich der Einbau von neuen Antriebsmaschinen und Getrieben für eine effektivere Kraftstoffausnutzung ein wesentliches Kriterium der Instandsetzungsmaßnahmen. Um sich mit dieser neuen technischen Ausrüstung vertraut zu machen und erste Erfahrungen bei der Pflege und Wartung der Maschinenanlage zu gewinnen, legt gegenwärtig die Besatzung des „Sputnik“ um ihren Schiffsführer Klaus Schuschan tüchtig Hand an.
Bevor es „Leinen los“ für uns Wittenberger heißt, muss das Schiff noch einer endgültigen Abnahme durch die DSRK (Deutsche Schiffsrevision und Klassifikation), durch den verkehrstechnischen Dienst und die Hygieneinspektion unterzogen werden.
Erst bei bestandenen Prüfungen können die geplanten Fahrten auf unserem Mittelelbebereich begonnen werden.
Bevor der „Sputnik“ am 5. September 1964 zu seiner Jungfernfahrt auslief, gab es nur gelegentlich für die Wittenberger Bürger die Möglichkeit, Erholung, Entspannung und Freude auf einem Fahrgastschiff zwischen Pretzsch und Roßlau zu finden.
Es war bis dahin besonders der „Hermes“, ein 80jähriges Seitenrad – dampfschiff für 469 Fahrgäste zugelassen, das einmal, im Jahr vom Ausgangspunkt (Hafen Kleinwittenberg) Charterfahrten absicherte. Er gehörte zu dieser Zeit zur Weißen Flotte Magdeburgs.
Ebenso wird vielen Bürgern noch der “Carolus“ ein Begriff sein.
Dieses kleine Schraubenschiff für 96 Personen brachte meist die Wittenberger auf dem Wasserweg nach Wörlitz.
Vor allem die Schulen mieteten dieses Schiff zur Ausgestaltung der Wandertage Mitte der 50er Jahre.
Letztmalig war der „Carolus“ bei uns am 27. Juli 1964 im Einsatz.
Im Jahre 1963 war das Magdeburger Luxusschiff „Erich Weinert“ für zehn Tage in Wittenberg zur Sicherung von Lokalfahrten zwischen Pretzsch und Coswig stationiert.
Es war zu dieser Zeit erst zwei Jahre im Dienst und mit einem Platzangebot für 654 Fahrgäste das modernste und eleganteste Schiff, das jemals in Wittenberg zum Einsatz kam.
In den Jahren 1965 bis 1968 tangierte auch das Berliner Kabinentouristenschiff „Spree“ auf seiner Fahrtroute zwischen Berlin und Prag mit 85 Urlaubern an Bord unsere Lutherstadt.
Eine Besichtigung der Sehenswürdigkeiten unserer Stadt gehörte zum festen Bestandteil des Kulturangebotes dieser Urlaubsreisen.
Karl Jüngel
Quellen: Freiheit vom 18.05.1987
