1. Kurze Geschichte der Stadt Wittenberg
Wittenberg ist eine alte Stadt.
Sie ist um das Jahr 1170 gegründet worden.
In einer Urkunde vom Jahre 1180 wird ihr Name zuerst genannt. Der Ort entstand neben einem Burgwart; das war ein befestigter Platz, den man zum Schutze des Landes angelegt hatte.
Markgraf Albrecht der Bär aus dem Hause Anhalt oder Askanien (1134 bis 1170) hatte in hartem Kampfe auch unsere Gegend den Wenden abgerungen. In das verwüstete und verlassene Land zog er Ansiedler aus den Niederlanden, besonders aus der Provinz Flamland. Diese gründeten neben dem erwähnten Burgwart ein Dorf, das sie Wittenberg nannten.
Der Name Wittenberg bedeutet „weißer Berg“ oder „weiße Burg“. (witt = weiß, so genannt nach den weißen Sandhügeln am rechten Elbufer.)
Der Höhenzug Fläming ehrt heute noch in seinem Namen das Andenken dieser flämischen Ansiedler.
Nach dem Tode Albrechts des Bären herrschte sein Sohn Bernhard über Wittenberg und die Umgegend.
Diesem verlieh der Kaiser Friedrich Barbarossa 1179 den östlichen Teil des Herzogtums Sachsen, das dem treulosen Herzog Heinrich dem Löwen genommen wurde. Das Gebiet um Wittenberg erhielt nun den Namen „Herzogtum Sachsen“.
Bernhard fügte dem Balkenwappen der Askanier den sogenannten sächsischen Rautenkranz ein.
Er wohnte bereits zeitweise in Wittenberg, wo er sich auch ein Schloß; bauen ließ.
Ihm folgte in der Regierung sein Sohn Albrecht I.
Er nannte sich zuerst „Herzog zu Sachsen“.
Seine fromme Gemahlin Helena erbaute auf der Stelle, wo jetzt die Artilleriekaserne am Arsenalplatz sich befindet, ein Kloster für die Franziskanermönche.
Sein Sohn und Nachfolger Albrecht II. erhob 1293 Wittenberg zur Stadt und schlug dauernd seinen Wohnsitz hier auf.
Er sowohl wie seine fünf Nachfolger aus dem Hause Anhalt wurden mit ihren Familiengliedern in der Kirche des Franziskanerklosters beigesetzt. Unter Albrechts Sohne Rudolf I. wurde Sachsen-Wittenberg zum Kurfürstentume erhoben und seinem vom Rautenkranze durchzogenen schwarz-goldenen Balkenwappen die roten Kurschwerter beigefügt.
Mit Albrecht III. starb das Geschlecht der Askanier in Wittenberg aus. (1422.)
Der Kaiser Sigismund verlieh das erledigte Kurfürstentum Friedrich dem Streitbaren aus dem Fürstenhause Wettin.
Auf diesen folgte sein Sohn Friedrich der Sanftmütige.
Er war – wie sein Beiname besagt – im Gegensatz zu seinem Vater sehr friedfertig.
Dennoch mußte er mehrfach zum Schwerte greifen, so gegen die Hussiten, besonders aber gegen seinen Bruder Wilhelm.
Dieser war sehr herrschfüchtig und wollte sich seinem älteren Bruder, dem Kurfürsten, nicht fügen. Es kam daher zwischen beiden zu einem langwierigen blutigen Bruderkriege.
Friedrichs Edelmut wird durch folgende Begebenheit gekennzeichnet.
Als im Verlaufe des genannten Krieges ein Schütze sich erbot, den widerspenstigen Hегzog Wilhelm zu töten, da sprach der Kurfurst unwillig:
„Schieß wen du willst, nur triff meinen Bruder nicht.“
Die beiden Söhne des Kurfürsten wurden durch den Ritter Kunz von Kauffungen aus Rache aus dem Schlosse zu Altenburg geraubt.
Die ersten Kurfürsten aus dem Hause Wettin wohnten nicht in Wittenberg. Erst der berühmte Friedrich der Weise (regierte 1486 bis 1525) nahm hier zeitweise Wohnung.
Diesem edlen, milden, weisen und gerechten Fürsten hat die Stadt Wittenberg viel zu verdanken.
Er erbaute (1490 bis 1499) das Schloß und daneben, an der Stelle der Allerheiligenkapelle, die Schloßkirche. Er ließ auch die erste feste Brücke über die Elbe schlagen.
Im Jahre 1502 gründete et die Wittenberger Universität.
Luthers und Melanchthons Namen machten diese bald so berühmt, daß die Zahl der Studierenden zu jener Zeit bis über 2.000 betrug. Unter dem mächtigen Schutze Friedrichs des Weisen konnte Martin Luther sein kühnes, gewaltiges Werk der Reformation beginnen und vollenden. Der Kurfürst war, wie alle einsichtsvollen frommen Christen, von der Notwendigkeit einer Reformation der Kirche überzeugt, denn in derselben herrschten arge, schreiende

Mißbräuche. Viele ihrer Lehren widersprachen der Lehre des Evangeliums, so die Lehre von der Anrufung der Heiligen, von der Verdienstlichkeit der guten Werte (Fasten, Almosengeben, Wallfahrten, Bußübungen u.s.w.) Namentlich aber war es der Ablaßhandel, welcher ernste, fromme Männer wie Luther arg erregte.
Die Ablaßhändler machten aus dem Ablass ein bloßes Geldgeschäft und wußten die Leute in dem Glauben zu bestärken, daß man durch Geld sich von allen Sünden loskaufen könne.
In besonders schamloser Weise betrieb der Dominikanermönch Johann Tetzel in der Nähe von Wittenberg bei Jüterbog, diesen Ablaßhandel.
Als Luther sah, welch großer Schaden an den Seelen seiner Beichtkinder durch diesen schändlichen Mißbrauch angerichtet wurde, da schlug er in heiligem Zorne am 31. Ottober 1517 die 95 Thesen an die Thür der Schloßkirche, in denen er in scharfen Worten den Ablaßhandel und andere Mißbräuche der Kirche angriff. Mit dieser kühnen That begann die Reformation, der die Stadt Wittenberg ihren Weltruhm und ihre Bedeutung verdankt. Friedrich der Weise vermied es vorsichtig, persönlich in den Gang der Reformation einzugreifen.
Er begnügte sich damit, Luther und sein Werk nach besten Kräften zu schützen. Dieselbe Vorsicht beobachtete er, als man ihm die deutsche Kaiserkrone anbot. Er lehnte dieselbe ab, da er sich nicht stark und mächtig genug fühlte.
Friedrich der Weise hatte erst aus dem Sterbebette statt der römischen Sterbesakramente das heilige Abendmahl nach evangelischer Lehre genommen und sich damit auch persönlich für die Sache der Reformation erklärt.
Seine Nachfolger, Johann der Beständige und Johann Friedrich der Großmütige, traten offen für dieselbe ein.
Der Letztere wurde in der Schlacht aus der Lochauer Heide (1547) von Kaiser Karl V. besiegt und Lange gefangen gehalten.
Karl V. nahm ihm das Kurfürstentum und gabb es seinem Vetter Moritz von Sachsen.
So kam Wittenberg von der Ernestinischen an die Albertinische Linie. Dieser verblieb es bis zum Jahre 1814, wo es unter preußische Verwaltung kam. Am 21. Mai 1815 wurde Wittenberg endgültig Preußen einverleibt.
Wittenberg war schon um das Jahr 1400 mit Wall und Mauern umgeben worden. Kurfürst Friedrich der Weise ließ die Stadt noch stärker befestigen, und zur Zeit Johann Friedrichs galt Wittenberg als eine der stärksten Festungen.
Diese Befestigung brachte Wittenberg viele Belagerungen, unter denen die Stadt und ihre Bewohner unsagbar schwer zu leiden hatten.
Im Hussitenkriege belagerten (1429) die Hussiten Wittenberg und steckten die Vorstädte in Brand.
Nachdem Johann Friedrich der Großmütige von Kaiser Karl V. in der unglücklichen Schlacht auf der Lochauer Heide besiegt und gefangen genommen worden war, schlossen die kaiserlichen Truppen Wittenberg ein und beschossen es von den Hügeln bei Piesteritz.
Um ihrem Gemahle das Leben zu retten, übergab die Kurfürstin dem Kaiser am 23. Mai 1547 die Stadt. Karl V. kam selbst nach Wittenberg und besuchte auch Luthers Grab in der Schloßkirche. Aus die Aufforderung des Herzogs Alba, er möge doch den Ketzer ausgraben und verbrennen lassen, soll er abwehrend geantwortet haben: „Laßt ihn ruhen. Ich führe Krieg mit den Lebendigen, nicht mit den Toten.“
Schwer hatte Wittenberg und die Umgegend auch im 30 jährigen Kriege (1618-1648) zu leiden. Die Vorstädte wurden niedergebrannt und viele Dörfer bis auf den Grund zerstört.
Der Retter des evangelischen Glaubens, der Schwedenkönig Gustav Adolf, nahm seinen Weg über Wittenberg (1632).
Als er über die Elbbrücke zog, begrüßten ihn die Studenten mit lauten Hochrufen. Er dankte und soll zu ihnen gesprochen haben: „Von euch kam das Licht nach Schweden. Weil es aber bei euch in Deutschland wieder dunkel wurde, mußten wir von Schweden herüber kommen, um das Licht wieder anzuzünden. Es soll bald taghell sein in diesem großen und schönen Lande.“
Neues Unglück brachte der nordische (schwedische) Krieg der Stadt. Während desselben kam auch König Karl XII. von Schweden hierher, um die denkwürdigen Stätten der Reformation zu besichtigen.
Dasselbe that wenige Jahre später sein Feind, Kaiser Peter der Große von Rußland.
Noch größeres Unheil brachte der siebenjährige Krieg (1756-1763) über Wittenberg.
Nach wiederholten Einschließungen wurde die Stadt am 13. Oktober 1760 heftig beschossen. Schloß und Schloßkirche wurden in Brand geschossen, 120 Häuser in der Stadt und 200 in den Vorstädten wurden eingeäschert.
Nach der Schlacht bei Jena (1806) erschien der französische Kaiser Napoleon I. in Wittenberg und ließ es stärker befestigen.
In den Jahren 1813 und 1814 wurde die schwer geprüfte Stadt von neuem Unglück heimgesucht. Seit dem 13. Januar 1813 hatten die Bewohner unter der französischen Besatzung schwer zu leiden. Im April bereits wurde die Stadt von den Preußen beschossen. Zeitweise hoben diese die Belagerung auf, aber im September schlossen sie die Stadt unter dem Befehle des Generals Bülow von Dennewitz wiederum ein und beschossen dieselbe sechs Tage lang (25. bis 28. September) aufs heftigste. Hierbei wurde u.a. auch der Turm der Schloßkirche samt seinen prächtigen Glocken ein Raub der Flammen. Vorübergehend mußten die Preußen wiederum abziehen. Doch belagerten sie die unglückliche Stadt vom Oktober ab unter dem Befehle des Generals von Dobschütz aufs neue und erstürmten sie nach heftiger Beschießung in der Nacht vom 12. bis 13. Januar 1814 (siehe den Gedenkstein in den Anlagen vor dem Schloßthore).
Bei der Belagerung und Erstürmung Wittenbergs zeichnete sich der General Tauentzien aus. Er erhielt deshalb vom König Friedrich Wilhelm III. den Ehrennamen „Graf Tauentzien von Wittenberg“.
Ihm zu Ehren trägt auch unser 20. Infanterieregiment sowie die Tauentzienstraße seinen Namen.
Diese letzte Belagerung hatte 285 Wohngebäude zerstört – 32 in der Stadt selbst und 253 in den Vorstädten.
Unter der Willkür der französischen Besatzung hatte besonders auch die Universität leiden müssen. Die meisten Professoren hatten deshalb Wittenberg verlassen und sich nach Schmiedeberg und anderen Orten gewandt. Die Verwaltung der Universität befand sich seitdem auf kurze Zeit in Schmiedeberg.
Im Jahre 1815 wurde die Universität Wittenberg völlig aufgehoben
und später (1817) mit der Universität Halle vereinigt.
Dieselbe führt deshalb den Namen: „Vereinigte Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg“.
Als Ersatz gab Friedrich Wilhelm III. der Stadt Wittenberg im Jahre 1817 das Prebigerseminar.
An dem siegreichen Feldzuge Preußens gegen Dänemark (1864) und
gegen Österreich (1866) nahmen auch Krieger aus Wittenberg teil. Bei der nahenden Kriegsgefahr 1866 wurden die Festungswerke vorübergehend verstärkt.
Als im Jahre 1870 der französische Kaiser Napoleon III. Preußen den Krieg erklärte, da eilten auch aus Wittenberg Freiwillige und Landwehrmänner zu den Waffen und halfen in gewaltigen Kämpfen und herrlichen Siegen Frankreichs Macht zu vernichten.
Ein Teil der deutschen Truppen, die nach Frankreich zogen, kam durch Wittenberg. Bald trafen hier auch zahlreiche französische Gefangene ein. In den Lazaretten wurden viele dentsche und französische Verwundete gepflegt.
Diejenigen, welche ihren Wunden erlagen, fanden auf dem alten Friedhofe vor dem Elsterthore die letzte Ruhestätte.
Das Dank- und Friedensfest wurde am 18. Juni 1871 auch in Wittenberg festlich begangen.
In den genannten Kämpfen hat namentlich auch die Wittenberger Garnison (Infanterie und Artillerie) Hervorragendes geleistet. Zahlreiche Offiziere und Soldaten sind auf jenen Schlachtfeldern den Heldentod gestorben.
Ihre Namen sind auf der großen Tafel an der Südwand der Schloßkirche verzeichnet. Die im Kampfe gefallenen Wittenberger Söhne ehrt das Kriegerdenkmal in den Anlagen an der Lindenstraße.
Die vielgeprüfte Stadt Wittenberg blieb seit 1814 vor weiteren feindlichen Belagerungen bewahrt.
Im Jahre 1873 befahl Kaiser Wilhelm I., Wittenberg zu entfestigen (siehe den Gedenkstein in den Anlagen vor dem Schloßthore).
Hierdurch wurde es unserer Stadt möglich, sich kräftig zu entwickeln.
Die Festungsgräben wurden größtenteils ausgefüllt und samt de Festungswällen in prächtige Anlagen verwandelt.
Innerhalb der Stadt wurden neue, schöne Häuser mit Kaufmannsläden erbaut.
Nach außen hin entstanden neue Stadtteile (Lindenstraße, Lutherstraße, Friedrichstraße usw.)
Eine allgemeine Wasserleitung wurde errichtet und nach dem Bahnhofe die Pferdebahn angelegt.
Handel und Fabrikthätigkeit nahmen lebhaften Aufschwung.
Im Osten der Stadt wurde ein neues Bahnhofsgebäude errichtet, ebenso ein neues Postgebäude.
Luthers 400 jähriger Geburtstag wurde am 10. November 1883 in erhebender Weise begangen.
Am 31. Oktober 1892 wurde die wieder hergestellte herrliche Schloßkirche in Gegenwart Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. und vieler evangelischen Fürsten Deutschlands feierlich eingeweiht.
Im Jahre 1890 wurde der Bau des neuen Gymnasiums vollendet. Ihm folgte 1899 der Bau der neuen Mittelschule.
Als im Jahre 1900 infolge der Unruhen und der Ermordung des deutschen Gesandten im fernen China Deutschland gezwungen war, Truppen dabin zu senden, da berührten viele dieser Freiwilligen den Wittenberger Bahnhof, wo sie mit Speise und Trank erquickt wurden. Auch aus Wittenberg folgten mehrere Freiwillige dem Rufe des Kaisers. Ein Sohn unserer Stadt – Leutnant Friedrich – fand in jenen Kämpfen in China seinen Tod.
Die Zahl der Einwohner Wittenbergs ist aus 18.350 gestiegen.Die Stadtfarben sind schwarz-gelb (vergl. das Wappen der askanischen Fürsten) Das Stadtwappen ist dieses:

2. Wanderungen durch Wittenberg
(siehe Stadtplan Wittenberg)
a) Der Marktplatz
Der Marktplatz von Wittenberg liegt ungefähr in der Mitte der eigentlichen Stadt.
Er hat die Gestalt eines Vierecks und ist etwa 90 m lang und 65 m breit. Auf demselben werden Wochen und Jahrmärkte abgehalten. Wann finden diese Märkte statt?
Auf allen Seiten des Marktplatzes befinden sich Kaufläden.
In der Mitte desselben erhebt sich das Lutherdenkmal und das Melanchthondenkmal.
b) Das Lutherdenkmal
Der Grundstein zum Lutherdenkmal wurde am 1. November 1817 in Gegenwart König Friedrich Wilhelms III. gelegt.
Die Einweihung geschah am Reformationstage 1821.
Das Denkmal besteht aus einem Fußgestell von Granit.
Auf diesem erhebt sich das in Erz gegossene Standbild des Reformators. Die linke Hand hält die aufgeschlagene Bibel, auf die er mit der rechten Hand hinweist. Auf der Vorderseite des Fußgestells befindet sich die Inschrift:
„Glaubet an das Evangelium“:
auf der Westseite:
„Ein feste Burg ist unser Gott“:
auf der Ostseite:
„Ist’s Gottes Werk, so wird’s bestehn,
ists Menschenwert, wird’s untergehn“;
auf der Rückseite:
„Von dem mansfeldischen Verein für Luthers Denkmal durch gesammelte Beiträge gegründet und durch König Friedrich Wilhelm III. errichtet.“
Über dem Standbilde erhebt sich ein Thronhimmel (Baldachin).
c) Das Melanchthondenkmal
Ani der Westjeite des Lutherdenkmals steht das Denkmal von des Reformators treuestem Freunde und Mitarbeiter, Philipp Melanchthon. Dasselbe gleicht in seiner Ausführung dem Lutherdenkmal. Melanchthons Standbild ruht auf einem Unterbau von Granit. Der Reformator ist in vorschreitender Haltung dargestellt. In der rechten Hand hält er eine Schrift rolle die Augsburgische Konfession während die Linke wie betenernd auf die Brust gelegt ist. Über dem Standbilde wölbt sich gleichfalls ein Baldacchin. Die Vorderseite des Jusgestells trägt die Inschrift: „Sch rede von deinen Zeugnisjen vor Königen und schäme mich nicht.“ An der Westseite steht: „Seid sleißig zu halten die Einigkeit im Geiste durch das Band des Friedens“; die lateinische Inschrift an der stseite bedentet: „Wenn wir uns an die Inellen begeben haben, sangen wir an, Christum zu ichmecken.“ Die Rückseite endlich trägt die Inschrift: „Dem Lehrer Deutschlands, die cvangelische Kirche. König Wilhelm legte den Grundstein als Prinz-Regent den 19. April 1860.“ Feierlich enthüllt wurde das Melanchthon Denkmal in Gegenwart Sr. Majestät des Königs Wilhelm am 31. Oktober 1865.
d) Das Rathaus
An der nördlichen Seite des Marktplatzes liegt das Rathaus.
In diesem Hause wird über das Wohl der Stadt beraten, daher sein Name. Das Rathaus gehört der Stadt, es ist ein städtisches (öffentliches) Gebäude. In dem selben befinden sich die Arbeitsräume für die städtischen Behörden. (siehe: Die Verwaltung der Stadt)

Auch die städtische Sparkasse, die städtische Steuerkasse und das Königliche Amtsgericht sind im Rathause untergebracht.
Auf dem Standesamte werden die Geburten und Todesfälle angemeldet und die (bürgerlichen) Eheschließungen vollzogen.
Im Meldeamte melden sich alle Personen, welche zuziehen, fortziehen oder ihre 2Wohnung wechseln.
Im Rathause befindet sich auch das Polizei-Amt.
Der Ratskeller ist eine Gastwirtschaft.
In einem Zimmer des Rathauses werden einige Sehenswürdigkeiten gezeigt, z.B. ein Richtschwert, der Magen des „Freßkahle“ (Vielfraß), die abgehauene Hand einer Giftmischerin.
Diese war die Frau des Postmeisters Zimmermann. Sie hatte ihre sieben Stiefkinder vergiftet und wurde deshalb vor dem Rathause hingerichtet, nachdem man ihr die rechte Hand abgehauen hatte. Vgl. die „Zimmermannsche Stiftung“ und das Grabdenkmal auf dem alten Friedhofe links.
Das Rathaus wurde im Jahre 1573 vollendet und im Jahre 1768 erneuert. Über dem Haupteingange befindet sich ein Balkon, der mit mehreren Figuren geschmückt ist.
Dieselben stellen dar die
– die Gerechtigkeit,
– den Glauben,
– die Weisheit (auf der Südseite);
– die Liebe und Hoffnung (Westseite)
– die Tapferkeit und Geduld (Ostseite).
Unter jeder Figur stehen entsprechende Inschriften.
An den vorderen Säulen des Balkons erblickt man ferner die Sinnbilder der Religion und des Friedens.
An der Westseite des Rathauses steht ein altertümlicher Brunnen.
e) Die Stadtkirche
Von der Ostseite des Marktplaßes gelangen wir durch das schmale Kirchgäschen nach der Stadt- oder Pfarrkirche.
Dieselbe ist zu Ehren der Mutter Jesu auch Marienkirche genannt. In derselben hat Dr. Martin Luther oft gepredigt.
Die Kirche erstreckt sich von W. nach O.
Die beiden Türme sind 66 m hoch. Sie befinden sich, wie bei den meisten Kirchen, auf der Westseite. In denselben hängen die Glocken. Die größte derselben ist 100 Centner schwer.
Um jeden Turm führt eine Galerie (Umgang).
Von hier aus kann man die Gegend weithin überschauen.
Beide Türme sind durch eine Brücke verbunden.
In dem nördlichen Turme hat der Türmer seine Wohnung.
Er läutet die Glocken, ruft die Stunden ab, bewacht die Stadt und meldet den Ausbruch von Feuer durch Glockenzeichen.
Über dem westlichen Eingange befinden sich Bilder des Heilandes, der Jungfrau Maria und mehrerer Heiligen.
An den übrigen Außenwänden sind mehrere Grabdenkmäler angebracht.
Im Innern der Kirche ist besonders sehenswert der Taufstein und das vierteilige Altarbild von dem berühmten Maler Lukas Kranach, sowie einige Grabdenkmäler, darunter auch das von Bugenhagen.
In der Kirche versammelt sich die Gemeinde, um zu singen, zu beten und Gottes Wort zu hören.
An der Kirche wirken fünf Geistliche.
– Superintendent,
– Archidiakonus,
– Diakonus.
Diese leiten den Gottesdienst, taufen und konfirmieren die Kinder, trauen die Brautpaare, geleiten die Leichen zu Grabe und besuchen die Gemeindeglieder (Seelsorger).
Mit dem Gemeindekirchenrate und der kirchlichen Gemeindevertretung beraten die Geistlichen die Angelegenheiten der Kirchengemeinde.
Wie heißen unsere Geistlichen?
Es gibt im Inneren der Kirche:
– Schiff
– Altar
– Altarplatz
– Chor
– Kanzel
– Orgel
– Sakristei!
Der ältere östliche Teil der Pfarrkirche stand bereits im Jahre 1300. Durch mehrfachen Anbau z.B. 1412, hat dieselbe ihre jetzige Gestalt erhalten. Im Jahre 1570 wurde sie teilweise erneuert.
Vgl. die Inschrift an der südlichen Außenwand.
Südlich von der Pfarrkirche steht die Kapelle zum heiligen Leichnam Christi. Dieselbe wurde in früheren Zeiten zu Gottesdiensten gebraucht; jetzt ist sie unbenutzt.
Der Platz, auf dem die Kirche steht, heißt Kirchhof. Hier wurden früher die Toten beerdigt. (Vgl. die Grabdenkmäler an den Außenwänden der Pfarrkirche.)
f) Bugenhagenhaus und Bugenhagendenkmal
Die östliche Seite des Kirchhofs wird begrenzt von dem Bugenhagenhaus, der heutigen Superintendentur.
In diesem Hause wohnte einer der eifrigsten Mitarbeiter Luthers, Johannes Bugenhagen.
Da er aus Pommern stammte, erhielt er den Beinamen Pommeranus oder auch Pommer.
Eine Gedenktafel über der Hausthür berichtet uns:
„Hier wohnte, wirkte und starb Dr. Johannes Bugenhagen, General- Superintendent des Kurkreises, geb. zu Wollin in Pommern den 24. Juni 1485, gestorben in Wittenberg den 20. April 1558. Hebräer 13, 7.“
Gegenüber der nördlichen Eingangsthür zur Pfarrkirche ist Bugenhagen ein Denkmal errichtet worden. Dasselbe zeigt aus einem Unterbau von Granit die aus Bronze gefertigte Büste (Bruststück) des Reformators.
Die Vorderseite des Unterbaues trägt die Inschrift:
Johannes Bugenhagen, Pommeranus
g) Schloßstraße, Schloßplatz, Schloßkirche und Schloß
Vom Marktplatze aus nach W. führt die Schloßstraße.
Das erste Hans links ist die Adler Apotheke.
In derselben werden vom Apotheker die Arzneien für die Kranken nach der Vorschrift (Rezept) des Arztes bereitet.
Diese Apotheke besaß einst der berühmte Maler Lukas Kranach. Eine am Hause angebrachte Gedenktafel meldet uns:
„Lukas Kranach, Maler zu Wittenberg, wie er sich stets selbst geschrieben, wurde 1472 zu Kronach in Franken geboren, kam 1504 nach Wittenberg, kaufte 1520 diese Apotheke, war von 1535 bis 1544 Bürgermeister und starb am 16. Oktober 1553 in Weimar.
Die Stadt Wittenberg im Jahre 1872″
Als Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige 1547 von Karl V. gefangen genommen worden war, begab sich Kranach ins kaiserliche Lager, um die Freilassung seines Fürsten zu erbitten.
Als ihm dies nicht gelang, folgte der treue Mann freiwillig seinem Herrn in die Gefangenschaft.
Mehrere berühmte Gemälde von Lukas Kranach sind in der Stadtkirche und besonders im Lutherhause zu sehen.
Am Ende der Schloßstraße liegt das Lazarett.
Hier werden kranke Soldaten gepflegt.
Gegenüber liegt die Knopfsche Mühle (Stadtmühle).
In derselben wird aus den Getreidekörnern das Mehl gemahlen.
Auf der Südseite des Schloßplatzes steht die Schloßkirche.
An die Thür derselben schlug Dr. Martin Luther am 31. Oktober 1517 die 95 Sätze (Thesen) gegen den Ablaß des Papstes.
Diese Thür verbrannte bei der Beschießung von Wittenberg im Jahre 1760. Als Ersatz schenkte König Friedrich Wilhelm IV. der Schloßkirche die herrliche aus Erz gegossene Thür, welche die 95 Thesen in lateinischer Sprache enthält.
Über dieser Thür sehen wir ein Bild mit dem gekreuzigten Heilande. Rechts kniet Luther mit der Bibel, links Melanchthon mit der Augsburgischen Konfession.
Im Hintergrunde erhebt sich die Stadt Wittenberg.
Über der Thür befindet sich ein Fenster.
Zu beiden Seiten desselben stehen die Steinbilder der beiden Kurfürsten – Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen. An der Nordwestecke der Kirche erhebt sich der mächtige, 88 m hohe Turm.
Unter der Kuppel (Turmdach) befindet sich die Inschrift:
„Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.“
Das bunte Ziegeldach trägt im O. noch einen kleinen Turm (Dachreiter). In diesem befindet sich die Uhr.
Neben dem großen Turme führt eine kleinere Thür in das Innere der Kirche. Die hohe, gewölbte Decke ist mit Malereien geschmückt und wird von 14 schlanken Sandsteinpfeilern getragen.
Alle Fenster sind mit herrlichen Glasmalereien geschmückt. Diejenigen auf der Nord- und Südseite tragen die Wappen der Städte, welche zuerst die Reformation annahmen.
Die drei Fenster im O. hinter dem Altare zeigen links:
– die Geburt Jesu und die Anbetung der Weisen;
– in der Mitte den Heiland am Kreuze;
– rechts: die Auferstehung Jesu und die Ausgießung des hl. Geistes. Der Altar ist äußerst kunstvoll aus Kalkstein gearbeitet.
Derselbe trägt die Figuren von Christus, Petrus und Johannes in Lebensgröße. Die übrigen Apostel sind in kleineren Figuren dargestellt. Rechts und links vom Altare stehen die Steinbilder Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen.
Die Gräber der beiden Kurfürsten befinden sich mitten vor dem Altare. Sie sind von Messingplatten überdeckt, deren Inschriften von Melanchthon verfaßt wurden.
Links davon an der nördlichen Seitenwand erblicken wir die Gestalt Friedrichs des Weisen in Kupfer gegossen (von dem berühmten Peter Vischer in Nürnberg).
Gegenüber an der südlichen Seitenwand befindet sich ein gleiches Bildnis Johanns des Beständigen.
In derselben Wand ist noch ein anderes sehr wertvolles Erzbild (von Peter Vischer) – die Krönung der Jungfrau Maria – sowie eine Kupferplatte mit Luthers Bildnis eingemauert.
Auch in der Nordwand befinden sich einige Erztafeln mit Grabschriften.
An den Altarraum schließen sich die wappengeschmückten Stühle des Kaisers und der evangelischen Fürsten Deutschlands an.
An dem zweiten Pfeiler der Südseite ist die kunstvoll in Holz gearbeitete Kanzel angebracht.
Dicht neben der Kanzel befindet sich Luthers Grab.
Die Erzplatte auf demselben trägt eine lateinische Inschrift, die auf deutsch lautet:
„Hier liegt der Leib Martin Luthers, Doktors der Theologie, welcher am 18. Februar des Jahres 1546 in seiner Geburtsstadt Eisleben dem Tode erlag, nachdem er gelebet 63 Jahre, 2 Monate, 10 Tage.“
Dem Grabe Luthers gegenüber liegt das Grab seines treusten Freundes und Mitarbeiters Philipp Melanchthon.
Die Inschrift auf der Erzplatte desselben bedeutet:
„Hier liegt der Leib des berühmten Philipp Melanchthon, welcher am 19. April 1560 in dieser Stadt dem Tode erlag, nachdem er 63 Jahre, 2 Monate, 2 Tage gelebt hatte.“
An den Pfeilern stehen auf reichverzierten Säulen die lebensgroßen Standbilder der bedeutendsten 9 Reformatoren.
Auf der Südseite:
– Luther,
– Justus Jonas,
– Johannes Brenz,
– Caspar Cruziger;
auf der Nordseite:
– Philipp Melanchthon,
– Johannes Bugenhagen,
– Georg Spalatin,
– Urbanus Hessius,
– Nikolans Amsdorf.
An den Bogen, welche die Pfeiler verbinden, sind 22 Bronzebilder (Medaillons) mit den Köpfen von Beschützern und Förderern der Reformation angebracht. An der Nordseite führt eine Wendeltreppe zu den Chören (Emporen).
An der Außenseite derselben sind die Wappen von Fürsten, Grafen und Rittern aus der Zeit der Reformation angebracht.
Unter dem Orgelchore befindet sich die Ruhestätte der askanischen Fürsten. Dieselben waren ursprünglich in der Kirche des Franziskanerklosters beigesetzt. Dieses befand sich am Arsenalplatz, da, wo heute die Artilleriekaserne steht.
Als man dort im Jahre 1883 Ausgrabungen vornahm, fand man die Gebeine von etwa 20 Leichen.
Dieselben wurden in die Gruft der Schloßkirche gebracht.
Auf der von Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. gestifteten Bronzeplatte sind ihre Namen zu lesen. Nicht weit davon sieht man die in Sandstein gehauenen Bildnisse der Herzogin Kunigunde, des Kurfürsten Rudolf III. und seiner Gemahlin Anna.

Die Schloßkirche wurde in der Zeit von 1493 bis 1499 vom Kurfürsten Friedrich dem Weisen erbaut. An ihre Thür pflegte die Universität ihre Bekanntmachungen zu schlagen. („schwarzes Brett“). Daher schlug auch Luther am 31. Oftober 1517 hier seine 95 Thesen an. Bei der Belagerung und Beschießung Wittenbergs am 13. Oktober 1760 hatte die Schloßkirche furchtbar zu leiden. Es blieben von ihr fast nur die nackten Mauern übrig. Ihr Neubau wurde 1770 vollendet. Aber bereits in den Jahren 1813 und 1814 wurde dieselbe von neuem Unglück heimgesucht. Sie wurde sogar als Magazin (Speicher) benutzt, ja, über den Gräbern Luthers und Melanchthons ließ der französische Oberbefehlshaber der Festung zwei Roßmühlen errichten!
Bei der entsetzlichen Beschießung in der Nacht vom 27. zum 28. September 1813 wurde der Turm mit den herrlichen Glocken bis auf die Grundmanern zerstört.
König Friedrich Wilhelm III. ließ die Kirche bis zum 31. Oktober 1817 wieder herstellen. Gleichzeitig wurde sie dem neubegründeten Predigerseminare überwiesen.
Auch der Militärgottesdienst wird jetzt (seit 1826) darin abgehalten. In den Jahren 1885 bis 1892 endlich wurde die Schloßkirche in ihrer jetzigen herrlichen Gestalt wieder hergestellt und am 31. Oktober 1892 in Gegenwart Sr. Majestät Kaiser Wilhelms II. und vieler evangelischen Fürsten feierlich eingeweiht.
Ihre Erneuerung verdankt die Schloßkirche hauptsächlich dem Kaiser Friedrich III.
Aus Dankbarkeit hierfür ist diesem auf dem Schloßplatze, gegenüber der Thesenthür, ein Denkmal errichtet worden.
Auf einem Sockel von Granit erhebt sich die herrliche, in Erz gegossene Gestalt Kaiser Friedrichs. Sein Antlitz ist der Schloßkirche zugewandt. In der rechten Hand hält er den Helm, als sei er eben im Begriff, daß Gotteshaus zu betreten.
Die Vorderseite des Sockels trägt die Inschrift:
„Dem Kaiser Friedrich, das dankbare Wittenberg.“
An der Rückseite liest man:
„31. Oktober 1894.“
An diesem Tage wurde das Denkmal enthüllt.
Neben der Schloßkirche befindet sich das ehemalige Schloß. Dasselbe wurde gleichzeitig mit der Schloßkirche von Friedrich dem Weisen erbaut.
Bei der Belagerung 1760 brannte es völlig aus. Jetzt ist in demselben ein Teil unseres Infanterieregiments untergebracht (Schloßkaserne).
Der Schloßplatz war früher durch ein Thor abgeschlossen.
Darum heißt diese Gegend heute noch „Am Schloßthor.“
Auf dem Platze vor dem Schloßthore halten die einzelnen Schulklassen im Sommer ihre Spiele ab.
Auch übt hier die Feuerwehr.
Vor dem Schloßthore werden auch die Viehmärkte abgehalten. Desgleichen sieht man hier oft Karoussels und Schaubuden stehen.
Vom Schloßplatze aus nach W. führt die Landstraße (Chaussee) nach der Stadt Coswig. Darum heißt die Straße, welche welche der Schloßstraße gleich laufend (parallel) ist, Coswiger Straße.
An dem Hause Nr. 19 in der Coswiger Straße befindet sich eine Sandsteintafel mit der Inschrift:
„Gottes Wort, Lutheri Lehr vergehet nun und nimmermehr.“
h) Die Anlagen vor dem Schloßthore
Vom Schloßthore nach N. hin ziehen sich herrliche Anlagen.
In denselben, dicht an der Clausstraße, befindet sich eine Gedenktafel mit der Inschrift:
„Zum Andenken an die hier erbaute Batterie. Das Offizierkorps der Garnison 1864.“
Von hier aus wurde die Festung im Januar 1814 beschossen.
Auf dem Gedenkstein sind Teile von Kanonenkugeln angebracht, die man an dieser Stelle gefunden hat.
Einige Schritte weiter steht das sogenannte „Entfestigungsdenkmal“ mit der Inschrift:
„Kaiser Wilhelm I., der Große, befahl am 30. Mai 1873 Wittenberg zu entfestigen.“
Diese Anlagen waren früher Festungswälle und Gräben.
Besonderen Verdienst um diese Verschönerung Wittenbergs hat sich der Stadtrat Major Eunike erworben. Daher hat man ihm hier ein Denkmal in Gestalt einer Steinernen Ruhebank errichtet.
Auf der erhöhten Rückenlehne ist der in Erz gegossene Kopf des verdienten Mannes angebracht. Darunter befindet sich die Inschrift: „Dem Schöpfer dieser Anlagen, Major a.D. und Stadtrat Fritz Eunicke, Ehrenbürger Wittenbergs, seine dankbaren Mitbürger 1893.“
An der Lindenstraße, nicht weit von dem großen Springbrunnen, steht das Kriegerdenkmal. Es besteht aus einem Fußgestell von Sandstein. Auf diesem erhebt sich eine vierseitige Säule.
Auf den Ecken sowohl wie an der Spitze sind Adler angebracht.
In die vier Seiten des Fußgestells sind weiße Marmorplatten eingelassen.
Dieselben tragen folgende Inschriften:
Östlich: „Den in den glorreichen Kriegen 1864, 1866, 1870-71 Gebliebenen, die Stadt Wittenberg.“
Südlich: „Sie waren getreu bis in den Tod.“
Nördlich: „Ihr Andenken in Ehren.“
Die Westseite trägt das eiserne Kreuz.
i) Lindenstraße und Juristenstraße
Dem Kriegerdenkmal gegenüber befindet sich die neue Artilleriekaserne in der Lindenstraße.
Diese Straße hat ihren Namen von den Lindenbäumen, mit denen sie bepflanzt ist. Sie wird durchschnitten von der Berliner Straße.
Im westlichen Teile derselben steht das Logengebäude der Freimaurer mit der Inschrijt:
L. z. t. V., das heißt: Loge zum treuen Verein.
Von der Lindenstraße nach W. zur Clausstraße hin zieht sich die Melanchthonstraße.
An der Ecke der Lindenstraße und Melanchthonstraße liegt das Kreisständehaus. In demselben befinden sich die Räume für die Behörden des Kreises. Im ersten Stockwerk ist außerdem die Wohnung des Königlichen Landrats.
Die schönen Anlagen dem Kreisständehause gegenüber werden Kreisgarten genannt.
In der Lindenstraße, wie auch in der angrenzenden Grünstraße und Bruchstraße besinden sich zahlreiche Gärtnercien. Außer Blumen und allerlei Gemüse zieht man hier besonders Maiblumenkeime, die weithin versandt werden.
An die Lindenstraße schließt sich nach S. die Juristenstraße an.
Ihr Name erinnert an die ehemalige Universität (Hochschule). Juristen sind Männer, welche Rechtswissenschaft studiert haben. Gleich am Eingang in diese Straße steht das städtische Krankenhaus. In demselben werden Kranke gegen mäßige Bezahlung verpflegt.
An die Juristenstraße grenzt der Arsenalplatz.
In den ihn umgebenden Gebäuden hat die Artillerie ihre Kanonen und andere Ausrüstungsgegenstände untergebracht; daher rührt sein Name. Ehemals stand hier das Franziskanerkloster mit der Franziskanerkirche.
Die Juristenstraße mündet auf den Marktplatz.
Von ihr aus nach O. führt die Scharrnstraße zur Bürgermeisterstraße. In dieser befindet sich die Hauptwache des Militärs, die katholische Kirche und katholische Schule.
k) Die Collegienstraße
Vom Marktplatze nach O. führt die verkehrsreichste Straße Wittenbergs – die Collegienstraße. Diesen Namen hat sie von der ehemaligen Universität (Collegium Fridericianum) erhalten.
Das ehemalige Universitätsgebäude wird jetzt als Infanteriekaserne (Fridericianum Kaserne) benutzt.

i) Das Melanchthonhaus
Neben der Fridericianum-Kaserne liegt das Haus, in welchem Luthers treuester Gehilfe, Philipp Melanchthon, wohnte.
An der Vorderseite desselben verkündet eine gußeiserne Gedenktafel: „Hier wohnte, lehrte und starb Philipp Melanchthon.“
Im ersten Stock wird Melanchthons Arbeits- und Sterbezimmer mit mancherlei Sehenswürdigem gezeigt.
Eine Treppe höher befindet sich das Zimmer, in welchem er seinen Kostgängern (Pensionären) Unterricht erteilte. Die Wände des Zimmers zieren mehrere Wappen mit Unterschriften.
In dem anstoßenden Garten steht unter alten Taxusbäumen ein altersgrauer Steintisch mit der Inschrift: „Ph. Melanchthon 1551.“ Das Melanchthonhans dient jetzt dem zweiten Lehrer an der Lutherschule als Wohnung.
m) Das Augusteum und das Lutherhaus
Fünf Häuser vom Melanchthonhaus nach O. liegt das Augusteum.

Dasselbe hat seinen Namen nach dem Kurfürsten August erhalten, der es (1564 bis 1583) zu Universitätszwecken erbauen ließ.
Seit 1817 befindet sich darin das Königliche Predigerseminar.
In demselben werden junge Geistliche (Kandidaten) zu Predigern ausgebildet.
Links von der Eingangsthür ist die Bibliothek (Büchersammlung). Rechts ist die Wohnung des Hausmanns (Kastellans) und der Hörsaal (Auditorium) der Kandidaten.
Im ersten Stockwerk wohnt der Direktor des Predigerseminars. Hier befindet sich auch der „Fürstensaal“, der mehrere Bilder sächsischer Fürsten enthält.
Im ersten Stockwerke, ebenso wie im zweiten und in dem anstoßenden rechten Seitenflügel liegen die Wohnungen der Kandidaten. Durchschreitet man das Augusteum, so gelangt man nach dem Lutherhause.
Zwischen den Fenstern der Lutherstube im ersten Stod befindet sich ein Denkmal mit Luthers Brustbild und der Inschrift:
„Hier lebte und wirkte Dr. Martin Luther von 1508 bis 1546.“

Die Hauptthür im Erdgeschoß hat ein schönes, altes Portal aus Sandstein. Über dem Steinsitze rechts sieht man Luthers Wappen – Rose mit Herz und Kreuz; links bemerkt man Luthers Bildnis und seinen Wahlspruch, der auf deutsch lautet:
„Im Stillesein und Hoffen wird meine Stärke sein.“
Im Erdgeschoß links befindet sich die Wohnung des Schloßküsters und dahinter ein schöner Betsaal (Refektorium).
Rechts führt eine zweite Thür in die Lutherschule.
An dieser Schule unterrichten neben zwei Lehrern Kandidaten des Predigerseminars.
Steigt man im Turme aufwärts, so gelangt man rechts durch ein Vorzimmer in die Lutherstube.
Es war Luthers Wohn- und Familienzimmer.
An dem Fenster mit den kleinen, bleigefaßten Scheiben steht noch der schlichte hölzerne Doppelsitz, auf dem er oft mit seiner Frau Käthe saß.
Davor steht der altertümliche Tisch von Eichenholz.
In der linken Ecke erblicken wir den alten, schwarzen Kachelofen.
Die anstoßenden Räume (Lutherhalle) enthalten eine Sammlung wertvoller Gegenstände, die sich auf Luther und die Reformation beziehen;
z.B. die Kanzel, auf welcher Luther gepredigt hat,
mehrere Bilder von dem berühmten Maler Lukas Kranach,
Briefe und Handschriften Luthers und der anderen Reformatoren …
(Das Lutherhaus wurde im Jahre 1502 von Friedrich dem Weisen als Kloster für die Augustinermönche erbaut. Mit dem Angusteum zusammen wird es darum noch heute von vielen Leuten das „Kloster“ genannt. Im Jahre 1505 zog Luther als Augustinermönch in dasselbe ein. Als infolge der Reformation sämtliche Mönche das Augustinerkloster verließen, da schenkte der Kurfürst dieses Luther als Eigentum. Luthers Erben verkauften das Haus an die Universität. In späteren Jahren geriet das Lutherhaus in Verfall, bis es endlich aus Anregung des kunstsinnigen Königs Friedrich Wilhelms IV. bis zum Jahre 1873 in seiner jetzigen Gestalt wieder hergestellt wurde.)
n) Das Elsterthor und die Luthereiche
Die Gegend östlich vom Augusteum heißt das Elsterthor.
Hier befand sich früher ein Thor.
Dasselbe erhielt seinen Namen von dem Dorfe Elster, welches in dieser Richtung liegt.
Vor dem Elsterthore steht die Luthereiche.
Das eiserne Geländer derselben trägt eine Tafel mit der Inschrift: „Dr. Martin Luther verbrannte an dieser Stätte am 10. Dezember 1520 die päpstliche Bannbulle“.
Die Eiche wurde am Gedenktage der Übergabe der Augsburgischen Konfession (25. Juni 1830) gepflanzt. An dem äußeren Geländer ist Luthers Wappen sowie das der Stadt Wittenberg angebracht.
Der Luthereiche gegenüber steht die Sedaneiche.
Eine Tafel an ihrem Geländer sagt uns:
„Zur Erinnerung an die ruhmreiche Schlacht bei Sedan am 1. September 1870. Wittenberg, den 2. September 1895.“
o) Bahnhof und Post
Vom Elsterthore führt der Weg unter der Eisenbahnbrücke hindurch nach dem Bahnhofe. Von hier aus kann man mit der Eisenbahn nach folgenden Richtungen hin jahren:
– nach Berlin-Halle-Leipzig,
– nach Falkensberg-Cöthen-Magdeburg,
– nach Torgau-Eilenburg.
Dem Personenbahnhofe gegenüber liegt der Güterbahnhof.
Hier werden Frachtgüter auf- und abgegeben.
Durch die Anlagen im Grunde vor dem Elsterthore gelangt man nach dem Kaiserlichen Postamte. Die Post befördert die ausgegebenen Briefe, Pakete, Zeitungen, Geldsendungen und Depeschen.
Auch kann man hier durch die Fernsprechleitung (Telephon) mit anderen Personen in der Ferne reden.
Am Südgiebel des Postgebäudes befindet sich eine Gedenktafel für den Erfinder der Telegraphie, Professor Wilhelm Weber in Göttingen. Derselbe wurde am 24. Oktober 1804 in Wittenberg geboren.
Nicht weit vom Postgebäude steht das Paul Gerhardt-Stift.
In demselben werden Kranke aus Stadt und Land verpflegt.
Seinen Namen hat es nach dem bekannten frommen Liederdichter Paul Gerhardt erhalten.
p) Die übrigen Hauptstraßen
Parallel mit der Collegienstraße zieht sich die Mittelstraße.
Sie ist die mittlere der drei alten Hauptstraßen, daher ihr Name.
Am Hause Nr. 52 befindet sich eine Steintafel mit der Inschrift: „Gottes Wort und Lutheri Schrift ist des Papstes und Calvini Gift.“
Die Mittelstraße mündet auf den Holzmarkt.
Von der Mittelstraße führt die Neustraße an den Anfang der Jüdenstraße. Diesen Namen hat die Straße nach den Juden erhalten, die sie früher bewohnt haben.
In der Jüdenstraße liegt das im Jahre 1827 erbaute Volksschul- gebäude, in demselben befindet sich auch die Volksbibliothek.
Von hier aus gelangt man durch die Töpferstraße nach der Mauerstraße.
In der Poststraße befindet sich das Knaben Rettungshaus.
Hier sollen Knaben, die in Gefahr sind zu verderben, zu ordentlichen, braven Menschen erzogen werden.
Die Anstalt wurde gegründet von dem verstorbenen Justizrat Glöckner. Eine Gedenktafel über der Thür weist darauf hin.
In der Nähe liegt der Schwanenteich.
Am Ufer desselben steht ein Gedenkstein.
Derselbe ist – wie die Inschrift sagt – „errichtet zum ehrenden Andenken an den Musketier Karl Steinert aus Herzberg, welcher hier am 9. Dezember 1885 beim Rettungswerk ertrank“
Der Brave wollte vier Kinder, die auf dem Eise des Schwanenteiches eingebrochen waren, retten. Die andere Seite des Gedenksteines nennt die Namen der ertrunkenen Kinder.
Durch die verlängerte Neustraße gelangt man in die Lutherstraße. An der verlängerten Neustraße liegt das Gymnasium (Melanchthon- gymnasium). Im Festsaale (Aula) desselben befindet sich ein großes, schönes Wandgemälde:
Luther auf dem Reichstage zu Worms.
Die Fortsetzung der Lutherstraße bildet die Grünstraße.
An der Ecke der Lutherstraße und Berlinerstraße liegt die neue Infanterie-Kaserne (Cavalierkaserne).
Von der Lutherstraße zweigen sich nach rechts mehrere Straßen ab; – die große Friedrichstraße,
– die Sternstraße,
– Adlerstraße,
– Zimmermannstraße,
– Bachstraße und
– Kurfürstenstraße.
An der Adlerstraße liegt die neue Mittelschule.
In der Bachstraße liegt das Kaiser-Friedrich Siechenhaus.
In diesem werden Personen, die danernd krank sind (Sieche), sowie alte, schwache Leute von Krankenpflegerinnen (Schwestern oder Diakonissen) liebreich gepflegt.
Die Bachstraße hat ihren Namen von dem rischen Bache (raschen Bache) erhalten, der an ihrer Seite fließt.
Von der Bachstraße nimmt derselbe seinen Lauf durch die
– Neustraße,
– Jüdenstraße,
– Coswigerstraße
und vereinigt sich an der Stadtmühle mit dem faulen Bache.
(Er fließt langsamer als der rische Bach; daher sein Name.)
Dieser nimmt seinen Weg durch die Mittelstraße.
Am Holzmarkt geht er nach der Collegienstraße, fließt über den Marktplatz, durch die Schloßstraße und mündet vereint mit dem rischen Bache hinter dem Schloßthore in die Elbe.
Früher waren diese Bäche offen. Jetzt sind sie mit Sandsteinplatten überdeckt.
q) Die Wasserleitung
Unsere Stadt erhält ihr Trinkwasser hauptsächlich durch die städtische Wasserleitung.
Die Quellen derselben befinden sich nördlich von Wittenberg auf den Anhöhen bei Straach und bei Grabo. Dieses Wasser wird in dem Sammelbrunnen (Reservoir) bei Dobien gesammelt. Von hier aus wird es in großen, unterirdischen Röhren nach der Stadt geleitet, wo es in kleineren Röhren nach den Straßen und Häusern gelangt.
Das Wasser der Wasserleitung wird nicht nur zum Trinken benutzt, sondern dient auch zum Löschen bei einer ausgebrochenen Feuersbrunst.
In den verschiedenen Straßen sieht man an mehreren Häusern kleine Schilder mit Zahlen. In der Nähe derselben bemerkt man auf der Straße eiserne Deckel. Dieselben verdecken die Öffnung, welche zum Wasserrohre führt. Sobald ein Feuer ausbricht, wird der Deckel geöffnet und ein Schlauch an das Wasserrohr befestigt.
Das Wasser steigt dann von selbst in dem Schlauche kräftig empor.
Außer der allgemeinen städtischen Wasserleitung besitzt Wittenberg noch vier kleinere Wasserleitungen, das Röhrwasser. Diese Röhrwasser heißen:
– Das alte Jungfernwasser,
– das neue Jungfernwasser,
– das Schloßwasser und
– das Rhodische Wasser.
Der Name Jungfernwasser bedeutet eine frische, reine Quelle.
Das Schloßwasser versorgte zunächst das Schloß mit Trinkwasser; daher bekam es seinen Namen.
Das Rhodische Wasser erhielt seinen Namen nach dem Professor Rhodius, nach dessen Angaben diese Leitung angelegt wurde.
Die Quellen des alten und neuen Jungfernwassers liegen bei Friedrichstadt, die des Schloßwassers bei Reinsdorf und die des Rhodischen Wassers in der Nähe des großen Exerzierplatzes bei Teuchel.
r) Die Vorstädte
Wittenberg hat drei Vorstädte:
– Die Schloßvorstadt,
– die Elstervorstadt und
– die Friedrichstadt.
Die Vorstädte Wittenbergs traf fünfmal das traurige Geschick, bei der Belagerung der Festung Wittenberg durch Feuer zerstört zu werden. Das erste Mal geschah dies
– im Hussitenkriege 1429, sodann
– im schmalkaldischen Kriege 1547,
– im dreißigjährigen Kriege 1626, ferner bei
– der Belagerung Wittenbergs im siebenjährigen Kriege 1760,
– zuletzt und am schlimmsten im Befreiungskriege 1813.
Am 6. April 1813 ließ der französische Kommandant der Festung sämtliche Vorstädte, ungeachtet der Bitten und Klagen der Einwohner, vollständig niederbrennen.
Nach dem Friedensschluß wurden die Vorstädte mit Unterstützung des preußischen Staates an anderer Stelle wieder aufgebaut.
Die Schloßvorstadt liegt im Norden vom Schloßthore.
Der Weg dahin führt vom Marktplatze aus durch die Juristenstraße und Lindenstraße.
Durch die Schloßvorstadt führt die Belziger Chaussee.
Die wichtigsten Straßen sind die Eichstraße und die Feldstraße.
In der Eichstraße liegt das Schulhaus.
In der Schloßvorstadt befinden sich viele Gärtnereien, in denen Gemüse und Blumen (Maiblumen) angebaut werden.
Die Elstervorstadt liegt im Norden vom Elsterthore.
Der Weg zur Elstervorstadt führt vom Elsterthore aus durch die große Friedrichstraße. Die Hauptstraßen sind die große und die kleine Friedrichstraße.
In der kleinen Friedrichstraße liegt das Schulgebände.
Von der Elstervorstadt aus gelangt man durch die kleine Friedrichstraße nach der Friedrichstadt.
Ihren Namen hat diese nach dem König Friedrich Wilhelm III. erhalten. In der Mitte des Ortes liegt der Königsplatz.
Die Hauptstraßen sind:
– die Charlottenstraße,
– die Schulstraße, in welcher das Schulhaus liegt,
– die Sandstraße und die Annendorfer Straße.
Die letztere führt nach der Feldmark Bruder Annendorf.
Bei Friedrichstadt liegen die Quellen des alten, und des neuen Jungfernwassers.
3. Die Bewohner
Wittenberg hat nach der letzten Volkszählung 18.350 Einwohner. Die Bewohner einer Stadt heißen Bürger.
Nach ihrem Glaubensbekenntnisse scheiden sich dieselben in
– Evangelische,
– Katholische
– Juden.
Die Einwohner unserer Stadt sind zum größten Teile evangelisch. Jeder Bewohner hat einen Beruf, in dem er arbeitet, um sich sein Brot zu verdienen.
Ein Teil der Bewohner sorgt für unsere Nahrung, z.B. Ackerbürger, Bäcker, Fleischer. Andere sorgen für unsere Wohnung, z.B. Maurer, Zimmerleute, Tischler, Glaser.
Noch andere verfertigen die Kleidung, z.B. Schneider, Schuhmacher, Kürschner.
Viele Einwohner handeln mit allerlei Waren.
Sie heißen Kaufleute. Sie alle gehören dem Nährstande an. Diejenigen, welche ihre Waren mit der Hand verfertigen, heißen Handwerker. Dem Handwerksmeister helfen Gesellen und Lehrlinge in der Werkstatt.
Unser Wohnort hat auch große Werkstätten, in denen viele Menschen und Maschinen arbeiten.
Solche Werkstätten heißen Fabriken (z.B. Thonwarenfabrik, Maschinenfabrik. Der Eigentümer einer solchen Fabrik heißt Fabrikbesitzer oder Fabrikant.
Andere Personen belehren die Jugend in den höheren Schulen (höhere Töchterschule, Gymnasium und Mittelschule,)
und in den niederen Schulen (Bürgerschule, Vorstadtschulen.)
Sie heißen deshalb Lehrer.
Andere predigen den Erwachsenen und treiben Seelsorge (Prediger, Geistliche).
Wieder andere heilen die Kranken (Ärzte) und sprechen das Recht (Richter). Diese alle bilden den Lehrstand.
Die Polizeibeamten sorgen für die Sicherheit der Stadt;
die Soldaten beschützen das Vaterland gegen die Feinde.
Polizei und Soldaten bilden den Wehrstand.
Wir haben in Wittenberg ein Regiment Infanterie und eine Abteilung Artillerie. Diese bilden unsere Garnison.
Wittenberg ist daher eine Garnisonstadt.
Wissenswerte Ereignisse aus Stadt und Land werden den Bewohnern durch die drei Zeitungen
– „Wittenberger Tageblatt“ (Kreisblatt),
– „Algemeine Zeitung“
– „Neue Wittenberger Zeitung“ gemeldet.
4. Die Stadtverwaltung (Obrigkeit)
Die Stadt wird verwaltet von dem Magistrate und den Stadtverordneten. Der Magistrat besteht aus dem Bürgermeister, dem Beigeordneten (zweiten Bürgermeister) und den Stadträten.
Der Magistrat wird von den Stadtverordneten gewählt.
Diese werden von den Bürgern gewählt.
Der Magistrat verwaltet das Eigentum der Stadt (Gebäude, Ländereien und Geld). Er sorgt für Ordnung und Sicherheit derselben. Er legt Straßen und Plätze an und sorgt für deren Reinigung und Beleuchtung. Der Magistrat sorgt auch für die Armenpflege wie für die Gesundheit der Bürger. Er erbaut Schulen, stellt Lehrer und Beamte an. In vielen Sachen, namentlich in Geldangelegenheiten, muß der der Magistrat die Einwilligung der Stadtverordneten einholen. An der Spitze der Stadtverordneten steht der Stadtverordnetenvorsteher.
Die Verwaltung einer Stadt kostet viel Geld.
Darum müssen die Bewohner Steuern zahlen (Kommunalsteuern).
Der Vorgesetzte der städtischen Behörde ist der Regierungspräsident.