Der Schiffsverkehr war zum fünften Mal eingestellt

Bereits zum fünften Mal musste der Schiffsverkehr auf der Elbe in diesem Jahr eingestellt werden.
Eine derartige Behinderung des Frachtverkehrs auf unserem Heimatstrom in den Anfangsmonaten eines Jahres ist in keiner Chronik oder Statistik nachweisbar.
War es gleich nach dem Jahreswechsel eine erste Hochwasserwelle, die den Schiffen eine Zwangspause von 10 Tagen auferlegte, so waren danach die lang anhaltenden extremen Minusgrade mit einhergehendem Eisgang die Ursache zur zweimaligen Einstellung der Schifffahrt.
Zwei Schiffe der tschechoslowakischen Reederei waren insgesamt 35 Tage im Wittenberger Hafen von einem Eispanzer umgeben, bevor sie talwärts ihre Fahrt fortsetzen konnten.
Dem harten Winter folgte eine schnelle Schneeschmelze in den Hochlagen der Gebirge der CSSR, in deren Folge der Pegel der Elbe in den letzten Märztagen kontinuierlich stieg.
Vom 28. ‚März bis 03. April musste unsere Elbstrecke zum vierten Mal gesperrt werden, da die freibleibende Brückenhöhe keine Passage von Schiffen mehr zuließ. Zudem waren viele Schifffahrts – zeichen (Baken und Bojen) ein Opfer des starken Eisgangs im Winter geworden.
Die fallende Tendenz des Wasserstandes in den ersten Apriltagen war nur von kurzer Dauer, denn bei einem Pegelstand von 5,38 m in Wittenberg musste am 8. April zum fünften Mal der Schiff – fahrtsbetrieb in diesem Jahr eingestellt werden.
Wieder liegen 12 Schiffseinheiten der CSPLO in unserem Schutzhafen. Diese langanhaltende und außergewöhnliche Hochwassersituation führte zu keiner Beunruhigung bei der Bevölkerung der Elbaue.
Die vorhandene Eindeichung unseres Stromes, ausgerichtet nach einem nie wieder erreichten Wasserstand des Jahres 1862 von 6,28 m, bietet genügend Schutz und Sicherheit.
Anders war das im vorigen Jahrhundert, wo fünf schwere Hochwasserkatastrophen in die Geschichte unserer Region eingingen.
Elbdammbrüche waren früher immer Höhepunkte der Not und des Elends der Elbanlieger.
In den damaligen landrätlichen Kreisen Wittenberg und Schweinitz kam es im 19. Jahrhundert viermal zum Bruch des Elbdammes auf der linken Elbseite, während auf der rechten Elbseite der Damm nur einmal im Jahre 1881 bei Mauken brach.
Dieser Elbdammbruch überflutete die Elbaue bis Düßnitz, Kleindröben, Klöden und Gorsdorf.
Er forderte sogar, ein Todesopfer.
Jede Erhebung des Geländes wurde zum Schutz für Menschen und Vieh genutzt, unzählige Wohnungen und Ställe mussten geräumt werden. Das Wasser breitete sich bis zur Rückseite der Eindeichung der Schwarzen Elster aus. Erst ein gezielter Durchbruch dieses Dammes zwischen Gorsdorf und Schützberg und der damit verbundene freie Ablauf des Wassers zur Schwarzen Elster ließ den Wasserstand im Überflutungsgebiet sinken und die Gefahr für die Menschen mindern.
Die linkselbischen Dammbrüche im März 1830 und im Februar 1838 bei Merschwitz, am 31. März ,1845 bei Wartenburg und am 10. März 1876 bei Priesitz brachten nicht weniger Leid.
In einer Chronik von Wartenburg, die dieses Hochawasser der Märztage 1845 beschreibt, werden Vergleiche zu den Folgen der Schlacht bei Wartenburg 1813 gezogen.
Ein Chronist bemerkte dazu:
„Und doch ist der Schaden, den das Hochwasser 1845 verursacht hat, vielleicht größer, und länger spürbar gewesen als die Verluste im Kriegsjahr 1813“.

Quellen: Freiheit vom 16.04.1987

zurück – Karl Jüngel