1. Geschichtliches
Der Kreis Wittenberg hat seinen Namen nach der Stadt Wittenberg erhalten. Über die älteste Geschichte unserer Gegend ist nichts Zuverlässiges bekannt.
(Was darüber berichtet wird, beruht meist auf bloßen Vermutungen. Sicher beglaubigt ist nur das eine: In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung waren die Gebiete zwischen Saale, Mulde und Elbe von den Hermunduren bewohnt, während rechts von der Elbe, von der schwarzen Elster, Neiße und Spree bis zur Havel hin der gleichfals germanische Stamm der Semnonen saß.)
Seit dem 7. Jahrhundert wurde dieselbe von den Wenden (Sorben) bewohnt. An diese ehemaligen Bewohner erinnern heute noch zahlreiche Ortschaften unseres Kreises in ihrer Bauart und in ihrem Namen. Die Gehöfte liegen fächerförmig um einen hufeisenförmigen Platz, der nur einen Zugang hatte und so leicht abgesperrt werden konnte. In der Mitte befindet sich der Dorfteich, jetzt häufig auch Kirche und Schule. Hinter den Gehöften liegen die Gärten, die sich keilförmig verbreitern. Das Ganze wird von einer Hecke mit Graben abgeschlossen.
Diese Bauart ermöglichte es, den Ort rasch und leicht zu verteidigen. Beispielsweise lassen die Dörfer Külso, Gallien und Listerfehrda in ihrer Anlage noch deutlich den wendischen Ursprung erkennen.
Namen, die wendischer Abkunft sind, tragen z. B.
die Orte Pratau, Zörnigall (nach dem Wendengott Tschernebogk), Eutzsch, Globig, Trebitz — überhaupt alle Ortsnamen mit der Endung au, ow, itz, itzsch, ig.
Die Wenden pflegten ihre Toten zu verbrennen.
Die Asche derselben sammelten sie in thönernen Urnen, die sie in Grabhügeln beisetzten.
Solche Urnen mit Leichenbrand wurden in neuerer Zeit u. a. bei Zahna, Rahnsdorf, Wüstemark, Gallien und Bleesern gefunden.
(Es scheint jedoch noch nicht mit voller Sicherheit festgestellt zu sein, ob diese Funde den Slawen oder den Germanen zuzusprechen sind. Insbesondere herrscht noch Unsicherheit über die wirkliche Herkunft der aufgefundenen Schmucksachen, Ringe, Spangen, Nadeln, Schnallen. Bei diesen Funden mag Kauf, Tausch, Kriegsbeute und Verschleppung eine wichtige Rolle spielen.)
Die heidnischen, raublustigen Wenden wurden bereits durch Kaiser Heinrich I. und Kaiser Otto I. besiegt.
Aus der Wittenberger Gegend aber wurden sie endgültig erst durch Markgraf Albrecht den Bären (1134 bis 1170) nach hartem Kampfe verdrängt.
In die entvölkerten Gebiete rief Albrecht der Bär Ansiedler aus den Niederlanden, besonders aus der Provinz Flamland.
Diese fleißigen Leute leisteten Großes im Urbarmachen des Bodens, im Eindämmen der Flüsse, im Entwässern der Sümpfe und im Anbau von Feld und Garten.
Zahlreiche Ortschaften unseres Kreises verdanken ihnen ihr Entstehen, z. B.
Wittenberg, Schmiedeberg, Braunsdorf, Schönefeld überhaupt die meisten Ortsnamen mit der Endung -berg, -dorf und -feld.
Der Höhenzug Fläming ehrt noch heute in seinem Namen das Andenken dieser flämischen Ansiedler.
Auch in der Sprache unserer Kreisbewohner finden sich noch Reste der niederdeutschen Mundart.
Man sagt:
– boll = hohl;
– lee = niedrig;
– drehe = trocken;
– Pogge = Frosch;
– Patte = Kröte.
Auch die heute noch bestehende Einteilung der Dorfbewohner in Hüfner (von dem alten Feldmaß „Hufe“), Kossäten und Häusler rührt von den Flamländern her.
Die Hüfner waren die Besitzer von Grund und Boden.
Zur Hilfe bei den Feldarbeiten nahmen sie andere (auch wendische) Ansiedler auf. Diesen überwiesen sie Gartenland und einiges Feld zur selbständigen Benutzung. Diese Hilfskräfte erhielten den Namen Gärtner oder auch Kossäten (von „Kothe“).
Andere Hilfskräfte erhielten nur ein Häuschen mit kleinem Hausgarten zugewiesen und bekamen davon den Namen Häusler Aus ihnen bildeten sich meist die dörflichen Handwerker.
Unter Albrechts Nachfolger Bernhard wurde unser jetziger Kreis ein Teil des Herzogtums Sachsen, welches unter Rudolf I. zum Kurfürstentume erhoben wurde.
Nach dem Aussterben der Askanier kam der Kurkreis Sachsens-Wittenberg an das Fürstenhaus Wettin.
Der bedeutendste Fürst aus diesem Geschlechte ist Friedrich der Weise (1486-1525).
Bis zu dieser Zeit waren sämtliche Ortschaften des Kurkreises den kurfürstlichen Ämtern sowie dem Rate der Stadt, der Schloßkirche, dem Kloster, der Universität, der Stadtkirche wie auch vielen anderen Kirchen und Kapellen des Kreises und den Rittergütern dienst- und zinspflichtig gemacht worden. Diese Verpflichtungen sind später meist in bestimmte Geldabgaben umgewandelt worden und bestehen heute vielfach noch als sogenannte „Rente“ fort.
Luthers Lehre fand in unserer Gegend begeisterte Aufnahme.
Die Reformation konnte deshalb hier schnell und leicht durchgeführt werden.
Seit dem Jahre 1806 bildete unser Kreis einen Teil des Königreichs Sachsen. Im Jahre 1815 wurde auch unsere Gegend von Sachsen an das Königreich Preußen abgetreten. Sie bildete von da ab einen selbständigen Kreis.
Zu verschiedenen Zeiten hat unsere Gegend durch die Kriegsunruhen schwer leiden müssen;
– so im Bruderkriege,
– im Hussitenkriege,
– im dreißig-jährigen Kriege,
– im siebenjährigen Kriege und
– in dem Freiheitskriege.
Noch heute geben die mancherlei „wüsten Marken“ Zeugnis von dem Unheil, welche diese Kämpfe über die Ortschaften unseres Kreises brachten. Nicht alle „wüsten Marken“ sind durch Zerstörungen der Kriege entstanden. Oft sind es Ansiedelungen, die von den Wenden verlassen waren und durch die flämischen Ansiedler nicht wieder bevölkert wurden. Auch hat die Pest, der „schwarze Tod“, manche Ortschaft unseres Kreises entvölkert.
2. Lage, Gestalt, Größe und Grenzen
Der Kreis Wittenberg liegt im nordöstlichen Teile des Regierungsbezirks Merseburg. Er hat die Gestalt eines unregelmäßigen Vierecks. – Seine größte Länge reicht von Norden nach Süden (auf der Ostseite). Dieselbe beträgt 45 km (6 Meilen).
Die größte Breite von Osten nach Westen liegt ungefähr in der Mitte (unterhalb Pratau) und beträgt 26 km (3½, Meile).
Der Kreis Wittenberg ist etwa 15 Quadratmeilen groß und hat rund 60.700 Einwohner.
Er umfaßt 5 Städte, 101 Landgemeinden und 22 Gutsbezirke.
Er wird begrenzt
– im Norden: von der Provinz Brandenburg,
– im Osten: von der Provinz Brandenburg, dem Kreise Schweinitz und dem Kreise Torgau,
– im Süden: vom Kreise Torgau und Bitterfeld,
– im Westen: von dem Herzogtume Anhalt.
3. Gliederung nach landschaftlichen Gebieten
Unser Kreis Wittenberg gliedert sich nach seiner Bodenform in drei natürliche Teile.
– Der nördliche Teil wird gebildet von dem Hügellande des hohen Flämings.
– Den Süden begrenzt die Dübener Heide.
– Die Mitte des Kreises nimmt das Tiefland der Elbaue ein.
A. Die Elbaue
a) Boden
Die Elbaue ist eine Ebene, die von der Elbe bis an die Ausläufer der Dübener Heide reicht. Sie hat im Kreise Wittenberg eine Länge von etwa 26 km und eine Breite von ungefähr 10 km.
Ihr Boden ist fettes Flußschwemmland (Lehm und schwarzer Moorsand). Auf diesem gedeihen neben Roggen, Hafer und Kartoffeln in üppigster Weise Gerste, Weizen, Raps, Zuckerrüben und allerlei Futterpflanzen.
Da, wo der Boden wegen seiner tiefen Lage sich nicht zum Anbau von Feldfrüchten eignet, dehnen sich stundenweit saftige Wiesenflächen aus. Der üppige Graswuchs derselben ermöglicht dem Landmanne eine große, gewinnbringende Viehzucht.
Von den Wiesen eingeschlossen finden wir zahlreiche Laubwälder mit prächtigen Eichen, Rüstern und Eichen.
Die rechtzeitigen Überschwemmungen durch den Elbstrom ersparen dem Landwirte das Düngen der Wiesen.
Die Felder und Ortschaften sind vor diesen Überschwemmungen durch hohe, starke Dämme (Deiche) geschützt.
Die Elbdämme werden vom Staate erhalten.
Die Bewohner der Elbaue müssen je nach der Größe ihres Landbesitzes hierzu Beiträge, sogenannte „Deichlasten“ zahlen.
Bei Hochwasser müssen die Ortschaften der Elbaue abwechselnd Leute als „Dammwache“ stellen.
In den an der Elbe liegenden Ortschaften sind einige Besitzer zu „Deichbeamten“ ernannt. Ihnen ist der „Deichhauptmann“ vorgesetzt. Demselben sind zur Hilfeleistung „Dammmeister“ und „Dammknechte“ unterstellt.
An vielen Orten liefert der Boden auch Lehm, aus welchem man in den Ziegeleien Dachsteine und Mauersteine brennt. Die Dörfer der Elbaue sind dicht bevölkert und meist sehr wohlhabend.
b) Gewässer
Der Hauptfluß dieses Gebiets und zugleich des ganzen Kreises ist die Elbe. Wenn sie in unsern Kreis tritt, hat sie schon einen weiten Weg zurückgelegt. Sie ist bereits ein Strom geworden.
Die Elbe berührt den Kreis Wittenberg zuerst oberhalb der Stadt Pretzsch (bei Wörblitz).
Sie bildet bis zur Mündung der schwarzen Elster in einer Länge von 17 km die Ostgrenze unseres Kreises. Von da ab durchfließt sie die Mitte desselben von Osten nach Westen in einer Länge von 23 km bis zur Anhaltischen Grenze unterhalb Apollensdorf.
Der Lauf der Elbe hat mit der Zeit vielfache Veränderungen erfahren, teils durch den Strom selbst, teils durch menschliches Zuthun. Davon zeugen die zahlreichen kleinen Seen des Elbthals. Dieselben haben meist die Gestalt einer Mondsichel bis eines Hufeisens. Schon dadurch beweisen sie, daß sie Überreste von Elbarmen und alten Elbkrümmungen sind.
An den meisten Orten tragen denn diese Gewässer auch die Bezeichnung „alte Elbe“. Solche kleinen Seespiegel finden wir bei Bösewig, Bleddin, Wartenburg, Dabrun, Pratau u.s.w.
Die Elbe trägt auf ihrem Rücken zahlreiche Flösse (Baumstämme), Kähne und Dampfer.
Stromab fahren die großen Elbkähne allein.
Stromauf werden sie durch Dampfer gezogen (Schleppdampfer).
Die einem solchen Dampfer angehängten Kähne bergen oft Lasten bis zu 20 Tausend Doppelcentnern. Stromabwärts tragen die Schiffe meist Kohle, Sandsteine, Obst und Glaswaren.
Stromaufwärts führen sie Zucker, Salz, Öl, Cichorien und andere Hausmannswaren.
Die Elbe führt große Mengen Sand mit sich.
Diesen lagert sie an ruhigen Stellen ab. An den Ufern bilden sich auf diese Weise Sandbänke, die man Heger nennt.
Dieselben sind meist mit Weiden bepflanzt.
Damit die Schiffahrt nicht gehindert wird, muß der abgelagerte Sand aus der Fahrrinne durch Baggermaschinen entfernt werden.
Um der Fahrrinne die nötige Tiefe zu erhalten und um die Ufer vor dem Abspülen durch die Fluten zu schützen, hat man zahlreiche Steindämme (Buhnen) in die Elbe hineingebaut.
Die Ufer der Elbe sind flach.
Für die Sicherheit des Verkehrs auf dem Elbstrome sorgt die Strompolizei. Zu diesem Zwecke befährt der Stromaufseher auf einem kleinen, schnellen Schraubendampfer die Elbe.
Die Aufsicht über die Buhnen führt der Buhnenmeister.
Ihre Zuflüsse empfängt die Elbe in diesem Gebiete im wesentlichen auf der rechten Seite. Der größte Zufluß ist die schwarze Elster.
Sie mündet oberhalb des Dorfes Elster in die Elbe.
Die schwarze Elster hat ihren Namen von dem moorigen Grunde ihres Bettes, der das Wasser dunkel erscheinen läßt.
Da ihre Ufer gleich denen der Elbe flach sind, so mußten die benachbarten Orte und fruchtbaren Ländereien ebenfalls durch Deiche geschützt werden.
Auf den Elsterwiesen grub man früher Raseneisenstein, der in den Eisengießereien von Lauchhammer verarbeitet wurde.
Weiterhin empfängt die Elbe aus der rechten Seite mehrere vom Fläming kommende Bäche, z.B.
– den Zahna-Bach bei Gallien,
– den faulen und
– den rischen Bach bei Wittenberg.
Die spärlichen Zuflüsse der linken Seite sind meist nur Entwässerungsgräben (Flutgräben), welche das von dem feuchten Ackerboden abgeleitete Wasser der Elbe zuführen.
Da, wo diese Zuflüsse den Elbdamm durchschneiden, befinden sich Schleusen; das sind Thore, die bei Hochwasser geschlossen werden. Der größte linke Zufluß ist die Landwehr.
Dieselbe entspringt in der Nähe des Dorfes Merschwitz, durchzieht die Elbaue nach Nordwesten und mündet gegenüber von Klein Wittenberg in die Elbe.
c) Die Bewohner
Die Bewohner der Elbaue beschäftigen sich meist mit Aderbau und Viehzucht (Rinder- und Pferdezucht).
Der fruchtbare Boden und die weiten üppigen Wiesenflächen lohnen die Mühe des Landmanns reichlich.
Die Bauerngüter sind groß und wertvoll.
Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude sind schön gebaut.
Viele dieser Güter haben nicht selten bis 14 Pferde und bis 40 Milchkühe. Die gewonnene Milch wird in Molkereien verarbeitet. Die zahlreichen kleinen Seen liefern viele Fische.
In der Sprache der Einwohner finden sich mancherlei Anklänge an da Niederdeutsche.
Von Sitten und Gebräuchen der Vorfahren hat sich sehr wenig erhalten. Das größte Fest in den Dörfern der Elbaue ist das Erntedankfest, der „gute Montag“ genannt.
In vielen Ortschaften gehen die Kinder am Peterstage (22. Februar) „petern“. Mit den Worten:
„Ist der Peter schon da gewesen?“ erbitten sie von den Erwachsenen kleine Geschenke, wie Brezeln und andere Näschereien.
d) Ortskunde
Stadt Pretzsch a. d. Elbe., 2.037 Einwohner.
Station der Eisenbahnlinie Wittenberg-Eilenburg und Pretzsch-Torgan. Postamt. Pretzsch war ursprunglich eine wendische Niederlassung. Sein Name hat die Bedeutung von „Sumpf“.
Der Ort war jedenfalls wie ähnliche wendische Befestigungen von Sümpfen umgeben. Schon vor dem Jahre 1004 ist Pretzsch als befestigter Platz (Burgwart) nachgewiesen.
Nach Verdrängung der Wenden ließen sich auch hier die niederländischen Ansiedler nieder.
Im Jahre 1651 erhielt der Ort das Stadtrecht.
Das wichtigste Gebäude ist das vor 300 Jahren erbaute Schloß.
In demselben befindet sich seit 1829 ein Militär-Waisenhaus.
(Die Mädchen-Abteilung des großen Potsdamer Militärwaisenhauses.) An der Stelle des heutigen Schlosses stand ursprünglich eine Burg, die im 12. Jahrhundert erbaut wurde.
Im Jahre 1813 wurde Stadt und Schloß Pretzsch von einem Nachkommen Albrechts des Bären (Herzog Rudolf I.) dem Ritter Magnus Rehfeld geschenkt.
Der Sage nach befreite dieser den Herzog durch einen kühnen Handstreich aus den Händen seiner Feinde.
Zum Danke dafür erhielt er jene Schenkung und den Namen
„von Löser“.
Eine verstümmelte Steinfigur an der Pretzscher Stadtkirche, die ein Reh im Wappen führt, wird für das Bild dieses Ritters gehalten.
Ein Nachkomme desselben, der Ritter Hans von Löser, war ein Freund Luthers und ein eifriger Förderer der Reformation.
Luther weilte mit Melanchthon und anderen Freunden oft in dessen gastfreundlichem Schlosse.
Ein anderer Hans von Löser erbaute 1571 bis 1574 das jetzige Schloß. Es ist ein großer, dreistöckiger Steinbau mit zwei Flügeln und einem viereckigen Turme.
Eine lateinische Inschrift über der Thür des Turmes meldet, daß die 6 m starken Grundmauern ebenso tief in die Erde hinabreichen, wie sie sich über dieselbe erheben.
An der Hofseite des Schlosses erinnern zwei eingemauerte Kanonenkugeln und die Jahreszahl 1637 an die Schrecken des dreißigjährigen Krieges, welche auch Stadt und Schloß Pretzsch heimsuchten.
Der schwedische General Banner liess Pretzsch beschießen;
133 Häuser sanken in Trümmer, und 1.000 Menschen sollen in jenem Jahre in Pretzsch und Umgegend getötet worden sein.
Auch die Stadtkirche wurde ein Raub der Flammen.
Ein späterer Besitzer des Schlosses ließ dieselbe wieder aufbauen. Im Jahre 1689 ging Pretzsch nebst den Vorwerken Körbin und Mauken durch Tausch in den Besitz der sächsischen Kurfürsten über. Bis 1696 war das Schloß der Witwensitz von Erdmute Luise, der Gemahlin des Kurfürsten Johann Georg IV.
Ihre Glanzzeit erlebten Stadt und Schloß Pretzsch, als die Königin Eberhardine das letztere 1697 zu ihrem Wohnsitze erwählte. Eberhardine (aus dem markgräflichen Hause Brandenburg-Bayreuth) war die Gemahlin des sächsischen Kurfürsten und späteren Könige von Polen, Augusts des Starken.
Die strenggläubige, einfache Frau paßte nicht zu dem рrunkliebenden, sinnlichen Fürsten, und ihr Herz war ihm schon längst innerlich entfremdet.
Als dieser daher 1697 seinem evangelischen Glauben entsagte, um die Königskrone Polens anzunehmen, und man auch ihr ein gleiches Opfer zumutete, da verließ sie den ungeliebten Gatten und das geräuschvolle Hofleben in Dresden und zog sich in die Einsamkeit des Pretzscher Schlosses zurück.
Die Stadt Pretzsch hat der edlen, wohlthätigen Frau viel zu verdanken an Geschenken und Zuweisungen. Auch die Ausschmückung der Stadtkirche ist meist ihr Werk.
Während Eberhardinens Aufenthalt sah Pretzsch öfter fürstliche Besucher, so König Karl XII. von Schweden, den König von Dänemark und den König Friedrich Wilhelm 1. von Preußen, den Gründer des Potsdamer Militär-Waisenhauses.
Königin Eberhardine starb plötzlich nach dem Genusse einer Melone – man sagt durch Vergiftung auf Anstiften der Jesuiten – im Jahre 1727. Ihrem Wunsche entsprechend wurde die „Betsäule Sachsens“ in der Pretzscher Kirche beigesetzt.
Fast 100 Jahre lang stand das Schloß leer.
Im Jahre 1755 übernachtete Friedrich der Große in demselben.
Im Jahre 1815 wurde Pretzsch mit dem gesamten Kurkreis von Sachsen an das Königreich Preußen abgetreten.
König Friedrich Wilhelm III. besichtigte 1817 mit seinem Sohne, dem nachmaligen Kaiser Wilhelm I, daß Schloß.
Im Jahre 1829 nahm dieses die Waisenmädchen auf.
An den Besuch König Friedrich Wilhelms IV. und seiner Gemahlin Elisabeth im Jahre 1845 erinnert die bei dieser Gelegenheit angelegte „Elisabethallee“ . Zum Schlosse gehört ein schöner Park.
– Priesitz, 257 Einwohner. Schule und kleine Kirche. In der Nähe liegt der langgestreckte Priesitz-See – der Rest eines früheren Elbarmes.
– Sachau, 165 Einwohner. Station der Eisenbahn Pretzsch-Torgau. Der für die Ausbreitung der Reformation so thätige Ritter Hans von Löser veranlaßte Dr. Martin Luther, in dem Kirchlein zu Sachau die erste evangelische Predigt zu halten. Dieses Ereignis bekundet eine Holztafel aus dem Kirchhofe und eine ähnliche Tafel in dem Kirchlein selbst. Sachau ist eingeschult nach Priesitz.
– Greudnitz, 259 Einwohner. Schule und Kirche.
– Wörblitz, 314 Einwohner. Station der Eisenbahn Pretzsch-Torgau. Schule und Kirche.
– Proschwitz, 179 Einwohner. Schule. Eingepfarrt nach Dommitzsch.
– Merschwitz (früher Merswitz), 231 Einwohner. Schule. Eingepfarrt nach Pretzsch. Merschwitz hatte insbesondere bei der Überschwemmung im Jahre 1655 schwer zu leiden, da hier der Elbbamm an fünf Stellen brach.
– Klein Zerbst (früher Zerbstgen), 140 Einwohner. Schule. Ein gepfarrt nach Trebitz.
– Trebitz (früher Trebenitz), 926 Einwohner.
(Der Name soll einen Ort bedeuten, „dem nichts mangelt“ (?)
Trebitz ist von den Wenden gegründet. Bereits vor dem Jahre 1004 wird es als Burgwart genannt. In Urkunden wird Trebitz des öfteren als ein „Flecken“ oder auch als „Städtlein“ bezeichnet.
Bis zum Jahre 1480 bildete es ein selbständiges Amt des Kurkreises. Als solches besaß es auch ein eigenes Maß, das „Trebitzer Maß“. Nach 1480 wurde es mit dem Amte Wittenberg vereinigt.
Im dreißigjährigen Kriege mußte Trebitz schwer leiden.
Im Jahre 1637 verwüsteten die Schweden Schloß und Dorf, plünderten die Gräber, steckten die Kirche in Brand.
Mehrere Dörfer in der Nähe von Trebitz wurden völlig zerstört. Heute erinnern nur die Namen dieser „wüsten Marken“ wie
– Burgau,
– Rohrbäck,
– Hermsdοrf,
– Schönfeld an diese ehemaligen Ortschaften.
Im Jahre 1680 raffte die weiße Ruhr viele Einwohner hinweg.
In den Jahren 1813 bis 1814 hatte Trebitz durch die Kriegsunruhen wiederum viel zu leiden.
Das zum Rittergut gehörige Schloß ist von einem der askanischen Herzöge erbaut worden. Die Herzogin Barbara, Witwe des Herzogs Rudolf III., wählte dasselbe (1419) zu ihrem Witwensitze.
Durch Rudolf II. war Trebitz dem Allerheiligenstifte zu Wittenberg (das an der Stelle der heutigen Schloßkirche stand) zinspflichtig geworden. Trebitz ist Station der Eisenbahn Wittenberg-Eilenburg; es besitzt Postagentur, Schule, Pfarrkirche, Amtsvorsteher, Dampfmolkerei.
– Schnellin (früher Schmellynn), 208 Einwohner. Schule. Eingepfarrt nach Trebitz. Schnellin war der kurfürstlichen Domäne Bleesern spann und dienstpflichtig. Doch heißt es von ihm in einem Erbbuche des Amtes Wittenberg vom Jahre 1513:
„Schmellynn ist arm und nicht zu erreichen.“
– Bösewig (früher Besewigk), 138 Einwohner. Schule und Kirche.
Es hatte oft unter Überschwemmungen zu leiden, besonders in den Jahren 1187, 1432 und 1655.
– Bleddin, 225 Einwohner. Schule und Pfarrkirche. Der Ort hatte gleichfalls unter den verschiedenen Überschwemmungen schwer zu leiden. Hier befand sich früher eine größere Fähre über die Elbe. Der Elbstrom floß nahe am Dorfe vorüber, suchte sich jedoch später ein neues Bett.
– Globig (früher Globigk), 501 Einwohner. Schule und Pfarrkirche. Station der Eisenbahn Wittenberg-Eilenburg. Postagentur.
Überschwemmung, siehe Bösewig.
– Dorna (früher Dornow), 185 Einwohner. Schule und Kirche.
– Bietegast, 184 Einwohner. Schule. Eingepfarrt nach Rackith.
Station der Eisenbahn Wittenberg-Eilenburg.
War der Kapelle zum heiligen Leichnam in Wittenberg durch Herzog Wenzel (um 1380) zinspflichtig geworden.
– Rackith (früher Rochutini), 403 Einwohner. Großes Rittergut.
Station der Eisenbahn Wittenberg-Eilenburg.
Wird schon vor 1004 als Burgwart genannt. Postagentur. Schule und Pfarrkirche. Amtsvorsteher. In der Nähe lag das im 30 jährigen Kriege völlig zerstörte Dorf Parys.
– Lammsdorf (früher Lampstorf), 265 Einwohner. Schule und Kirche. Rittergut Wachsdorf, 55 Einwohner. Eingeschult und eingepfarrt nach Pratau. War früher im Besitz der Familie Kranach, Nachkommen des berühmten Malers Lukas Kranach.
– Wartenburg an der Elbe, 946 Einwohner. Pfarrkirche und Schule. Postagentur. Amtsvorsteher. Bierbrauerei. Dampfmolkerei.
Schon frühzeitig (um das Jahr 1000) wurde hier ein Burgwart zum Schutze des Landes gegen die Wenden errichtet. Dieser Befestigung verdankt der Ort seinen Namen. Die im Volksmunde übliche Benennung „Gartenberg“ ist durch Umwandlung des Wortes Wartenburg entstanden. Von der ehemaligen Burg sind noch Überreste sichtbar. Ein Teil der Grundmauern wurde seinerzeit zum Bau von Elbbuhnen verwandt. Auch lassen vorgefundene Urnen auf ein hohes Alter des Ortes schließen. Wartenburg war ehemals ritterschaftlicher Besitz, d.h. der Ort gehörte dem Besitzer des Rittergutes (Schlosses).
Im Jahre 1474 wird als Besitzer desselben Heinrich von List genannt. Gleichzeitig wird noch ein zweiter Edelmann, Friedrich von Wesenigk zu Wartenburg, erwähnt. Oft hatte Wartenburg unter Überschwemmungen zu leiden (siehe Dabrun).
Das größte Unglück aber brachte das Jahr 1813 über den wohlhabenden Ort. Vom 15. September bis zum 12. Oktober dieses Jahres war Wartenburg abwechselnd von Tausenden der verschiedensten Truppen – Freund und Feind – besetzt, welche die Einwohner in schonungsloser Weise plünderten und quälten.
In jenen Schreckenstagen wurden den Wartenburgern u.a.
– 189 Pferde,
– 200 Stück Rindvieh,
– 364 Schweine,
– 400 Schafe,
– sämtliches Federvieh und
– alle Lebensmittel genommen.
Gärten, Felder und Wald wurden verwüstet, und des öfteren geriet das Dorf in Gefahr, in Brand geschossen zu werden.
Die Schlacht bei Wartenburg am 3. Oktober 1813
Blücher war des unthätigen Umherziehens in Schlesien müde und beschloß, durch einen schnellen Übergang über die Elbe Napoleon zu zwingen, Dresden aufzugeben und in die Gegend von Leipzig zu ziehen. Zugleich wollte er Schwarzenberg mit der böhmischen Armee veranlassen, ihm zu folgen und den schwankenden Kronprinzen von Schweden nötigen, endlich thätig einzugreifen. Trotz mannigfacher Hindernisse setzte der „Marschall Vorwärts“ diesen Plan durch, und am 26. September brach das schlesische Heer zum Marsche nach der Elbe auf.
Nach reiflicher Überlegung bestimmte Blücher das Dorf Elster als Übergangspunkt. Vom 28. September bis zum 3. Oktober früh wurden hier zwei Schiffsbrücken über die gegen 350 m breite Elbe im Angesichte des Feindes geschlagen.
General York erhielt den Befehl, mit seiner Heeresabteilung (Korps) von 24.000 Mann den Übergang zu erzwingen.
Am 3. Oktober (einem Sonntage) in aller Frühe rückte denn der Prinz von Mecklenburg mit 2 Brigaden hinüber auf das linke Elbufer.
Dort aber wurde er bald von der Übermacht der Franzosen angegriffen. Denn der französische Marschall Ney hatte bei Wartenburg unter den Generälen Bertrand, Morand und Franquemont eine Armee von 20.000 Mann mit 60 Kanonen zusammengezogen. Dieselbe hatte hinter Dämmen, Wasserläufen, Sumpfen und Hecken eine äußerst feste Stellung inne.
Der Prinz von Mecklenburg war gezwungen, Halt zu machen und York um Verstärkung zu bitten. Dieser schickte ihm zwei weitere Brigaden nebst Artillerie. Aber auch jetzt wurden die Preußen durch die Hindernisse des Bodens aufgehalten und von den hinter Dämmen geborgenen feindlichen Geschützen niedergeschmettert. Zum zweiten Male mußte das Vordringen auf Wartenburg eingestellt werden.
Nun entwarf General York folgenden Schlachtplan:
– „Die 1. Brigade beschäftigt den Feind in der Front und auf seinem linken Flügel.
– Die 7. Brigade bleibt verdeckt zur Unterstützung des Prinzen von Mecklenburg stehen und unterhält die Verbindung zwischen der 1. und 2. Brigade.
– Der linke Flügel unter dem General-Major von Mecklenburg dringt rasch auf das Torf Bleddin vor, vertreibt dort den Feind und sucht durch eine Rechtsschwenkung dessen rechten Flügel zu umgehen.
– Die 8. Brigade bildet die Reserve und bleibt an dem Wege stehen, der von den beiden Schiffsbrücken nach Wartenburg führt.
– Sobald die 2. Brigade Bleddin genommen und den rechten Flügel des Feindes umgangen hat,
– greifen die 1. und 7. Brigade den Feind in der Front an, lassen das Dorf durch einige Bataillone erstürmen und umgehen dasselbe mit den übrigen Truppen von beiden Seiten.“
Dieser auf dem Schlachtfelde unter Kugelregen entworfene Plan wurde pünktlich und genau ausgeführt.
Die schwerste Aufgabe war der 1. Brigade unter Oberst von Steinmetz geworden. Trotz der größten Anstrengung war es den Tapferen bei den schwierigen Bodenverhältnissen nicht möglich, dem Feinde in der Front beizukommen.
In einem achtstündigen Kampfe waren sie von früh 7 Uhr bis Nachmittag 3 ½ Uhr dem heftigsten feindlichen Feuer ausgesetzt und verloren 1.000 Mann (der 3. Teil der Brigade).
Der Prinz von Mecklenburg war nach links gegangen, um Wartenburg in der rechten Flanke zu nehmen. Der Boden war aber derart mit Gebüsch und Hecken bestanden und von Lachen, Wasserläufen und Sümpfen durchschnitten, daß die Preußen nicht weiter kommen konnten die Kanonen mußten sogar zurück geschickt werden.
Auf dem „Anger“ gerieten die Truppen in das Kreuzfeuer der bei Wartenburg und Bleddin stehenden feindlichen Artillerie und mußten zurückgehen.
Nach erhaltener Verstärkung durch die Kavallerie der 1. und 2. Brigade sowie der ganzen 7. Brigade unter dem General Horn drang der Prinz von Mecklenburg über den Moyenhaynichtgraben (kleiner Streng) auf dem mühsam verbreiterten und gangbar gemachten Leinpfade an der Elbe vor.
Es war bereits die Mittagsstunde verstrichen, als man endlich die freie Ebene erreichte.
Der Prinz von Mecklenburg lies auf dem „Schützberge“ die Geschütze auffahren und die bei Bleddin stehende Batterie beschießen.
Mit der Infanterie und Kavallerie rückte er gegen Bleddin vor und warf die dort stehenden Württemberger zurück bis nach Globig.
Ein erneuter kühner Angriff der schwarzen Husaren vertrieb sie auch von dort und nötigte die Reste zum Rückzuge über Reinharz und Düben nach Leipzig.
Unterdessen hatte General von Horn mit der 7. Brigade aus dem Obstanger einen schweren Stand, denn der Feind hatte auf dem sogenannten „Sauanger“ zwischen 4 hohen Dämmen und 3 Wasserläufen (Rödkolk, kalte Keite und Pfählen) eine äußerst feste Stellung.
Beim Vordringen aus den Obstanlagen wurden die Preußen von einem vernichtenden Feuer empfangen. Sie sanken vielfach bis an die Knöchel in den Sumpfboden ein.
Endlich gelang es, die morastige „kalte Keite“ zu durchwaten.
Die Stellung des Feindes wurde erstürmt und damit endlich der Zugang zum Dorfe erzwungen.
Der Feind (Italiener) versuchte zwar, sich auf dem westlichen Elbdamme festzusetzen, wurde aber auch hier vertrieben und zwischen „Röd- und Morskolke“ dem freien Felde zugejagt.
„Da mußten sie springen wie Hasen übers Feld!“ (Arndt.)
General von Horn überschritt nun den Elbdamm und marschierte den Sandbergen zu.
Mittlerweile hatten auch Teile der 8. Brigade, welche die Stelle der 7. Brigade eingenommen hatte, unter Oberst von Weltzien die

„kalte Keite“ durchwatet und den Elbdamm genommen.
In stetem Kampfe drangen die tapferen Landwehrmänner endlich Nachmittag halb 4 Uhr in Wartenburg ein und entrissen es den Franzosen.
Jetzt endlich wurde auch die tapfere 1. Brigade aus ihrer unter großen Opfern standhaft behaupteten Stellung erlöst.
Ein Teil der Brigade drang im Sturmlauf ins Dorf ein, während der andere Teil die hinter dem Schlosse noch stehenden Franzosen vertrieb. In wilder Hast eilte der Feind durch die „grobe Sau“
(„Grobe Sau“ bedeutet graue (grawe), d.i. öde Waldmark, auf der die Säue gehütet wurden) der Festung Wittenberg zu.
Die bei Globig den Feind verfolgende Brigade des Pringen von Mecklenburg erhielt halb 3 Uhr den Befehl, auf Wartenburg vorzudringen.
Auf dem Marsche dorthin stieß sie auf den schon weichenden Feind, der aber nochmals hartnäckigen Widerstand leistete.
In kühnem Angriffe wurde derselbe aber zurückgeworfen und über Melzwig und Dabrun bis Pratau verfolgt, wo die gehetzten Franzosen unter den schützenden Kanonen der Festung Wittenberg endlich Ruhe fanden.
Um 4 Uhr nachmittags war der Sieg vollständig errungen.
Der Übergang des schlesischen Heeres über die Elbe war geschehen und nun alles Land bis zur Mulde in den Händen der Verbündeten. Dieser Erfolg war aber mit großen Verlusten erkauft:
Das Yorksche Korps hatte 67 Offiziere, 170 Unteroffiziere, 18 Spielleute und 1.824 Gemeine – zusammen 2079 Mann – teils als Tote, teils als Verwundete zu beklagen.
Das französische Korps hatte infolge seiner vorzüglichen Stellung nur etwas über 100 Tote, dagegen aber einen Verlust von über 1.000 Gefangenen, 11 Geschützen, 70 Munitionswagen und 600 Pferden.
An der Westseite des Dorfes erinnert ein gußeisernes Denkmal an diese ruhmreiche Schlacht.
Dasselbe trägt, die Inschrift:
„Die gefallenen Helden ehrt dankbar König und Vaterland.
Sie ruhen in Frieden.
Wartenburg, 3. Oktober 1813.“
– Dabrun. (Im Volksmunde kurzweg Braun“ genannt. Doch hängt der Name keineswegs mit dem Farbnamen braun zusammen, sondern ist wendischen Ursprungs und soll soviel als „guter Ort“ [?] bedeuten.)
528 Einwohner. Pfarrkirche und Schule.
Rudolf I. überwies um 1345 die Einkünfte von Dabrun dem Allerheiligenstifte in Wittenberg. Von allen Ortschaften des Wittenberger Kreises ist Dabrun immer am schwersten von Überschwemmungen heimgesucht worden;
so im Jahre 1187, noch schwerer 1432.
Am 28. Februar 1594 brach bei Dabrun der Elbdamm.
Mehrere Einwohner ertranken, und es ging viel Vieh verloren.
In der Kirche stieg das Wasser 1½ Elle hoch und blieb 4 Wochen lang stehen. Wenige Jahre später, am 5. März 1598, brach die Elbe bei Dabrun wiederum den Damm und richtete großen Schaden an. Dasselbe geschah in den Jahren 1599 und 1655.
In Dabrun befand sich früher ein Rittergut, über welches der Rat der Stadt Wittenberg die Gerichtsbarkeit besaß.
Dasselbe befand sich zuletzt im Besitze der Familie von Oberkampff. In der neuerbauten, schönen Kirche ist noch ein Grabmal dieses Geschlechts aufbewahrt. Das zu diesem Rittergute gehörige ehemalige Vorwerk Rötzsch besteht heute noch südlich von Dabrun als selbständiger Gutsbezirk mit 24 Einwohnern.
Eine Viertelstunde nordöstlich von Dabrun liegt der „Weinberg“.
Auf dem bei dieser Ansiedlung liegenden Hügel wird Wein gebaut. In der Nähe liegen mehrere Gewässer, wie der „große Riß“, die
„alte Elbe“ u.s.w.
Dieselben gehörten ehemals zum Bett des Elbstroms.
Dieser bahnte sich nach größeren Überschwemmungen weiter nördlich den Weg. Dadurch wurde der Fleischerwerder und die Propstei vom Wittenberger Lug getrennt, mit dem beide vordem zusammenhingen.
Nach Dabrun ist Melzwig (früher Melzewigk) eingeschult und eingepfarrt, 259 Einwohner. Rudolf II. überwies 1361 Melzwig dem Allerheiligenstifte zu Wittenberg. Melzwig hatte gleich Dabrun viel unter Überschwemmungen zu leiden.
Am Wege zwischen Dabrun und Pratau liegt das Gut Boos.
Einschult und eingepfarrt nach Pratau.
– Pratau (siehe unter III Spaziergänge… b) Pratau)
– Eutzsch, 473 Einwohner. Schule und Pfarrkirche. Station der Eisenbahn Wittenberg-Eilenburg.
Eutzsch wird vor dem Jahre 1004 als Burgwart genannt. Im Jahre 1813 mußte es durch Plünderung seitens der Franzosen viel leiden.
– Pannigkau, 151 Einwohner. Eingeschult und eingepfarrt nach Eutzsch. Das Dorf hatte 1506 durch Wasserschaden schwer gelitten. Deshalb wurde ihm die der Wittenberger Pfarrkirche schuldige Naturalabgabe in eine mäßige Geldabgabe umgewandelt.
– Bergwitz (früher Bergkzow?), 822 Einwohner. Pfarrkirche und Schule. Station der Eisenbahn Berlin-Halle. Postagentur.
– Stadt Kemberg, 2.232 Einwohner, ist einer der ältesten Orte im Kreise Wittenberg.
Kemberg war bis zum Anfange des 12. Jahrhunderts eine wendische Niederlassung und führte den Namen Kemmeritz.
Auf den wendischen Ursprung weist die Lage des Ortes inmitten von Sümpfen, sowie der muldenförmige Opferplatz hin, auf dem die heidnischen Wenden ihren Göttern Opfer brachten.
Seit dem 17. Jahrhundert wird dieser Platz als Friedhof benutzt.
Die Friedhofskapelle wurde vor 120 Jahren erbaut.
Albrecht der Bär verdrängte die Wenden und siedelte auch in Kemberg und Umgegend Niederländer an. Diese machten Kemberg zu einem deutschen Orte und nannten ihn in ihrer Sprache Kembrigk, woraus später der Name Kemberg sich bildete.
Im Jahre 1201 wurde die bis dahin in Pratau befindliche Propstei nach Kemberg verlegt.
Der Ort war schon frühzeitig befestigt. Noch heute sind die inneren, ältesten Teile der Stadt vielfach von einer hohen Mauer begrenzt. Das in deren Nähe wachsende Schilfrohr zeigt an, daß an der Mauer entlang ein tiefer Graben lief, welcher später zugeschüttet wurde. Die Mauern gewährten der Stadt Schutz in den vielfachen Kämpfen ihrer Bürger gegen die Raubritter.
Vor den Angriffen der Hussiten (Hussitenkrieg 1419-1436) konnten sie freilich die Stadt nicht bewahren. Diese drohten, Kemberg in Brand zu stecken.
Erst nach Versprechung einer größeren Geldsumme standen sie davon ab. Die damals reiche, jetzt aber arme Kirche befreite die mittellose, geängstete Stadt, indem sie die geforderte Summe zahlte. Auch im 30 jäbrigen Kriege (1618-1648) hatte Kemberg viel zu leiden. Von den kaiserlichen Truppen wurde sie durch den edlen Schwedenkönig Gustav Adolf befreit.
Die Sage berichtet, daß die Kemberger Bürgerschaft ihn knieend als ihren Retter begrüßte.
Er aber rief:
„Hier seht ihr den großen Sünder von Schweden.
Kniet vor Gott, nicht vor mir!“
Im Jahre 1812 sah Kemberg das nach Rußland ziehende große Franzosenheer. Vor dem jetzt Luleyschen Hause hielt der stolze Kaiser der Franzosen, Napoleon I., und lies während 2 Stunden seine Truppen an sich vorüberziehen.
Von den Gebäuden der Stadt sind besonders drei Häuser(gotischer Bauart) bemerkenswert:
– die Kirche,
– das Rathaus und
– das Pfeilsche Haus.
Die Kirche stammt offenbar aus dem 13. Jahrhundert.
Auf der noch heute vorhandenen steinernen Kanzel derselben hat Luther sehr oft gepredigt.
Nach dem Tode des letzten katholischen Propstes (1518) wurde die Reformation in Kemberg rasch eingeführt.
Der erste evangelische Propst war Bartholomäus Bernhardi.
Sein Grabstein ist in der Kirdenmauer eingefügt.
Im Südportale der Kirche ruhte die Leiche Luthers auf der Fahrt von Eisleben nach Wittenberg in der Nacht vom 21. zum 22. Febr. 1546. Im Innern der Kirche ist sehenswert ein schönes Tabernakel (Sakramentshäuschen: gestiftet vom Herzog Rudolf), sowie ein wertvolles Altarbild:
Die Taufe Jesu, gemalt von Lukas Kranach dem Jüngeren.
Die dargestellten Personen tragen die Gesichtszüge der Reformatoren, sowie der damaligen Kemberger Geistlichen.
Der im Jahre 1859 neu erbaute Turm der alten Lutherkirche ist 85 m hoch.
Das Rathaus ist gleichfalls von hohem Alter.
Der vordere Anbau ist im Jahre 1606 entstanden.
Das Pfeilsche Haus trägt eine lateinische Inschrift, welche in deutscher Übersetzung lautet:
„1568. Wenn nicht der Herr gebauet hat das Haus,
umsonst haben gearbeitet, die es bauen.
Psalm 127. Allein Gott Die Ehre!“
Die Bewohner Kembergs treiben meist Ackerbau und Viehzucht. Die gewonnene Milch wird in der neuerbauten Molkerei verarbeitet. Unter den Handwerkern befinden sich vorzugsweise Tischler und Handschuhmacher.
Die Erzeugnisse derselben werden weithin versandt.
In Kemberg befindet sich ein Amtsgericht, desgl. ein Postamt.
Die Kemberger Märkte werden viel besucht.
Zum sogenannten „Jugendmarkte“ kommt die Jugend von nah und fern zusammen.
– Rotta, 409 Einwohner.
Der Name stammt von dem Worte „roden“ ab. Der dichte Wald rings um das Dorf wurde von den niederländischen Ansiedlern ausgerodet und in Ackerland umgewandelt. In Rotta wurden früher viele Topfwaren verfertigt. Schule und Pfarrkirche. In der Nähe liegen die Weinberge, auf denen ehemals viel Wein gebaut wurde, desgl. eine Braunkohlengrube und die Marken Sperrwehna, Naundorf und Zieschewitz.
– Reuden, 319 Einwohner.
Der Name ist ebenfalls von dem Ausroden des Waldes abgeleitet. Eingeschult und eingepfarrt nach Rotta.
– Schleesen (früher Schleszern), 442 Einwohner. Schule und Kirche.
– Naderkau, 63 Einwohner.
Eingeschult und eingepfarrt nach Schleesen.
– Klitzschena, 289 Einwohner.
Es war 1474 ein Dorf mit 3 Hüfnern und 6 Kossäten, 11 angebauten und 6 wüsten Hufen und befand sich im Besitz von Jörg von Kanitz. Der Ort lag bis 1637 zwischen Pannigkau und dem heutigen Klitzschena und war von einem See, dem „Kreidemeer“ umgeben.
Im 30 jährigen Kriege wurde das Dorf völlig zerstört und später an anderer Stelle wieder aufgebaut.
Die Feldmark „Altes Dorf“ bezeichnet seine einstige Lage.
Schule und Kirche.
– Selbitz, 401 Einwohner. Schule und Kirche.
– Seegrehna, 780 Einwohner, Postagentur und Standesamt.
Schule und Pfarrkirche.
Seegrehna ist wendischen Ursprungs und hieß ursprünglich Siegrohna, das bedeutet so viel wie Burg.
Zu Luthers Zeit hieß der Ort Seygrehn.
Fälschlich leitet man auch den Namen von den vielen kleinen Seen ab, von denen Seegrehna umgeben ist. Der größte dieser Seen ist der Krassensee. Im Jahre 1370 machte der Herzog Wenzel das Dorf der Kapelle „zum heiligen Leichnam“ in Wittenberg zinspflichtig. Professor Dr. Karlstadt, der Anführer der „Bilderstürmer“, lebte nach seiner Vertreibung aus Wittenberg einige Zeit in Seegrehna als Landwirt. Später ging er nach Kemberg und dann nach Thüringen.
Im 7 jährigen Kriege mußte Seegrehna viel leiden.
Noch schwerer wurde es durch verschiedene Überschwemmungen heimgesucht, z.B. in den Jahren 1769, 1784, 1845 und auch 1890.
Westlich von Seegrehna liegt der sogenannte Burgstall.
Das ist eine von den Wenden angelegte Befestigung.
Im Westen wurde dieselbe durch den Burgstall-See geschützt.
Im Süden und Osten umzieht sie das Flieth.
Die übrigen Teile waren durch Sümpfe unzugänglich gemacht.
Der Burgstall war also eine Sumpfburg.
Noch vor 20 Jahren standen hier uralte Eichen und Rüstern. Dieselben wurden ausgerodet. Auch die Wälle der Burg sind durch Einpflügen niedriger gemacht worden, doch sind sie noch deutlich sichtbar. Die Befestigung gliedert sich in die Vorburg (vom Volke „Burggarten“ genannt) und in die Hauptburg.
Durch den Burggarten fließt der im Jahre 1860 augelegte Flutgraben. Derselbe mündet ebenso wie das Flieth in den langgestreckten Burgstall-See.
Vom Burgstall werden viele Sagen erzählt.
In der Nähe befinden sich die Waldungen Bodemar, Heinrichswalde und die Straube.
Diese Waldungen waren bereits früher sehr wildreich.
Insbesondere gab es hier zahlreiche Hirsche und Eber.
– Bleesern (früher Blesser), 100 Einwohner, Amtsvorsteher.
Eingeschult und eingepfarrt nach Seegrehna.
Bleesern war ehemals kurfürstliche Domäne, der die umliegenden Ortschaften spann- und dienstpflichtig waren.
Besonders war die Schafzucht derselben (1.100 Schafe) bedeutend. Auch Bleesern wurde oft von Überschwemmungen heimgesucht, so 1655, wo der Elbdamm an 9 Stellen brach. auch 1784 und 1890.
B. Die Dübener Heide
a) Boden
Der südliche Teil unseres Kreises wird von der Dübener Heide eingenommen. Ihren Namen hat dieselbe nach der Stadt Düben (im Kreise Bitterfeld) erhalten.
Die Dübener Heide erstreckt sich in einer Länge und Breite von etwa 18 km durch die Kreise Torgau, Wittenberg und Bitterfeld.
Im Osten reicht sie bis nahe an die Elbe, im Westen bis an die Mulde, im Süden bis an die Stadt Düben und im Norden bis an die Stadt Kemberg.
Der meist sandige Boden ist vor langen Zeiten an geschwemmt worden, als unser Vaterland noch von einem weiten Meere bedeckt wurde (Diluvialboden). Unter der meist sandigen Decke findet sich geschichteter Thon, auch vielfach Braunkohle.
Auf der Oberfläche lagern vielfach erratische Blöcke.
Die höchsten Erhebungen sind:
– der Wurzelberg (Tannenberg) (180 m) hoch,
– der Ochsenkopf (150 m) und
– der Gollmer (130 m).
Letzterer war früher viel mit Wein angebaut.
Jetzt ist der Weinbau hier nur unbedeutend.
Auch befand sich auf dem Gollmer ein Lustschloß der Königin Eberhardine.
Der Name „Heide“ ist für den Hügelzug nicht zutreffend.
Die Dübener Heide ist keine öde Sandfläche (Heide), sondern vielmehr eine große, wildreiche Waldung.
Neben Nadelbäumen finden wir den prächtigsten Eichen- und Buchenwald. In diesem leben zahlreiche Rehe, Hirsche und auch Wildschweine. Die Dübener Heide bietet herrliche Spaziergänge. Sie wird darum alljährlich von zahlreichen Fremden besucht, namentlich von denen, die im nahen Moorbade Schmiedeberg Heilung und Erholung suchen.
Durch die Mitte der Dübener Heide (von Norden nach Süden) zieht sich die Straße von Kemberg nach Düben.
Dieselbe steigt oft recht steil empor (Lubaster Berg, Oppiner Berg). Ungefähr in der Mitte dieses Weges liegt ein großer (erratischer) Steinblock, der Lutherstein genannt.
Bis an diese Stelle begleiteten Luthers Schüler und Freunde den großen Reformator, einmal, als er zur Disputation (Unterredung) mit Eck nach Leipzig reiste, das andere Mal, als er der Ladung des Kaisers zum Reichstage nach Worms folgte.
Nicht weit vom Luthersteine liegt der Wachtmeister.
Es ist ein altes Gasthaus, in welchem auch Sommerfrischler Wohnung finden.
Ein vielbesuchter Ausflugsort an der Straße Kemberg-Düben ist der Eisenhammer (Kreis Bitterfeld).
Derselbe war früher ein Eisenhammerwerk.
Der große Teich, dessen Wasser das Werk einst trieb, ist noch vorhanden. Den malerischen Ort umrahmt der prächtigste Hochwald.
Der Boden ist im Allgemeinen leichter Mittelboden, der fleißig angebaut wird. Wo der Wald ausgerodet wurde, da baut man Roggen, Kartoffeln, Hafer und auch Gerste, Weizen und Klee, namentlich in den im Kreise Bitterfeld liegenden Teilen.
b) Gewässer
Die Bewässerung der Dübener Heide ist nur spärlich.
Zur Elbe entsendet sie den Fliethbach (Fließbach) und den Pretzscher Bach.
Am Fliethbache liegen zahlreiche Mühlen. Größere Teiche finden sich am Eisenhammer, bei Reinharz und bei Sachau.
c) Die Bewohner
Die Bewohner der Dübener Heide beschäftigen sich außer mit Ackerbau und Viehzucht ganz besonders mit Waldwirtschaft.
Die ausgedehnten Waldungen gehören zum Teil dem Staate (drei Oberförstereien), zum Teil den Gemeinden und zum Teil einzelnen Personen. Sie liefern ein wertvolles Nutzholz und Brennholz.
Viele Bewohner sind darum Holzfäller und andere Forstarbeiter. Andere verfertigen Holzwaren, wie Leitern, Harken, Besen u.s.w.
In den Pechhütten wird das Harz der Nadelbäume verarbeitet. Frauen und Kinder suchen Pilze und Beeren, namentlich Heidelbeeren, die sie in den nahen Städten verkaufen.
An vielen Orten gräbt man aus der Erde Lehm und Thon, den man in den Ziegeleien- und Thonwarenfabriken verarbeitet.
Bei Schmiedeberg gewinnt man Moor Erde.
Dieselbe wird zu heilsamen Bädern verwandt.
Die Dörfer der Dübener Heide, welche dem Kreise Wittenberg angehören, sind mit wenigen Ausnahmen klein und wenig wohlhabend. Die Häuser sind vielfach mit Stroh gedeckt.
Die Bewohner sind fleißig, einfach und anspruchslos.
Im Kreise Bitterfeld sind diese Ortschaften größer und wohlhabender.
d) Ortskunde
– Stadt Schmiedeberg
2.613 Einwohner. Der Ort wurde durch die von Albrecht dem Bären ins Land gerufenen Flamländer gegründet und von ihnen Smedeberch genannt. Im 13. Jahrhundert erhielt Schmiedeberg bereits Stadtrechte. Durch den Hussitenkrieg wurde die Stadt zerstört und durch Kurfürst Friedrich den Sanftmütigen wieder aufgebaut.
Als derselbe seine junge Gemahlin Margarete von Österreich (eine Schwester Kaiser Friedrichs) in sein Land führte, zog er mit ihr nicht die Heerstraße über Düben – Kemberg, sondern geleitete sie über Schmiedeberg, um ihr dieses zu zeigen.
Zur Erinnerung an diesen Besuch wird in Schmiedeberg jetzt noch alle zwei Jahre das „Margaretenfest“ durch historischen Festzug und allerlei Volksbelustigungen gefeiert.
Im 30 jährigen Kriege (1637) wurde die Stadt abermals in Asche gelegt und zum zweiten Male aufgebaut.
Davon berichtet eine Inschrift an dem westlichen Giebel des Rathauses.
In den Befreiungskriegen hatte Schmiedeberg weniger zu leiden. Während der Belagerung Wittenbergs wurde sogar die dortige Universität eine Zeitlang nach Schmiedeberg verlegt.
Im Jahre 1815 kam die Stadt gleichfalls an das Königreich Preußen. Einige Zeit war sie (wie auch Kemberg und Gräfenhainichen) Garnison für das 6. Dragonerregiment. Dieselbe wurde 1878 verlegt.
Besonders sehenswert ist der Marktplatz mit dem großen altertümlichen Rathause, vor welchem das Kriegerdenkmal steht, ferner die alte Stadtkirche und das altertümliche Stadtthor, Author genannt.
Dasselbe bildet den Rest der ehemaligen Befestigung. Schmiedeberg ist Station der Eisenbahn Wittenberg-Eilenburg. Amtsgericht, Postamt.
Berühmt geworden ist Schmiedeberg als Eisenmoorbad.
Dasselbe wurde im Jahre 1900 von 2.042 Kurgästen besucht, die hier Genesung und Erholung suchten.
Besonders heilsam erweisen sich die Moorbäder gegen Gicht, Rheumatismus und Nervenkrankheiten.
Die eisenhaltige, dunkelbraune Moor Erde wird im Herbste im nahen Stadtforste gestochen und bleibt den Winter hindurch zum Verwittern auf einem freien Platze, der Moorhalde, liegen.
Vor dem Gebrauche wird sie auf einer Mühle gemahlen, dann in die Wanne geschüttet und durch Dampf erhitzt.
Durch zugefügtes kalte Wasser wird der gewünschte Wärmegrad erreicht und das Ganze in eine schwarze, breiige Flüssigkeit verwandelt. In dieser muß der Kranke längere Zeit verweilen und tüchtig schwitzen.
Aus dem Moorbade steigt er dann in das Reinigungsbad, welches aus warmen klaren Wasser besteht, und endlich begiebt er sich zum Nachschwitzen in das bereitstehende Bett.
Das geräumige Badehaus enthält 31 Moorbadezellen.
In jeder dieser Zellen steht eine Wanne für das Moorbad, eine Wanne für das Reinigungsbad und daneben ein Bett.
Das Badehaus ist von schönen Parkanlagen umgeben.
In denselben liegt das Kurhaus mit dem Konzertplatze.
– Splau (früher Splaw), 122 Einwohner. Station der Eisenbahn Wittenberg -Eilenburg. Eingeschult und eingepfarrt nach Schmiedeberg. Thonwerk, welches Verblendsteine herstellt.
– Körbin und Mauken, zwei Vorwerke, die nach Pretzsch eingepfarrt sind. Dieselben gingen 1689 aus dem Besitz der Familie von Löser durch Tausch in den Besitz der sächsischen Kurfürsten über.
– Patzschwig, 226 Einwohner. Schule und kleine Kirche.
– Klein-Korgau, 184 Einwohner. Eingeschult und eingepfarrt nach Patzschwig.
– Groß-Korgau, 225 Einwohner. Schule. Eingepfarrt nach Schmiedeberg.
– Dahlenberg, 233 Einwohner. Schule und Kirche. Amtsvorsteher.
– Moschwig, 52 Einwohner. Station der Eisenbahn Wittenberg-Eilenburg. Wird im Erbbuche des Amtes Wittenberg vom Jahre 1513 als sehr arm bezeichnet. Eingeschult und eingepfarrt nach Schmiedeberg.
– Großwig, 442 Einwohner. Schule. Eingepfarrt nach Schmiedeberg.
– Reinharz, (auf einer Karte des Kurkreises vom Jahre 1541 wird der Ort Reinhardts geschrieben. Vielleicht wurde er nach seinem Gründer Namens Reinhardt so genannt.) 282 Einwohner. Schule und Kirche. Poststation. Amtsvorsteher.
Das zum Rittergut gehörige Schloß mit einem hohen, weithin sichtbaren Turme ist rings von Wasser umgeben.
Es ist gleich dem anschließenden Parke auf Pfahlrost (in den Sumpf gerammten Baumstämmen) erbaut durch einen Grafen von Löser in der Zeit von 1696 bis 1701.
Die sächsischen Kurfürsten weilten oft als Jagdgäste im Schlosse Reinharz.
– Scholis, 133 Einwohner. Eingeschult und eingepfarrt nach Meuго.
– Ogkeln, 151 Einwohner. Schule und Kirche.
– Meuro, 253 Einwohner. Schule und Pfarrkirche.
– Oesteritz, 120 Einwohner. Eingeschult und eingepfarrt nach Trebitz.
– Merkwitz (Merkewitz), 119 Einwohner. Eingeschult noch Schnellin. Eingepfarrt nach Trebitz.
– Gaditz, 243 Einwohner. Schule. Eingepfarrt nach Gommlo.
– Sackwitz (früher Sachewitz), 240 Einwohner. Eingeschult und eingepfarrt nach Meuro.
– Gommlo (früher Gommelow), 227 Einwohner. Schule und Kirche.
– Ateritz (früher Ottertitz), 188 Einwohner. Eingeschult und eingepfarrt nach Gommlo.
In der Nähe die im Walde gelegenen Ansiedelungen
– Köplitz,
– Parnitz,
– Schmeltz,
– Gottwaldsmühle,
– Mark Renz,
– Vogelgesang
– Torfhäuser.
– Lubast (früher Lubecz) jetzt noch im Volke vielfach Luwitz genannt. 121 Einwohner. Eingeschult und eingepfarrt nach Rotta.
Im Jahre 1331 schenkte der damalige Besitzer von Lubast, Schenk von Schenkendorf, die Einkünfte des Dorfes der Stadtkirche (Marienkirche) zu Wittenberg, zur Unterhaltung eines Altars für den heiligen Georg und Erhard.
– Gniest, 147 Einwohner. Eingeschult und eingepfarrt nach Rotta.
In Gniest wurden schon früher (1513) viele Topfwaren verfertigt.
– Uthausen, 212 Einwohner. Schule. Eingepfarrt nach Nadis.m Jahre 1513 war ein Johann von Uthansen Besizer des Dories.
– Radis, 691 Einwohner. Pfarrkirche und Schule. Station der Eisenbahn Berlin-Halle. Postagentur. Amtsvorsteher. Rittergut. Radis wird vor 1004 als Burgwart Grodisti genannt.
In der Nähe liegt das Papsthaus, ein vielbesuchter Ausflugsort, und die Kgl. Försterei Breske.
C. Der Fläming
a) Boden
Der nördliche Teil des Kreises Wittenberg wird vom Fläming ausgefüllt. Ihren Namen hat diese Hügelkette von den flämischen Ansiedlern, welche Albrecht der Bär in diese Gegend rief.
Der Fläming beginnt am Flüßchen Dahme.
Er zieht sich, dem Laufe der Elbe folgend, in einem nach Norden geöffneten Bogen nach Nordwesten und endigt nördlich von Magdeburg.
Im Süden bildet die Elbe die Grenze, während sich der Nordabhang an eine große Niederung (das Urstromthal) lehnt.
Die Länge des Flämings beträgt 116 km, seine Breite schwankt zwischen 28 und 50 km.
Der westliche Teil führt den Namen der Hohe Fläming, während der östliche Teil der Niedere Fläming heißt.
Der Fläming ist im wesentlichen aus Ablagerungen des Meeres entstanden, welches einst weite Teile unseres Vaterlandes bedeckte. (Diluvialboden.)
Er zeigt sich als eine unregelmäßig gewellte Fläche, die aus wirr aneinander gereihten Hügeln besteht.
Auf der Oberfläche lagert eine starke Decke von Sand, unter der sich Thonschichten erstrecken; auch findet sich nicht selten Buntsandstein und Braunkohle. Stellenweise ist die Oberfläche mit großen Steinblöcken (erratischen Blöcken) übersät.
Diese Findlinge gelangten ehemals auf den Eisschollen des Meeres von Norden hierher und sanken beim Abschmelzen dieser Eismassen zu Boden.
Der Flugsand der Oberfläche hat sich an manchen Stellen zu Dünen angesammelt.
Um das Ausbreiten derselben zu verhindern und den Boden zu befestigen, bepflanzt man diese Flächen mit Strandhafer und späterhin mit Kiefern. Gleichzeitig mit diesen Dünen bildeten sich ausgedehnte Moorflächen, welche mächtige Torflager und stellenweise Raseneisenstein bergen.
Die höchsten Erhebungen sind:
– der Hagelberg (201 m) bei Belzig Brandenburg),
– der Hirseberg (186 m) bei Berkau,
– der Golm,
– der Michelsberg bei Grabo und
– der Hubertusberg bei Coswig (Anhalt).
Auf letzterem ist ein altes Jagdhaus weithin sichtbar.
Von den wenigen Thälern ist bemerkenswert das Thal des Plaueflusses.
Eine dem Fläming eigentümliche Erscheinungen sind die Rummeln (von rummeln = lärmen).
Es sind tiefe, breite Rinnen, die vom Schmelzwasser und großen Gewitterregen in den weichen Boden gerissen wurden.
Solche Rummeln finden sich bei Garrey (Lobbeser Rummel), zwischen Marzahna und Kropstädt und bei Neuendorf.
Im Sommer sind die Rummeln kahl und trocken.
Bei Gewitterregen und bei der Schneeschmelze aber gleichen sie donnernden und tosenden Wildbächen, die oft vernichtend über die Felder und Wohnstätten der Menschen stürzen und weite Thalmulden in wogende, brandende Seebecken verwandeln.
Von jeher war der Fläming als ein unfruchtbares, reizloses Gebiet verschrieen.
Bezeichnend dafür ist das Sprichwort:
„Handwerksburschen und Bettler gehen sogar über den Fläming.“
Aber dieser ist weit besser als sein Ruf.
Allerdings gibt es Strecken, auf denen man im losen Sande watet, dem jede Pflanzendecke fehlt, und der darum vom Winde fortgeweht wird (Flugsand).
Von diesen Stellen gilt Luthers Äußerung:
„Auf den Höhen bei Wittenberg ist immer ein halbes Rittergut unterwegs.“
Auch gibt es zahlreiche ausgedehnte Waldungen, in denen nur Kiefern und Heidekraut gedeihen.
Daneben aber grünt die hellschimmernde Birke, die feste Eiche, die Akazie, Esche und andere Laubbäume.
Der Acker wird in allen Zeilen mit großem Fleiße bearbeitet und liefert gute Erträge.
Mit Recht heißt der Fläming die „Kornkammer Sachsens.“
Der Volksmund sagt:
„Flämig arm an Born, doch reich an Korn.“
Der vorzügliche Roggen bildet die Hauptfrucht.
Daneben gedeihen besonders Kartoffeln und Hafer.
An weniger fruchtbaren Stellen baut man Flachs, Buchweizen, Hirse und Lupinen.
In den Niederungen erntet man sogar Gerste, Weizen, Rüben und Wiesengras.
An den Abhängen wurde namentlich früher viel Weinbau getrieben. Vor Vor dem 30 jährigen Kriege zählte man an den südlichen Abhängen allein 80 Weinberge, welche jährlich über 1.100 Tonnen Wein lieferten.
Die heute noch angebauten Jessener Weinberge gaben im Jahre 1727 allein 190.000 Liter Wein.
Im Innern birgt der Boden
– Thon,
– Lehm,
– Braunkohle,
– Ocker (Erdfarbe) und
– Kieselguhr (bei Coswig).
Einige Teile des Flämings sind von landschaftlicher Schönheit und werden daher fleißig besucht; so
– das Plauethal und seine Rummeln,
– der Rabenstein,
– Park und Schloß Wiesenburg (Brandenburg) und
– das Friedenthat bei Kropstädt.
b) Gewässer
Der Fläming scheidet die Zuflüsse der Elbe von denen der Havel.
Er bildet also eine Wasserscheide. Die Bewässerung ist gering.
Nach Süden zur Elbe fließen der Drehning-Bach, der sich mit dem Zahna-Bach vereinigt, der faule und der rische Bach und noch einige andere kleinere Bäche, sowie nach Westen die Ehle und Ihle.
Zur Havel entsendet der Fläming Dahme, Nuthe, Plaue,
c) Die Bewohner
Die meisten Bewohner des Flämings treiben Ackerbau.
Die Viehzucht erstreckt sich vorwiegend auf Schafe, Rindvieh und Schweine. Für erstere liefern die Lupinen, für letztere die zahlreich angebauten Kartoffeln das hauptsächliche Futter.
Viele Bewohner treiben nebenbei auch Bienenzucht.
Das Heidekraut liefert eine vorzügliche Bienenweide.
Die ausgedehnten Wälder geben gutes Brenn- und Nutzholz.
Daher beschäftigen sich zahlreiche Bewohner mit Forstwirtschaft. In den Töpfereien (Straach, Nudersdorf) verfertigt man aus der Thonerde allerlei Geschirre. wie Schüsseln, Krüge, Flaschen, Töpfe. Auch in den Tuchfabriken (Jüterbog, Labetz), in Ziegeleien, in Pappen- und Papierfabriken (Dobien, Braunsdorf) finden viele Bewohner Arbeit und Verdienst.
Frauen und Kinder sammeln während des Sommers im Walde Pilze und Beeren (Heidelbeeren und Preißelbeeren), welche sie in den Städten verkaufen.
Der selbst gebaute Flachs wird zubereitet und von den Frauen versponnen. Aus den Früchten der Flachsstengel (Leinsamen) preßt man in den Ölmühlen das Leinöl.
Kartoffeln mit Leinöl werden von der Bevölkerung des Flämings vielfach gegessen.
In den an der Elbe gelegenen Orten (Elster, Klein-Wittenberg) treiben die Bewohner vielfach Schifffahrt.
Die Bevölkerung ist nicht sehr dicht.
Die Feldmarken sind wegen der geringeren Fruchtbarkeit sehr ausgedehnt.
Die Ortschaften sind je nach ihrer Lage, teils klein und ärmlich, teils größer und wohlhabend.
Die älteren Häuser bestehen aus Fachwerk und sind oft noch mit Stroh gedeckt, während die neueren Gebäude aus Ziegelsteinen gebaut sind. Die Bewohner sprechen vorwiegend das märkische Plattdeutsch; zB.:
De Englänner het ee’n Sparr’n,
De Franzos mokt sick to’n Narr’n,
De Berliner het een grot Mul,
De Pirower – de is mulful.
Das größte Fest der Flämingsbewohner ist Fastnachten.
Dasselbe wird oft mehrere Tage lang fröhlich gefeiert.
d) Ortskunde
Stadt Zahna, 3.203 Einwohner (früher Zeane oder Ezane), am Zahna Bach, ist eine der ältesten Städte unserer Provinz.
Dieselbe soll von dem Semnonenfürsten Porenno erbaut worden sein. Die in Kreuzform ausgeführte Stadtkirche wurde 978 erbaut. Ihre Größe beweist, daß Zahna schon damals ein volkreicher Ort gewesen sein muß.
Den Namen Zahna hat die Stadt wahrscheinlich nach den Sanern – einem Zweigstamme der Semnonen – erhalten.
In dem Bürgerkriege zwischen Otto IV. und Friedrich II. fand der Erstere an der Stadt Zahna eine feste Stütze gegen den siegreichen Hohenstaufen.
In seinem Vertrage mit Dietrich von Meißen (1212) wird unter den Vasallen auch ein Konrad von Zahna genannt.
Nach dem Untergange der Welfenmacht kam Zahna von Meißen an die Herzöge von Sachsen-Wittenberg.
Diese gaben es zunächst einem Herrn von Wederden als Lehen.
Im Jahre 1388 wies aber Herzog Rudolf III. seiner Mutter Cäcilia („Siliola“) Zahna als Witwensitz an.
Diese edle Fran hat der Stadt viele Wohlthaten erwiesen.
Das Schloß, welches sie bewohnte, ließ später Friedrich der Weise abbrechen und die Steine beim Baue seines Wittenberger Schlosses verwenden.
Im Jahre 1361 war Zahna zur Stadt erhoben worden.
Eine schwere Heimsuchung brachte 1584 die Pest über die Stadt. Eine Urkunde meldet darüber:,
„Das Städtlein ist, wie männiglich bewußt, fast gar ausgestorben.
Der Bürgermeister und alle die Seinen sind in kürzester Zeit an der Pest gestorben.
Ruchlose Buben haben das Haus geplündert, die Ratsschränke zerschlagen und Dokumente verbrannt.
Hierdurch ist Stadt und Rat der größte Schaden zugefügt.“
Diese Dokumente waren bei dem Brande des Rathauses 1580 in das Haus des Bürgermeisters gerettet worden.
Das neue 1897 erbaute schöne Rathaus steht auf den Grundmauern jenes alten Baues.
Im 30 jährigen Kriege (1637) wurde Zahna von den Schweden eingenommen und verwüstet.
Kaum war die Stadt wieder ausgebaut, so wurde sie am 31. Juli 1719 vom Blitze an mehreren Stellen gleichzeitig getroffen und ging in Flammen auf.
Nur die wenigen Häuser jenseits der Zahna, die „alte Stadt“, blieben verschont.
Im Jahre 1813 hatte Zahna unter den Durchmärschen der Franzosen (Marschall Oudinot, geschlagen bei Groß-Beeren; Marschall Ney, geschlagen bei Dennewitz), zu leiden.
Im Jahre 1815 kam Zahna, wie der gesamte Kurkreis, an das Königreich Preußen.
Früher wurde in Zahna viel gewebt.
Jetzt beschäftigen sich die meisten Bewohner mit Ackerbou.
Viele arbeiten auch in den hier befindlichen Fabriken (Thonwaren-, Stärke-, Pappen- und Fruchtsaftfabrik.
Berühmte Hundezüchterei „Cäsar und Minka“).
Zahna ist Station der Eisenbahn Berlin – Halle.
In der Nähe liegt ein Sandhügel, auf dem eine Windmühle steht. Derselbe war früher mit Weinreben bepflanzt und heißt darum noch heute „der kleine Weinberg.“
Bei Nachgrabungen fand man in diesem Hügel zahlreiche geschichtliche Gefäße, Urnen mit Leichenasche und mehrere bronzene Gegenstände, wie Ringe, Nadeln, Spangen, Schnallen usw.
– Zalmsdorf, 134 Einwohner. Kirche. Eingeschult nach Leetza.
– Leetza, 245 Einwohner. Pfarrkirche und Schule.
Nach Leetza sind eingeschult und eingepfarrt Vorwerk Ottmannsdorf und Rittergut Raßdorf.
– Dietrichsdorf (Dorf des Dietrich; nach seinem Gründer so genannt,)
132 Einwohner. Kirche und Schule. Herzog Rudolf II. machte 1361 Dietrichsdorf der Allerheiligenkapelle in Wittenberg zinspflichtig.
– Külso, 104 Einwohner. Eingeschult nach Dietrichsdorf, eingepfarrt nach Bülzig.
– Zörnigall (wendische Niederlassung nach dem Wendengott Tschernebog benannt), 104 Einwohner. Amtsvorsteher. Moorkulturen.
– Iserbegka (früher Iserbeck, das bedeutet „eisernes Becken.“
Man fand früher hier vielfach Raseneisenstein), 91 Einwohner. Eingeschult und eingepfarrt nach Dietrichsdorf.
– Gielsdorf, 69 Einwohner. Eingeschult und eingepfarrt nach Elster.
– Elster an der Elbe, nach der in der Nähe mündenden schwarzen Elster benannt. 1.235 Einwohner. Pfarrkirche und Schule.
Station der Eisenbahn Falkenberg-Cöthen. Postagentur.
Bis zum 30 jährigen Kriege besaß Elster Stadtrecht. Auf dem alten Friedhofe befindet sich noch der Leichenstein eines ehemaligen „Bürgermeisters der Stadt Elster“, desgleichen wird auf einem andern Leichenstein auf der Ostseite der Kirche von „Pfarrer im Städtlein Elster“ genannt. Auch das ehemalige Stadtsiegel ist noch vorhanden.
Die Hausbesitzer führen den Namen „Bürger.“
Im Jahre 1861 zerstörte eine Feuersbrunst die nördliche Seite des Ortes mit der Kirche. Zehn Jahre lang mußte der Gottesdienst auf dem Boden des Pfarrhauses abgehalten werden.
Der Bau der neuen Kirche wurde 1867 begonnen und 1870 vollendet. Bis 1873 bestand bei Elster eine Kettenfähre über die Elbe. Da diese der Schifffahrt sehr hinderlich war, so wurde sie in eine sogenannte „fliegende Fähre“ umgewandelt. Die Elbschifffahrtsgesellschaft „Kette“ zahlte der Gemeinde Elster hierfür eine Entschädigung von 6.000 Mark.
Im Jahre 1883 brannte die halbe Südseite des Dorfes nieder.
Bei Elster ging am 3. Oktober 1813 die schlesische Armee über die Elbe. General York lag mit seinen Stabsoffizieren im früher Gießmannschen Hause. Einwohner von Elster dienten den Yorkschen Truppen als kundige, zuverlässige Führer in dem unwegsamen Gelände bei Wartenburg.
Die Bewohner von Elster treiben vielfach Schifffahrt.
Die Wohnungen dieser Schiffer sind durch aufgestellte Maste bezeichnet. In Elster finden jährlich einige Viehmärkte statt.
– Listerfehrda (Lüsserfelde?), 346 Einwohner. Schule. Eingepfarrt nach Elster. Wurde um 1429 dem Allerheiligenstifte zu Wittenberg zinspflichtig.
– Gallien, 210 Einwohner. Schule. Eingepfarrt nach Dietrichsdorf. Friedrich der Streitbare schenkte 1425 Gallien der Stadt Wittenberg zum Danke für geleistete Dienste. Südöstlich von Gallien liegt der Fuchsberg. In diesem Sandhügel hat man mehrfach Urnen gefunden, ebenso im Windmühlenberge.
– Prühlitz, 310 Einwohner. Schule. Eingepfarrt nach Dietrichsdorf. Station der Eisenbahn Falkenberg-Cöthen. Postagentur.
Wurde 1425 durch Friedrich den Streitbaren der Stadt Wittenberg geschenkt.
– Hohndorf (Hondorp), 125 Einwohner. Eingeschult nach Prühlitz. Eingepfarrt nach Dietrichsdorf. Herzog Rudolf I. schenkte Hohndorf samt dem Hohndorfer Lug 1349 der Stadt Wittenberg.
– Wiesigk, 219 Einwohner. Schule. Eingepfarrt nach Trajuhn.
Die in der Nähe am faulen Bache gelegene Antonien- oder Plattnermühle gehörte ehemals dem Antonienstifte in Lichtenburg; um das Jahr 1500 wurde sie von diesem an Friedrich den Weisen abgetreten, der sie zwei Wittenberger Plattnern (Waffenschmieden) gab. Nach Wiesigk ist Labetz eingeschult.
– Bülzig, 545 Einwohner. Pfarrkirche und Schule. Station der Eisenbahn Berlin-Halle. Postagentur.
Vielleicht befand sich hier eine Verehrungsstätte der weißen (bely d. h. guten Götter, wodurch der Ort seinen Namen erhielt.
– Abtsdorf, 34 Einwohner. Eingeschult nach Euper. Eingepfarrt nach Trajuhn. Wurde 1361 dem Allerheiligenstifte zu Wittenberg zinspflichtig.
– Euper, 239 Einwohner. Schule. Eingepfarrt nach Trajuhn.
Am 5. September 1813 fand zwischen Euper und Woltersdorf ein Gefecht zwischen Bülows Vorhut und den Franzosen statt.
– Thießen, (Dießen), 101 Einwohner. Eingeschult nach Euper, eingepfarrt nach Trajuhn.
Im Jahre 1440 verkaufte der Ritter Albrecht von Lipzek, d. i. von Leipzig oder von Leipziger, Thießen für 250 rheinische Goldgulden an die Stadt Wittenberg.
– Trajuhn, 137 Einwohner mit Kirche. Eingeschult nach Teuchel.
Trajuhn war ehemals ein Ratsdorf, d.h. dem Rate der Stadt Wittenberg unterstellt.
– Woltersdorf (nach seinem Gründer Wolter = Walter genannt,
64 Einwohner. Kirche. Eingeschult nach Bülzig.
Woltersdorf gehörte 1281 dem Kloster Chorin.
– Wüstemark, 244 Einwohner. Eingeschult und eingepfarrt nach Kropstädt.
Ursprünglich lag hier der Ort Zernitzdorf. Derselbe wurde im Hussitenkriege zerstört. Aus der wüsten Dorfmark wurde später das Dorf Wüstemark erbaut.
– Rahnsdorf, 232 Einwohner. Schule und Pfarrkirche.
– Klebitz, 199 Einwohner. Schule und Pfarrkirche.
– Mellnsdorf, 124 Einwohner. Kirche. Eingeschult nach Blönsdorf.
– Blönsdorf, 366 Einwohner. Schule und Pfarrkirche.
Station der Eisenbahn Berlin-Halle. Postagentur. Das Blönsdorfer Missionsfest wird von nah und fern zahlreich besucht.
– Kurz Lipsdorf, nach seinem Gründer Lips (Philipp) genannt,
142 Einwohner. Schule und Pfarrkirche.
– Schönefeld,(nach den fruchtbaren Feldern benannt),
142 Einwohner. Kirche und Schule.
– Wergzahna, (Werckzahne), 129 Einwohner. Kirche. Eingeschult nach Rahnsdorf.
– Danna, 161 Einwohner. Kirche und Schule.
– Eckmannsdorf, 139 Einwohner. Pfarrkirche und Schule.
Ehemals kurfürstliche Zollstätte, bei welcher alle von Zerbst kommenden und nach Zerbst gehenden Güter verzollt werden mußten.
– Feldheim (der Name hängt vermutlich mit den fruchtbaren Feldern zusammen), 188 Einwohner. Schule und Kirche.
– Schwabeck, 165 Einwohner. Eingeschult und eingepfarrt nach Feldheim.
– Schmögelsdorf, 119 Einwohner. Eingeschult und eingepfarrt nach Marzahna.
– Marzahna, 429 Einwohner. Pfarrkirche und Schule. Postagentur.
In Marzahna befand sich eine kurfürstliche Zollstätte, bei welcher alle aus der Mark Brandenburg an der Wittenberger Straße eingeführten und nach der Makt ausgeführten Güter verzollt werden mußten. Seinen Namen hat der Ort nach der wendischen Todesgöttin Marzana erhalten.
– Kropstädt, 791 Einwohner. Pfarrkirche und Schule. Postagentur.
Bis zum Anfange des 19. Jahrhunderts hieß der Ort Ließnitz.
Dies wendische Wort bedeutet etwa „Ort im Walde“.
Die Burg Ließnitz wurde etwa 1150 erbaut. Sie war, wie die meisten anderen, eine Wasserburg, von drei Gräben umgeben, die noch heute teilweise erhalten sind. Die Ritter von Ließnitz verübten aber später Räubereien, plünderten Reisende und Kaufleute.
Besonders schlimm trieb es der Ritter Otto von Düben (Dobien?).
Um das Jahr 1358 ließ daher Herzog Rudolf II. Burg Liegnitz durch Wittenberger Bürger zerstören. Der Raubritter wurde gefangen und die Burg völlig dem Erdboden gleich gemacht. Es wurde ihm verboten, hier wieder eine Feste zu bauen, und zum Zeichen dafür wurde Salz auf die Trümmer gestreut. Erst um 1550 wurde an der Stelle der zerstörten Burg „Haus Kropstädt“ erbaut, nach welchem später der ganze Ort genannt wurde.
Kropstadt bedeutet „grobe“ (verfluchte) Stätte.
Kropstädt hat unter den verschiedenen Kriegen, wie viele Orte des Flämings, schwer leiden müssen; so
– im Hussitenkriege,
– im 30 jährigen Kriege, auch
– im Jahre 1800 und 1813 bis 1814.
Am 20. Oktober 1806 übernachtete Napoleon I. auf seinem Zuge nach Berlin in Haus Kropstädt.
– Weddin, 124 Einwohner. Kirche und Schule.
– Kerzendorf, 127 Einwohner. Eingeschult und eingepfarrt nach Berkau. 1813 General Bülows Hauptquartier.
– Berkau, (früher Berkow), 171 Einwohner. Kirche und Schule. Bürgermeister Rudolf Buerstein kaufte 1371 Berkau und schenkte es dem Rate der Stadt Wittenberg zur Unterhaltung eines Altars in der Stadtkirche.
– Jahmo, 139 Einwohner. Kirche und Schule.
– Köpnick, 90 Einwohner. Kirche. Eingeschult nach Jahmo.
Im Jahre 1361 überwies Herzog Rudolf II. Köpnick dem Allerheiligenstifte zu Wittenberg.
– Grabo, (früher Grabow; der Name kann daher nicht von dem Vorte „Graben“ abgeleitet werden,) 158 Einwohner. Kirche und Schule.
Auf dem östlich von Grabo gelegenen Michelsberge finden sich Reste von alten Befestigungen. Über Grabo führte die alte Heerstraße. Zwischen Grabo und Nudersdorf die wüste Mark Rädigkendorf (zerstört im Bruderkriege).
– Mochau, wird im 11. Jahrhundert als Burgwart Mochow genannt. Der Name kann deshalb nicht mit„Moosane“ (Moch = Moos) übersetzt werden. 303 Einwohner. Schule. Eingepfarrt nach Grabo.
Bei Mochau waren früher Braunkohlengruben. Dieselben sind jetzt vielfach mit Wasser angefüllt.
Der Volksmund bezeichnet diese Stellen mit „Sick (sieh) dich vor.“
– Schmilkendorf (Schmielendorf? noch den Schmielen Binsen,)
245 Einwohner. Kirche und Schule.
Die Orte:
– Straach,
– Nudersdorf,
– Dobien,
– Teuchel,
– Braunsdorf,
– Reinsdorf,
– Piesteritz,
– Apollensdorf,
– Kleinwittenberg
siehe unter:
2. Nach Dobien, Braunsdorf, Reinsdorf und Rothemark
4. Die Verkehrsstraßen des Kreises
Die einzelnen Orte unseres Kreises sind durch Wege oder Straßen verbunden. Sind dieselben künstlich angelegt, so heißen sie Kunststraßen oder Chausseen.
In der Mitte einer Chaussee befindet sich der Fahrdamm.
Derselbe ist entweder mit größeren Steinen gepflastert oder mit klein geschlagenen und festgewalzten Steinen beschüttet.
Zu beiden Seiten des Fahrdammes befinden sich schmale Wege für die Fußgänger. Häufig läuft neben dem Fahrdamme noch ein ungepflasterter Weg, der von den leichteren Wagen namentlich im Sommer benutzt wird. Er heißt daher auch der Sommerweg.
Die Ränder der Chaussee sind mit Bäumen bepflanzt.
Zu beiden Seiten der Chaussee befinden sich Gräben, die das abfließende Regen- und Schneewasser aufnehmen.
Am Rande der Chaussee stehen in gleicher Entfernung (100 m) Steine mit Zahlen (Kilometersteine). Sie zeigen an, wie weit die einzelnen Orte voneinander entfernt sind.
Die wichtigsten Chausseen im Kreise Wittenberg sind folgende:
a) Die Halle – Berliner Chaussee
Sie kommt von Halle und betritt bei Radis unseren Kreis, führt über Bergwitz, Eutzsch, Pratau, Wittenberg, Kropstädt, Marzahna und Schmögelsdorf nach Berlin.
b) Die Coswiger Chaussee
Sie führt von Wittenberg über Klein-Wittenberg und Apollensdorf nach Coswig.
c) Die Wittenberg-Zahnaer Chaussee
beginnt bei Wittenberg, führt über Labetz, Wiesigk, Zahna, Wüstemark und mündet bei Kropstädt in die Halle-Berliner Chaussee ein.
d) Die Brandenburger (Belziger) Chaussee
Sie zweigt sich bei Wittenberg von der Chaussee Halle-Berlin ab und führt über Dobien, Nudersdorf und Straach nach Belzig und von da nach Brandenburg.
Viele Orte unseres Kreises sind auch durch Eisenbahnen verbunden. Die Eisenbahnzüge befördern Personen (Personenzüge, Schnellzüge) und allerhand Waren (Güterzüge).
Der Eisenbahnzug läuft auf eisernen Schienen und wird durch Wasserdampf fortbewegt. Dieser Dampf wird in der Lokomotive (Dampfmaschine) erzeugt. Da, wo die Züge zum Ein- und Aussteigen halten, befindet sich ein Bahnhof.
In unserem Kreise gibt es folgende Eisenbahnlinien:
a) Berlin-Halle.
Dieselbe kommt von Berlin, betritt bei Blönsdorf unseren Kreis und führt über Zahna, Bülzig, Wittenberg, Pratau, Bergwitz und Radis nach Halle (Leipzig und Thüringen).
Die Strecke Wittenberg- Bitterfeld wurde im Jahre 1859 eröffnet. Bis dahin führte die Linie Berlin-Halle der Festung Wittenberg wegen von der Elstervorstadt an der Nordseite der Festungswerke hin nach Dessau und von da aus erst über Bitterfeld noch Halle bzw. Leipzig. Der Wittenberger Bahnhof lag im Westen vor der Stadt, da, wo sich heute der „Schweizergarten“ befindet.
b) Falkenberg Cöthen-Magdeburg
Dieselbe Eisenbahnlinie kommt von Falkenberg und führt über Elster, Prühlitz, Wittenberg, Klein-Wittenberg nach Dessau und Cöthen. In Roßlau zweigt sich von ihr die Linie nachMagdeburg ab.
c) Wittenberg Torgan-Eilenburg
Diese Linie beginnt in Wittenberg und führt durch die Elbaue über Pratau, Eutzsch, Rackith, Bietegast, Globig und Trebitz nach Pretzsch und von da über Sachau und Wörblitz nach Torgau.
In Pretzsch zweigt sich die Linie Wittenberg-Eilenburg ab, die über Splau, Schmiedeberg, Moschwig nach Düben und Eilenburg führt.
Eine wichtige Verkehrsstraße, namentlich für den Güterverkehr, bildet die Elbe.
5. Die Verwaltung des Kreises
a) Der Kreis
Der oberste Beamte des Kreises ist der Landrat.
Derselbe wird vom Könige ernannt. Er verwaltet den Kreis in Gemeinschaft mit dem Kreis Ausschusse und dem Kreistage.
Der Kreis-Ausschuß besteht außer dem Landrate aus sechs Mitgliedern (Deputierten).
Diese werden vom Kreistage gewählt.
Der Kreistag besteht aus mindestens 25 Abgeordneten.
Dieselben werden von den Einwohnern des Kreises gewählt.
Dem Landrate hilft der Kreissekretär.
Die Gendarmen üben im Auftrage des Landrats die Polizeigewalt im Kreise aus.
Der Kreisarzt sorgt für das Gesundheitswesen. Er beaufsichtigt u.a. die Apotheken.
Andere Beamte des Kreises sind der Kreisbaumeister und der Kreistierarzt.
b) Der Amtsbezirk
Jeder Kreis besteht aus mehreren Amtsbezirken.
Jedem Amtsbezirke steht ein Amtsvorsteher vor.
Dieser besitzt in seinem Bezirke die Polizeigewalt.
Der Kreis Wittenberg hat 13 Amtsbezirke.
Sie heißen:
– Bleesern,
– Dahlenberg,
– Elster,
– Klein-Wittenberg,
– Kropstädt,
– Pratau,
– Pretzsch,
– Radis,
– Rackith,
– Reinharz,
– Straach,
– Trebitz,
– Wartenburg.
Ein Amtsbezirk besteht aus Landgemeinden und Gutsbezirken.
c) Die Landgemeinde (Das Dorf)
An der Spitze jeder Dorfgemeinde steht der Gemeindevorsteher (Schulze, Richter). Ihm helfen die beiden Schöffen (Schöppen). Gemeindevorsteher und Schöffen werden von den Einwohnern gewählt und vom Landrate bestätigt.
Außer durch den Gemeindevorstand geschieht die Verwaltung des Dorfes durch die Gemeindevertretung.
Diese wird von den Gemeindemitgliedern gewählt.
In kleinen Gemeinden tritt an Stelle der Gemeindevertretung die Gemeindeversammlung.
Die vorgesetzte Behörde des Gemeindevorstandes ist der Landrat. In selbständigen Gutsbezirken hat der Gutsvorsteher die Rechte und Pflichten des Gemeindevorstehers.
d) Die Kirche
Die Kirche wird verwaltet durch den Gemeinde- Kirchenrat.
Dieser besteht aus dem Pfarrer und mehreren gewählten Mitgliedern der Kirchengemeinde (Kirchenältesten).
In wichtigen Angelegenheiten bedarf der Gemeinde- Kirchenrat der Zustimmung der kirchlichen Gemeindevertretung.
Mehrere Kirchengemeinden bilden eine Ephorie (Diözese), an deren Spitze der Superintendent steht.
Die Verwaltung der Ephorieen geschieht durch die Kreissynode. Dieselbe besteht aus dem Superintendenten, sämtlichen Geistlichen und gewählten Mitgliedern.
e) Die Schule
An jeder Schule wirken ein oder mehrere Lehrer.
An den mehrklassigen städtischen Schulen ist außerdem ein Rektor angestellt.
Der Vorgesetzte des Lehrers ist (außer dem Rektor) der Lokalschulinspektor.
Über mehrere Schulen ist der Kreisschulinspektor gesetzt.
Von Zeit zu Zeit sendet die Kgl. Regierung den Schulrat in die Schulen.
Die äußeren Angelegenheiten der Schule werden von dem Schulvorstande geregelt.
Dieser besteht aus dem Lokalschulinspektor und mehreren von der Schulgemeinde gewählten Mitgliedern.
f) Das Gericht
In Wittenberg, Schmiedeberg und Kemberg befinden sich Amtsgerichte. Dieselben schlichten Streitigkeiten und bestrafen das Unrecht. Bei jedem Amtsgericht besteht ein Schöffengericht. Dasselbe wird gebildet von dem Amtsrichter und zwei Schöffen.
Das Schöffengericht entscheidet über Vergehen, wie Diebstahl, Beleidigung, Betrug u.s.w.
Wer mit dem Urteile des Amts- oder Schöffengerichts nicht zufrieden ist, kann sich an das Landgericht in Torgau wenden.
Das nächste höhere Gericht ist das Oberlandesgericht in Naumburg. Das höchste deutsche Gericht ist das Reichsgericht in Leipzig.
Die Vorladung zum Gericht besorgt der Gerichtsvollzieher.
Derselbe nimmt auch im Auftrage des Gerichts die Pfändung und Versteigerung vor.
Wer seine Sache vor Gericht nicht selbst vertreten will, kann mit seiner Vertretung einen Rechtsanwalt beauftragen.
In vielen Ortschaften bestehen Schiedsgerichte, um die Leute vom kostspieligen Klagen abzuhalten und die Streitenden zu versöhnen. Gelingt das dem Schiedsmanne oder Friedensrichter nicht, so kann die Klage beim Gerichte eingebracht werden.