Mit der vorliegenden „Heimatkunde des Kreises Wittenberg“ hofft der Verfasser einem je länger je mehr fühlbar gewordenen Bedürfnisse abzuhelfen und vielen Wünschen zu entsprechen.
„Wer seine Heimat nicht kennt, die er sieht, wie will der die Fremde kennen, die er nicht sieht!“ (Pestalozzi.)
Das Büchlein umfaßt den Stoff von der Schulstube bis zum Kreise in 5 abgeschlossenen Stufen. Welcher Weg bei der Behandlung des einzelnen Ortes einzuschlagen ist, soll im 2. Kreise bei Behandlung der Stadt Wittenberg gezeigt werden.
Die Gliederung des Kreises ist in vorteilhafter Weise nach landschaftlichen Gebieten geschehen. Besondere Schwierigkeiten bot der geschichtliche Teil, da brauchbare und sichere Quellen nur spärlich vorhanden sind. Von diesen Quellen wurden benutzt:
– Stier, Wittenberg im Mittelalter (Wittenberg-Zimmermann 1855),
– Meyner, Geschichte d. Stadt Wittenberg (Dessau-Neubürger 1845),
– Bernhard, Wittenberg vor 50 Jahren (Wittenberg 1863),
– Schulze, Die Kolonisierung und Germanisierung der Gebiete zwischen Saale und Elbe (Leipzig-Hirzel), Oppermann,
– Das sächsische Amt Wittenberg im Anfang des 16. Jahrhunderts (Leipzig-Dunker u. Humblot 1897).
Der Verfasser hofft, durch diese Angaben gleichzeitig erweiterten Bedürfnissen Rechnung zu tragen und zum weiteren Studium der interessanten, bewegten Vergangenheit unseres Kreises anzuregen. Die den einzelnen Orten beigegebenen speziellen namentlich geschichtlichen Notizen sind in erster Linie für den betreffenden Ort bestimmt. Aus dem Gebotenen ist dann das für die besonderen Verhältnisse Geeignete leicht auszuwählen.
Der gegebene geschichtliche Stoff soll nicht etwa bereits im dritten Schuljahre vollständig verarbeitet werden, sondern ist auch für die späteren Schuljahre und für das Haus bestimmt.
Den viel verkannten Gebieten unseres Kreises, der Dübener Heide und dem Fläming, will die Heimatkunde die verdiente Würdigung bringen und die falschen, oft leichtfertigen Urteile über diese Gebiete, die leider auch in weitverbreitete Schulbücher übernommen sind, berichtigen.
Beide Gebiete sind als abgeschlossenes Ganze und nicht als bloße Teile des Kreises behandelt. Die Ortsnamen sind, soweit dies sich begründen ließ, gedeutet worden.
Hierbei muß der Verfasser mancher landläufigen aber unbegründeten Deutung widersprechen. Die beigegebenen Sagen sollen den Stoff wirksam beleben. Der Verfasser wäre für Übermittelung weiterer Sagen aus unserem Kreise besonders dankbar.
Der Einwohnerzahl sind die Ergebnisse der letzten Volkszählung vom 1. Dezember 1900 zu Grunde gelegt.
Allen denen, die mich mit Rat und That so bereitwillig unterstützten, sei auch an dieser Stelle herzlich dafür gedankt.
Der Verfasser bittet freundlich, ihm etwaige Wünsche, Berichtigungen und Ergänzungen übermitteln zu wollen.
Möge sich das Büchlein als ein brauchbares Unterrichtsmittel für Lehrende und Lernende erweisen. Möge dasselbe dazu helfen, daß die Kenntnis der engeren Heimat gefördert und mit dieser Kenntnis die Liebe zur Heimat geweckt, genährt und gestärkt werde!
Wittenberg, Melanchthonhaus, im Januar 1902.
Richard Erfurth