Der Wallberg bei Dobien 2

Zur Sicherung der deutsch-flämischen Ansiedlungen entstanden im 12. Jahrhundert im Fläming eine ganze Reihe von Burgen.
Zu ihnen gehörte auch die Burg in Dobien, die auf einem Berg errichtet wurde, der möglicherweise zuvor kultischen Zwecken diente. Dieser Burgberg war durch Aufschüttungen erhöht und durch Gräben und Wälle mit Holzpalisaden befestigt worden.
Oben wurde dann ein festes turmartiges Gebäude errichtet, allerdings nicht aus Stein, sondern aus Lehm und Holz.
Die Burg diente als militärischer Stützpunkt und der Sicherung des sich nach Norden entwickelnden Verkehrs auf der nahen Handelsstraße.
„Die von Dobyn“ nannte sich das Geschlecht auf der Wallburg.
Ob sie dem Ort den Namen gaben, oder ob sie sich nach der schon vorhandenen Siedlung nannten, wer kann das heute noch wissen? Schr verschieden ist der Name in den überlieferten Urkunden geschrieben:
– Dobyn,
– Dobien,
– Dobbyn,
– Tobin,
– Thobyn,
– Dübin,
– Dibin,
– Dybene,
– Dübene und
– Dybin.
Der Name wurde willkürlich und nach eigenem Gutdünken geschrieben, wie jeder ihn verstanden hatte, denn eine einheitliche Rechtschreibung gab es noch nicht.
Man wußte schon, wer und welches Geschlecht gemeint war.
Die Burganlage wird erstmalig in einer Urkunde von 1187 erwähnt. Um das Jahr 1200 saß schon die zweite Generation derer von Dobyn auf der Burg. Mit der Belehnung des Otto von Dobyn hatte sein Landesherr jedoch den Bock zum Gärtner gemacht.
Statt den aufblühenden Handelsverkehr auf der Straße zu schützen, überfiel er mit seinen Knechten hier bei Dobien manchen Kaufmannswagen, der von Brandenburg, Wittenberg oder Leipzig kam, und plünderte die kostbare Fracht:
Während die meisten Ritter in unserer Gegend damals noch ihre Aufgaben erfüllien; bildete der Dobyner eine Ausnahme.
Aber Otto von Dobyn bekam sein Räubern und Wegelagern schlecht. Nach 1200 war es, also zur Zeit Herzog Bernhards, dem Sohn Albrechts des Bären, da rüsteten die empörten Wittenberger Kaufleute und Bürger einen Zug gegen den räuberischen Dobyner, denn sie wollten Ruhe und Ordnung für eine friedliche Entwicklung ihres jungen städtischen Gemeinwesens haben.
Ein gar kleiner Haufen wurde es, denn Wittenberg war nicht groß, der da, dürftig genug bewaffnet, loszog.
Die Burg überrumpeln zu wollen, daran dachten sie nicht, denn sie glaubten, daß der Ritter wegen seines schlechten Gewissens auf der Hut sein würde.
Auf eine lange Belagerung ließ man sich damals aber nicht ein.
So stürmten die Wittenberger Angreifer ohne langes Zögern mutig die verhältnismäßig stark befestigten, aber nur schwach besetzten Anlagen.
Die Überraschung gelang, dem herzhaften Angriffsgeist erlag der Dobyner. Der Ritter und ein paar Knechte konnten fliehen, ein Teil wurde niedergemacht, der Rest gefangen genommen.
Alle Gebäude wurden niedergebrannt und die Palisaden zerstört. Der Kriegszug hatte nur einen Tag gedauert, übrig blieb nur der Berg mit dem umlaufenden Wall, der ihm dann auch den Namen gab.

Quellen:
Sagen und Geschichten aus dem Kreis Wittenberg – vom 01.02.1936

zurück – Dobiener Geschichten