Fahrt frei in die 25. Saison für das MS „Sputnik“

Als anlässlich des Internationalen Frauentages 1988 unser Fahrgast­schiff MS „Sputnik“ zwischen Belgern und Vockerode zu Sonderfahr­ten auslief, bedeutete dies gleichzei­tig für die Besatzung in eine Ju­biläumssaison zu starten.
Längst gehört unser „Sputnik“ zum Landschaftsbild der Umgebung und hat, im vergangenen Vierteljahr­hundert vielen Bürgern, nicht nur unseres Kreises, Freude und Erho­lung auf dem heimatlichen Elblauf gebracht.
Nachdem am 5. September 1964 das MS „Sputnik“ zur ersten erfolgreichen Jungfernfahrt in Witten­berg auslief, folgte ein Jahr später mit dem MS „Lunik“ ein Schwesternschiff, welches später in Dessau stationiert wurde. Beide Schiffe verkehrten unter der Rechtsträger­schaft des VEB Kraftverkehr Wit­tenberg.
Mit der Saison 1986 über­nahm der VEB Kraftverkehr Dessau endgültig das MS „Lunik“.
Im Angebot des MS „Sputnik“ sind aber nicht nur die beliebten Kaffeefahrten zur Elstermündung oder Tanzfahrten, die meistens elb­abwärts führen, sondern auch Char­terfahrten für Betriebe und Briga­den erfreuen sich großer Beliebt­heit. Darüber hinaus bestehen auch noch vertragliche Verbindungen zu den Elborten Elster, Pretzsch, Dommitzsch und Torgau.
So beträgt der Aktionsradius unseres Schiffes fast 150 km auf der Elbstrecke zwischen den Elborten Mühlberg und Aken.
Die 1987 abgeschlossene General­reparatur des MS „Sputnik“ auf der Werft in Alsleben an der Saale brachte nicht nur eine Verbesserung des Komforts für die Fahr­gäste, sondern bei der Auslegung der neuen Antriebsaggregate stan­den besonders energieökonomische Aspekte im Vordergrund.
In der Geschichte der Fahrgastschifffahrt in unserem Kreisgebiet von Wittenberg gab es nur vier Schiffe, die am Heck des Schiffes Wittenberg als Heimathafen auf­wiesen. Keines war aber so lange in unserem Elbbereich im Einsatz wie das MS „Sputnik“.
Dabei brachte es das MS „Lunik“ auf 21 Saisonjahre, der Seitenrad – passagierdampfer „Pa­triot“ in der Zeit von 1928 bis 1934 auf sieben Jahre, während der Dampfer „Willi“ nur 1920 in Wit­tenberg beheimatet war.
Alle anderen Fahrgastschiffe, die bei uns verkehrten, kamen im Char­terverkehr aus Roßlau, Dessau, Mag­deburg, Dresden oder Brandenburg.
Unter den vielen Schiffen, die seit 1859 im Personenverkehr in Wit­tenberg zum Einsatz kamen, musste der Rhein-Salon-Luxusdampfer „Freiherr von Stein“ genannt wer­den.
Dieses Schiff war für 1.100 Fahr­gäste ausgelegt und verkehrte 1926 in Wittenberg.
Gut formulierte An­zeigen luden in den ersten Septem­bertagen zu Sonderfahrten nach Coswig oder zur Großen-Extra-Prominenten – fahrt bis Roßlau ein.
1936 war dann von der Dresdener Weißen Flotte während der Pfingst­feiertage das Salonschiff „Leipzig“ mit einer Kapazität von 1497 Plät­zen in der Lutherstadt stationiert.
Als im August des Jahres 1952 ex­trem niedriger Wasserstand in der Elbe verzeichnet wurde (der 20. Au­gust 1952 brachte den niedrigsten Wasserstand der Elbe mit 94 cm in diesem Jahrhundert am Wittenber­ger Pegel) schickte die gleiche Dres­dener Reederei den Personen – dampfer „Weltfrieden“ für mehrere Wo­chen nach Wittenberg.
Diese beiden letztgenannten Schiffe gehören noch heute zum Flottenbestand in Dres­den.
Zu wünschen bleibt, dass im 25. Einsatzjahr unser MS „Sputnik“ von derartigen extremen Wasser­ständen verschont wird und der Besatzung, um Schiffsführer Klaus viel Glück.

Karl Jüngel

Quellen: Freiheit vom 26.03.1987

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