Es ist unbestritten, dass das erste Dampfschiff auf, der Elbe ein englisches Schiff mit dem Namen „Lady of the Lake“ war.
Dieses Schiff traf, von der Insel kommend, am 15. Juni 1816 in Cuxhaven ein und nahm dann im gleichen Jahr ab 29. Juni den Liniendienst zwischen Hamburg und Cuxhaven auf.
Dieser erste Dampfschifffahrtsverkehr erfüllte jedoch nicht die gehegten Erwartungen, und bereits ein Jahr später wurden die Fahrten wieder eingestellt.
Die Dampfschifffahrt auf der Elbe lebte erst wieder auf, als am 9. März 1833 dem 5. Gesuch des Dresdner Drechslermeisters und Zuckersiedereibesitzers Calberla zum Bau eines Schlepp- und Bugsierdampfbootes stattgegeben wurde.
Noch im Jahre 1833 ließ er in Krippen bei Bad Schandau den hölzernen Rumpf auflegen.
Auftragnehmer war der Schiffbauer Schinke.
Im Sommer 1834 wurde dieser Schiffsrumpf nach Hamburg überführt und mit einer englischen Dampfmaschine ausgerüstet. Die Leistung dieser Maschine wird mit 25 PS angegeben.
An Baukosten musste Calberla etwa 16.000 Taler aufbringen.
Zum Jahreswechsel 1834/35 absolvierte dieses Heckraddampfschiff auf der zum Teil stark eisführenden Elbe seine Jungfernfahrt von Hamburg nach Dresden.
Der Winter zwang zu mehreren Fahrtunterbrechungen, so auch mehrere Tage in Wittenberg. Das allgemeine Desinteresse der Bevölkerung am technischen Fortschritt mag der Grund gewesen sein, dass das „Wittenberger Kreisblatt“ keinerlei Notiz von diesem doch wohl denkwürdigen Ereignis nahm.
Am 14. Februar 1835 traf das Schiff in Dresden ein.
Trotz vieler Mängel an der Maschinenanlage wurde die erste Schiffsreise von Hamburg nach Dresden mit Erfolg abgeschlossen. Es zeigte sich aber schon jetzt, dass das Schiff für die installierte Maschine zu klein war, es konnte selbst nur wenig laden und zog als erstes Schleppschiff zwei bis drei der damaligen kleinen Zillen hinter sich her.
Nach kostspieligen Umbauten ging das Schiff abermals auf Fahrt. Auf dieser Reise verursachte bei Wittenberg ein Zusammenstoß mit einem größeren Kahn schweren Schaden.
Wiederum musste es in längere Reparatur.
Die technische Unvollkommenheit setzte die Ursache, dass dieses Schiff nur wenige Fahrten machte.
Sein Betrieb verursachte erhebliche Unkosten, es rentierte sich nicht mehr und wurde abgewrackt.
Kurze Zeit später wurde ebenfalls in Dresden, ein erneutes Privileg an Dresdner Kaufleute erteilt, aus dem die Dresdner Weiße Flotte, die im Vorjahr auf ihr 150jähriges Bestehen zurückblicken konnte, hervorging.
Karl Jüngel
Quellen: Freiheit vom 28.11.1987
