Der besonders auf dem Gebiet der Früh-und Vorgeschichte Wittenbergs tätige Lehrer Paul Hinneburg, gehörte zu seiner Zeit zu der Lehrergeneration, die mit den ihnen anvertrauten Kindern die Schönheiten unserer engeren Heimat erwanderten.
Besonders gerne weilte er mit ihnen auf dem Apollensberg und in seiner Umgebung.
Da ging oft der Weg bis in die Große Straube.
Hier stand vor 65 Jahren noch mitten unter 40 anderen Bäumen eine uralte Eiche.
Da kam im Jahre 1928 ein mächtiger Sturm auf und der Baum krachte zusammen. ,
„Als man davon in der Zeitung las,“ so berichtete einst Hinneburg, „hatte diese Meldung manchem Heimatfreund einen Stich ins Herz gegeben.“
Man hatte zwar schon lange damit gerechnet, doch als er nun zerschmettert am Boden lag, war einer der größten und höchsten Bäume im Kreis Wittenberg und darüber hinaus verschwunden. Einige Zahlen konnte man anhand des nun auf der Erde liegenden Riesen feststellen.

So betrug der Umfang der Baumscheibe auf dem Erdboden 13.5 m, was einem Durchmesser von 4.30 m etwa entspricht.
Vergleicht man diese Zahlen mit einem Wohnzimmer, das eine Seitenwand von 4 Meter hat, so kann man sich leicht vorstellen, was hier nun auf der Erde für ein Riese lag. Doch hatte ihn die Zeit arg zerzaust, denn der ganze untere Teil war hohl.

In diesem Innenraum hatte man getrost einen Tisch mit vier Skatbrüdern bequem unterbringen können.
Der Durchmesser dieser Höhlung betrug 2.20 m.
Hinneburg meinte, daß er mit den Schülern oftmals sich den Spaß machte, 40 Kinder in dem Hohlraum unterzubringen, rückten diese noch enger zusammen, konnte auch ihr Lehrer mit hineintreten. Zwar nahm der Umfang des Baumes nach oben hin etwas ab, doch in einer Höhe von 1 m über der Erde betrug er immer noch 9 m, hatte also einen Durchmesser von 2.87 m.
Von weiteren 2 m Höhe an ging der Stamm gerade nach oben und verjüngte sich mit zunehmender Höhe nur wenig.
Die Höhe insgesamt des Riesen schätzte man auf zirka 30 m.
Große Teile des einst weiten Blätterdaches waren inzwischen verschwunden und die großen Äste und Zweige längst abgestorben. Um sich ein Bild von der Höhe zu machen, sei daran erinnert, daß das Kirchendach unserer Stadtkirche etwa die gleiche Höhe hat.
Die Sorge der Heimatfreunde, daß der Baum einmal umfallen würde, war nicht unbegründet, denn nun sah man erst, daß er an manchen Stellen keine Verbindung zur Erde mehr hatte, sondern wie auf Stelzen stand.
Als nun der Sturm den Baum gefällt hatte, lag gerade die Große Straube im Hochwassergebiet der Elbe.
Im April 1928 kam Hinneburg mit einigen Bekannten endlich zum Baum, aber da hatten schon fleißige Hände einige Teile des Riesen zu Brennholz zerkleinert.
Er meinte:
„Ich hätte es gerne gehabt, daß der gewaltige Ring der Wurzelscheibe einen Platz in unserem Heimatmuseum gefunden hätte.“
Wie alt war nun der Baum?
Man betrachtete 18 Kloben (Mittelhochdeutsch Holzklotz)
und zählte die Jahresringe, bis man zu dem Ergebnis kam, bis er vielleicht ein Alter von 750 Jahren erreicht haben könnte.
Wenn also das Alter einigermaßen stimmte, dann war der Baum aus einer kleinen Eichel entstanden, die vor der Zeit unserer gerade gefeierten Verleihung der Stadtrechte im Boden der Straube gedeihen konnte.
Dann hätte der Riese den Hussitenkrieg und alle anderen Kriege erlebt, die Reformationszeit überstanden.
Um ihn herum war ein ziemlicher Waldbestand damals gewesen, denn der sächsische Kurfürst ließ 1555 Bauholz abfahren aus diesem Waldstück, weil der Pfarrer von Seegrehna solches zum Kirchenbau benötigte, als das Gotteshaus im Schmalkaldischen Krieg zerstört worden war.
Heinrich Kühne †
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Quelle: Elbe-Elster-Rundschau vom 11.09.1993
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Günter Göricke schrieb dazu am 17.09.199 in der Elbe-Elster Rundschau folgenden Artikel
Dieser Baum wurde als Luthereiche bezeichnet
In der Ausgabe vom 11. September 1993 wurde ein sehr interessanter Aufsatz Heinrich Kühnes über eine große hohle Eiche veröffentlicht, die 1928 einem Sturm zum Opfer fiel.
Diesem Aufsatz lag ein Bericht des verdienstvollen Heimatkundlers Paul Hinneburg zugrunde.
Nach diesem stand die Eiche inmitten weiterer 40 Bäume.
Der Durchmesser des Baumes wird mit 2.87 m und die Höhe mit rund 30 m angegeben.
Über diesen Baum wurde in einer Ausgabe des „Wittenberger Kreisblattes“ des Jahres 1887 folgendes geschrieben:
„Die große Straube, der schöne Hochwald zwischen Flügeldamm und Elbe, Apollensdorf gegenüber, wurde in diesemnWinter (1886/87) gänzlich abgeschlagen und die dortige Gegend dadurch einer ihrer schönsten Zierden beraubt.
Bloß eine kleine Fläche von zirka ½ Morgen
(1 Morgen = 2 500 Quadratmeter, unterschiedlich. 1872 wurde das metrische System eingeführt, die alten Maßeinheiten waren aber noch lange gebräuchlich.),
ist verschont worden.
Innerhalb derselben steht nämlich die große Luthereiche, ein Baum von so kolossalem Umfange, wie weit und breit nicht so leicht ein zweiter zu finden sein dürfte.
Sein Durchmesser beträgt ungefahr 9 Fuß, die Höhe 80 bis 90 Fuß
(1Fuß = 31.4 cm, der Ø also 2.83 m und die Höhe 25 bis 28 m).
Diese Eiche soll schon zu Luthers Zeiten ein starker Baum gewesen sein, in dessen Schatten der große Reformator oft geruht und auch seinen Namen in die Rinde eingeschnitten haben soll.
Im Sommer wird der vollstandig ausgehöhlte Stamm von Grasmähern als Nachtquartier benutzt, da ganz bequem 5 bis 6 Personen darin Platz finden.
Vergleicht man die Angaben von 1887 mit denen von 1928, so handelt es sich um ein und denselben Baum.
Woher die Bezeichnung Luthereiche stammt, wird wohl ungeklärt bleiben.
1928 war der Name scheinbar nicht mehr gebräuchlich.
Da der Auewald „Große Straube“ abseits der alten Straßen lag, ist ein Verweilen Luthers unter diesem Baum ohnehin fragwürdig.
Sollten die Angaben Hinneburgs über das Alter von 750 Jahren auch nur annähernd richtig sein, so wäre dieser Baum allerdings auch zu Luthers Zeiten ein großer gewesen.
Günter Göricke †
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Quelle: Elbe-Elster-Rundschau vom 17.09.1993