Johann Gottfried Schadow und das Lutherdenkmal in Wittenberg
Zu seinem 200. Geburtstag am 20.5.1964
Allen Besuchern der alten Lutherstadt Wittenberg ist sicherlich der historische Marktplatz mit dem schönen Renaissance-Rathaus und den Türmen der altehrwürdigen Stadtkirche in Hintergrund der Ostseite in Erinnerung geblieben.
Disse Harmonie eines mitteldeutschen Städtebildes wird nicht zuletzt auch durch die beiden Denkmäler der Reformatoren Luther und Melanchthon auf dem Markt vor dem Rathaus ausgelöst.
Am 31.Oktober 1821 fand die feierliche Enthüllung des Lutherdenkmals statt.
Damit war das erste Lutherdenkmal in Deutschland errichtet worden.
So hat Wittenberg in seinen Mauern gleichzeitig die erste plastische Darstellung des Reformatorsam bekannten Katharinenportal am Lutherhaus von 1540 und das obige erste wirklich freistehende Standbild desselben aus Bronze.
Eine lange Geschichte waren die Vorbereitungen dazu, die ihren Anfang im Mansfelder Land nahmen, wo sich eine Interessengemeinschaft für die Errichtung eines Lutherdenkmals zu Beginn des 19. Jahrhunderts gebildet hatte.
Unermüdlich sammelte zu Beginn dafür Gelder, es kam zu phantastischen Plänen hinsichtlich der Aufstellung.
1805 legte Schadow eine Zeichnung zum Denkmal vor, der auch ein Tonmodell schuf, das allgemeinen Beifall fand.
In den Ereignissen des napoleonischen Siegeszuges durch Deutschland wurde das in Magdeburg hinterlegte Kapital beschlagnahmt und abgewertet.
Erst nach den Befreiungskampf vom französischen Joch konnte man wieder die Denkmalidee weiter fortsetzen, Preußens König wertete alles wieder auf, endlich war im August ein Fonds von rund 30.000 Talern vorhanden.
Schinkel und Schadow wurden von Berlin mit der Auffindung eines geeigneten Platzes beauftragt, sie schlugen Eisleben vor, doch Friedrich Wilhelm III. bestimmte endlich den Wittenberger Marktplatz dazu.
Am 29. Oktober 1817 kam Schadow nach Wittenberg, um die Grundsteinlegung vorzubereiten, die dann auch am 1. November des gleichen Jahres stattfand.
Die Mansfelder waren natürlich darüber vorärgert, der Interessenverein löste sich kurz darauf auf, wollte auch von einer Anbringung einer Gedenkplatte am Denkmal für die von ihm geleistete Arbeit gar nichts wissen.
So konnte Schadow mit aller Kraft an die Arbeit gehen und formte endlich das Standbild des Reformators in seinem letzten Lebensjahrzehnt
Das Werk gehört zu seiner zweiten Schaffensperiode.
Breit und wuchtig steht Luther mit der aufgeschlagenen Bibel da.
So wie er im 19. Jahrhundert, dann in unzähligen Abbildungen angeboten wurde.
Man erkennt, daß auch für Luther die besten Kampf- und Erfolgsjahre dahin waren.
Schinkel lieferte den Entwurf zum granitenen Sockel und zum Baldachin aus Gußeisen.
Alle Einwendungen der Sachverständigen wegen der sich eventuell einstellender Schwierigkeiten bei der Benutzung dieser beiden Werkstoffe schlug der König in den Wind.
Vom Beginn des Formens bis zur endgültigen Fertigstellung waren vier Jahre vergangen, dann konnte die Enthüllung stattfinden.
Bei seinen Besuchen in der Lutherstadt hat der große deutsche Bildhauer eingehend die hier vorhandenen Kunstwerke besichtigt und eingeschätzt, aus seinen Studien entstand das Buch „Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei mit historischen und artistischen Erläuterungen“, das Schadow herausgab und das in der Zimmermannischen Buchhandlung zu Wittenberg 1825 verlegt wurde.
Heinrich Kühne †
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Quellen: Neue Zeit vom Mai 1964