Wie die Stadt Wittenberg in grauer Vorzeit mit der ganzen Umgegend gestattet gewesen sei, darüber hat sich mit dem Ablauf der Jahrhunderte ein undurchdringlicher Schleier hingezogen, und keine Hand des Geschichtsschreibers, wäre sie auch noch so geschickt, vermag diesen Schleier zu heben und Licht in diese Dunkelheit zu bringen.
Nach Einigen sollen in der frühesten Zeit Israeliten, die aus der Zerstörung Jerusalems entkamen, hier und im ganzen Churkreise gewohnt und Wittenberg erbauet haben.
Dies wollte man aus der Ähnlichkeit mehrerer Namen umliegender Städte mit jüdischen Ortsnamen schließen.
Manche hielten Wittenberg selbst für den jüdischen Flecken Libanum,
– das Dorf Pratau für Epbrata,
– die Stadt Sayda für Sidon;
– Jessen sei von der Wurzel Jsai oder Jessae erbauet;
– Dommitsch gliche dein alten Damaskus,
– die Elbe sei der Euphrat, der durchs Paradies floss u.s.w.
(Luther sagt in seinem Buche vom Missbrauche der Messe:
„ich wundere mich, wir es zugehet, dass Gott in diesem verachten Orte der Welt hat sein Wort erwecken wollen, und das ein Wunder ist, welches kein Land, als ich achte, widerfahren ist, dass die Städte und Dörfer um Wittenberg, auch die Bürger hebräische Namen haben, wie die Städte und Flecken um Jerusalem.
Wo kommt her Ephrata, Hebron, Räsen, Panneck, Globog, Zidon, Jessen, Dammaß, Dibon und dergleichen viel?
Und Wittenberg selbst, d. h Weißenberg, was ist´s anders, denn der Berg Libanus?
Libanus heißt weiß, damit sei genug gespielt.“)
Philipp Melanchthon verfolgte diese Vergleichung bis in den Leipziger Kreis, und verglich
– das Dorf Eutzsch mit Uttica,
– die Stadt Torgau mit dem Ptolomäischen Angelica,
– die Stadt Düben mit dem griechischen Theben.
Allein wie ungegründet diese Meinung sei, springt sogleich in die Augen.
Zwar nach dem Gesetz der Ideenassociation ließe sich denken, dass durch eine besondere Fügung der göttlichen Vorsehung auch hier, in dem nachmals zweiten evangelischen Zion, früher Juden gewohnt hätten, um selbst dadurch diesen Ort dem alten Jerusalem ähnlich zu machen; allein das beruhte nur auf einem Spiel des Witzes, und wer möchte darauf einen sichern Beweis gründen?
Der Professor Kirchmayer in seiner Abhandlung de Viteberga Saxonum hat obige Behauptung hinreichend widerlegt.
Annehmlicher scheint die Ansicht des Paulus Eberus zu sein, der in seinem Calendario historico sagt, Wittenberg habe im Gebiete der Semnonen gelegen, was auch Cluverius in seiner Genmania antiqua lib. III. c. 25. behauptet.
Aber auch diese Behauptung ist sehr problematisch.
Wer jedoch hier gewohnt haben mag, ob die Semnonen, oder die Hermunduren, oder eine andere germanische Völkerschaft, so können wir den Ursprung der Stadt nicht in diese Zeit versetzen, weil Tacitus in seinem Buche de moribus et situ Germaniae Cup. XVI. Folgendes sagt:
„Dass die deutschen Völkerschaften keine Städte bewohnen, ist hinlänglich bekannt; sie dulden nicht einmal unter sich zusammenhängende Wohnungen.
Wo nur eine Quelle, wo eine Flur, wo ein verschwiegener Hain sie lockt, da schlagen sie getrennt voneinander ihren Wohnsitz auf.“
Auf die Semnonen folgten im sechsten Jahrhundert nach Christo die Sorben, eilte slavische Völkerschaft, und nachdem diese von den Franken und Sachsen entweder vertrieben, oder unterjocht worden waren, gehörte Wittenberg’s Umgegend entweder zu dem nördlichen District Siusli (so urtheilt Schöttgen im dritten Theil der diplomatischen Nachlese zur Historie von Obersachsen), oder zum District Zerbst, oder zum pagus Plonim (so ein Brief von den Pagis des sächsischen Churkreises, in Kreisig’s Beiträgen zur Historie der Churf. Lande 1. Tb. S. 174 ff.).
Ob nun zur Zeit der Sorben die Stadt Wittenberg ihren Ursprung erhalten habe, ist ganz ungewiss.
Diese pflegten zwar Städte und Dörfer zu bewohnen, doch kein Schriftsteller des Mittelalters hat jemals hierher eine Stadt versetzt. So kommen wir nun der Zeit näher, wo Wittekind der Große, Herzog der Sachsen, in der Geschichte als tapferer Held und Gründer mehrerer Burgen hervorragt.
Und wenn wir der Stimme angesehener Gelehrten Beifall geben wollten, so müssten wir diesem die Palme der Gründung unserer Stadt reichen.
Wohl ist es zu beklagen, dass von hier an drei Jahrhunderte lang uns alle geschichtliche Nachrichten verlassen; allein es lag dies in der Barbarei des Mittelalters, wo man freilich geringer Orte sich nicht besonders annahm, und nur damit beschäftigt war, das Wichtigste aus dem wilden Strome der Zeit zu retten und durch den ehernen Grabstichel der Geschichte den spätern Enkeln zu überliefern.
Allein dennoch wähnten Einige, wir könnten in diese Dunkelheit einer nebelgrauen Vorzeit einige Helle Blicke thun, und bis zur Wahrscheinlichkeit obige Behauptung erheben.
Wittenberg nennt sich unsere Stadt (sonst auch Wittenburg, Wittiburg, Leucorea, Albioreum, Albimontium, Albiburgum genannt).
Es hat also, sagen Jene, seinen Namen von Wittekind dem Großen, Herzoge der Sachsen, und hat ursprünglich Wittenburg oder Wittekindiburg geheißen.
Nach den Chronikenschreibern des Mittelalters sind zwei Kastelle oder Burgen, eine an den Ufern der Saale, die andere an der Elbe (und dies sei Wittenberg) von Wittekind erbauet worden.
Der Grund sei demnach im ZJahr 786 gelegt; es wurde Witteburg oder Wittebrod genannt, welches später sich in Wittenberg verwandelt, wie der Name Kotzenbroda im Meißnischen in Kotzberg.
Alles das beruhe zwar nur auf Muthmaßungen und ermangele der geschichtlichen Begründung, weil alle Schriftsteller darüber das tiefste Stillschweigen beobachten.
Allein unter solchen Umstanden müsse nach dem Ausspruche des Livius uns das Wahrscheinliche für Wahrheit gelten.
(So sagt Ludwig Person in seiner 1598 zu Wittenberg gehaltene „Oratio de Witeberga,“ (siehe Acta Jubilaci a. 1602):
„Plerique Wittekindum hanc Civitateum ducto aratro felicibus avibus condidisse statuunt. Recte Livius: in antiquis, quae similia veri sunt, pro veris accipienda Cur non igitur communi suffragio album addentes calcutum, lauream in hoc Wittekindo M. deferamus?
Eumque non secus hujus atque Wittini ad Salam et Wittekindiburgi ad Wesseram conditorem statuamus, profiteamus. Quam et condidisse existimo, non ut vulgo septuagesimo nono, sed post annum demum octuagesimam acxtum, supra septingentesimum.
Und Balthasar Menzius in seinem Syntagma Epitaphiorum Witteberg, sagt in der Vorrede: „de ortu atque antiquitate nostrae Wittebergae pauca narrare possomus, quae ex monumentis scriptis fidem mercantur. Conditorem tamen certum est fuisse Wittekindum, qui fortissimus et potentissimus Princeps in gente Saxonum, diutissime vim atque arma Francorum sustinnit. Is ergo Wittekindus, quem oixicyv(???) oppidi constitunimus, nono et septuangesimo post septingenesimum Christi, Wittebergea fundamenta jecit.
Wir tragen Bedenken, dieser Meinung ohne Weiteres beizutreten, da diejenigen, welche ihr folgen, nicht den mindesten geschichtlichen Beweisgrund anzuführen wissen.
Eben so wenig können wir uns mit denjenigen befreunden, welche die Stadt schon in früherer Zeit durch die Sorben und Wenden entstehen lassen, da schon der Name der Stadt dieser Meinung widerspricht.
Man fühlte sich zu dieser Annahme durch den Umstand bewogen, daß mehrere in der Umgegend Wittenbergs liegende Oerter ihren slavischen Ursprung verrathen, z. B.
– Dommitsch,
– Zahna,
– Trebitz,
– Dabrun,
– Rakith,
– Eutzsch,
– Seegrehna,
– Klitzschena,
– Pratau.
Wittenberg sei demnach ehedem Wel- oder Belbrod oder Belbrad genannt worden, d. i. die weiße Überfahrt (denn Broda bedeutet in der slavischen Sprache die Überfahrt), von den weißen Sandufern der Elbe so benannt, zum Unterschiede von dem Dorfe Broda oder Pratau, welches früher dicht an den Ufern der Elbe gestanden haben soll.
(Schramm im historischen Schauplatz, worin die merkwürdigsten Brücken aus allen Theilen der Welt usw. vorgestellt und beschrieben werden, Leipzig, 1735, II. Abth., c. IV S. 125 erzählt:
„vor Alters her hat man bei der sächsischen Churstadt Wittenberg über den Elbstrom gegen Mittag eine Überfahrt ober Fähre gehabt, und würde aus der Ursache die Stadt Wittenberg von den Sorben und Wenden Weil- oder Bellbrod, dh. eine weiße Überfahrt, zum Unterschied des aber der Elbe gegen Mittag liegenden Dorfes Broda oder Prada, genannt; nach der Zeit hieß man sie Wittebrod, oder Wittekinds Überfuhrt,“
Es ist allerdings nicht selten der Fall, daß man Städte nach der Überfahrt bei denselben benannt hat, als Frankfurt, Schweinfurt, und zum Ungarischen, Böhmischen, Deutschen Brod.
Allein gerade der Name Wittenbergs verräth den spätern, nicht slavischen Ursprung der Stadt.
Daher behaupten Neuere mit der größten Wahrscheinlichkeit, Wittenberg verdanke nicht bloß seine Erweiterung, sondern auch seinen Ursprung Niederländischen Colonisten, den Flamingern, welche Albrecht der Bär, nach Vertreibung und gänzlicher Unterjochung der Sorben, in diese Gegend versetzte, und finden die Meinung von einem früheren Dasein der Stadt höchst lächerlich und abgeschmackt.
So urtheilt S. Ps. Schalscheleth in seiner Schrift
„Historisch-geographische Beschreibung der Stadt Wittenberg,“ Frankurt u. Leipzig.» 1795, S. 33 ff.:
Wittenberg könne nur erst im zwölften Jahrhunderte von den Flämingern gegründet sein.
Die alten Sachsen hätten sich zu keiner Zeit von ihren eigentlichen Wohnsitzen in Niedersachsen, Schleßwig und Jütland so weit und in unsere Gegenden herabgezogen, und Wittekind habe in seinem ganzen Leben nicht die Elbflächen gesehen, wo jetzt Wittenberg liege.
Fabricius, Casp. Peucer, Schurzfleisch ua. sachkundige Männer hätten hinreichend bewiesen, daß vor dem Ende des 12. Jahrhunderts oder vor den Zeiten des schwäbischen Kaisers Friedrich des Rothbärtigen nicht die geringste Spur in irgend einer Urkunde von einer Nachricht über Wittenberg vorkomme.
Das Stillschweigen aller Mönchschroniken, oder vielmehr der Schriftsteller zu Carls des Großen Zeiten von Wittekindiburg ließe sich durchaus nicht denken, wenn der damals so berühmte Wittekind die Stadt angelegt hätte.
Den sichersten Beweis endlich für die Wahrheit seiner Behauptung findet er in dem Namen einer andern Stadt, die Wittenberge heißt, und in der Gegend von Perleberg an der Elbe liegt.
Auch diese Stadt sei von den Flämingern erbauet, und nach den umliegenden weißen Bergen benannt.
Dieser Meinung tritt auch Leopold bei, indem er hinzufügt:
„wem nöthigt es nicht ein Lächeln ab, wenn man einen Professor Kirchmayer in seiner Abhandlung von unserer Stadt ganz ernstlich behaupten sieht, Wittenberg habe von dem eben Gesagten den Namen nicht, sondern es heiße eigentlich Weisheitsberg, als eine Prophezeihung dessen, was einst in dieser Stadt geschehen würde.“
Da hierAlles in ein undurchdringliches Dunkel gehüllt ist, so müssen wir der Ansicht derjenigen beitreten, die den Ursprung der Stadt in das I2te Jahrhundert versetzen, weil diese Meinung die größte Wahrscheinlichkeit für sich hat.
Mit Recht wird daher in den historischen Erläuterungen zu Schadow’s Denkmälern Wittenbergs die Bemerkung gemacht:
„wir finden gewöhnlich in jeder Einleitung zur Geschichte Wittenbergs weitläufige Untersuchungen über die Entstehung des Namens der Stadt angestellt; wir dürfen nicht besorgen, daß uns ein Aufschluß über die Geschichte, welcher Wittenberg seinen Ruhm verdankt, verborgen bleibe, wenn wir uns dabei beruhigen, das es seinen Namen von den weißen Sandhügeln des Elbufers führt, nach denen es die Niederdeutschen Einwanderer „Wittenberg“ (den weißen Berg) nannten.
Zwar meint der Appellationsrath Horn in dem Anhange seiner Disputation de Comitibus Palatinis Saxon. (Wittenberg 1709), Wittenberg heiße so viel als Wittemark, weil das nahe vor dem Schloßthore gelegene Vorwerk noch heiße die Rothe Mark, wegen des rothen Sandes, den man dort findet; also müsse Wittenberg heißen Wittemark, wegen des weißen Sandes an den Elbufern. Allein in frühester Zeit nannte man dieses Grundstück die Rodemark, von dem Aushauen des dicken Waldes.
Christoph Thiebers in seinem Vorboten eines Lexici Etymologie! (Breslau 1724,) meint, unser Ort heiße soviel als Bedeburg, eine Kriegsburg oder Gränzfestung, die man gegen die Sorben und Wenden aufgebauet.
Eine etymologisch ganz unbegründete Erklärung des Namens.
D. Klügel in der Vorrede zu Georgi’s Annales Academ. Viteb. pag. 9. leitet die erstere Hälfte des Namens von dem Flamingischen „with“ weit (amplum) her, und erklärt den Namen als eine weite, große, angesehene Burg, welche Erklärung sich aber neben der obigen nicht sehr empfiehlt, da es anfangs ein sehr kleiner, unbedeutender Ort gewesen und noch jetzt ist.
Zur Bestätigung obiger Behauptung fügen wir noch folgende Anzeige bei, welche sich im Wittenberger Wochenblatte, herausgegeben von Titius, v. Jahr 1787. S. 373 vorfindet.
Da heißt es:
„Bei Gelegenheit, da ein Hausbesitzer allhier auf der Jüdengasse nach Sande zum Mauern graben ließ, fand er in einer Tiefe von etwa 6 Werkellen ein ansehnlich Stück versteintes Holz, an Farbe ganz weiß, und an den Fasern, die insgesammt durchaus kennbar waren, und alle Charaktere ihrer vormaligen Substanz halten, ziemlich fein und eben, daß man die Holzart für Elsen oder Birken halten konnte.
Ein anderer Hausbesitzer, auf der Collegiengasse, ließ einen Brunnen graben, und fand in der Tiefe von 6 bis 8 Ellen ebenfalls Stücken von völlig versteintem Holze.
Nicht sowohl die Holzversteinung, als vielmehr die Erdschichten, und die Tiefe, wo das Holz gelegen, verdienen hierbei die Aufmerksamkcit des Naturforschers.
An beiden Orten fand man unter einer Lage von 2 bis 2½ Ellen dick gewöhnlichen Garten- und Ackererdreichs, die mit etwas Lehm und fetten Theilen untermengt war, nichts anderes als lauter Sandschichtcn, von bald gröberem, bald feinerem Sande, von Kiessand, Mauersand, zum Theil weiß, zum Theil eisenschüssig, und verschiedenen dicken Schichten und Lagen übereinander.
Eine gleiche Reihe von Sandschichten übereinander erblickt man auch an dem hohen Elbufer, das sich hinter der früher sogenannten langen Reihe, einer Vorstadt vor dem Elsterthore, auf dem Wege nach dem Luthersbrunnen hin, befindet.
Dieses giebt uns alle Vermuthung, daß der ganze Boden, worauf die Stadt steht, entweder vormaliger Elbgrund, oder doch ein von der Elbe in der Reihe der Jahrhunderte aufgeworfener hoher Sandboden sei.
Man hat noch Beweise aus näherer Zeit, daß der Elbstrom wirklich mehr zur Stadtseite gegangen, ungeachtet vor etlichen 100 Jahren dieselbe viel weiter von der Stadt abwärts ihren Lauf gehabt, und mittelst eines Durchstichs hierher geleitet worden.
Es bleibt daher nichts wahrscheinlicher, als daß die Stadt den Namen Wittenberg von dem weißen Sandberge erhalten hat, der diese ganze Strecke, worauf der Ort steht, vor Alters mag bedeckt haben.“
Wir haben absichtlich die verschiedenen Meinungen, welche über den Ursprung der Stadt herrschen, einzeln und umständlich angeführt damit der Leser neben dem, was man in früherer Zeit darüber gefabelt hat, sich für das Wahrscheinlichste desto leichter entscheiden möge, das ziemlich klar auf der Hand liegt.
Die Stadt ist gegen das Ende des 12ten Jahrhunderts, etwa um’s Jahr 1170 erbauet, und glich ursprünglich mehr einem Dorfe, dessen Einwohner sich von der Fischerei nährten.
Die ganze Umgegend war bekanntlich in dem Kriege, den Albrecht der Bär, der Stammvater des Brandenburgischen Hauses, mit den Sorben führte, und der sich mit deren gänzlichen Unterjochung und Vertreibung endigte, verwüstet worden.
Um diese traurigen Spuren einer wilden Zerstörung zu verwischen, und dem Lande seine frühere blühende Gestalt wiederzugeben, rief Albrecht derBär Colonisten aus den Niederlanden hierher, welche ihre von den überströmenden Fluthen der Nordsee oft bedroheten Wohnungen gern mit diesen gefahrloseren vertauschten.
Obgleich, sagt Leopold in seiner Schrift „Wittenberg und die umliegende Gegend,“ S. 4, vom Churkreise selbst bisher keine Urkunde, worin namentlich wüste Güter an niederländische Colonisten vergeben wären, anfgefundcn worden ist, so bemerke man doch Folgendes für die Wahrheit der Angabe:
die Gegend, wo die niederländischen Colonisten angestellt wurden, heißt noch jetzt der Flämig oder Flemming;
viele Oerter führen niederländische Namen, zB.
– Kemberg (Kämmerich),
– Niemegk (Nimwegen),
– Burg (Brügge), ua.;
die Sprache des Landmanns ist platt und nähert sich dem Holländischen; das Feldmaaß hieß sonst in dieser Gegend öfters das Flandrische; das Richteramt haftet als Erblehn auf gewissen Gütern, wie es bei den übrigen niederländischen Colonisten in Urkunden bemerkt wird; bei der Erbfolge unter Eheleuten sind noch hie und da deutliche Spuren der niederländischen Gütergemeinschaft übrig, welche durch das Recht des Sachsenspiegels und durch das Römische Recht verdrängt worden ist.
Die Stadt hatte ursprünglich die Gestalt eines Burgwards, das in geistlichen Dingen zur bischöflich brandenburgischen Diöces gehörte.
Das erstemal finden wir sie um’s Jahr 1180 mit mehreren andern Burgen, z. B. mit
– Wiesenberg,
– Coßwitz (Coswig),
– Dobien u. a., in Urkunden erwähnt.
Eine besondere Untersuchung über das Alter der Stadl Wittenberg stellte Chr. Fr. Zeibig 1746 in einer kleinen Schrift an, worin er zeigt, daß der Ort schon vor dem Jahr 1180 existirt habe und bald darauf in eine Stadt verwandelt worden sei.
Diese Nachricht stützt sich auf ein altes Document, das sich im 2. Tom. von Ludewig’s reliquiis manuscriptis befindet, worin Wittenberg unter die Burgwarden gezählt wird, welche zum Archidiaconat des Probstes der Kirche zur lieben Frau auf dem Berge Liezecke (Leitzkau) gehörten.
Schöttgen in seiner diplomatischen Nachlese Th. VII. citirt zwar dieses Diplom, läßt aber Wittenberg weg, entweder, wie D. Klügel urtheilt, weil er der Schrift keinen Glauben schenkte, oder weil er jenes anders als Zeibig verstand. (S. Georgi Anuales Academ. Witteb., herausgegeben v. D. Klügel, Vorrede, S. 7 f.)
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