Es war einmal – aus froher Kindheit Tagen
Klingt uns das liebe Märchenwort im Ohr;
Es läßt das müde Herz beglückter schlagen
Und richtet hoffnungsfroh den Blick empor.
Es ist so still – die trauten Sterne funkeln,
Im Zimmer sitzt gedrängt der Kinder Schar,
Großmutter spricht da irgendwo im Dunkeln,
Was nie geschehen und doch wirklich wahr.
Es war einmal – von Rittern und von Drachen,
Von goldnen Schätzen und vom deutschen Rhein,
Vom Leid der Unschuld, Tapferkeit der Schwachen
Vom Starken, der am mächtigsten allein,
Von Manneswürde und von wildem Grimme,
Der in der feinde Gift und Geifer schlug,
Von Heldenmut erzählt die alte Stimme,
Die Herzen glühn, sie hören’s nicht genug.
Es war einmal ein Volk von lauter Helden;
Das blühte frei im Glanz des Kaisertums,
Und bot die Brust – wie seine Bücher melden –
Dem Feind in Kränzen tausendfachen Ruhms!
Und es verdarb. – Ach, endet so die Sage?
Ich lausche bange in die Nacht empor.
Aus Jugendmund erbebt die stolze Frage:
Es war einmal nur, was dies Volk verlor?
Hermann Kügler