Kaum war mit dem Tode Albrechts III. die Kurwürde erledigt, als auch schon Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg Ansprüche auf das Kurfürstentum Sachsen-Wittenberg erhob und die Stadt Wittenberg und den Kur Kreis durch seine Truppen besetzen ließ. Allein 1423 musste er diese wieder auf Verlangen des Kaisers zurückziehen.
Doch bekam er als Vergütung für die aufgewendeten Kosten 10.000 Schock böhmische Groschen.
Kaiser Sigismund zog das Kurfürstentum als erledigtes Reichslehen ein und schenkte es Friedrich dem Streitbaren aus dem Hause Wettin (1423 bis 1428), als Belohnung für die ihm im Hussitenkriege geleisteten Dienste.
So kam Wittenberg unter die Herrschaft der Wettiner.
Friedrich der Streitbare, der Stifter der Universität Leipzig, hat viel zum Gedeihen unserer Stadt beigetragen.
Er bestätigte ihr nicht allein 1424 die gesamten Privilegien, sondern befreite sie auch von mehreren Abgaben, insbesondere von dem noch aus den ersten Zeiten der Askanier herrührenden Küchengelde.
Im Jahre 1425 schenkte er der Stadt in Anbetracht ihrer treuen Dienste die Dörfer Trajuhn, Gallien und Prühlitz mit Gericht und Zins.
Ihm folgte in der Regierung sein Sohn Friedrich der Sanftmütige (1428 bis 1464).
Trotz seiner Friedensliebe musste er mehrfach zum Schwerte greifen, besonders gegen seinen herrschsüchtigen jüngeren Bruder Wilhelm, mit dem er einen langwierigen und blutigen Bruderkrieg führte.
Bekannt ist, dass der mit dem Kurfürsten verfeindete Ritter Kunz von Kauffungen dessen beide Söhne Ernst und Albrecht aus dem Schlosse zu Altenburg raubte (8. Juni 1155).
Die beiden Prinzen wurden dem Räuber wieder entrissen, der dieses Vergehen mit dem Tode büßen musste.
Der Kurfürst wohnte zwar nicht in Wittenberg, er gab aber der Stadt vielfache Beweise seines Wohlwollens.
So bestätigte er ihr im Jahre 1428 die Zoll- und Geleitsfreiheit, und als er die Stadt 1430 für 3000 Rheinische Gulden an Friedrich und Heinrich von Bygern verpfändete, wurde der Rat um Anhängen des Stadtsiegels an die betreffende Urkunde ersucht, zum Zeichen seines Einverständnisses, und ihm zugleich die Versicherung gegeben, die Stadt schadlos zu halten und sie wieder einzulösen.
Ihm folgte in der Regierung sein Sohn Ernst (1464 bis 1486), der 20 Jahre lang mit seinem Bruder Albrecht gemeinschaftlich regierte.
Im Jahre 1485 kam eine Teilung der Länder zustande, bei welcher Ernst Thüringen mit der Residenz Weimar und den Kur Kreis erhielt. Auf ihn folgte sein Sohn Friedrich der Weise (1486 bis 1525), der aus dem Mittelalter bereits in die neuere Zeit herüberreicht, und dem ein besonderes Kapitel dieser Blätter gewidmet sein soll.
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