400 Jahre lutherisches Lied- u. Gesangbuch

400 Jahre lutherisches Lied und Gesangbuch

Wenige Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers ging von ihm der Impuls aus, neue reformatorische Lieder zu dichten. Er war ja ein großer Freund der Musik und wollte, dass auch die Gemeinde sich aktiv am evangelischen Gottesdienst beteiligt. Was lag da näher, als alle mitsingen zu lassen. Dafür brauchte man natürlich Liederbücher mit deutschen Texten. So kreierte Luther selbst im Jahr 1523 Texte und Melodien seiner ersten Lieder: „Ein neues Lied wir heben an“ und „Nun freut euch, lieben Christen g´mein“.
Andere, wie der Theologe Paul Speratus, folgten dem Impuls und schufen selbst weitere neue deutschsprachige Gemeindelieder. So entstanden Lieder vom neuen Glauben und zu biblischen Geschichten sowie Psalmlieder und Protestlieder. Im selben Jahr erschienen sie als Einzelblattdrucke und verbreiteten sich schnell unter dem Volk. In der Jahreswende 1523/24 wurden acht dieser Einzelblattdrucke in einem kleinen Heft gesammelt und gedruckt. So entstand das Achtliederbuch, welches als erstes lutherisches Gesangbuch überhaupt gilt.

Es wurde von dem Drucker Jobst Gutknecht, der von 1509 bis 1542 in Nürnberg tätig war, zusammengestellt und unter dem Titel:
„Etlich Cristlich lider Lobgesang und Psalm/ dem rainen wort Gottes gemeß/ auß der heyligen schrifft/durch mancherley hochgelerter gemacht/ in der Kirchen zu singen/ wie es dann zum tayl berayt zu Wittenberg in übung ist. Wittenberg M.D.Xiiij. gedruckt.“

Das Büchlein scheint in ziemlicher Eile entstanden zu sein. Darauf deuten die teilweise falsch stehende Titeleinfassung sowie Druckfehler bei den Jahreszahlen hin. Es müsste heißen M.D.XXiiij.

Als Druckort steht Wittenberg auf dem Titelblatt, obwohl es in Nürnberg gedruckt wurde. Wittenberg galt wohl als besonderes Prädikat für die Authentizität oder aber zur Tarnung.
Offenbar fand das Büchlein großen Anklang, dies zeigen drei geringfügig voneinander abweichende Drucke aus dem Jahre 1524, die erhalten geblieben sind.
Das Büchlein enthält vier Lieder von Martin Luther, drei von Paul Speratus und ein anonymes in folgender Anordnung:

    • Nun freut euch, lieben Chisten g`mein
    • Es ist das Heil uns kommen her
    • In Gott gelaub ich
    • Hilf Gott, wie ist der Menschen Not
    • Ach Gott vom Himmel sieh darein
    • Es spricht der Unweisen Mund wohl
    • Aus tiefer Not schrei ich zu dir
    • In Jesu Namen heben wir an

 Der Impuls für „neue Lieder“, der vor 500 Jahren von Wittenberg ausging, gilt als Geburtsstunde der reformatorischen „Singebewegung“. Daran möchten in diesem Jahr auch die Stadt- und Schlosskirche mit zahlreichen musikalischen Veranstaltungen erinnern.

Quellen:
Konrad Ameln, Das Achtliederbuch vom Jahre 1523/24
in Jahrbuch für Liturgie und Hymnologie, 1956
wikipedia, Jobst Gutknecht

Johannes Winkelmann

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