Die Flurnamen des Wittenberger Kreises

1929.02.23. Unser Heimatland

„Eine Flurnamensammlung gleicht einem Kalksteinfelsen,in dem sich Muscheln und versteinertes Seegetier eingesperrt finden, und der so gar manches aus einer Jahrtausende zurückliegenden Vergangenheit zu erzählen vermag.“

Oberstaatsarchivar Dr. H. Bischorner – Dresden

     Zu nachfolgender Abhandlung kann ich keinen besseren Anfang finden, als die einleitenden Worte Gottfried Kellers zu seinem „Grünen Heinrich“: „Mein Vater war Bauernsohn aus einem uralten Dorfe, welches seinen Namen von dem Alemanen erhalten hatte, der zur Zeit der Landesverteilung seinen Spieß dort in die Erde steckte und einen Hof baute.“

     Nachdem im Laufe der Jahrhunderte das namengebende Geschlecht im Volke verschwunden, nahm ein Lehnsmann den Dorfnamen zu seinem Titel und baute ein Schloß, von dem niemand mehr weiß, wo es gestanden hat, ebensowenig ist bekannt, wann der letzte Edle jenes Namens gestorben ist. Aber das Dorf steht noch da, seelenreich und belebter denn je, während ein paar Dutzend Zunamen unverändert geblieben und für die zahlreichen weitläufigen Geschlechter fort und fort ausreichen müssen. Die Einteilung des Besitzes aber verändert sich von Jahr zu Jahr ein wenig und mit jeden halben Jahrhundert fast bis zur Unkenntlichkeit.“ Wie so oft sind wir an einem schönen Tage durch unsere Heimatflur gewandert oder gefahren und haben uns erfrischt und erfreut an der innigen herben Schönheit unseres Heimatlandes. Wie oft hat uns ein im Frühlingsschmuck prangender Wald oder Busch entzückt, eine in ihrem Blumenfestkleid stehende Wiese zum frohen Schauen hingerissen oder ein goldreifendes Aehrenfeld mit dankenden Gefühlen erfüllt. Oft wünschten wir: hier möchte ich wohnen das möchte ich jedes Jahr wieder erleben! Daß wir eine schöne Heimat haben, das wissen wir alle, wenn wir es auch vielfach nicht aussprechen wollen. Daß wir aber unsere Heimat meistens nicht recht kennen, das werden viele von uns nicht wissen und auch nicht glauben. Und doch ist es so. Wenn wir die vielen folgenden Flurnamen lesen werden, dann werden wir oft ungläubig den Kopf schütteln und meinen, daß das wohl nicht stimmen könne. Dieser Ungläubigteit bin ich schon so oft begegnet; das ist eine leidige Tatsache, die sich gerade mit Besonderheit auf die Bezeichnung unserer Heimatflur, auf die Flurnamen, anwenden läßt. Und doch besteht für uns alle, die wir unsere Heimat lieb haben, die Aufgabe und Verpflichtung, die alten Flurnamen nicht untergehen und verwehen zu lassen. Wir erhalten und bewahren uns auf diese Weise ein gutes Teil Volks- und Heimatgeschichte als kostbaren Besitz. Den Flurnamen ging die Flureinteilung voraus.

     Mit der Separation ist die alte Flureinteilung verschwunden. Will man eine bestimmte Zeit für die Prägung der Flurnamen bezeichnen, so kann man getrost sagen, daß sie der Zeit entstammen, da die alte Sorbenflur wieder von den Germanen in Besitz genommen wurde. Es gilt im allgemeinen als natürlich, daß die sorbischen Namen älter sind als die deutschen. Und wenn man bezüglich dieser wendischen Flurnamen behauptet, sie hätten sich auch noch nach der Besitzergreifung des Landes seitens der Germanen allmählich weiter gebildet und weiter verbreitet, so kann man ebenso dasselbe von den deutschen Namen, deren Entstehung eben mit der Besitzung des Landes einsetzt, behaupten. Der Umfang und der Schatz dieser deutschen Namen ist auch allmählich gewachsen und hat sich ausgedehnt bis fast in unsere Zeit hinein. So kommt es, daß wir neben alten Namen auch solche neueren Ursprungs vorfinden.
Es gibt Forscher, die den Flurnamenschatz in unzählige Spalten registriert wissen wollen Ob das richtig aber falsch ist, wollen wir dahingestellt sein lassen. Es gibt neben unverderten Formen der Flurnamen doch auch viele verderbte und entstellte, sodaß es oft schwer fällt, einen richtigen Sinn zu finden. So weiß man z.B. von der wüsten Mark auf Flur Reinsdorf nicht genau, ob dieselbe Camin oder Arnim heißt. Auch der Volksmund hat so manchen Flurnamen erst sinnlos verdreht. Als Beispiel führe ich den Jeesersee und die Jeeserseewiesen auf Flur Rackith an. Jeeser bedeutet an sich schon See. Sicher hat man das in Rackith nicht gewußt, und so hängte man eben an das Wort Jeeser noch das Wort See; nicht ahnend, daß man damit einen See-See schuf, und zwar nur darum, weil es sich eben um einen See handelte. Ja, auch das alte Wort Mark selbst entging diesem Geschicke nicht, fast überall ist es im Sächsischen und Thüringischen in das Wort Martel verdreht worden. Wir wollen daher bei unserer Abhandlung nur zwischen deutschen und sorbischen Flurnamen unterscheiden.

     Mit der Fluraufteilung, die mit den schon eben angedeuteten Separationen einsetzte, sind viele unserer Flurnamen in Vergessenheit geraten. Nur noch wenige Flurnamen sind im Gebrauch. Meistens sind es die Landwirte, die ihre Felder noch mit den alten Bezeichnungen benennen; aber auch Fischer, Waldarbeiter, Hirten und Jäger bedienen sich noch ihrer. Mehr und mehr versinken die Flurnamen in Vergessenheit, und das hat vielfach seinen Grund darin, daß behördlicherseits die Fluren fein säuberlich mit Kartenblatt und Parzellennummern versehen wurden. Diese Art der Bezeichnung ist natürlich um vieles einfacher – vielleicht auch genauer – daß aber damit ein Teil Heimatgeschichte verschwindet, das ist die Schattenseite dieser neuen Einführungen. Wir wollen nun nicht die beteiligten Behörden – Grundbuchämter, Katasterämter – als Uebeltäter bezeichnen, – sie können sich nur nach den gegebenen Bestimmungen richten. Sie haben auch nicht die Veranlassung zu diesem „Nummernsystem“ gegeben. Die einzigen Verantwortlichen sind die „Boniteure“ der vergangenen Separationen; sie machten sich die Arbeit des Vermessers und des Kartenzeichnens mit Hilfe der Nummerngebung recht, recht leicht und schadeten damit der Nachwelt in Bezug auf die Flurnamen um ganz beträchtliches. Oft ist es mir bei meinem jahrelangen Flurnamen sammeln geschehen, daß ich an Hand eines Separationsrezesses oder einer Flurkarte einen Flurnamen feststellen wollte – gähnende Leere starrte mir ins Gesicht. Gerade da, wo der Flurname stehen mußte, fand ich ihn nicht. So sind wir also soweit, daß sich der Heimatforscher der Flurnamen mehr und mehr annehmen soll. Er mag sie sammeln und aufzeichnen, ehe sie ganz der Vergessenheit zum Opfer fallen. Und das ist der Endzweck meiner vorliegenden Arbeit, das soll der Lohn meiner jahrelangen Sammeltätigkeit sein.

     Die Flurnamen lassen uns einen Einblick tun in die ältesten Wirtschaftsformen, in das Verkehrswesen und in das Rechtsleben längst vergangener Zeiten. Oft genug beleuchten sie kulturgeschichtliche Vorgänge. Ueber Lage, Form und Beschaffenheit des Flurstücks berichten sie. Ja, geschichtliche Tatsachen sind vielfach mit Flurnamen verbunden; auch Sagen und Legenden knüpfen sich an sie. Einige Flurnamen haben die unwesentliche Bedeutung für die Familiengeschichte ganzer Geschlechter. Altes Sprachgut bergen die Flurnamen in ungeahnter Fülle; ragen doch viele Namen aus der Zeit der ersten Siedlung bis in unsere Tage hinein.

     Flurnamen sind Erbe aus Vorvätertagen; sie machen uns die Heimat vertrauter und spinnen geheime Fäden vom Menschen zu Wald, Flur und Feld. Sie weben geheime Beziehungen vom Menschen zur Heimat!

     Sehen wir uns nun einmal die Menschen und Zeiten genauer an, aus denen die Flurnamen bis zu uns hinüber dauerten. Zur Zeit der Römer, als Kaiser Augustus lebte und der Stern über Bethlehem in erster Morgenfrühe erstrahlte, war unsere Heimat „düster und unerforscht“ von Germanen bewohnt. Und zwar bewohnten zu Beginn unserer Zeitrechnung die Gebiete zwischen Saale, Mulde und Elbe die Hermunduren. Rechts der Elbe dagegen sowie auch an der schwarzen Elster waren die Semnonen seßhaft. Die Elbe bildete damals schon die Grenze zwischen diesen beiden altgermanischen Stämmen, die ihren Ursprung in den Herminonen finden, jenem Hauptstamme, der nach altgermanischem Glauben von dem Gotte Tuisto und seinem Sohne Mannus abzweigt. Auf diese gehen schon altgermanische Flurnamen zurück. In unserer Heimat möchte ich solche mit folgenden Beispielen belegen: In Lammsdorf haben wir die Sonntagswiesen, in Iserbegka weiter gar eine Sonnenwiese. In vielen Sagen wird uns die Verehrung des Sonnengottes durch die alten Germanen vor Augen geführt. Es ist daher kein Zufall, daß die Verehrung des Sonnengottes, des ersten Gottes der nordischen Völker“ (siehe: Hauser, Geschichte des Judentums) sich auch in Flurnamen unserer Heimat ausdrückt. Weiter wollen wir es nicht als Zufall betrachten, daß es ganz in der Nähe der „Sonntagswiesen“ und der „Sonnenwiesen“ eine Flur gibt, die mit „Ammewiesen“ (Pratau) bezeichnet wird. Ammas ist die Muttergottheit der Alten, Amma heißt in der Edda die Stammutter der freien Bauern, der „Karle“. Die Endung des Wortes Ammas – As ist die bekannte nordische Bezeichnung des höchsten Wesens, der Erdmuttergöttin Artemis. Ihr waren Berge, Wälder, Flüsse und Quellen heilig. In Schmilkendorf gibt es Ameisenklothen. Daß dieser Name nichts mit den winzigen Tierchen zu tun hat, geht daraus hervor, daß es Ameisenberge gibt, bie bis zu 1000 Meter hoch sind. (Fichtelgebirge) Ameise ist vielmehr in Verbindung zu bringen mit Emse. Die Emse ist aber keine andere als die Ammas der Kleinasiatischen Völker des Altertums, welche die Griechen Artemis nannten. So schließt sich hier ein Ring, wie er kunstvoller nicht gedacht werden kann. Auch hat der alte Flurweg in Zahna Ammad bestimmt Bezug auf Amma, die Muttergottheit der Alten.
Als Parallele hierzu möchte ich hier noch einige Flurbezeichnungen unserer Heimat anführen, die im unbedachten Daher sprechen grundverschiedenes bedeuten können, bei näherer Betrachtung aber doch eins sind. In Seegrehna gibt es eine Lehde, in Pratau eine Last, in Listerfehrda Lattwiesen; ferner gibt es in Globig Huldstücken, in Eutzsch Holzgründe, in Bleesern, Wartenburg und Erdmannsdorf Hoheholzbreiten und Holzpläne, und in Kropstädt Holmbreiten. Die Huldstücken haben offenbar ihren Namen nach der Göttin Hulda, die unter dem bekannten Namen „Frau Holle“ in sächsischen Sagen eine große Rolle spielt. Auf norddeutschen Altären der Römerzeit heißt sie Huldena, in der Edda Hlodyn, die als Mutter Thors gilt. Sie ist dieselbe wie die griechisch-römische Latona (Leto), ein Name, der sich nur aus urdeutscher Sprache erklären läßt. Lat bedeutet im Niederdeutschen: das Letzte, den Rand, das Aeußerste oder den Saum einer Siedlung oder Mark; Hlod oder Huld heißt oberdeutsch Holz (plattdeutsch Holt), Holz ist hier ein Sammelbegriff wie Gemartung oder Gemärke, der die Bedeutung Wald angenommen hat. Wir kommen zu dem Schluß, daß die Listerfehrdaer Lattwiese genau dasselbe bedeuten, wie die Huldstücken in Globig oder die Holzpläne in Erdmannsdorf, nämlich sie deuten auf den Saum einer Gemarkung hin. Auch sie entspringen in ihrem innersten Wesen altgermanischem Kult und schließen den vorhin schon gezeichneten Ring noch weiter, da doch „Frau Holle“ dasselbe ist wie Hulda oder Artemis.

     Auf altgermanischen Ursprung deuten ferner die Kammeberge (Klebitz), Kahnzen (Teuchel), Kamme (Zahna), Kannabude (Dabrun) hin. Kanna – Malstätte der Hundertschaft (Altfriesisch). Weiter die Fäme (Nudersdorf) Fehm – altdeutsche Freigerichte; Dungstücken und Erbedungstücken (Pannigkau). Dung – germanische Vollsversammlung.

     Der Nachweis altgermanischer Flurnamen ließe sich noch weiterführen, doch wollen wir nunmehr auch die sorbischen Flurnamen besprechen, um dann noch einmal zu den Namen germanischen Ursprungs zu kommen, die erst nach der Vertreibung der Wenden (Sorben) aus unserer Heimat entstanden sind.
Vor etwa 1000 Jahren waren unsere Heimatgefilde im Besitz der Sorben. Das Land zwischen Elbe, Bober und Havel wurde um diese Zeit von Wendenstämmen bewohnt, die im 7. Jahrhundert bis hierher vorgedrungen waren. Im 9. Jahrhundert setzte eine gewaltige Völkerwanderung ein. Den äußeren Anlaß dazu gaben die Goten, die bestrebt waren, ihre Herrschaft weiter und weiter nach Osten auszudehnen. Sie gerieten mit dem finisch-mongolischen Stamme der Hunnen in einen folgenschweren Krieg. Die Hunnen saßen damals an der Wolga und waren ein urwüchliges Normadenvolk von angeborener Wildheit. Sie sollen die Veranlassung zu größeren Völkerverschiebungen gegeben haben. Auch die Wenden waren heidnische Nomaden, die aber bereits zum Seßhaftwerden neigten.

     Auf zweiräderigen Karrenwagen, bespannt mit kleinen mutigen Steppenpferden, zogen braune, schwarzhaarige Menschen daher; klein, aber gedrungen und kernig an Gestalt. Mühsam bahnten sie sich ihre Wege durch Germaniens Urwälder. Auf den Wagen führten sie ihre Weiber und Kinder mit sich; auch Hausgerät hatten sie bei sich, von dem wir uns heute – was Einfachheit anbelangt – kaum eine Vorstellung bilden können. Sie kamen alle vom Osten. Ihr Mutterland, die asiatische und russische Steppe, war zu klein geworden, um die Menschenmassen alle zu ernähren. Denke man nun nicht, daß diese Wanderung der Wenden nur eine kurze Zeitspanne gedauert hat. Generationen sind darüber ins Grab gegangen. Zwei Jahrhunderte lang wanderten sie, unstet, nirgends recht zur Ruhe kommend. Faßten sie einmal hier oder dort festen Fuß, wurden sie wieder durch kriegerische Maßnahmen aufgescheucht. Bis an die Elbe drangen sie vor. Hier setzte zunächst der gewaltige breite Strom den Eindringlingen ein natürliches Hindernis entgegen. Es kam zu Niederlassungen der Wenden an der Elbe. Holz zum Bau einer Hütte lieferte der Wald, Fleisch zum Essen der Strom und die Jagdgründe der ganzen weiten Umgebung. Die schlechtesten Stämme, die bis hierher vordrangen, waren es jedenfalls nicht. Ein wandernder oder in den Krieg ziehender Volksstamm schickte nie seine unzuverlässigen Leute an die Spitze. Nur wenige Stämme der Wenden stießen bis über die Elbe vor, um dort seßhaft zu werden. Die Hauptstämme saßen an der Elbe. Viele Ortschaften unseres Kreises verraten noch an ihrem Namen oder an ihrer Bauart den wendischen Ursprung. So hat Gielsdorf, ein Dörfchen von wenig mehr als zehn Häusern, sich bis heute noch die typische wendische Bauart erhalten. Aehnlich ist es bei Zemnick und Meltendorf, die allerdings zum Nachbarkreise Schweinitz gehören. Ausgesprochen wendische Namen haben Gallin – Sumpf, Zörnigall – finsterer Sumpf, Labetz – Lieblingsort, Pratau – Ueberfahrt, Wergzahna – Quelldorf.

     Wendische Personennamen bilden bei folgenden Ortsnamen einzelne Silben: Leetza, Bülzig. Jahmo, Mochau, Grabo, Melzwig, Pannigkau, Külso, Iserbegka. Wendische Sippendörfer waren Klebitz, Prühlitz, Piesteritz, Selbitz, Eutzsch. Die Dörfer Köpnick, Rackith, Trajuhn, Weddin und Wiesigk führen ihre Namen ebenfalls auf wendischen Urprung zurück. Obwohl Listerfehrda wenig Anlehnung seines Ortsnamens an das Wendische hat, so ist es doch nach seiner Flureinteilung eine ausgesprochene wendische Siedlung gewesen. Es hat an Flurnamen: Achsken, Bruden, Buhnig, Drobitzken, Klinschken, Mauken, Schaspeln, Rubig und Kuhlen, also eine ganze Auslese wendischer Bezeichnungen. Wendische wüste Marken befinden sich bei Elster (Wendorf), Klebitz (Wendemark und Wendpfuhl), Listerfehrda (wendische Kuhlen), Marzahna (Wenddörfer), Globig (Wenden) Wartenburg (Wendhusen), Zahna (wendische Mark).

     Wendische Flurnamen finden wir nachstehend in: Kalischpfuhl (Külso), Kaupen (Külso, Raßdorf, Berkau, Dietrichsdorf) = Erhöhungen, Zirschen (Külso), Selpen (Apollensdorf), Grusigk (Berkau), Kuntsch, Kuntschken (Berkau, Gallin)= Kiefernberge, Kritzing (Berkau), Trunitz (Bleesern), Borniken, Dornichen (Dabrun, Dobien), Mochschen (Dietrichsdorf) = Moos, Nosten, Prosken (Dietrichsdorf, Gielsdorf), Siensken (Dietrichsdorf, Elster), Löbiche (Dobien), Aunen, Naucken (Elster, Listerfehrda), Buhmig, Buhnig, Punig. Bohnitz (Dietrichsdorf, Listerfehrda, Prühlitz, Külso), Quarksäcke (Kropstädt, Grabo) = geronnene Milch, Lubbestücke, Lübbegasse (Gielsdorf, Elster) = Liebe, Schliddern (Elster) = Glanz, Zoge (Elster, Iserbegka) = wend. Name, Trebbig (Eutzsch), Trotzschten (Gielsdorf), Ogkeln (Globig), Wörblitzen, Würblitzen (Globig, Wartenburg). Moynhainichte (Wartenburg) Eigenhainichte, Carnipp (Zahna) = Fischerhütte, Kratzschken (Iserbegka, Külfo, Prühlitz) = kurze Stücke, Brechsken, Brieste (Selbig, Pratau) = Birken, Dubersche (Trajuhn) = Eiche, Wudicken (Trajuhn), Zemnick (Iserbegka, Kurzlipdorf, Leetza, Raßdorf, Zalmsdorf) = Landeszugehöriger, Wergis (Klebitz) = Quelle, Klinschken (Listerfehrda) = Quellwiesen, Kotzfeld (Seegrehna) =Ziegenfeld, Zierschen, Zierecken (Külso, Prühlitz), Brude Babetz, Listerfehrda) = Ueberfahrt, Mutschken, Muschken (Labetz, Mochau) = dicht am Dorf, Achsten (Listerfehrda) Dobritzken (Listerfehrda) = Talstücke, Schaspeln (Listerfehrda) Rubig (Listerfehrda), Körbitz (Marzahna), Pielken (Mochau) Pietzker, (Pratau), Dusigken, (Prühlitz), Pretzela, (Rackith) Lewitza (Seegrehna), Lug (in allen Fluren längs des Elbebettes vertreten) = Grassumpf,

     Wenige Jahre nach 800 begann unter Führung Karls des Großen ein Feldzug gegen alles was heidnisch und wendisch war. Stete Kämpfe, die unter Ludwig dem Deutschen fortgesetzt wurden und bis in die Zeit Heinrichs 1. (919-936) hineinwährten, zermürbten die sorbische Bevölkerung in unserer Heimat. Schon Ludwig der Deutsche errichtete zur Einzwängung der Sorben verschiedentlich Marten. Heinrich 1. vollendete dieses Werk in seinen ,,Sorben-Marken“, durch welche er die meisten Sorbenstämme unterjochte und sie sogar zum Bau von Schutzwällen (Burgwälle) und Gräben zwang. Im Verein mit den deutschen Ansiedlern, die von den Fürsten herangezogen wurden, bauten sie feste Stützpunkte in unserer Heimat. In jener Zeit sind die in unserer näheren Umgebung festgestellten Burgwarte“ Zahna, Wittenberg, Wartenburg, Dobien und Elster zu verlegen. (Wartenburg-Gartenberg, Elster- Alstermunde). Der Nachfolger Heinrichs I.

     Otto I. förderte dieses Werk durch Gründung von Bistümern, die dem damaligen Staatengefüge den ganzen Halt verliehen. Wohl an 300 Jahre dauerte der Kampf zwischen Germanen und Wenden in unserer Heimat. Er endete mit der fast vollkommenen Vertreibung der letzteren. Diejenigen Sorben, die sich dem Willen der Sieger fügten, fanden in ihren Carnipps (Zahna) ein bescheidenes Unterkommen. Erst Jahrhunderte später, etwa vom Jahre 1350 ab, erhielten einzelne von ihnen das Recht „Bürger“ eines Gemeindewesens zu werden.

     Der von Otto I. eingelegte Markgraf Gero teilte die ihm unterstellte Mark in „Gaue“ ein. Er begann ein Kolonisationswerk, welches seine Nachfolger tatkräftig fortsetzten. Es kamen Germanen aus Sachsen, Westfalen und Flamland, die erste vereinzelt, dann aber überwiegend von unserer Heimat Besitz ergriffen. – Nunmehr beginnt die Blüte unserer Flurnamengebung.

     Der Grundherr, ebenso auch dessen Lehns- oder Burgmann, verteilte das Land hufenweise unter die eingewanderten Bauern. (Unter einer Hufe“ verstand man früher ein Stück Land, welches im Laufe eines Tages bestellt werden konnte; heute verstehen wir wenigstens 30 bis 50 Morgen Land darunter). Die Flurnamen, Hufen, Streithufen, Hoefe, Hoefte, Hobe (Danna, Elster, Euper, Eutzsch, Zahna, Selbitz u. a.) stammen aus dieser Landesverteilung. Der germanische Landmann pflügte seine Furchen gerade und eine neben der anderen; der sorbische dagegen riß mit seinem hölzernen Radpflug den Acker kreuz und quer auf und zwar da, wo es für ihn am leichtesten war. Es bildeten sich auf diese Art recht unregelmäßige Plätze. Wir haben damit die so oft in unserer Heimat vorkommende Bezeichnung – wohl jeder Ort hat sie – Klothen oder Klöschen. Der ebenfalls fast in jeder unserer Heimatfluren erscheinende Name Gehren, ist unter ähnlichen Voraussetzungen entstanden. Er bezeichnet ein „spitzes“ oder ,,teilförmiges“ Flurstück. Bei dieser Gelegenheit möchte ich den dritten, ebenso oft vorkommende Flurnamen Maathen oder Maaßen erwähnen, unter welchen man ein Stück Land von genau „abgemessener“ Ausdehnung verstand. Auch die Kabeln sind gleichmäßig abgeteilte Flurstücke. In eigenartiger aber doch verständlicher Form hat man fast in jeder Flur erscheinende gute Landstriche bezeichnet, man nannte sie Voerthe, Worthe, Werder. Worth bedeutet Insel. Da es schließlich in Zahna oder in den Flämingsdörfern keine „Inseln“ gegeben haben kann, so ist dort der Flurname Worth so zu verstehen, daß sich das gute Land,,inselförmig“ aus dem schlechteren Boden heraushebt.

     Wie ich schon eingangs meiner Abhandlung erwähnte, sind die meisten unserer Flurnamen in der Zeit entstanden, als der Germane von den ehemals wendischen Fluren Besitz nahm. Das ist etwa der Zeitraum von 900 bis 1400. Daß viele unserer Flurnamen aus den Sitten, Gebräuchen und Gewohnheiten, aus den täglichen Verrichtungen, aus dem Glauben heraus und aus dem Kampf um das tägliche Brot entstanden sind, ist auch schon dargetan. Meine Auf- gabe soll es nun noch sein, diese Flurnamen auch anzuführen. Da die überwiegende Mehrzahl in ländlichem Grund und Boden zu suchen ist, beginne ich mit den Bewohnern des Dorfes, vom Landwirt.

     Zur Erhaltung seiner Existens benötigte der Landwirt unbedingt das Vieh. Es ist daher recht natürlich, wenn er seinem Acker Namen gab, die mit dem Vieh in Verbindung zu bringen sind. Wir haben in unserm Kreise Bullenwiesen (faft jede Gemeinde). Hainichten, Nachthutung und Hutung (fast jede Gemeinde), Koppelfelder (Gielsdorf, Listerfehrda), Heuweg (Apollensdorf. Iserbegka), Kuhmaasen, (Apollensdorf, Klebitz), Kälberhainichte (Eutzsch), Kälberkuhl (Euper), Saukolk (Apollensdorf), Sauwinkel (Pratau, Danna, Dobien, Klitzschena, Kurzlipsdorf), grobe Sau (Melzwig, Wartenburg, Schweinsmaststücken Pannigkau), Hammelberge (Trajuhn), Ziegenbreite (Trajuhn), Lämmerhainichte (Danna), Ochsenpfuhlstücken (Eutsch), Schafwäschen (fast in jeder Gemeinde), Hengsthainichte (fast in jeder Gemeinde), Bienenhucke (Dabrun), Gänsegraben, Gänseweide, Gänsemaathen, Gänsehornwiesen, Gänseberg, Gänsetrog, Gänsewinkel (Dabrun, Dietrichsdorf, Edmannsdorf, Elster, Mochau, Rahnsdorf. Teuchel), Taubengraben (Prühlitz), und gar eine Gelbrinderhutung (Wartenburg). Namen, die auf die Verrichtungen des Landwirts zurückzufuhren sind, finden wir im Jährling (Apollensdorf), Fünfwurtigen (Edmannsdorf, Marzahna), Fünfruthen (Selbitz), Zweischwad (Elster, Irserbegka), Zweiruthen (Gallun), Dreiruthen (Gallun, Hohndorf), Dreiwürfigen (Jahmo, Marzahna), Viertelchen (Eutzsch), Vierruthen (Hohndorf), Vierschwad (Iserbenka, Piesteritz), Sechswürfigen (Marzahna), Sechsjährigen (Wergzahna), Siebenwürden (Kropstädt), Siebstücken (in vielen Fluren), Achtschwad (Iserbegka), Wechselwiesen (Gallin, Iserbegka, Pratau), Eggepfuhl (Globig). Schwemmpfuhl (Teuchel). Backofenstücken (Teuchel), Mäheanger (Melzwig), Hackstücken (Straach). Auch die Beschaffenheit des Bodens führte der Landmann in seinen Flurbezeichnungen: Kohlhackestücken (Berkau), Krautgärten (Dobien, Euper, Eutzsch, Jahmo), Kohlgarten (Listerfehrda), Pflanzgarten (Piesteritz), Steinbreiten (Bleesern u. a.). Sandbreiten, Randenden (Bleesern u. a.), Moderwiesen (Braunsdorf), Unbergstücken (Braunsdorf), Sauergrund (Danna), Langerötenbusch (Dobien), rote Land (Euper, Piesteritz), schwarze Land (Braunsdorf, Eutzsch), weiße Morgen (Leetza), kalte Land (Leetza), Metzenklothe (Euper), Sumpfschmalen (Euper), Speckstücken (Eutzsch). schmucken Grunde (Goelsdorf), Dreischfeld (Klitzschena u. a.). Ställichen und Drausgärten (Pieteritz, Melzwig). Schönefleck (Rahndorf), Freifelder (Piesteritz, Schmilkendorf), Zippel, (Weddin), Auszugsacker (Schmögelsdorf), Buttersteinstücken (Teuchel), Mittagswiesen und Mägdegrund (Teuchel). Mit den Namen der Früchte, die gut auf seinem Boden gediehen, bezeichnete der Landmann seine Fluren: Hirseberge, Hirsegrund, Hirsestücken, Hirsebreite (Rahnsdorf, Dabrun, Braunsdorf, Berkau), Haferberge, Haferland, Haferlandsklothen (Piesteris, Berkau u. a.), Rübeländer, Rübestücken (Straach, Iserbegka, Klitzschena, Külso), Rapsstücken (Rahnsdorf), Grasenden, Grasgärten (Euper, Leetza u. a.), Schilfkabeln (Eutzsch), Queckeacker (Gielsdorf), Windgrafen (Klitzschena), Sichewiesen (Selbitz), Kohlenden (Kerzendorf), Korngrund (Labetz), Bohnenstücken (Straach), Erbsstücken (Piesteritz u. a.), Weizstücken (verschiedene Gemeinden), Zwiebel (Grabo), Hopfgarten (Pratau), Wickstücken (Melzwig), Kümmelberg und Kümmelbach (Reinsdorf, Teuchel), Flachsröthe – (meistens verlandete Teiche, die früher zum „Röthen“ des Flachses dienten. Der Flachs musste hier einen Verwesungsprozeß durchmachen, damit er sich besser „schwingeln, brechen und klopfen“ ließ.) Röthlache, Röthgraben. Röthe, (in jeder Gemeinde), Vierzehnschockstücken (Teuchel).

     Die Ledigen (Feldheim, Wergzahnahna, Wollersdorf, Gielsdorf, Raßdorf) sind Flurbezeichnungen, die auf die Dreifelderwirtschaft zurückgehen, alle drei Jahre war während dieser Periode ein bestimmter Flurteil „ledig“, lag also unbestellt da. Zu gewissen Zeiten wurden ganze Fluren in Brand gesetzt, um sie für spätere Zeiten durch die zurückgebliebenene Holzasche, Grasreste usw. fruchtbarer zu machen. Folgende Flurnamen sind davon zurückgeblieben: die Brennenden (Bietegast), der Brand (Bleesern, Dobien, Kropstädt, Leetza, Piesteritz), die Brandwiesen (Dobien), die Brandmaaßen (Pratau).

     Viele Fluren unserer Heimat tragen Baumnamen. Sie zeugen von der Liebe derjenigen zum markanten Baum oder zum Walde, die der Flur den Namen verliehen. Fast jede heimische Baumart ist vertreten. Eichhölzer, Eichberge, Eichstücken, Eichen, Eichbusch, Eicheln (Piesteritz, Klitzschena, Jahmo, Hohndorf, Gielsdorf, Iserbergka, Euper, Dabrun, Bietegast, Bülzig), Birkenstücken, Birkenfeld, Birkengrund, Birkenspring, Birkmaaken (Reinsdorf, Kropstädt, Grabo Feldheim, Köpnick, Labetz, Dietrichsdorf, Berkau), Fichtenberg, Rotfichten, Fichtenden, Fichtenstücken (Reinsdorf, Marzahna, Feldheim, Dobien Euper), Tannenteich (Zahna), Kienäcker, Kienberg, Kienmathen, (Apollensdorf, Bülzig, Külso, Edmannsdorf, Zahna u. a.), Ellernbruch), Ellerrießstücken (Eutzsch, Pannigkau) Espenhölzer, Espenwenden, Espenstücke (Woltersdorf, Külso, Kurslipsdorf), Rüsterstücke (Straach), Lindenfeld (Wittenberg), Buchenforst (Bleesern), Pappelheeger (Dabrun, Wartenburg), Strauchlast (Pratau), Laufbusch (Wartenburg), Dornbusch, Dornstücken, Dornenmorgen (Teuchel, Klitzschena, Apollensdorf), Rosengarten, Rosenforst (Eutzsch, Dabrun), Grunwald (Euper u. a.), Bäumchenstücke (Erdmannsdorf), Baumanger (Elster), Dreibäumchen (Bietegast), Reiswiesen, Reis (Leetza, Pratau), Birnbaumbreite, Birnbaumstücken, Beulenbirnenbreite (Zörnigall, Mochau, Rötzsch), Pflaumenbaumwiese (Hohndorf), Weidenhorst, Weidenheeger (Eutzsch, Dabrun u. a.) Auf den in unserer Heimat einstmals ausgeübten Anbau des Weines, der – wenn auch „säuerlich“, doch recht ergiebig gewesen sein soll, deuten noch folgenden Flurnamen hin: Mostpfuhlstücken (Berkau) Mostpfuhl (Dobien) Weinberg (Dabrun, Kropstädt, Wittenberg, Zahna, Kemberg)

     Daß unsere Vorvordern dem edlen Waidwerk nicht abhold gewesen sind, schließen wir aus den Flurnamen: Die Hofjägerei (Pratau), Hofjägerwiese (Bleesern), Wildbahn (Berkau, Selbitz, Straach), Jagdschanze (Trajuhn), Freischütz (Klitzschena, Rahnsdorf), Dreihorn (Gallin). Lappen (Piesteritz), das kleine Revier (Lammsdorf), Horftwiesen, Horststücke (Bietegast, Pannigkau, Leetza, Eutzsch), Horst (Klitzschena). Forstbreite, Forstgrund, Forst (Bleesern, Lammsdorf, Wüstemark), Fuchskeuten (Apollensdorf), Dachskeuten (Euper).

     Reich ist die Zahl der Flurnamen, welche nach dem Getier des Feldes, Waldes und Haushofes benannt sind, und mehr als ein Name sagt von heute nicht mehr vorkommenden Tierarten. Wir haben in unserer Heimat: Wolfsberge, Wulfsraden, grauer Wolf, Wolfswinkel, Wolfsholz, Wolfsauge (Zahna, Zalmsdorf, Rahnsdorf, Pratau, Melzwig, Klitzschena, Berkau), Bärwinkel (Pratau, Lammsdorf, Melzwig, Bleesern), Katzmaaßen, Katzenberg, Katzenhainforst, Katzhain, Katzenstücken (Pratau, Grabo, Eutzsch, Elster, Berkau), Fuchsbauten, Fuchsberge, Fuchsbergklothen (Teuchel, Reinsdorf, Köpnick, Kerzendorf, Gallin, Dobien, Apollensdorf), Hundeländer (Wiesigk. Zahna, Zalmsdorf), Hasenwald (Gielsdorf), Rehkolk, Rehholz (Reinsdorf, Piesteritz, Gallin), Thiergarten (Pratau) Habichtberg (Berkau), Krähenstücken, Krähholz, Krähenbusch, Krähenbach, Krähensprung, Krähenmark (Teuchel, Schmilkendorf, Reinsdorf, Mochau, Elster, Gielsdorf, Lammsdorf, Dabrun, Apollensdorf), Riebigbreite, Kiebitzhügel, Kiebitzluch (Bleesern, Eutzsch, Listerfehrda, Iserbegka). Storchbreite (Bleesern). Dohlenden (Bülzig), Wachtelberg (Jahmo). Finkenbruch, Finkenstücken (Köpnick, Mochau). Starstücken (Piesteritz), Falkenweiden (Wartenburg), Präbentenstücken (Wartenburg), Taubengraben (Prühlitz), Krebshorn, Krebsberg (Bratau, Eutzsch, Bleesern), Blutigelstücken (Euper), Paddenpfuhl (Pannigkau), Mausebach (Wittenberg), Kamel (Wartenburg)

     Alte Gewerke und ihre Utensilien gaben vielen unserer Heimatfluren den Namen: Schmiedestücken, Schmiedelache. Schmiedewiesen, Schmiedebreite (Eutzsch, Dabrun, Pratau, Hohndorf), Papiermühlengrund, Papierbreite, Papiermacherstücke (Braunsdorf, Zörnigall, Nudersdorf), Walkmühle, Walkstücken (Zahna, Wittenberg. Braunsdorf), Fischernetzplatz, Fischerwinkel, Garnsäcke (Dabrun, Selbitz, Piesteritz), Schiffmühlenweg (Prühlitz), Brauhaushang, Biergraben, Bierstücken (Globig, Blönsdorf, Kropstädt), Höterstücken (Klebitz), Badewälze (Lammsdorf), Pechofen (Leetza), Kesselgrund (Euper, Dietrichsdorf, Hohndorf, Selbitz), Kochbreite (Bleesern), Kutscherbreite (Bleesern), Pfeiferhaus (Wittenberg), Bauernwiesen (fast jede Gemeinde), Hirtengärten, Schäferbreiten, Mühlberge, Mühlbreiten (fast jede Gemeinde), Schinderanger, Schinderfichten, Schinderklothen, Schindergründe (Braunsdorf, Euper, Leetza, Globig).

     Daß einstmals auch rauhe Kriegsstürme über unsere Heimat fegten, lassen die nachfolgenden Flurnamen erkennen: Siegwiesen (Dabrun), Landwehr (Eutzsch, Pannigkau, Pratau, Selbitz, Wartenburg), Kaiserlache, Kaiserlager (Pratau), Hauptmannsteich (Zörnigall), Schanztlothen (Reinsdorf) Teutschstücken (Gallin), Reitmauren und Ritterhufen (Klitzschena) Exerzierplatz (Lammsdorf, Wartenburg), Ehrenholz (Bleesern, Klitzsichena), Wüstengärten (Erdmannsdorf, Klebitz), Nothbrunnen (Blönsdorf).

     Auf die alten Gerichtsverhältnisse weisen folgende Namen hin: Streitländer, Streithufen, Streitwinkel (Berkau, Zalmstorf, Seegrehna, Straube, Wergzahna, Listerfehrda), Zankstücken (Gielsdorf), Aufschädchen (Rahnsdorf), Todtschlag, Todtschlagwinkel (Lammsdorf, Mochau). Diebwiesen (Prühlitz), Spitzbubenwinkel (Grabo), Stehlstücken (Globig), Scharfrichterei, Scharfrichterwiesen (Kleinwittenberg, Wittenberg), Galgenkolk, Galgenberge, Galgenwiesen, Galgenfeld, Galgenstücken, Galgholz (Dabrun. Danna, Elster, Gielsdorf, Kropstädt, Listerfehrda, Eutzsch, Wartenburg, Wittenberg, Zahna).

     Einen größeren Raum nehmen die Flurnamen ein, in denen wir Hinweise auf kirchliche Verhältnisse finden. Spärlicher sind die Namen, in denen vermutlich eine Erinnerung an eine Kultusstätte zu finden sind. Wir führen Folgende Namen an: Kirchenwiesen, Kirchfeld, Kirchplan, Kirchenmathen, Rirchstüden, Kirchenbreite, Kirchhofstücken, Kirchenholz, Kirchweg, Kirchsteig, Kirchpfuhl (Straach, Reinsdorf, Mochau, Klitschena, Jahmo, Globig, Eutzsch, Danna, Bleesern, Braunsdorf, Bietegast, Apollensdorf). Probstei (Pratau), Pfarrplan, Pfaffengraben, Pfarrzehntplan (Rahnsdorf, Dabrun, Blönsdorf, Globig). Nonnen (Pratau), Paradiesstücken (Bülzig), Gottesminkel, Gotteswiese (Leetza, Feldheim). Engelsmathen (Grabo), Dreiherren, Herrpfuhl, Herrenthiel (Rahnsdorf, Globig), Schädelberg (Klitzschena), Kreuzgrund, Kreuzmaathen, Kreuzstücken, Kreuzgestell (Kropstädt, Elster, Külso, Pratau, Eckmannsdorf, Bleesern). Seegenklothen (Euper). Grabgründe (Berkau). Friedeholz (Piesteritz), Todtenwegstücken (Teuchel), Todtenbruch (Grabo), Todtlager (Hohndorf), heilige Geistmühle (Zahna), Glodenpfuhl (Elster), Kapitolheide (Rahnsdorf), Kurrendstücken, Kurrendewinkel (Zahna, Bülzig), Michaelsberg (Weddin, Kropstädt), Katharinenkolk (Globig), Peterklothen (Kurzlipsdorf), Paulsberg (Tenchel). Thomasbreite (Rahnsdorf). Eliaswinfel (Wartenburg), Christianen (Teuchel), hohe Marie (Rackith, Wartenburg), Pfingstweida (Iserbegka), Babel (Marzahna, Wartenburg), Hölle (Eutzsch).

     Auch die Urahne Sage lispelte schon in alten Tagen ihr altes, aber immer wieder neues Lied. Ueber die Flurnamen und die Fluren selber ließe sich eine umfangreiche Abhandlung schreiben, die den Rahmen meiner Aufgabe weit übersteigen würde. Ich begnüge mich daher auch hier nur mit kurzen Auszügen aus den vielen heimischen Bezeichnungen: Nixkolk (Apollensdorf), Klingelstücken (Globig), Zwergsbreite (Jahmo), Zwergberge (Straach). Jungferngrab (Wartenburg), Armewaisenstücke (Leetza), die Sieben (Grabo), Zeichenstücken (Bietegast), der tote Mann (Zörnigall), die Todtlache (Leetza), der böse Winkel (Wartenburg). Spukbreite (Trajuhn), die Grauenwiesen, der Grauendamm (Dabrun, Euper, Gallun, Hohndorf).

     Zum Schluß möchte ich noch einige Flurnamen erwähnen, deren Entstehung sich in neuerer Zeit vollzogen hat. Es ist schwer, ein einwandfreies Urteil bezüglich des Altersunterschiedes der Flurnamen abzugeben. Hier und da lassen sich einige nähere Bestimmungen anwenden. Etwas Abschließendes kann nicht behauptet werden. So kennzeichnen sich als neuere Prägung von selbst: Chausseehaus (Apollensdorf), Zollstätte (Apollensdorf), Seuereinnehmerhaus (Eutzsch) Einnahme (Kropstädt), Windmühlenweg (Blönsdorf), Neuländer (Apollensdorf, Eutzsch), Baumschule (Dabrun, Eutzsch, Mochau). Kossäthen- und Hüfnerpläne (Braunsdorf. Dabrun, Dobien, Eutzsch, Jahmo, Mochau, Blönsdorf), Gemeindekassenplan (Euper), Gemeindebusch (Gallun), Abfindungsstücken, Entschädigungsstücke (Bülzig, Jahmo, Klebitz, Melzwig, Mochau, Schmögelsdorf, Selbitz, Wartenburg), Neue Wiesen, (Melzwig), neue Welt (Pratau), an der Spinnerei (Dobien, Schmilkendorf), Fabrikteich, Fabrikstücken (Schmilkendorf. Piesteritz). Auch Flurbenennungen, die sich an errichtete Ziegeleien anlehnen, gehören der neueren Zeit an: Ziegeleistücken (Bülzig), Ziegelheeger (Wittenberg u.a.)

     Der neueren Zeit dürften auch diejenigen Formen zu zuweisen sein, welche im Anschluß an Personennamen gebildet worden sind. Meistens dürfte es sich um Namen von Personen handeln, die einstmals im Besitze der betreffenden Flurstücke waren. Derartige Bildungen lassen sich für das 17.-18. Jahrhundert nachweisen. Adlige und bäuerliche Familiennamen kommen gleich in Betracht. Gerickengraben (Dietrichsdorf), Grafwiesen (Elster), Lehmannswinkel (Gallin), Lehmannsdorn (Pannigkau), Wenzel (Grabo). Heßlermühlenbach (Kropstädt, Rahnsdorf), Klauslache (Lammsdorf), Bühnenstücken (Melzwig), Hendelberge (Pannigkau), Nickelgrabenstücken (Piesteritz), Hoyerholz (Pratau), Frankenbergsmorgen (Seegrehna), Eckarts Pfuhl (Schmilkendorf), die Semnerschen (Globig).

     Flurnamen sind Zeugen alter Vergangenheit. Wie liebe Bekannte aus längst vergangener Zeit grüßen sie uns. Wir sind stolz auf sie. Was wäre unsere schöne Heimat ohne Vergangenheit? Ein bunter Spielball, eine Modelaune, wie wir sie heute üppig am eigenen Leibe spüren. Vornehmste Aufgabe sollte es für uns sein, die Flurnamen als kostbaren Schatz zu hüten und zu ehren. Diesen Zweck allein verfolgen meine Zeilen. Mögen sie darum von jedem recht verstanden werden. Das wäre mir Dank genug.

     Bei einer neuerlichen Ueberprüfung meiner Flurnamensammlung war es mir eine rechte Genugtuung festzustellen, daß sämtliche Namen an Hand der Flurbücher, Separationsrezesse und Karten nachzuweisen sind. Ich kann daher mit Gewißheit behaupten, daß die Flurnamen alle nach dem Stand vor hundert Jahren aufgezeichnet wurden. Das ist bestimmt schon ein großer Vorteil in Bezug auf den Wert meiner Sammlung. Ich danke daher auch den Männern, die mir bei dem Zusammentragen der Flurnamen in manigfachster Art behilflich waren.

     Mit Vorstehendem will ich nicht behauplen, daß meine Flurnamensammlung vollständig und fehlerfrei ist. Ich bin im Gegenteil einem jeden Heimatfreund dankbar, der mir irgendwelche Fingerzeige, Berichtigungen und Ergänzungen, machen will. Der Herausgeber des Heimatblattes „Unser Heimatland“ ist gern bereit, diese an mich gelangen zu lassen.

     Flur Dobien.
Die kurzen Brandwiesen, die langen Bergklothen, bie Bullenwiese, der Braunsdorfer Mühlbach, die langen Bergstücken, die langen Brandwiesen, der Brand, hinter den Dorfgärten, die Dornicken, die Dornickenstücken, In den kurzen Enden, die Eichstücken, die Fichtenbergstücke, die Flachsröthe, hinter dem Fuchsberge, die Fuchsbergstücke, das Gemeindestück, die alten Hainichtenstücken, die Hutung an der Braunsdorfer Grenze, die Hügel, die Klothen, die Klothen an der Teucheler Grenze, die Krautgartenstücke, die Kossäthenpläne, die Löbigke, In der Löbigke, der alte Mühlbach, die Mostpfuhlstücken, der Mostpfuhl, die kurzen Wahlbergstücke, die Nachthainichte, die Nachthutung, die Spinn-Fabrik, An der Spinnerei, die Startstücken, der Sauerwinkel, die Sauerwinkelstücken, die Siebstücken, die Stücke hinter der Nachthainichte, die Schmale, An der Schmale, die Schafwäsche, die Tränke, die Trift, der Wallberg, Am Wallberg, die ehemalige Wassermühle.

     Flur Braunsdorf.
Weiße Mark Gallun:
der alte Anger, die Ackerschläge, der Bruch, im langen Bergfelde, das Bergfeld, am Damm, die Dobienschen Klothen, die Dammstücken, die Fennstücken, die Fennstücken in der Nachthutung, die kleinen Feldklothen, das kleine Feld, die Flachsröthe, in den Forthstücken, im Galluner Bergfeld, die Galluner Trift, Mark Galluner Grenze, der Hirsegrund, die Hangstücken, die Hutung, die Kossäthenpläne, die Krautländer, am Langenberge, die Moderwiesen, an der Mühle, der Mühlenbach, die Nachthutung, das Papiermühlenfeld, die Reinsdorfer Klothen, die Steingrundstücken, die Steinbergstücken, die Schindergrundstücken, der Schindergrund, die Walkstücken, die Wallstücken.

     Flur Mochau
Die Abfindungsstücken der Kossäthen, das Bruch, der schwarze Berg, die Baumschule, Zwischen dem Bruch, das kleine Bruch, im Bruche, die Birnbaumstücken, die Flachsröthe, die Finkenstücken, die Graboer Klothen, die kleinen Felbstücken, die Grundstücken, der Gänseberg, die Grabenstücken, am Graboschen Wege, der Holzweg, die Heuwegstücken, die Holzwegstücken, die Hainichte, die Hainichtstücken, die Jahmoer Wiesenstücken, die Jahmoer Wiesen, die Kossäthenbreite, die Kabeln, die Krautgarten, der Kossäthenplan im Bruch, der Krähenbach, die Kirchwegstücken, die Klothen, die Koepenicker Klothen, die Lehmgrubenstücken, die Muschtenstücken, die Mühlsteigstücken, die Müllerklothen, die Müllerbreiten, die Nachthainichte, die Ochsenhirtenhäuser, der Pfuhl, die Pielkenstücken, die vorderste Plätzwiese, die hinterste Plätzwiese, die Platzwiesen, die Rübeländer, die Stücke hinter dem schwarzen Berg, die Stücke vor dem schwarzen Berg, die Springstücken, die Sichstücken, die schmalen Stücken, die Stücken vor den Kabeln, die Scheitstücken, die Tonkeutenstücken, die Thießenschen Pläne, der Totschlagwinkel, an der Tränke, die Tränke im Gänseberg, die Weide, der Weg um den Teich.

     Flur Apollensdorf.
Gemarkung Brehmerlug, Gemarkung Gallun: die Aue, An der Anhalter Grenze, An der Anhalt-Bernburger Grenze, der Apollensberg, In den Bergstücken, die Bullenwiese, das Buschland, An der Brehmerlug-Grenze, In den Bruchstücken, Im Bruche, Im Busche, die Bodenwiesen, die Breithufen, An dem Chauffeehause, An der Elbe, In den Fuchsbauten, die Fuchskeuten, der Grenzweg, Am Graben, Am Gallun, die Golmäcker, der Goldacker, die Grieboer Maaßen, die Gehren, die Gartenstücken, die langen Hufen, die Heideberge, In den Heidebergen, der Hang, der Heeger, der Heuweg, der Jährling, der Kakelkolk, In den Kiefern, Hinter den Kiefern, die Kabelwiesen, die Kirchenwiesen, die Kiehnäcker, In den Klappbergen, In den Krähenstücken, die Kabeln, der Klapperberg, die Lugstücken, die neuen Länder, die Langemaaßen, die Lugwiesen, die Mittelmaaßen, die Neuenmaaßen, die Neuländer, der Nixkolk, die Ochsenpfuhlstücken, die Pfarrstücken, die Kadewiesen, In den Rotten, die vorderen Springstücke, die hinteren Springstücke, In den Selpen, die Selpen, der Saukolk, Im Stück, Beim Stück, Zwischen den Stücken, die Schweinehutung, die Siebstücken, die Schaafwäsche, Am Tränkeplatz, Auf den Wiesen, Am Wasserstück, der Wiesenheeger, die Zollstätte.

     Flur Nudersdorf.
Die Ackerbreiten, das Bruch, die Baumstücken, der Bülziger Winkel, die Baumgartenstücken, der Eichberg, die Eichbergwiesen, die Fäme, die Gutsbreiten, das Heideland, das Heideholz, die Möllnsdorfer Breiten, die kleine Mühlbreite, die Nachthainichte,  der Pechofen, der Papiermühlengrund, die Papierbreite, die Stangen, die Schonungen am Pechofen, die Stangen an der Straacher Grenze.

     Flur Berkau (frühere Schreibart Birkau).
Die Breiten, die Birkenstücken, die Birkauer Haide, die Dornenmorgen, die Flachsröthe, der kleine Grusigk, der große Grusigk, die Grund-Stücken, die Gerstklothen, die Gehrmaaßen, die kurzen Gehrmaaßen, die Gehren, die Grabgründe, die Hirseberge, die langen Haderländer, die kurzen Haderländer, die Haferberge, die Habichtbergstücken, die H-Stücken, die Kunschbuschstücken, die Kaukenberge, die Kohlhagestücken, die Klothen hinter den Gärten, die Kritzingstücken, die Katzmaaßen, die Kuhmaaßen, der Kolk, die Mittelbuschstücken, die Mostpfuhlstücken, die langen Quermorgen, die langen Quertzmorgen, die Quertzmorgen, die langen Rübeländer, die alten Rübeländer, die Streitländer, die Steinklothen, die Steinberge, die Senstmaaßen, die Straacher Klothen, die Stücke hinter den Streben, die Stücke am Senster Wege, die Salzwegstücken, die Stücke in den Wolfsbergen, die Strepenstücken, die Schaafwäsche, die langen Schoenefichten, die kurzen Schoenefichten, die Stöcke ann den Schoenefichten, der Tränkeplatz, die Vierruthen, die Woerthe, die Weddinen Klothen, die Weinbergsstücken, der Weg durch die Haide, der Weg hinterm Dorfe, der Weg hinter den Gärten, die langen Wildbahnstücken, die kurzen Wildbahnstücken, die Stücke hinter dem Wolfsberge, die Wolfsberge,

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