23. Kirchliches aus Dobien

1993.02.06. Elbe-Elster-Rundschau

Kirchliches und anderes wissenswertes über Dobien

aus: Dobiener Chronik A.Stadelmann 1935 S.10 – 39

Der Burgwart Dobien, der bis dahin zum Gau Zerwisti (Zerbst) gehörte, kam vor 1500 noch zum kurfürstlichen Amt Wittenberg.
Im Jahre 1505 beanspruchten die Wittenberger das Patronatsrecht
über die Kirche und Schule.
Damit war aber die Verpflichtung verbunden,
2/3 zu den Entstehenden Kosten für Bau – und Reparaturzwecke zu leisten.
Von dieser Verpflichtung wollte man sich im vorigen und auch in diesem Jahr ernstlich frei machen. Nun lasse ich ein wichtiges, beachtliches Dokument folgen.

Im Jahre 1301 schenkte die Herzogin Agnes, die Witwe Albrechts II (der wie schon bemerkt, am 29.09.1293 Wittenberg Stadtrecht verlieh) gegen eine jährliche Leibrente von 50 Mark Silber (Urkunde befindet sich heute noch im städtischen Archiv) das Dorf mit den Kirchenlehen (Gut) und allem Zubehör dem Hospital St.Spiritus in Wittenberg.

Nier: Wittenberg im Mittelalter S. 18

1338 feria  2 post. Invocarit erneuerte Herzog Rudolf diese Schenkung,
behält sich aber und seinen Erben das Jus patronatus[1] vor.
(Schöttgen und Kreusing: Diplomatoriaet soiptores III Seite 387).
Er scheint jedoch diesen Vorbehalt alsbald,
vielleicht auf Bitten des Rates, zurückgenommen haben;
denn schon 1340(Schöttgen und Kreusing Seite 414) sehen wir den
Rat mit Einwilligung des Procurators des Hospitals die
Pfarrkirche zu Dobien einem Pfarrer verleihen.
Und dabei ist es dann in der Folgezeit geblieben.
So heißt es denn 1528 (33. Reg. I Seite 109) Dobyn,
diese Pfarre ist Raths in Wittenberg lehen.
1555 (Seite 110) ist gesagt:
Das Dorf Thobin samt dem pfarrlehn daselbst ist des raths und
gemeinen Kastens[2] (welch letzterer das Vermögen des Hospitals
St.Spiritus verwaltete) ebenso 1575, 1577, 1583, 1589,
wo aber des gemeinen Kastens nicht gedacht ist.
Dagegen ist wieder 1617 (Seite 118) gesagt:
Das Pfarrlehn ist des raths und gemeinen Kastens zu Wittenbergk
und hinzugefügt, daß die Visitation hier im Beisein des Bürgermeister
und zweier Kastenherren in Wittenberg und des Amtschreibers
(wegen der zum Amt gehörigen Filiale)
als Gerichtsherrn der Dörfer erfolgt ist.
Auch in den Besetzungsakten des Konsistoriums,
die für Dobien von 1754 – 1814 vorliegen,
erscheint der Rat zu Wittenberg stets als der sowohl den Pfarrer
als auch den Küster[3] Berufende, vermöge zustehenden
„Juris patronatus“ oder vermöge innehabenden
„Juris patronatus u. vocationis“. 
Niemals  ist mehr einer Beteiligung des gemeinen Kastens bei den
Berufungen gedacht, jedoch ist stets betont,
daß  sie vom „Rat mit Zuzeigung und Einwilligung“
(„Genehmigung und Eniratung“) („Vorwissen und Enirat) des
Pfarrers und Superintendenten erfolgt sind.
Diese Beteiligung des Pfarrers erfolgt,
weil auf diese Weise das Interesse der Gemeinde,
beziehungsweise des gemeinen Kastens besser gewahrt erschien.
Der Rat hat zwar versucht,
den Pfarrer bei den Berufungen los zu werden,
weil dessen Beteiligung dabei als eine Beschränkung seines
Patronatsrechts erschien.
(Vergl. Magdeburg St.- Archiv A 29 II No. 135:
Differenzero zwischen General – Superintendenten und Rat bei
der Einsetzung des Pfarramtes Dobien (1755 – 1770).
Aber das Konsistorium hat dem General – Superintendenten
das Recht gegeben, weiter darauf zu bestehen,
daß er bei den Berufungen gehört werden müsse.
1815 ist hier kein Wandel eingetreten.
Noch immer ist der Magistrat von Wittenberg zu Wittenberg
der Patron der Kirche von Dobien.
Wie weit er noch jetzt den Pfarrer und Superintendenten
bei den Berufungen beteiligt, ist mir nicht bekannt,
da die Akten aus preußischer Zeit mir nicht vorgelegen haben.
Das Patronat über die Kirche von Dobien scheint dinglich bedingt
zu sein, wie dies durch die Anteilnahme der Kastenherren
am Patronate erwiesen ist.
Das jetzt von einem solchen Besitz des Dorfes nicht mehr
gesprochen werden kann, erscheint unerheblich,
da alles das, was das Dorf dem Rate und gemeinen Kasten
zu leisten hätte an Lehnware, Zinsen, Abgaben und Fronten,
abgelöst ist und der Genuß der Ablösegelder und Renten dem Rate
und dem gemeinen Kasten zugute gekommen ist.
Es kann das Patronat des Magistrats nicht wohl als ein
persönliches angesehen werden.
Er erscheint noch immer als Vertreter des Hospitals,
dem ehedem das Dorf mit dem Kirchenlehen geschenkt ist.

Superit. Tagebuch No.272

Lutherstadt Wittenberg, den 24.03.1927

Hierdurch übersende ich eine den dortigen Pfarrbezirk betreffende Ausarbeitung des Pfarrers D. Pallas über die geschichtliche Grundlagen der Patronatsverhältnisse.

                                                                                                                       Meichßner

An das Pfarramt Dobien.

Anmerkung: Am 04.09.1937 z.B. wurden vom Magistrat zu Wittenberg 137,19 Mark zu Erneuerungsarbeiten am Pfarrhaus zu Dobien und 251,19 Mark zur Erneuerung der Kirche in Schmilkendorf bewilligt, 2/3 der Gesamtkosten.

Zur Parochie[4] Dobien gehören außer Dobien die Ortschaften – Filialgemeinden Reinsdorf, Braunsdorf und Schmilkendorf. Die Pfarrhauswohnung ist von jeher in Dobien, ebenso die Mutterkirche.

In Dobien ist die evangelische Lehre in der Mitte des
16. Jahrhunderts eingeführt worden,
denn die erste Pfarrmatrikel[5] datiert vom Jahre 1555.
Eine Abschrift dieser Matrikel ist vom Churfürstlichen Konsistorium in Wittenberg im Jahre 1671 erfolgt und befindet sich in den Akten der Dobiener Pfarrei auf dem Rathause zu Wittenberg. Seit welchem Jahre evangelische Pfarrer in Dobien gewesen sind, steht nicht genau fest. Das Jahr 1528 ist als Sterbejahr für Ambrosius Wilcke angegeben. Die bestimmten Nachrichten fangen erst mit dem Jahr1559 an, wo Paul Jakob Pastor in Dobien wurde. 1559 – 1593. Er wurde von Philipp Sterligen examiniert, von Dr. Eberus samt anderen dazu verordneten Herren ordiniert[6] und durch Magister[7] Fröschel neben anderen investiert[8].

Johann Jakob ist erst im Jahre 1564 Custos[9] geworden, denn bis zu Ostern des Jahres war er des Ambrosius Mulig[10]. Weil er sich nach einer besseren Stelle umsehen wollte, soll er von dem damaligen Burgvogt Helliger seines Amtes entsetzt werden. Vom Konsistorium in Wittenberg wurde er aber in Schutz genommen. Er bittet, bis Ostern in der Küsterei wohnen zu dürfen. Wie lange Jakob im Küsteramte blieb, war nicht zu ermitteln. Des Pfarrers Bruder Jakob, Johann war zu gleicher Zeit Schulmeister und Küster in Dobien. Beide Männer sind bei der Kirchenvisitation 1575 genannt und wegen ihrer tadellosen Amtsführung gelobt. Pfarrer Paul Jakob hat auch die formula concordiae[11] eines der „Symbolischen Bücher“ der lutherischen Kirche unterschrieben.

Anmerk.: Diese sollte die Zerwürfnisse ausgleichen, die zwischen den Lutherischen und der Melanchthonschen Theologenschule nach Luthers Tod entstanden waren.

Im Jahre 1561 ließ der Magistrat zu Wittenberg eine Kollekte zum Aufbau der Kirche in Dobien zusammenbringen und schickte deshalb ein Bittschreiben an die Magistrate vieler Städte umher. Die Bescheinigungen der milden Gaben sind noch in den Akten vorhanden. Wahrscheinlich wurde nun die Kirche zu Dobien angefangen mit Aufbauen. Das ist auch geschehen vom 12.10. ab, weil die alte Kirche samt dem Turm am 15.desselben Jahres zusammengebrochen war.

Im Jahre 1565 vom 18.06.ab ist in Schmilkendorf der Turm gebaut worden.

Im Jahre 1584 am Ostertage ist das Meßgewand durch Bitte des Herrn Simon Syderi – archidiaconi dem Herrn Paulum Jacobum und Hannß Watermans, dem Küster der Kirche zu Dobien (Thobin) aus dem Kasten zu Wittenberg geschenkt und überantwortet worden. Ein Reskript[12] vom 03.08.1578 aus Dresden vom Kurfürsten August nimmt Anstoß daran, daß, wie bei der statt gefundenen Kirchenvisitation festgestellt wurde, keine Kastenweihe gehalten wird. Das hat nun alljährlich zu geschehen und ist darüber dem Visitator der Kirche Bericht einzusenden. Bei der Visitation war auch zur Sprache gekommen, daß in Dobien bei den Hochzeiten von den Bauernknechten allerhand Unfug, Leichtfertigkeit und Tänze getrieben, durch sie und andere Gotteslästerung gebuhrt, die Predigten versäumt und an den Feiertagen Laß – Arbeiten getrieben werden. Damit diese Unordnungen abgestellt würden, befiehlt der Kurfürst dem Magistrat von Wittenberg größter Aufsichtsstrenge, Ahndung der Vergehen, und sonderlich der Gotteslästerung nachforschen zu lassen, gegeben am 20.12.1578. Der bisherige Pfarrer muß anno 1593 gestorben sein und eine Witwe hinterlassen haben, mit welcher sich der Amtsnachfolger auseinandersetzen mußte. Der Rat der Stadt Wittenberg vocirte[13] vermöge seines juris patronatus[14] zum Amtsnachfolger H. M. Johannes Schreckenfuchs 1594 – 1602. Dieser war bisher Diakon in Dommitzsch gewesen. Er wurde am 24.01.1594 vocirt. In seiner Vocation[15] heißt es: Wollen auch ordentlich anweisen dergestalt, daß ihr der Gemeinde zu Dobien die wahre reine Lehr göttlichen Worts, den Schriften der Propheten und Aposteln, sowohl der alten, anno 1530 Kaiser Karl V untertänigst übergebenen und ungeänderten Augsburgischen Konfession Apologia[16] derselben Schmalkaldischen Artikeln, beiden Kathechismus Lutheri dem christlichen Concordienbuche[17] gemäß vortragen. Die Wahl der Pastoren geschah von den Ratsmitgliedern, und erst nach derselben wurde sie dem Superintendanten zur Einwilligung angezeigt. Schreckenfuchs trat sein Amt am 18.05.1594 an. Einige Jahre danach wurde ihm ein neues Pfarrhaus gebaut. Davon erzählt er selbst: „Anno 1596 am 12.01. habe ich M. Johannes Schreckenfuchs Pfarrer allhier zu Dobien alle meine  eingefahrten zu mir erfordert, auch sie gebethen, daß sie an stat deß bösen baufelligen und unbequemen Pfarrhauses ein neues bauen wolen. Darauf sie sich alle willig erboten, auch solches zu tunzugesaget und verheißen haben. Allein ist zwischen ihnen selbigen als den Hüfnern und Kossaten ein miß Verstandt entstanden, in dem, daß die Kossaten mit den Hüfnern nicht gleiche Kosten zur Aufführung und erhaltung der Pfarrgebäuden tragen wollen. Diese Irrung aber ist Frucht ihrer aller Begehren vom Hochwürdigen Consistorio zu Wittenberg unter ihnen verglichen und was einen jeden Teil zu tun gebhüret, verabschiedet worden, einmaßen der Abschied den 16.04.1596 datiert.

Darauf ist das alte Pfarrhaus verkauft und zu dem neuen unter ihnen eine Anlage gemacht worden. Folgendes Jahr 1597, den 29. Aprilis ist das Newe Pfarrhauß gerichtet worden. Codemanus, den 29.09., welcher war der Tag Michaelis, habe ich publice pro corcione Gott den Herrn, auch der ganzen gemeine für Aufführung deß Pfarrhauses gedanket und namentlich der Heiligen Engel auf erhaltung reiner, unverfälschter Lehr und getreuer Lehrer gebetet und also das Neue Gebeude Got dem Herrn empfohlen und eingeweihet !“

Magister Schreckenfuchs ist nach Wittenberg als Diakon berufen worden. Später wurde er Superintendent in Colditz (bei Grimma) und Hofprediger bei der Churfürstlichen Frau Witwe daselbst. Seine Kinder: Catharina, geb. den 18.023.1595 – Ursula, geb. 11.03.1597 – Johannes, geb. 17. 07. 1600, gestorben 11.04.1601.

In den Akten befindet sich ein Schreiben des Dr. Theodor Plateanus, Arzt, an den Rat zu Wittenberg. Dieser Arzt hatte in der Stadt ein Wohnhaus und im Dorfe Dobien einBauerngütchen gekauft, um sich in Zeiten spacierens[18] halber zu ergötzen. Er bittet nun dem Rat, das Gütlein in Dobyn ihm „freyen und lösen“ zu lassen[19], auch ein Häuslein auf dem Berge, gegen der Kirche gelegen“ Schloß – oder Wallberg“ zu bauen und vielleicht mit Gottes Hilfe und Gnaden mein Leben darinnen zuzubringen vergönnen.

Das Schreiben ist zwischen 1577 und 1602 abgefaßt.

Nach M. Schreckenfuß wurde M. Hinke gewählt, aber bald wieder an einen anderen Ort versetzt. An seiner Stelle wurde  M. Paul Schwabe 1602 – 1631 vociert und zwar am 23.03.1602. am 18.04. confirmirt und am 03.08. trat er die Stelle an. Er war früher Pfarrer in Bülzig. Seine Vocation fehlt in den Wittenberger Akten. Schwabe hat auf der hiesigen Pfarrstelle gewiß viel Not und Unangenehmes erleben müssen, da er im Dreißigjährigen Kriege[20] lebte. Nämlich im Jahre 1631 – 1633 war auch die Pest in Dobien, wo viele Leute, wo auch er mit seiner Frau und Tochter verstarb. Bei Einem Bittgottesdienst, bei dem mehrere Einwohner schon auf dem Wege zur Kirche der furchtbaren Seuche[21] erlagen, sank auch der liebe Pfarrer vor dem Altar tod zusammen. Wie tragisch! – Anmerk. Des Verfassers.

Schwabe starb anno 1631 Dom. I. Adventag und seine Frau Anna am 08.10..

Seine Kinder: 1. Maria, geb. 28.01.1603;  2.Georgius, geb. am 06.01.1605 gest. 12.06.1610;  3.Ernestus, am 27.06.1607;  4. Dorothea, geb. am 21.04.1608 gest. An der Pest 1631;  5. Anna, geb. am 12.02.1616;  6. Friedrich, geb. am 15.06.1612.

In diese Amtsführung Schwabes fällt noch folgendes:

Im Jahre 1610 hat die erbare und Dugentsame Frau Martha, des Herrn Simon Schlitters Papiermachers Hausfrau zu Dobin auf den Altar ein schön weiß ausgenottes Thuch vorehret. Geschah den 15.Sonntag nach Trinitatis[22], welcher war der 16.09. Anno 1610.

Am heiligen ostermontag hatte der Gestrenge Edle und Ehrenwerte Junker Friedrich von Leipzig auf Nudersdorf und Wintzenburg[23] der Kirche zu Schmilkendorf 2 zinnerne Leuchter auf den Altar verehret von sieben Pfund (sind noch in Gebrauch). Eodem[24] anno desselben Jahres 28.05, welches war der Pfingsttag hat seine Edle, Dugentsame Frau Anna auf den Altar ein schön aufgenottes Thuch verehret.

Anno 1631 den 25.07.  ist das letzte Kind in der Kirche zu Dobien getauft worden, weil der Krieg alsbald Dorf und Kirche zerstörte. Sie ist erst nach fünfzig Jahren wieder aufgebaut worden. Nachdem Schwabe an der Pest gestorben war 1631, folgte ihm der Wittenberger Christian Hentzelmann 1632 – 1641. Er wurde vom Magistrate zu Wittenberg am 05.04.1632 auf gewöhnliche Weise vocirt und vom Superintendenten Paul Röber eingeführt. (Anmerk.: Lebensgroßes Gemälde befindet sich in der Wittenberger Stadtkirche Chor rechts). Er hat noch manches Ungemach infolge des 30 – jährigen Krieges erdulden müssen, so daß er samt der Gemeinde sich genötigt sah, zu fliehen aus dem Dorfe.

Folgendes ist von ihm selbst niedergeschrieben:

Nach den Worten seines Vorgängers M. Schreckenfuchs: Der barmherzige Gott bewahre diese Pfarre usw. fährt Hentzelmann fort: “Solches wünsche auch ich, Christian Hentzelmann, Wittenbergensis, Pfarrer dieses Orts mit meinem Herrn Vetter, welcher meiner Mutter Anna Schreckenfuchs Herrn Matai Hentzelmann 45 Jahr Eheweibes Bruder gewesen, denn ich allhier in meine Fußstapfen getretten dreißig Jahre hernach, als er zu Wittenberg Diakonus werden und endlich Hof – Superintendent der Churfürstlichen Witwe zu Coldy. Da ich nach Absterbung Herrn Paul Schwaben welcher Peste geschieden, in dies Pfarrwohnung eingezogen mit meinem Weibe und Kindern, welches geschehen am Tage Kreuzes Erfindung, war der 03.05.Anno1632. Da Ich auch Gott den Herrn pro corcione inniglichen angerufen, daß er mich samt der meinen in gutter gesundheit erhalten wollen. Insonderheit vür der Schedlichen Seuche, der pestilentz in gnaden Behütten wolle, weil mein Antecessor[25] mit den seinen zuvor peste darin verschieden. Auch Gott gebethen, er wolle die gantze Gemein vor dieser Plage undt auch anderen unfällen gnedig behütten und bewahren, auf daß wir in guter gesundheit lang miteinander Gottes wordt lehren undt hören Mögen, welches Er thun wolle um Jesu Christi willen. Amen !

In Beziehung auf seine Drangsale schreibt er:

Anno 1630 den 29.01. ist das Meßgewandt sampt  (unleserlich) Kelch und Zineren Kanne, Altar Tuch, aus der Kirche von den Kirchenräubern im Churfürstlichen Marsch[26] geraubet, die Kirche verwüstet, die Stüle verbrandt, ein Pferdestall aus der Kirche gemacht, da die Pferde vom heiligen Altar fraßen müßen, auch bei den Altar im Winkel, wie der augenschein gemacht und darin gesotten und gebraten worden.

Ebenermaßen ist es hergegangen mit den Reinßdorfern und Braunßdorfschen Kirchen, da zu Braunßdorf das Altar Tuch und die Kanzel herausgenommen, zu Reinßdorf die Glocken aus dem Thurme gestole worden, der Altar und Taufstein umgeworfen und zerbrochen. (Anmerk. des Verfassers: Es waren dies die Pfortischen und Schliebenerischen Scharen, die solches Unheil anrichteten.

Reinsdorf war 50 Jahre lang, ebenso Bülzig, vollständig verlassen. Erst 1698 siedelten sich die Hüfner und die Gutsherrschaft wieder an. Sie bauten die Kirchen wieder auf. Die Spuren der Verwüstung sind ja auch noch deutlich zu sehen. Auch Braunsdorf hatte arg gelitten. Davon später Seite——————-.

Anno 1636 den 30.01. ist die Kirche zu Dobien von den Churfürstlichen Soldaten erbrochen, da sie zuvor zum Tache über der Sacristey ein Loch gemacht und herum gestiegen, alles heraußgeplündert. Den 23.04. ist die Kirche abermahl erbrochen worden, da daß Altartuch vom Altar und dann auch die Sacristey aufgebrochen und herausgenommen worden, was darin gewesen, da ich auch zum Theil meine Bücher verlohren. Da ich zuvor in großen Marsch alles verlohren und zum armen Mann geworden. Anno1636 ist zwar auch ein Churfürstlicher Marsch (?). Nachdem der Pfarrer nicht mehr hat aushalten Können und sich, da er Muter allein im Dorfe (mutterseelen allein) zwei Tage unter der Churfürstlichen Armee ausgehalten mit Leib – und Lebensgefahr gewesen, auch solang Salva quarda Ausgebethen nun die Kirche Erbrochen und was da hinein geflüchtet gewesen heraus genommen worden, da auch daß neue Altar Tuch mit außgange, doch die Sacristey durch Gottes Gnade zugebliebe, dis die meiste Marsch vorüber, da hernach  des Pfarrers Salva quarda oder convoy mitgenommen und die Bibel, Kirchenbücher zum Theil, auch den Kelch, Altartuch, Chorhemd, Meßgewandt, zinnerne Kanne gleichfalß auch mit großer Gefahr herein nach Wittenberg mit seinen Wagen gefahret und erhalten worden.

Anno 1638. Die Woche vor Pfingsten, ein Kaiserlicher Marsch, da die Schweden vor Wittenberg die Schiffbrücke zu schlagen zu verhindern, ist die Kirche zu Tobin wieder erbrochen und der Gottes Kasten aufgehaue worden und daraus den Verschlag am Altar, die zinnerne Flasche, die Evangelien und Epistel heraus geraubet worden. Auch sind die Kamins (?) von dem pfordischen Volke, daß es vor die Stadt ihr gvartr gemacht, auß der vatterstube gebroche und gestole worden, auch die Dielen von oben aus der Kammer und Stube gelangt und weggetragen worden. Etlichen ist der ungeheure Götze wieder zurück über den Haß gegangen mit seiner verfluchten Armee, hat er die Kirche zu Tobin erbrochen und verbrandt, waß er finden, auch nicht ein Schämmel gelaßt, darauf man sich hat size können, wir vor Augen. Von da ahn die Banere nie wieder inß Dorf gezogen, und ich arme Mann in Hunger und Kummer in Wittenberg aushalten müßen.

Anmerk. Des Verfassers: Die Truppen des schwedischen Generals Banner hausten in der Zeit im Kurkreise. Wittenberg selbst blieb hinter seinen Gräben und Wällen als Festung stets verschont, aber die Vorstädte und große Umgebung wurden umso mehr in Mitleidenschaft gezogen. Im ganzen zählte man im Kurkreis 343 Wüstungen!

Am 2. August deselben Jahres ist der Pfarrer wieder in Dobien eingezogen.

In den Wittenberger Akten befindet sich noch ein Schreiben Henzelmanns an den Magistrat, worin er diesen bittet, der hinterlassenen Witwe seines verstorbenen Bruders, der vielleicht sehr plötzlich umgekommen ist, oder zu Hause verstorben war, der noch mehrere unerzogner Kinder hatte, bei dem Custodis[27] Dienst gewiß in Dobien verbleiben zu lassen. Datum: 16.10.1632.

Unter der Überschrift: Gravanuiana Eodlesiae Pastonis in Tobin jener Zeit waren acht Punkte aufgeführt worden. Oben steht die Anzeige, daß die Kirche daselbst sehr baufällig, der Kasten Gottes[28] aber arm ist. Um eine Übersicht über das Kirchenvermögen der vier Dörfer in  jener Zeit zu geben, entnehme ich die Summen aus den Kirchenrechnungen, welche Henzelmann nach dem Tode seines Vorgängers, der über der Rechnung von 1630 starb, verfertigte und die in den Wittenberger Akten beiliegen. Vom Jahre 1630 – 1632.

1. Tobin: Bestand in Einnahmen:  24 Thlr.
Ausgaben    10 Thlr.
Rest             14 Thlr.

2. Schmilkendorf, hier ist bemerkt, daß die Rechnung anno 1632 Ascensiones Domini gehalten werden.
Bestand und Einnahmen 1630 – 1632:  27  Thlr. 23 Gr. 10 Pfg
Ausgabe   17  Thlr. 17 Gr.   0 Pfg.
  Rest         10  Thlr.   5 Gr.  10 Pfg.

3.  Braunsdorf:  Bestand der Einnahmen:    7 Thlr.   23 Gr.  4 Pfg.
Ausgaben:    10 Thlr     8 Gr.   0 Pfg.
Minus rund      3 Thlr.

4.  Reinsdorf:  Bestand und Einnahmen:  10 Thlr.  14 Gr.  10 Pfg.
Ausgabe         6 Thlr.    7 Gr.    9 Pfg.
Plus                4 Thlr.   7 Gr.    1 Pfg.

Henzelmann beklagt sich in einem Schreiben beim Magistrat,
daß niemand in den Dörfern, wie es bisher geschehen,
seine vier Pfarrhufen bestellen wollen,
sodaß bereits 3 Hufen[29] ein Jahr lang liegengeblieben.
Datum: 10.07.1933.

Auf Henzelmann folgte Magister Andreas Müller 1641 – 1670,
der am 17.02.1641 einzog.
Ob er, wie eine schriftliche Nachricht meldet,
1669 gestorben oder 1670,
in welchem sein Nachfolger ernannt wurde, ist ungewiß.
Den 20.08. seines letzten Lebensjahres soll er das letzte Kind getauft haben.
Außer diesen Nachrichten konnte ich nichts weiter ermitteln.
Zu Müllers Zeiten sollen die Dörfer Grabo und Garrey ebenfalls wüst gelegen haben und nichts für den Pfarrer in Dobien gefallen sein.

Ortsvorsteher Heinrich Studer in Dobien , mein Nachbar,
erzählte mir folgendes:
Noch zu Pastor Strunks Zeiten waren die Bauern der beiden genannten Dörfer abgabepflichtig an Getreide für den Dobiener Pfarrer.

Studer fuhr mit dem Pfarrer zu Martini in diese Dörfer und sammelte mit diesem die Fruchtgefälle ein. Wenn sie nun nach Garrey fuhren,
so mußte der Pfarrer jedesmal eine gebratene Gans mitbringen,
die dann gemeinsam verspachtelt wurde.
Pastor Strunk hat Ablösung der Gefälle bewirkt.

Magister Esajas Golz 1670 – 1682 aus Wittenberg wurde zum Pfarrer
in Dobien vociert, zu welcher Zeit Abraham Calo Superintendent in Wittenberg war. (Siehe Bild in der Stadtkirche).
Golz war bisher Pfarrer in Mügeln – Lindwerder bei Jessen gewesen, wurde dann zum Pfarrer von Dobien erwählt und am 18.10.1670
dem Consistorio zur Konfirmation präsentiert.
Am 08.11.des Jahres hat er schon ein Paar getraut.
In seiner 11-jährigen Dienste hatte er viel Feindseligkeiten
von der Dobiener Gemeinde, besonders von den Einwohnern,
Besitzer des Gutes Jakob Jost und dessen Frau Katharina zu leiden. (Über das Gut später).
Letzterer scheute sich nicht, ihren Pfarrer auf jegliche Weise zu kränken, seine Frau und seine Kinder durch Injurien beleidigen, sodas Golz sich genötigt sah, am 10.07.1680 eine Anzeige an das Konsistorium[30]
zu machen, worauf beide Parteien auf den 28.07.1680 zitiert wurden. Ob die Streitigkeiten auf gütlichen Wege der Versöhnung der Parteien beigelegt wurden, was die Gattin des Pfarrers, damals in gesegneten Umständen, wünschte, oder durch Gerichtsspruch entschieden wurde, läßt sich aus den Akten nicht ersehen.
Soviel scheint indessen gewiß zu sein, daß die Beleidigungen seitens
des Jost und der Gemeinde wieder angefangen haben.
Golz ließ sich nun vom Magistrat zu Wittenberg einen Revers[31] ausstellen und bat das Oberkonsistorium um Versetzung.
Darauf bekam er die Pfarrstelle zu Marzahna.

Das Oberkonsistorium besetzte diesmal die Dobiener Pfarrstelle
mit dem Kandidaten Friedrich Montanus.
Das Schreiben des Churfürstlichen Oberkonsistoriums an den
Magistrat ist in dieser Sache datiert vom 08.08.1681.

Golz hatte während der elf Jahre seiner Amtsführung des Nutzens
der zwei Pfarr – Inventarienkühe entbehren müssen und brachte
dafür der Gemeinde 44 Grsch. in Rechnung pro anno.
Um diese Schuld einzufordern, hatte er am 30.08.1681 eine Klage
beim Konsistorium eingereicht.
In einer anderen Beschwerde klagt er abermals über die Widerwärtigkeit, „die leider hier in Schwange gehet“.

Seine Ehefrau: Anna Maria. Kinder:
1.  Johannes Christianus, geb. 03.09.1671.
2.  Anna Maria, geb.  am 15.12.1673, gestorben den13.04.1675.
3.   Maria Euphrosina, geb. am 13.02.1676, gestorben am 08.11.1681.
4. u. 5. Zwillinge: ein Tochterpaar:
Katharina Dorothea und Helen Rosina, geb. am 29.06.1678.
6.  Johannes Esagas, geb. am 23.07.1680.

Am 07.06.1842 wurde in den Torfstichen am Moospuhl der
obere Teil eines Leichensteines ausgegraben.
Auf der Vorderseite stand:

Hier ruht Jungfer Maria Euphrosina M. Esaias Goltz.
Der Stein ist hier abgebrochen.
Auf der Rückseite stand: Joh. 14,10.“
Es ist noch um ein Kleines,
so wird mich die Welt nicht mehr sehen.
Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben“.
Der Stein ist an die Mauer der Kirche zu Dobien befestigt worden,
aber nicht mehr vorhanden!

Im Jahre 1670 am 3. Pfingstfeiertage vormittags 11 Uhr schlug der
Blitz in den Glockenturm und das Kirchendach in Schmilkendorf
ein ohne zu zünden.

So auch1897.
Dabei fuhr der Blitz am Altar  die Mauer heraus und riß dabei das
kleine Glöckchen vom Klingelbeutel ab.

Auf angeführte Weise wurde vom Oberkonsistorium in Dresden zum Nachfolger Goltz, Johann Friedrich Montanus 1682 – 1729,
Studiosus Theologiae, stammt aus dem Meißnerschen und vom Magistrat als Patron am 19.09.1781 vociert und präsentiert.
Anm.:
In der Vocation wird noch der General – Superintendent Calow genannt. Im Jahre 1692 war Caspar Lösche  Superintendent.
Siehe Bilder in der Stadtkirche!
Die Ordinatskosten mußten die Gemeinden aufbringen.
Beitragen mußten in Dobien 5 Hüfner und 2 Kossäthen,
in Schmilkendorf 9 Hüfner und 1 Kossäthe,
in Braunsdorf 4 Hüfner und 3 Kossäthen,
in Reinsdorf 6 Hüfner und 2 Kossäthen,
ferner die Hohe Mühle,
die Dobiener Mühle (Wischeimer Mühle) jedenfalls Windmühle.
Ein Hüfner hatte zu leisten:
9 Scheffel[32] 6 Metzen[33] Wittenberger Maß,
ein Kossäthe 4 Scheffel 3 Metzen.

Zu Montanus Zeit wurde die Kirche in Dobien wieder vollständig repariert. Eine Nachricht, die von Goltzes Hand herrühren soll, besagt zwar, daß die Kirche 1631 Marten Fischers Kossäthens zu Dobien Sohn zum ersten darin getauft worden. Wahrscheinlich wurde in diesem Jahre das Notwendigste im Inneren der Kirche ausgebaut und im Jahre 1684 die bedeutende Reparatur vollendet. Anno 1684, heißt es in einer Bemerkung, ist von Caspar Lyser ( Leiser , Professor IUD ??)ältesten Bürgermeister von Wittenberg und von T.A ??. Christian Schmidt, Kämmerer daselbst die Kirche zu Dobien wieder aufgeführt und schön gebauet, wie auch mit einer Glocke begabt worden. Die Glocke ist jedoch erst im folgenden Jahre gefertigt worden, denn der Kontrakt, welchen deshalb jene genannten zwei Männer mit dem Glockengießer George Billich zu Wittenberg abschlossen, ist datiert den 25.05.1685. Die Bedingungen sind: Die Glocke soll 2 Zentner 10 Pfund schwer sein, von gutem Ton und Klang, und der Gießer soll 28 Groschen ? dafür erhalten, muß aber 3 Jahre für sein Werk einstehen.

Aus dem Jahre 1687 von Montanus verzeichnet:

Anno 87 haben die Eingepfarrten zwei weiserne Kühe zu Jüterbog[34] gekauft vor 7 Thlr., welche aber zur Zucht ganz unbrauchbar waren. Habe dieselben nach drei Jahren der Kirchfahrt wiedergeben wollen, allein sie haben sich mit mir dergestalt  verglichen, ich sollte beide zu meinen Nutzen verwenden, verkaufen oder schlachten lassen, mit der Zeit aber, wenn ich nach Gottes willen sollte wegziehen oder sterben, so verlangten sie vor[35] beide nur eine Kuh?.

Von der Kirchengemeinde sind damals zugegen gewesen: Andreas Schwerdt, Kumunschulze in Braunsdorf; Andreas Lerm, Rechensmann zu Schmilkendorf; Jakob Jost, Kirchenvorsteher, Gerichtsschöppe zu Dobien und Georg Schwerdt, Schulze zu Reinsdorf. Andere: Paul, Hüfner zu Schmilkendorf, Martin Tiainus, Gerichtsschöppe zu Braunsdorf (jedenfalls der Besitzer des 600 Mrg. großen Allodialgutes)  war den 02.03.1691. Zu Montanus Zeit wurde die Kirche zu Braunsdorf 1687 von Herrn Christian Zahn, Kreisamtmann zu Wittenberg, wieder erbaut, nachdem sie vorher fünfzig Jahre lang wüst gelegen. Am 15.05. hielt Montanus die erste Predikt darin. Aus diesem Jahre stammt auch die Linde auf dem Kirchhofe. Montanus hatte in seiner Gemeinde allerhand Ärger und Verdruß mit den hartnäckigen Gemeindemitgliedern. Viel Verdruß bereitete ihn zunächst sein Schullehrer und Küster zu Dobien, Hans Raute, früher Katechet zu Schmilkendorf, der besonders auf des Pfarrers Empfehlung hin nach Dobien kam an die Stelle des verstorbenen Drachstedt. Am 05.02.1692 wurde Raute zum Küsterdienst berufen. Raute machte Anspruch auf einen Scheffel Korn aus der Windheynischen Mühle und zwei Scheffel, die er von der  Hohen Mühle erhielt, fahren lassen mußte. 1 Scheffel Korn aus der Dobiener Mühle verblieb dem Pfarrer.

Ferner schreibt Montanus: Ich habe die Gevatterbriefe zu schreiben gefunden. Mein Vorfahr hat selbige auch vierzehn Jahre gehabt, ich dreiundvierzig Jahre, habe auch viel Verdruß und Anfechtung vom Schulmeister Raute gehabt, habe endlich doch victonisiert[36] noch bei Lebzeiten des Generalsuperintendenten Dr. Löschers, da ich habe zusagen müssen, ohne Consens[37]

Der Verfasser fügte hier folgendes Blatt ein.

Zimmermeister Hünsch und Architekt Unger, Wittenberg, kauften im Auftrag der Gesellschaft Grundstücke in Reinsdorf an. Bald erschienen englische Agenten, um dem Werk hinderlich zu sein. Zu diesem Zwecke kauften sie auf Braunsdorfer Gebiet Grundstücke an behufs behinderlicher Bebauung mit Wohnstätten?? Auch Wilhelm Schmidt, Reinsdorf, wurde ein schönes Grundstück Nahe am Dorfe los für 4000 Mark ohne Auflassung – ein schönes Geschenk!! Auch viele Neider aus Reinsdorf und Umgebung (waren aufgehetzt) und protestierten. Auf die Vorteile, die ich aufzählte, durch das Werk, wurde ich von Bauer Melzwig und Eckert ausgelacht. Eines Tages kam ich zu Möbius, da kam gerade ein feiner Herr aus der Stube, es war Dr. Illgner, Bevollmächtigter vom Werk. Auf dem Tische lag ein gelbes Blatt Papier mit der Schrift: „Für den Fall, daß dieses Werk zustande kommt, erhält die Gemeinde jährlich 500 Mark.

Dr. Illgner“.

Das Werk kam in Gang und die Gemeinde erhielt ihre 500 Mark jährlich. Das geschah öfter, bis es plötzlich eingestellt wurde mit dem Bemerken, Illgner wäre gar nicht beauftragt gewesen, er hätte das in der Betrunkenheit getan. (Hat man Worte??)

Nun kam es zur Klage, Stänkerer waren Hermann von Freyberg und Wagner aus Klein Wittenberg. Meine Schwiegermutter mußte als Zeuge vor Gericht und bekundete zum Leidwesen Freybergs den Sachverhalt. Darauf erfolgte, wie mir bekannt ist, die Weiterzahlung.

In der Chronik noch seitlich nachgetragen.

  1. Mehrere Piesteritzer Bauern schickten ihre Kinder in die Schule nach Dobien, um ordentlich Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen; dafür mußten sie wöchentlich pro Kind 6 Pfennig zahlen. 1617 heißt es : „„Der Küster hält gute Schule, daß auch Leute von anderen Orten ihre Kinder zu ihm schicken“. Es war Pf. Bruder Johann Jakob.
  2. Die Wasserburg in Reinsdorf ist 1465 zerstört worden.

des Hochlöblichen Konsistoriums niemand anders die Gevatterbriefe zu schreiben abzutreten. Durch eine widersetzliche Handlung kam Montanus in Konflikt mit dem Rate der Stadt Wittenberg und dem Consistorio:

Er ließ nämlich gegen das ausdrückliche Konsistorialverbot seine am 06.12.1695 verstorbene Tochter Maria in der Kirche begraben. Der Rat als Patron denunziert den Pfarrer beim Consistorium und forderte dessen Bestrafung. In seinem Schreiben 1701 beklagt sich Montanus über die bösen Leute in seiner Gemeinde, die ihm viel Verdruß machten. Zu ihnen gehörten die beiden Kirchenvorsteher in Dobien, der Jakob Jost, derselbigen Sohn, der Golzen soviel Ärger schon verursacht, und Jakob Sersleben, welche eine Zeitlang mit dem Klingelbeutel herumgehen wollte, auch sich des Prozesses, der damals zwischen Dobiener Kirche und den Schwerdtschen Erben in Braunsdorf hinderlich zeigten, sah sich der Pfarrer genötigt, beim Magistrat in Wittenberg Anzeige zu machen. Damals standen viele Eichen auf dem Wallberge, wo jetzt, 1898, nur noch eine einzige oben auf dem Gipfel des Berges zu sehen ist. Montanus zeigte anno 1699 dem Magistrat an, daß die Einwohner von Dobien gegen das Verbot des Magistrats die Eichen fällten, welche bisher die einzige Zier des Dorfes gewesen. Anmerk. Des Verfassers: „Die 8 oben stehenden Eichen hat 1878 der Pappenfabrikant Eduard Schumann gestiftet und pflanzen lassen“. Obgleich Montanus mehrere Male um einen Revers beim Magistrate wegen einer Versetzung seitens der Oberkonsistorei angetragen hatte, zuletzt auch anno 1704, so blieb er doch auf der Stelle bis zu seinem Tode den 02.02.1729. Er verwaltete sein Amt also an 47 Jahre. Seine Familie:

Die Ehefrau: Susanne Maria,

Kinder: 1. Maria Dorothea, geboren am 03.04.1684, heiratete am 31.05.1703 Johann

     Friedrich Lantzsch, Zeugwärter in WittenbergChristiane Justina Elisabeth, geb. den 15.06.1686, wurde den 28.11.1713 an Herrn Christian Heysig, Steuereinnehmer in Belzig, verheiratet

Johanna Maria, geboren am 11.10.1693, gestorben den 06.12.1695

Maria Luise, geboren am 22.03.1697, gestorben den 11.01.1700  2 Jahre 9 Monate

Maria Sophie Katharina, geboren 04.01.??

Diesmal concruirten 11 Kompetenten der vacanten[38] Pfarrstelle in Dobien (kamen in Frage). Sie erhielt ein Kandidat, der schon vor zwei Jahren examiniert war. Magister Johann Gottfried Ludwig 1729 – 1754. Er wurde am 02.04.1729 per majota[39] unter sieben Stimmen von fünf Stimmen gewählt und mit Einwilligung des Generalsuperintendenten Wernsdorf D. vociert und tat am 02.05. Dom. Exaudi[40] seine Probepredikt über das Sonntagsevangelium und wurde Dom. VIII Trinitatis 1729 eingeführt. Bei Ludwigs Amtsantritt kam wahrscheinlich durch eine Veranlassung das Verhältnis des Dorfes Piesteritz zu der Parochi[41] Dobien zur Sprache; denn es wurde in dem Jahre 1729 am 25.05. ein altes Document, das auf der Wittenberger Kapelle aufbewahrt ward, hervorgeholt und Abschrift davon genommen. 

Der Inhalt dieses Dokuments ist folgender: Das Universitätsdorf Piesteritz gehörte von Alters her halb der Pfarre zu Wittenberg, halb dem Kirchspiel zu Dobien. Es haben sich aber nicht geringe Gebrechen in der Seelsorge gezeigt hinsichtlich der Bestellung des Dorfes bei einer Visitation am 30.01.1571. Infolge dessen wurde für künftig die Bestimmung getroffen, (Man hatte früher einmal den Plan gehabt, Piesteritz dem Ephore?? Zu Apollensdorf einzuverleiben, doch aus sechs Gründen wurde dieser Plan nicht zur Ausführung gebracht).

  1. Hinfüro soll ganz Piesteritz der Pfarrkirche in Wittenberg einverleibt sein, so daß die Einwohner insgesamt nach Wittenberg zur Predigt gehen, dort die Taufen, die Kommunion, die Beichte, erstes Aufgebot und Trauung stattfinden. Dagegen die Nottaufen, Besuche und Kommunion der Kranken und Begräbniß soll jederzeit vom Pfarrer in Dobien (gehalten sein), bestellt und versorget werden.
  2. Außerdem soll der Pfarrer zu Dobien gehalten sein, alle Wochen am Mittwoch nachmittags in eigener Person das Dorf Piesteritz zu besuchen und die Lehre des Katechismus bei jung und alt fleißig zu betreiben, und so einigen Unfleiß zu verspüren, solches sofort dem Richter des Orts oder der Universitäts – Verwaltung zu berichten ?!
  3. Der Kaplan der Pfarrkirchen zu Wittenberg, Er, auf die Dörfer bestellet, soll alle vier Wochen auf bestimmten Mittwoch nach Mittag in das Dorf Piesteritz neben dem Pfarrer zu Dobien zugleich ausfiren[42] und die Leute in der christlichen Lehre verhören und unterweisen und die Inspektion des ganzen Dorfes durchshaben und auf die Einwohner Acht haben, daß sie fleißig in die Kirche hineinkommen.

Dagegen soll dem gemeinen Kasten zu Wittenberg das alt jährlich[43] Einkommen zusamt dem Opferung desselben Dorfes Piesteritz, die andere Hälfte dem Pfarrer zu Dobien, wie es vor Alters diesfalls hergebracht ist, von den Einwohnern daselbst gereicht werde. Die Universität will sich jedoch vorbehalten, diese Leistungen zu ändern, sobald Unfleiß seitens des Kaplans oder Dobiener Pfarrers im Treiben der christlichen Lehre allhier verspüret wird eto Geschehen zu Wittenberg Sonnabends nach Invocavit[44], welcher war der 10.Marty Anno 1571.

Später, im Jahre 1745 entstand eine Streitigkeit, weil die Hälfte des Dorfes Piesteritz (es gab ein evangelische und eine Katholische Hälfte) zum Bau der Pfarrerwohnung in Dobien beitrugen. Das Konsistorium entschied, die Piesteritzer müßten den Vierten Teil der Kosten tragen, jeder 1 Grsch. geben, die Dobiener 3 Grsch. Die Klage dauerte fort, und um ihr für jetzt ein Ende zu machen, wurde bestimmt, Piesteritz gibt diesmal 25 Grsch. im Ganzen zum Bau. Für die Zukunft bleibt es aber bei der obigen Bestimmung. Die Piesteritzer  fügten sich.

Anmerk.: 1528 gehörte Piesteritz halb zu Wittenberg und halb zu Dobien. Die Teilung war so vorgenommen, daß von den ? Hüfnern und drei Kossäthen ? Hüfner und ein Kossäthe, das sind die auf der östlichen Seite des Dorfes wohnenden, nach Dobien, ?Hüfner und zwei Kossäthen auf der westlichen Seite wohnend, nach Wittenberg eingepfarrt wurden, woraus die bis in die Gegenwart reichende Bezeichnung, katholische Westseite, und Luther Ostseite des Dorfes abzuleiten sind.

Hierher gehört ferner folgende Bemerkung in den Pfarrnachrichten: Nachdem die hiesige Glocke zu Dobien anno 1740 in dem großen Winter von der großen Kälte zersprungen, so ist dieselbe anno 1751 in Dreßten[45] umgegoßen worden und hat folgende Inschrift bekommen. Oben herum stehen folgende Worte:

verbum Domini manet in acternum. Auf der Seite aber: Sechzehnhundert und fünfundachtzig ward ich erstlich aufgehenkt. Siebzehnhundert und vierzig aber von dem Frost entzwei gesprengt. Darauf der Rath zu Wittenberg mich vom Kirchenguß ließ gießen, und in Dreßden nach Kunst Weinholds durch das Feuer fließen, daß von ein und fünfzig an ich jung alte, böse frommen Heiße durch gezognen Schall zu dem Berge Gottes kommen. Gott erhalte dein theures Wort unverfälscht auch in Dobien zu der Ehre deines Namens, bis zum jüngsten Tage hin.

Aus den Pfarrnachrichten im Auszuge: Magister Johann Gottfried Ludwig, Mugeleris Saxo! Wurde am 20.09.1729 mit Frau Maria Solome Klein, geb. Golzin, Mann Epframus Klein, pastoris zu Marzahna hinterlassene Witwe, von Magister Johann Wegner, Diacono zu Wittenberg allhier zu Dobien getrauet. Er starb den 11.12.und liegt neben dem Beichtstuhle der Kirche zu Dobien. Die Leichenpredikt wurde ihm von Magister Wagner, pastore in Apollensdorf gehalten und die Abdankung von M. Nitzschen, Diacono zu Wittenberg.

Unter vier Competenten[46] des erledigten Pfarramts wurde der Kandidat Christian Friedrich Schmieder aus Wittenberg, dort gebürtig 1755 – 1769 am 18.01.1755 per mojora[47] erwählt. An demselben Tage ging das gewöhnliche Schreiben an den Generalsuperintendenten Hofmann, wo dieser ersucht wurde, dem erwählten Schmieder den Tag der Probepredikt zu bestimmen. Am 25.01.wurde er dem Konsistorium präsentiert. Über die Form der Wahl entstand ein langer Streit zwischen dem Rate in Wittenberg und den Superintendenten Hofmann. Letzterer nämlich war mit der Form unzufrieden und wollte die Wahl nicht als eine gesetzmäßige anerkennen, weil sie vom Magistrat ohne vorhergehende Besprechung und Einwilligung des Generalsuperintendenten erfolgt sei, überdies auch schon vorher ohne sein Vorwissen und Einwilligung Gast – und Probepredikten in der Pfarrkirche zu Wittenberg gehalten worden seien. Dr. Hofmann trug die Sache dem Konsistorium vor und verlangte die Gastation[48] der Wahl am 30.01.1755. Schmieder aber wurde zum Pfarramte nach Dobien berufen, trat in dem Jahre an und verrichtete es in aller Treue bald 14 Jahre, verheiratete sich 1756 mit Jungfer Johannen Eleonore, Herrn Magister Johann Gottfried Schubarths, Pfarrer zu Kurzlipsdorf älteste Tochter, erzeugte in dieser Ehe eine einzige Tochter, Johanne Wilhelmine, geboren am 15.09.1757, starb dem Herrn sanft und selig am 10.05.1769 seines Alters 38 Jahr 4 Monate 2Wochen 3 Tage. Leichentext: Psalm 25,17: Die Angst meines Herzens ist groß, führe mich aus meinen Nöten. (Siehe Grabstein in der Kirche zu Dobien). Hinsichtlich der neuen Pastorwahl gegen Ablauf des Gnadenhalbenjahres war der Magistrat einige Zeit unschlüssig, wie er dem Churfürstlichen Konsistorio Rescripte vom 30.05.1755 gemäß verfahren sollte, da die Ausdrücke in jenen Rescripte zu undeutlich waren, als daß man den Sinn hätte erraten können. Der Magistrat verlangte vom Konsistorium die Akten über die Streitigkeiten bei der Wahl des Pastors Schmieder, doch dieses verweigerte ihm diese, wohl nicht ohne Grund. Man kam endlich darüber überein, daß nach der bisher gewöhnlichen Weise die Wahl vorgenommen werden sollte, also, ohne vorher mit dem Generalsuperintendenten zu konferieren, um das Recht des alleinigen Patronats nicht zu vergeben. Es wurde daher am 19.09.1769aus den gemeldeten Kandidaten M. Gottlob Friedrich Pfotenhauer 1770 – 1803 per unanimia[49] zum Pfarrer in Dobien erwählt. Er war aus Wittenberg gebürtig, der zweite Sohn des damaligen Stadtschreibers. Was vorauszusehen war, geschah: Der Superintendent Hofmann protestierte gegen die Wahl, begann aufs neue, und es vergingen mehrere Monate, ehe die Sache entschieden wurde. Dr. Hofmann klagte den Magistrat beim Konsistorium an, daß er die dexcisive[50] Erklärung vom 30.05.1755 nicht berücksichtigt habe. Der Rat aber wollte das Konsistorium als competente[51] Behörde in dieser Sache nicht anerkennen, weil Dr. Hofmann Assessor, also partnjudes[52] zugleich war. Er wandte sich daher an das Oberkonsistorium in Dresden unter dem 07.10.1769. Die Entscheidung des Churfürsten Friedrich August vom 08.12.1769 lautete dahin, daß es dieses Mal bei der Wahl des Pfotenhauer bleiben sollte, künftig aber der Rat vor Schließung auf zu erwählender Person, damit dem Superintendenten billig zu condumoncieren[53] habe. Kosten: 5 Groschen 5 Pfennige. Am 20.12. wurde dieser Beschluß dem Magistrat von Wittenberg vom Konsistorium daselbst mitgeteilt. Der Generalsuperintendent willigte jetzt in die getroffene Wahl ein und bestimmte den 04.02.1770 Dom. V Epiphan zur Probepredikt in Dobien. M. Pfotenhauer predigte über das Sonntags- Evangelium und hatte das Thema, „Christus, ein König der wohl regieret“. Magister Angner von Apollensdorf verrichtete die Diaconalia[54] . Am selben Tage wurde dem Pastor obige (Pfotenhauer) die Vocation überreicht. Pfotenhauer verwaltete sein Amt bis zum Tode 1803. Sein Nachfolger war Magister Carl Heinrich Christoph Thalwitzer 1803 – 1829, früher Diaconus zu Wittenberg. Er bewarb sich unterm 03.02.1803 um das vacante Amt und erhielt es auf Empfehlung des Generalsuperintendenten D. Nitzsch (Bild in der Stadtkirche). Der Magistrat hatte beschlossen, ohne Gastpredikt die Wahl vorzunehmen, doch, da der Generalsuperintendent gelegentlich äußerte, er wünsche, daß Herren, die nicht in einem Predigtamt ständen, ihre Geschicklichkeit durch Gastpredigten darthäten. So wurde vom Senat beschlossen, daß aus Gefälligkeit gegen den Herrn Generalsuperintendenten die drei Schullehrer Rusta ,Brand und May veranlaßt werden sollen, sich eine Probepredigt des Herrn Diaconen auszubitten. Der Herr Generalsuperintendent setzte den 03.04., Sonntag nach Trinitatis zu Gastpredigten an. Darauf wollte der Magistrat die drei Schullehrer und M. Thalwitzer auf die Wahl bringen und ließ deshalb den Superintendenten fragen, ob er Einwendungen habe. D. Nitzsch sandte, was bisher noch niemals geschehen war, eigens ohne Aufforderung des Magistrats sein Gutachten über die gehaltenen Predigten schriftlich ein unter dem 14.07.1803. Am 01.07. wurde Thalwitzer zum Pfarrer gewählt und hielt am 07.08. Dom. IX nach Trinitatis eine Probepredigt in Dobien über das Evangelium und hatte zum Thema: „Den Unterschied in Weltklugheit von der Christlichen Klugheit“. Der Generalsuperintendent D. Nitzsch hielt die Vorstellungsrede über den Vorzug, welchen die öffentliche Gottesverehrung auf dem Lande vor den öffentlichen Gottesdiensten in großen Städten, in Rücksicht der Erbauung habe. Die Diaconalia (Liturgie)[55] verrichtete Pastor Hacker aus Straach.

Wenige Jahre nach Thalwitzers Amtsantritt in Dobien brach der Deutsch – Französische Krieg aus, und unter den allgemeinen Drangsalen, die über unser Land kamen, hatte auch er viel zu leiden. „Mancher Verlust in dieser Zeit“, wie er selbst sagt, das zur Erhaltung seiner zahlreichen Familie unzulängliche Einkommen, bewogen ihn im Jahre 1808 den Magistrat zu Wittenberg zu ersuchen um eine Ausstellung eines Reverses, damit das Oberkonsistorium ihn auf eine bessere Art versorgen könne. Der Patron willfahrte seinem Gesuche unter besonderen Bedingungen. Indessen, aus der ganzen Sache ist nichts geworden. Zum zweiten Male mußte Thalwitzer Schrecken des Krieges ausstehen, als im Jahre 1813 der Deutsche Befreiungskrieg ausgebrochen war und der Tag der Schlacht bei Leipzig sich näherte. Das Dorf Dobien wurde besonders hart mitgenommen, da es an der Belziger Straße liegt und der Wallberg der höchste Berg in der Umgebung ist, von wo man letztere leicht übersehen konnte, auch Wittenberg gut beobachtet wurde. Letztere Stadt wurde damals belagert. Die russischen Kosaken hatten sich in Dobien festgesetzt, den Wallberg mit Schanzen und Gräben umgeben. Sie erpreßten von den Einwohnern des Dorfes Brandschatzungsgelder. 14 Groschen. Da aber niemand für die Pfarre und die Kirche bezahlen wollte, wurden beide an einem Tage, den 05.09.1813 angezündet und verwüstet. Pfarrer Thalwitzer war schon früher mit den Seinen nach Nudersdorf geflohen, hatte aber in der Eile das Kirchenarchiv samt den Kirchenbüchern in Dobien zurückgelassen, und alles dieses wurde leider ein Raub der Flammen. Die  Tauf -, Trau – und Totennachrichten wurden, so weit deren zu finden, erkunden waren, in das neue Kirchenbuch eingetragen, doch gehen sie nur bis auf den 30.05.1799 zurück, alles frühere fehlt M Thalwitzer wohnte anfangs mit seiner Familie im Gasthaus (das zugleich Försterhaus war und im Garten links des jetzigen Gasthofe stand, der 1816 von Dreßler erbaut ist. Im Garten steht heute noch der überbaute Keller). Thalwitzer zog dann nach Coswig, später nach Reinsdorf in das Leupoldsche Gehöft, wo er bis zur Fertigstellung der Baulichkeiten in Dobien, verweilte. 1820. In Reinsdorf starb ihm seine Frau Friederike Christine Auguste geb. Kunath, einzige Tochter des Bürgermeisters K. in Wittenberg am 25.02.1815. Sie liegt auf dem Kirchhofe begraben, links vom Eingang in die Kirche steht heute noch ihr schönes Grabmal.

Neubau der Kirche zu Dobien und des Pfarrhauses.

Die Gemeinde Dobien (Parochie[56]) hatte nicht das Geld, die Kirche und das Amtshaus bauen zu lassen. Auf Allerhöchsten Befehl wurde am dritten Reformationsjubelfeste 1817 eine allgemeine Kollekte zur Erbauung beider Grundstücke in der ganzen preußischen Monarchie gesammelt, wobei die Summe von 20 000 Thaler eingekommen sein soll!!! Mit diesem Gelde wurde nun der Bau begonnen unter Aufsicht des damaligen Senators Kaufmann Reysig in Wittenberg. Kirche und Pfarrhaus wurden schön und geräumig aufgebaut. Anmerkung: Das Pfarrhaus war zweistöckig mit Walmdach und hatte 13 Räume, schöne bequeme Wohn-, Schlaf- und Fremdenzimmer, zweitürige Hauseingänge, im ersten Stock sechs, oben sieben große Fenster. Von der Straße aus führte eine hohe, von der Hofseite aus führten vier harte Sandsteinstufen nach dem hellen, geräumigen, mit roten Ziegelsteinen belegtem Hausflur. Das Haus stand, wie das heutige an der Dorfstraßenfront. Dort befand sich auch ein ca. 3 m breiter Vorgarten mit Laube. Im geräumigen Hofe stand an der Westseite die große Scheune, an der Nordseite befanden sich oben die Aborte, dann die Schweineställe, – koben[57]. Der Viehstall und die Wagenremise[58]. Eine Kalesche[59] mit herablaßbarem Fenster diente noch Pfarrer Schmiedecke bei schlechtem Wetter zur Beförderung nach Schmilkendorf und Braunsdorf. Das Gespann stellte Hüfner Schering, Dobien. In Schmilkendorf spannte dieser beim Hüfner Weinhold, in Braunsdorf beim Hüfner Schering aus. In Reinsdorf beim Hüfner Melzwig. Im Gemüsegarten standen edle Obstbäume, und im Grasgarten stand ein mächtiger Kottenbaum[60]. Der schätzungsweise aus der ersten Zeit der Gründung des Pfarrhauses stammen dürfte. Am Kirchweg standen noch zwei hohe Birnenbäume, die aber unedle Kochbirnen trugen. Die Scheune, die zu 2/3 Pfarr -, 1/3 Küsterscheune war, wurde zu Pfarrer Hunks Zeit abgebrochen, angekauft von Hüfner Gottfried Lubitzsch, Schmilkendorf und in dessen Hofe wieder aufgerichtet.

Einweihung der Kirche in Dobien am 10.09.1820. Inschrift über dem Eingang.           Eine Deputation[61] des Magistrats, des Superintendenten Nitzsch, ein Sängerchor aus Wittenberg unter Leitung des Musikdierektors Mottschidler waren bei der Feier zugegen. Auch Kirchenvisitation fand an dem Tage statt. Pfarrer Thalwitzer hielt die Predigt über Psalm 118,24 und hernach über die Freude über Gott beim Einzuge in seinen Tempel. (Die Predigt wurde gedruckt, ein Exemplar, welches ich selbst in der Hand gehabt und gelesen habe, befindet sich in den Pfarrakten). Der Ertrag sollte verwendet werden, zur Anschaffung des neuen Wittenberger Gesangbuches für die verarmte Gemeinde. Leider ist der letztere Zweck höchst notwendig – bis jetzt noch nicht erreicht worden. Die Kirche hat zwei Eingänge. Der Haupteingang ist am Turm, der andere an der Nordseite, über welchem folgende Inschrift sich befindet:

Am letzten Jubelfeste, das Luthers Thaten ehrte.

Gab jeder einen Beitrag gern.

Und so erhobst du dich verschönert von der Erde.

Du stilles Heiligtum des Herrn.

Die erste Taufe in der neuen Kirche fand am 01.10.1820 statt, nämlich beim Sohn des Hüfners Hennig, den ich noch gut gekannt habe. Er hütete, bedeckt mit einem steifen schwarzen Hute angetan die Schafe der Hüfner bis zu seinem Tode. Ich habe ihn auch zu Grabe geleitet.

M. Thalwitzer verwaltete sein Amt bis zu seinem Tode im Jahre 1829,wo er emeritiert[62] wurde. Er starb am 16.05.1832. Auf dem Dobiener Kirchhofe, östlich der Linde, liegt er begraben. Die Nachkommen haben das Grab einfassen und aufhöhen lassen. Sein Leichenstein, der jetzt im Altarraum der Kirche steht, hat folgende Inschrift:

Er war geboren am 30. Januar 1767 zu Meißen, wo sein Vater Diaconus an der St. Afrakirche war. Er war zuerst auf der Fürstenschule in Meißen, studierte in Wittenberg 1786 -1789, wurde 1795 Pfarrer in Oberau, verheiratete sich mit Christiane Frederike, Auguste Kunath + 1815, wurde Diaconus IV zu Wittenberg, 1803 Pastor in Dobien, unten Sirach 12,1 – 2, Offenb. 3,5. Er hinterließ sechs Kinder, 4 Töchter und 2 Söhne. Nach ihm kam der Predigtamts – Kandidat: August Moritz Meyner 1829 – 1838, aus Wittenberg gebürtig, Sohn des Gastetiers und wohlangesehnsten Bürgers in Wittenberg. Zugleich hatte sich der bisherige Prediger Stier aus Basel, damals in Wittenberg, um die Stelle beworben. Am 04.11.1828 wurde Meyner einstimmig vom Magistratskollegio erwählt, hielt seine Probepredigt am 02. Adventssonntage über das Evangelium: „Wie ein Christ die Aussicht auf ein Weltgericht für sich nutzbar anzuwenden habe“. Er wurde am 24.05. Dom. Rogate[63] 1829 als Pfarrer Subsitaty[64] des Pension. Pfarrer Thalwitzer, mußte einen Teil seines Einkommens an diesen abgeben bis zu dessen Tode. Die Antrittspredigt hielt er über Luc. 12,49. Solange der Emeritus Thalwitzer lebte, wohnte dieser mit Meyner in der geteilten Pfarrwohnung. Meyner verwaltete sein Amt bis 1836. Mehrere Disziplinarvergehen, die er sich zu Schulden kommen ließ (Trunk und Spiel) veranlaßten eine Untersuchung, die zur Folge hatte, daß Meyner im Jahre 1836 im Januar auf die Entscheidung des Konsistoriums in Magdeburg seines Amtes enthoben wurde bis zu der Zeit, wo die Untersuchung beendet sein würde. Dies dauerte bis gegen den Monat Juni 1837,wo das Absetzungsdekret erschien und eilige Besetzung der vacanten Stelle von der Regierung in Merseburg anbefohlen war. Meyner richtete nun ein Schreiben an Sr. Majestät König Friedrich Wilhelm IV, bat darin um eine Disziplinarstrafe, Versetzung oder Pension. Lange erschien keine Antwort, bis unter dem 08. Und 09. Januar 1838 das Bittgesuch gänzlich abgelehnt wurde. Seine Amtsenthebung war nun endgültig ausgesprochen. Er begab sich von der Pfarre in Dobien hinweg und wohnt seitdem bei seiner verwitweten Mutter in Wittenberg. Er war nicht verheiratet, denn die Verlobung mit der Tochter seines Vorgängers ging nach dreimaligem Aufgebot zurück. Nur ein Fall: Meyner besuchte oft die „Hohe Mühle“, schon damals ein vielbesuchtes Lokal und spielte die Nächte hindurch, sodaß es auch vorgekommen ist, daß er Sonntags früh vom Lokal aus kaum zur Kirche kommen konnte. Den Superintendenten, der an einem Sonntagmorgen erschien und Meyner zur Ordnung bringen wollte, faßte er im Hofe und warf ihn zu Boden !!(Delirium! Armer Mensch, arme Mutter!). Anmerkung: Pfarrer Meyner hatte 10 Obstbäume in den Pfarrgarten gepflanzt. Diese hatte er, wie so viele Lehrer und Prediger des Regierungsbezirks vom Schloßgärtner Steubecke in Mersebuerg bezogen. Die Bäume wurden unentgeltlich abgegeben, nur Bezugskosten entstanden.

Der Nachfolger war Karl Friedrich August Mayer, ein geborener Boßdorfer 1838 – 1860.  Seine Eltern, Bauern, zogen nach Wittenberg. Mayer besuchte die Bürgerschule, das Gymnasium und die Universität zu Berlin. Er bewarb sich im Juni 1837 um die Dobiener Pfarrstelle und erhielt sie vom Magistrat zu Wittenberg, nachdem er vorher am 4. Adventssonntage eine Gastpredigt gehalten hatte. Er predigte nach der Epistel[65]  über die Nähe des Herrn. Im Januar  1838 wurde er definitiv gewählt. Am 16.07. verheiratete er sich mit Jungfer Johanna Charlotte Emilie Maria Neander aus Berlin. Mayer hatte eine zahlreiche Familie und viel Herzeleid. Vier seiner kleinen Kinder mußte er der kühlen Erde anvertrauen. Ihre Gräber sind mit weißblühenden Rosenstöcken bepflanzt und befinden sich westlich von der Linde. Dahinter ist das Grabmahl meiner am 07.11.1891 geborenen lieblichen Tochter Erna, die am 17.11.1891 starb an spinaler[66] Kinderlähmung und am Sonntag den 20.11. von den 3 Hüfnern Schering, Hennig, Dannenberg und Ortsvorsteher Heinrich Studer zur ewigen Ruhe getragen. Am Grabe hielt Pfarrer Otto Naumann eine tröstende Ansprache mit Einsegnung[67]. Studer selbst hat seine 4 Kinder da beerdigen lassen, wo er heute mit seiner lieben Frau ruht. Pfarrer Meyer kam später als Diakonus nach Wittenberg. Wegen seines lauten Organs hieß er allgemein „Schreimeyer“ 1840. Das neue Gesangsbuch wird am Himmelfahrtstage, 02.05., eingeführt, in Dobien am 28.06..In diesem Jahr wurde jeder Kirche 1 Exemplar des letzten Willens Seiner Hochseligen Majestät des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm III, gestorben 07.06.1840, geschenkt.

Denkschrift in den Altar der Kirche zu Reinsdorf, niedergelegt am 11.11.1844.

Im Namen Jesu !

Nachdem schon lange eine Reparatur im Turm zu Reinsdorf für dringend notwendig erachtet und die Genehmigung dazu seitens des Wohllöblichen Magistrats in Wittenberg als Patronatsbehörde über die Kirche, unter dem 28.06. des Jahres erteilt worden war, wurde endlich am 08.07. zur Ausführung geschritten. Sämtliche alten Kirchenstühle wurden herausgeschafft , und der sehr schadhafte, zum Teil verfallene Fußboden aufgenommen, und die darunter befindlichen Grabgewölbe, wohl der erste Besitzer des Gutes, beseitigt. Der Maurermeister Voigt aus Wittenberg übernahm mit Bewilligung des Patrons die Maurerarbeiten in Akkord. Der ganze Fußboden der Kirche wurde mit roten Mauersteinen, der erhöhte Platz um den Altar mit viereckigen gebrannten Platten gepflastert und eine Sandsteinstufe, außerdem zu jeder Seite des Altars noch eine Sandsteinplatte gelegt, auch die Fugen zwischen den Steinen mit Kalk ausgegossen. Die inneren Kirchenwände wurden neu angeweißt.

Bei näherer Betrachtung der alten Kirchenstühle fand man nicht für gut, sie wieder in die Kirche hineinzusetzen, sondern da man auch eine neue Ordnung der Stühle beabsichtigte, um für die größer gewordene Gemeinde Raum zu gewinnen, ward beschlossen, daß die Frauenstühle sämtlich neu gemacht, dagegen die Männerstühle verändert würden. Die Tischlerarbeiten übernahm der Zimmermeister und Mühlenbauer Winkler in Reinsdorf, der sie in Verein mit zwei Tischlern ausführte. Er baute und veränderte die Stühle , reparierte und strich die Decke der Kirche neu an, blau mit goldenen Sternen besäet, frischte die Farbe an den Bildern und sonstigen Zierrathen des Altars auf. Der Platz des Liturgen[68] vor dem Altar, der Auftritt, wurde mit einem schweren Gitter umgeben, auch ein neuer Taufstein, bisher fehlte ein solcher gänzlich, nach dem Muster des in der Kirche zu Dobien befindlichen, angefertigt. An der nördlichen Seite wurde ein Häuschen zu Aufbewahrung der Totenbahre erbaut.

Die Kosten der Reparaturen betrugen: für Maurerarbeiten in der Kirche 36 Thaler 19 Silbergroschen, für Maurerarbeiten am Bahrhaus 17 Thaler 23 Silbergroschen 3 Pfennig (inklusive Material), für sämtliche Tischlerarbeiten 102 Thaler 18 Silbergroschen 6 Pfennig. Summa: 157 Thaler 9 Pfennig, die aus dem Aerario[69] der Kirche, in welchem am Schlusse des Jahres 1843 sich befanden 764 Thaler 15 Silbergroschen 9 Pfennig, gezahlt wurden.

Zur Anschaffung einiger neuen Altargeräthe brachten die Gemeindemitglieder unter sich reiche Collecte[70] aus. Niemand schloß sich aus, sie betrug mit Einschluß von 8 Thaler 15 Silbergroschen., die für die alten Mauersteine der Grabgewölbe eingenommen wurden, 28 Thaler 12 Silbergroschen 6 Pfennig. Von diesem Geld wurden folgende Sachen angekauft:

  1. ein eisernes, vergoldetes Crucifix[71] aus der Königlich Eisengießerei in Berlin für 10 Thaler 24 Silbergroschen.
  2. ein neusilberner, vergoldeter Abendmalskelch nebst Patene[72] ebenfalls aus Berlin für   8 Thaler
  3. zwei Gypsfiguren,  Luther und Melanchthon darstellend, auf den Mauerecken zu beiden Seiten des Altars
  4. Künstlich gemachte Blumen für die Blumenvasen auf dem Altar

Als freiwilliges Geschenk an die Kirche wurde vom Hüfner Gottfried Leupold dargebracht ein neues zinnernes Taufbecken mit der Inschrift: Gehet hin in alle Welt. Math. 28. Ferner: das Altartuch von schwarzem Tuche mit weißen Silbertressen besetzt, sowie das kleine weiße Tuch darauf, sind Geschenke von Herrn Christian Neander, Kaufmann und Lackierfabrikant in Berlin, dem Schwiegervater des jetzigen Pastors allhier, am 24.02.1839 dargebracht (als eine kleine Reparatur in der Kirche vorgenommen wurde).

Vertheilung der Kirchensitze, die am 24.08. im Beisein der Gemeinde vorgenommen wurde, im ganzen behielt man die frühere Ordnung bei.

Zwei Sitze für die Familie des Pastors. Altar.

Sitz für Schulmeister.

Frauenstühle.

No.  1 dem Rittergut zugehörig

No.  2 dem Hüfner Schmidt

No.  3 dem Hüfner Lindemann

No.  4  dem Hüfner Melzwig

No.  5  dem Hüfner Winkler

No.  6 dem Hüfner Möbius

No.  7 dem Hüfner Flehming

No.  8 dem Kossäthen Koltzenburg

No.  9 den Schulkindern

No.10 dem Hüfner Leupold

No.11 dem Kossäthen Göricke

No.12 der Walkmühle bei Reinsdorf und der Mahlmühle gehörig.

Eingang in die Kirche:

No.13 für die Häusler

No.14 für die Frauen, Handarbeiterfrauen

Männerstühle:

No. 4 für die Tagelöhner

No. 3 für die männlichen Dienstboten

No. 2 für die Kossäthen und Häusler

No. 1 für die Hüfner

Die Emporkirche ist bisher immer dem Gute überlassen worden.

Die Kirche wurde am 25.08., den 12.Trinitatis eingeweiht.

Die Gemeinde zog mit den Schulkindern singend in die Kirche ein. Die Predigt wurde über Psalm 100 gehalten. Nachher war Abendmahlsfeier.

Pro memoria[73].

Am 23.02.des Jahres 1840 am Sonntag Sexagesimae[74] wurde das neue Gesangbuch an Stelle des alten Wittenberger in der Kirche zu Reinsdorf eingeführt. Die Gemeinde daselbst war die erste in der Parochie, die es annahm.

Der jetzt regierende König ist Friedrich Wilhelm IV., seit 1840 den 07.07. auf den Thron. Der Minister der Geistlichen Angelegenheiten Eichhorn. Der Bürgermeister in Wittenberg, der Vorsitzende der Patronatsbehörde der Reinsdorfer Kirche und des Magistrats heißt Fließbach. Derzeitiger Pfarrer in Dobien, mit Reinsdorf, Braunsdorf und Schmilkendorf, der Verfasser dieser Denkschrift, Karl Friedrich August Mayer, seit 1838 im Amte. Küster: Karl Gottlob Richter, seit 1839 im Amte.

Die Gemeinde in Reinsdorf besteht aus folgenden Gliedern:

  1. dem Gutsbesitzer und Landwehr – Lieut. Julius Walther,
  2. dem Hüfner und Gerichtsschöppen Gottfried Melzwig,
  3. dem Hüfner Gottfried Schmidt,
  4. dem Halbhüfner Georg Flehmig,
  5. dem Hüfner und Vicerichter Andreas Möbius,
  6. dem Hüfner Gottlieb Winkler,
  7. dem Hüfner Gottfried Lindemann,
  8. dem Hüfner Gottfried Leupold,
  9. dem Auszugshüfner Lindemann
  10. dem Auszugshüfner Leupold,
  11. dem Kossäthen und Schmiedemeister Christian Koltzenburg,
  12. der Kossäthenwitwe Göricke,
  13. dem Pachtinhaber der Walkmühle Ferdinand Rudo,
  14. dem Häusler und Zimmermann Winkler neben der Walkmühle,
  15. dem Schankpächter David Schultze,
  16. dem Schneidermeister Rühlicke,
  17. dem Zeugarbeiter Capito,
  18. dem Häusler und Handarbeiter Gottfried Melzwig,
  19. dem Handarbeiter Heese
  20. dem Handarbeiter Friedrich Winkler,
  21. Gottlieb Höhne
  22. Christian Höhne
  23. Martin Müller auf Melzwigs Gute
  24. Christian Melzwig
  25. Gottfried Schmidt, neuem Aufbauer hinter dem Kirchhofe
  26. der Mahlmühle bei Reinsdorf, dem Besitzer der Braunsdorfer Mühle
  27. dem Gasthof an der Belziger Straße, Witwe Gasse gehörig
  28. dem Hirten…
  29. Handarbeiter Lehnert
  30. Dorothea Faust
  31. Handarbeiter Friedrich Müller
  32. Witwe Höhne, Witwe Schwerdt und gewesener Hirte Laaß (jedenfalls im Gemeindehause) der Verfasser.

Die Zahl der Einwohner beträgt gegenwärtig 149.

Getreidepreise am 14.09.1844:

Weizen – 1 Thaler 22 Silbergroschen 6 Pfennig

Roggen – 1 Thaler  7 Groschen  6 Pfennig

Hafer     – 21 Silbergroschen 3 Pfennig

Gerste   –  1 Thaler 2 Silbergroschen 6 Pfennig

Butter  a Pfund 6 Silbergroschen.

Der dreieinige Gott segne die Gemeinde Reinsdorf allezeit und schenke Allen, die in diesem Gotteshaus ein – und ausgehen, seine Gnade und Frieden in Christo Jesu zum ewgen Leben. Amen.

Nach Pfarrer Mayer kam Karl Rudolf Albrecht, geboren am 11.04.1813 im Keller des Hauses No. 22 am Wittenberger Markt (Kriegsgefahr), getauft am 12.04.. Sein Vater war Kammerschreiber Christian Gottfried Albrecht, Mutter: Dorothea Wilhelmine, geborene Serno. Albrecht ein rechter Landpfarrer, war Junggeselle und wurde betreut von seinen beiden Schwestern Albertine und Marie. Die erste ist die – war die Pate meines Sohnes Martin.

Bei der Erbauung der Kirche kam der kleine Rudolf eines Tages mit seinem Onkel Reysig, der ja den Bau beaufsichtigte, nach Dobien in die bald fertige Kirche. Dort stieg der Kleine auf die Kanzel. Der Onkel sagte hierauf zu ihm: „Na, Rudolf, nun halte mal eine Predigt!). Da faltete der liebe Junge die Hände und betete inbrünstig das Vaterunser. – Wie das Schicksal spielt!

Pfarrer Albrecht war eine feinfühlige Natur, der nur für jeden das Beste wollte. Allerhand Widerwärtigkeiten, z.B. Teilweise Lieferung recht minderwertiger Naturalgefälle, Getreidemandeln, Kartoffeln, die „Hut – Schering“, so genannt (Zusammenhang fehlt),weil er bei all seinen Arbeiten einen alten hohen Zylinder trug. Sein langes Haar wurde durch einen Kamm zusammengehalten! Viel Kummer hat ihm auch Lehrer Richter bereitet. Man beachte nachstehendes:

Nach den Matrikel[75] des Jahres 1575 gehörten zu den Einkünften der Dobiener Pfarrstelle aus dem anhaltischen Dorfe Möllensdorf 2 Scheffel Roggen Wittenberger Maß und 18 Silbergroschen 8 Pfennig Opfergeld. Diese Abgaben wurden auch bis zur Mitte des 19.Jahrhunderts ohne Widerspruch von den dazu verpflichteten Besitzern geleistet. Im Jahre 1859 waren zu diesen Abgaben verpflichtet der Hufenrichter Scherz mit 1 ½  Scheffel Roggen und 4 Groschen 2 Pfennig, der Mahlmüller mit ½ Scheffel und 3 Groschen 2 Pfennig, der Hüfner Olle mit 5 Silbergroschen 5 Pfennig, der Hüfner Joachim mit 2 Groschen 1 Pfennig, der Hüfner Schuboth mit 2 Silbergroschen 2 Pfennig, die Kossäthen mit 1 Silbergroschen 7 Pfennig. Diese weigerten sich jedoch, mit einemale zu zahlen, weil in diesem Jahre keine Verpflichtung für sie bestünde. Sie beriefen sich darauf, daß die Abgaben an dem Sonntage fällig seien, an welchem über das Evangelium vom Zinsgroschen gepredigt würde, nämlich am 23. Sonntage nach Trinitatis. An diesem Sonntage mußte nach alter Gepflogenheit der Dobiener Pfarrer das Korn und Opfergeld sich einfordern und abholen. Kam er oder sein Beauftragter an diesem Tage nicht, so waren die Kornabgabe und das Opfergeld verloren. Natürlich kam er immer. Aber nun traf es sich, daß in dem Jahre 1859 der seltene Fall eintrat, daß es nur 22 Trinitatissonntage im Kirchenjahr gab. Ostern war nämlich auf den 24.04. gefallen (1885 auch) und Weihnachten an einem Sonntage gefeiert worden, sodaß es keinen 23. Nach Trinitatis gab. Als nun Pfarrer Albrecht deshalb am 22. Sonntag nach Trinitatis, am 20.11. 1859, die ihm zustehenden Abgaben aus Möllensdorf (Mellnsdorf) durch den Häusler Gottlieb Schüßler abholen lassen wollte, verweigerte außer Schuboth und Joachim die Besitzer und Kossäthen die Abgabe mit der Begründung, sie seien nur verpflichtet, sie am 23. Trinitatissonntage zu leisten. Der Pfarrer war jedoch der Meinung, daß die jährlichen Abgaben nicht durch Bestimmung des Abholtermins aufgehoben werden könnten und wies darauf hin, daß, wenn etwa in dem Jahre der verbesserte Gregorianische Kalender eingeführt würde, und infolgedessen in irgend einem Monat mehrere Tage ausfallen müßten, dann ja auch an diesem Tage fälligen Abgaben, Zinsen und dergleichen auch nicht erhoben werden dürften. Er wandte sich an den Patron, den Magistrats in Wittenberg und bat, ihm zu seinem recht zu verhelfen. Er erhielt auch die Zustimmung des Magistrats, der aus der Matrikel nachwies, daß kein besonderer Fälligkeitstermin angegeben sei. Außerdem forderte er den Hüfner Scherz und genossen vor sich und verwies, als sie auf ihre Zahlungsverweigerung bestanden, die Sache an das Herzoglich anhaltinische Kreisamt in Coswig. Dort fand dann auch am 09.12. eine Verhandlung mit den oben genannten Besitzern statt, in welcher sie gleichfalls erklärten, weil in diesem Jahre der Sonntag, an welchem über das Evangelium vom Zinsgroschengepredigt werden müsse, ausgefallen sei, nicht zur Zahlung des Opfergeldes, beziehungsweise zur Leistung der Kornabgabe verpflichtet zu sein. Auf die ihnen gemachten Vorstellungen und aus Sorge vor einem kostspieligen Prozeß erklärten sie doch schließlich, daß sie zur Vermeidung aller Weitläufigkeiten für dieses Mal von ihrem Recht absehen wollten, ohne für die Zukunft eine Verpflichtung zuzugestehen, falls am betreffenden Sonntag die Predigt über den Zinsgroschen wieder einmal ausfallen sollte. Sie zahlten auch an Ort und Stelle die fälligen Gebühren an den Magistrat, wobei sie baten, statt des Korns gleichfalls das entsprechende Geld entrichten zu dürfen. Der preußische Scheffel Korn wurde dabei mit 1 Thaler 22 guten Groschen oder 1 Thaler 27 Silbergroschen und 6 Pfennig nach den Wittenberger Martinipreise berechnet. Pfarrer Albrecht erhielt dann am 27.12.  3 Thaler und 25 Silbergroschen durch den Magistrat als Gesamtabgabe aus Möllensdorf ausgezahlt. Damit fand der drohende Kirchenstreit ein friedliches Ende.

Pfarrer Albrecht segnete am Palmsonntage 1873 die Konfirmanden, die bisher Unterricht in seinem Arbeitszimmer genossen hatten, ein. Bald darauf stellten sich seelische Störungen bei ihm ein. Zur Erholung sollte er die Nervenanstalt Carlsfeld bei Brehna besuchen. Auf der Fahrt dorthin machte er im Eisenbahnwagen seinem Leben durch Freitod (Erhängen) ein Ende.

Pfarrer Hermann Strunk, der Nachfolger, ein Rheinländer, Militärpfarrer 1870 /71, amtierte von 1873 – 1884. Er war verheiratet mit Julia Naumann, Tochter des Pfarrers in Dabrun. In Interesse seiner Angehörigen will ich mich kurz fassen. Strunk starb, infolge seines Lebenswandels!! Schon früh am ……………….Er wurde in der Kirche aufgebahrt, am Sarg taufte Pfarrer Moritz Ehrenhaufs Apollensdorf sein jüngstes Kind, hielt die Leichenpredigt und Einsegnung. Zum Andenken pflanzte die Witwe die Linde nahe am Eingang der Kirche. Sie hatte am 16.03.1934 in 1 m Höhe 1,40 m Umfang. Man kann also nach Jahren Vergleiche anstellen.

Sein Nachfolger Pfarrer Richard Schmiedecke, ein nobler Herr mit schwarzem Vollbart von 01.04.1884 bis März 1889. Er war verheiratet mit der jungen Tochter des Gastwirts zur „Goldenen Weintraube“ Hohl in Wittenberg. Als Diaconus in Wittenberg amtierte er nicht lange. Wegen seines Nervenleidens siedelte er nach Italien über und wurde Gesandtschaftsprediger in Rom. Als nachheriger Pfarrer in Apollensdorf wurde bald pensioniert.

Pfarrer Otto Neumann von 1889 – 1903 war verheiratet mit Franziska Huster, Tochter des Gastwirts Huster, Besitzer des Gasthofs „Goldner Adler“ in Wittenberg. Neumann war ein Pflichttreuer, geistvoller Mensch. Seine Predigten waren recht erbaulich und die Ansprachen bei Trauungen, Taufen und Begräbnissen „Perlen“. Obgleich er sich öfters um eine Stadtstelle bewarb und zu Gastpredigten geladen war, gelang es ihm doch nicht, seinen Wunsch erfüllt zu sehen. Eine recht peinliche Situation entstand namentlich auch für mich, als der Pfarrhausstreit ausbrach. Daß man das schöne solide Haus niedergelegt hat, ist mir heute noch ein Rätsel.

Pfarrer Neumann bezog mit Frau und der kleinen Ilse eine Wohnung im Hause No. 34 in der ehemaligen Sand -, späteren Linde – und heutigen  Hauptmann – Berthold – Straße. Endlich kam es zum Bau, der ausgeführt wurde von Maurermeister König zu Wittenberg. Die Zimmerarbeiten hatte der Zimmermeister Friedrich Hünsch, Klein – Wittenberg ausgeführt. Ostern 1895 wurde das neue Pfarrhaus bezogen. Zur Ehre des Pfarrers muß ich noch ausdrücklich bemerken, daß er es sich stets angelegen sein ließ, berechtigte Wünsche „seiner Lehrer“ mit Nachdruck zu erfüllen, was ihm auch öfters gelang.

Zu Pfarrer Strunks Zeit wurden ca. 17 – 20 Morgen Kirchenacker an der Dobiener Grenze nach Schmilkendorf hin aufgeforstet. Diese Arbeit hatte Freigutsbesitzer Burkhardt von Freyberg übernommen und ausgeführt gegen eine Entschädigung von  400 Mark. In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde der schöne Grundbesitz an den Häusler Johann Lieder zu Dobien verkauft. Das schöne Holz heute und der Ton, der dort genutzt werden kann!

Franz Marquardt, Direktor der „Dobiener Werke“ schenkte gelegentlich der Verheiratung seiner Tochter die „gelben Steine“ zum Fußbodenbelag in der Kirche. Nach dieser, vom Maurermeister Rehfeld Mochau ausgeführte Arbeit wurde die Kirche neu ausgeweißt von Maler Schulze Wittenberg.

Zweimal, zu Pfarrer Neumanns Zeit fand eine Kirchenvisitation statt durch den Superintendenten D.Quandt, Wittenberg. Bei der ersten war die Kirche leidlich besucht. Unangenehm wurde es empfunden, als der Superintendent nach erfolgter Predigt vortrat und eine Katechese mit den Besuchern anstellte! Bei der 2. Visitation: Welche peinliche Sache: In der Kirche waren anwesend außer mir, den Kollegen Baake und Erich aus Schmilkendorf, meine Frau, die Frau des Pastors und die Mitglieder des Gemeindekirchenrates der einzelnen Dörfer. Nach dem Gottesdienst wurde der Superintendent über die Ursache der Kirchenleere vom Ortsvorsteher Heinrich Studer aufgeklärt. Am zeitigen Nachmittag war Gottesdienst in Reinsdorf, wo ich mit den Kindern der Oberstufe die Stelle römisch 3,28 zu behandeln hatte. Nach der Katechese[76] drückte mir der Revisor mit wärmsten Dank die Hand vor der zahlreich versammelten Gemeinde. In der Abendstunde, bei spärlich beleuchteter Kirche, hielt Lehrer Erich, Schmilkendorf, in der dortigen Kirche eine Katechese über die Messianische[77] Weissagungen. Am 08.12. 1903 bezog Pfarrer Neumann die Pfarrstelle in Großwechsungen bei Nordhausen. Später amtierte er in Großgörschen bei Merseburg – Lützen. Hier machte er sich bei der Denkmalsangelegenheit verdient. Im Sommer des Jahres 1920 hatte er das Unglück, bei einem Besuch in Leipzig unter die Straßenbahn zu geraten. Der Wagen mußte hochgewunden werden, und arg zerlästert, aber noch lebend zog man den Ärmsten hervor. Im dortigen Krankenhause, wo er ein ganzes Jahr zubrachte, starb er am 13.09.1921. Er ruht auf dem Friedhof seiner Gemeinde. Seine Frau starb in Berlin, wo ihre Tochter Dr. phil.[78] Studienrätin ist.

Pastor Engeln, der Nachfolger, amtierte in Dobien vom 14.06.1903 – 1908. Er wird als ein netter, freundlicher Herr gerühmt. Leider war er lungenleidend und mußte die Stelle aufgeben. Er ist noch eine Zeitlang in der „Inneren Mission“ tätig gewesen und bald gestorben. Während seiner Zeit wurde der schon recht schiefe Turm, der sich nach der Nordseite etwas neigte, mit einem weißen Kalkanstrich versehen.

Der Nachfolger Pfarrer Friedrich Wilhelm Gottlob Gütling, 1908 – 1920, geboren am 23.07.1869 in Wittenberg, wurde am 26.04.1908 vom Superintendenten D. Orthmann, Wittenberg eingeführt. 1912 war Kirchenvisitation, am 08.09.. Am 15.11.1913 wurde vom Kriegerverein Dobien unter Teilnahme des Kriegervereins Grabo, Mochau, Schmilkendorf die Friedenseiche gepflanzt und von Gütling geweiht. „Thalwitzers Familientag“ schenkte der Kirche in Dobien neue Altar – und Kanzelbekleidung und läßt auch das Grab, wie schon erwähnt wurde, neben der Kirche einfassen und erhöhen. Mittwoch den 11.08. abends 8 erfolgte eine starke Explosion in den Reinsdorfer Werken, wobei auch die Dobiener Kirche arg beschädigt wurde. 1916. Der Kirchenacker in Reinsdorf wird an die Werke verkauft für 33200 Mark.

Hilfsprediger Walter Glasewald, der als Offizier den Weltkrieg mitgemacht hatte, wurde 1920 mit der vicar.[79] Verwaltung der Dobiener Pfarrstelle betraut und am 09.01.1921 vom Superintendenten D. Orthmann in der Stadtkirche ordiniert[80]. Seit mehr als hundert Jahren wieder eine Ordination in Wittenberg. Am 21.10.1921 begann er die regelmäßige Predigttätigkeit. Am 31.10.1921 weihte er das neue Kriegerdenkmal in Schmilkendorf.

Ein Prozeß, den zwei Wittenberger Firmen (Thubandt und Müller) wegen Geldforderungen mit der Gemeinde – Parochie führten, konnte erledigt werden, weil sich der Magistrat als Patron endlich bequemte, die berechtigte Forderung für die Pfarrdach – Reparatur anzuerkennen.

1921 am 06.11. wurde des Tages von Lützen in erhebender Weise gedacht. An diesem Tage wurde, 14°° Uhr in Schmilkendorf die Ehrentafel für die 15 Gefallenen eingeweiht. 1923, Walter Glasewald, geboren am 29.06.1887 in Berlin, wurde vom Konsistorium am 21.02.1924 bestätigt, nachdem er am 26.01.1923 vom Superintendenten Orthmann in sein Amt eingeführt, wo auch ich zugegen war. Die junge Frau Pastor verschönte die Feier durch 2 stimmungsvolle Sologesänge.

Durch einen neuen Prozeß wird die Baulastenpflicht des Magistrats als Patron festgelegt. Entscheid des Kultusministeriums am 24.11.1924: Der Patron erklärte sich zur Zahlung bereit, zahlt weiter auch für die Schule.

Pfarrer Gütling bewohnt mit seiner Frau einen Teil des Pfarrhauses. Einer seiner Söhne besucht die Latina[81] in Halle (wurde später als Anhänger Hitlers eines Abends in seiner Wohnung in Halle erschossen!!). Die anderen Jungen wurden vom Müller August Lehmann, Dobien, und von Bauer Siebert, Schmilkendorf betreut und halfen in der Landwirtschaft.

Am 25.05.1922, am Himmelfahrtstage, abends acht Uhr, zerlästerte ein heftiger Blitzschlag den Dobiener Kirchturm, der überdies, aus Fachwerk erbaut, schon bedenklich nach der Nordseite neigte. Mitte Juli 1926 wurde endlich der als „schiefer Turm von Dobien“ bekannte Turm niedergelegt und zwar von Bauunternehmer Franz Märzdorf zu Dobien. Der Grund dieses sonst so schmucken Turmes, bestand aus großen Natursteinen. Bei der Beseitigung dieser fand man zwei menschliche Gerippe, sicherlich diejenigen von dem Kinde des Pfarrers Montanus und von Pfarrer Ludwig, die in der alten Kirche beigesetzt waren und beim Bau der neuen Kirche ausgehoben und im Turmgrund niedergelegt wurden.

Die Einweihung, welcher ich beiwohnte, fand am 31.10.1926 statt. Nach einem stilvollen vom Maurermeister Märzdorf gesprochenen Vorspruch trat jeder der Wittenberger Festteilnehmer, Superintendent Professor Meichsner, Stadtbaurat Petry und Stadtrat Fleischermeister Schulze, vor zum Widmungsspruch. Nun überreichte Märzdorf dem Pfarrer Glasewald den Schlüssel, und dieser schloß, ebenfalls mit einem Weihespruch, die Tür des Turmes, den Haupteingang, auf. Nun begann der feierliche Gottesdienst, in welchem Pfarrer Glasewald die Predigt hielt und der Superintendent feierliche Worte des Gedenkens und des Dankes sprach.

Pfarrer Glasewald ließ sich mit seiner Familie – fünf Kinder- nach Elsterwerda versetzen und bald danach nach Weißenfels, wo er heute noch an der St. Laurentiuskirche amtiert.

Extract

aus der Pfarrmatrikel de anno 1555 Tobyn.                                                                   Das Dorf Tobyn samt dem Pfarr – Lehen daselbst ist des Rates und gemeinen Kastens, dahin gehören als Filial,          Schmilkendorf)                                                                                                   Reinsdorf        )          ins Amt gehörig                                                                    Braunsdorf      )                                

                                   Kirchendiener: Pfarrer – Custos.                                                 Der Pfarrer zu Tobyn Einkommen                                                                                  An Korn

Das Dorf Garrey

10 Scheffel Korn, davon wollen sie jährlich 2 Scheffel ihrer Gerechtigkeit innebehalten und geben also nicht mehr denn 8 Scheffel ist aber auf Befehl der Visitatoren zu Niemegk von denen zu Garrey bewilligt, daß sie jährlich dem Pfarrer zu Tobyn 10 Scheffel minus ein Viertel geben wollen, er solls aber selbst auf den Thomas Tag[82] holen. Actum Niemegk Sonnabend nach dem aller Heiligen Tagk.

Anno 1555.                                                                                                         Inventarium der Pfarr:                                                                                                             2 Kühe – 1 Kalbe – 2 ½ Groschen für ein Fersch Kalb. Darüber ist den eingepfarrten Ortschaften auferlegt, daß sie in der Pfarre zu Tobyn eine deutsche Biblia aufs fürderlichste zeugen sollen, welche ins Inventar zu verzeichnen und bei der Pfarre verbleiben soll, auch die Augsburgische Konfession, welche von dem Visitatorius[83] den Pfarrern zugestellt ist. Diese Abschrift ist genommen nach einer anderen genommenen Abschrift, die beim Sächsischen Konsistorium zu Wittenberg vorhandenen Visitations – Matrikel von Anno 1555 Wittenberger Ratsakten.

Extract[84]

Aus der Kirchenvisitation von 1575:                                                                            Hier sind aufgezählt die Gefälle an Getreide aus den 4 Gemeinden der Parochie Dobien, die aus Garrey 3, aus Grabo 10, von der Mark Rödigau (Rädikendorf – zwischen Straach und Grabo gelegen Kilometerstein 1,5), aus Piesteritz 5, aus Möllensdorf ½ Verpflichtete

Einkommen an Geld

Aus Möllensdorf sind 5 Hüfner aufgezählt: (Im Kirchenstreit genannt)                       Das Dorf Grabo 16 Scheffel Korn.                                                                               Das Dorf Piesteritz:  2 Scheffel Korn der Richter, 2 Scheffel Gerste H. Hohsmann,         1 Scheffel Peter Hohsmann, 1 Scheffel der junge Hennig, 1 Scheffel Brose Künnemann. Das Dorf Mellensdorf im Anhältischen Lande: 4 Silbergroschen 2 Pfennig Peter Emke, 20 Pfennig Veit Balzer, 2 ½ nächst dem ½ Scheffel Korn. Idem: 3 Groschen minus 1 Pfennig Brosius Basentreter. 3 Groschen 5 Pfennig Blese Schultheiß mehr 1 ½ Scheffel Korn. Idem[85]:                                                                                                                  In der Stadt Wittenberg: 5 Silbergroschen Walten Haseloff, 18 Groschen Große Pann??? von zwei Gärtchen. 7 ½ Groschen Hans Bader, 5 Groschen Liberius, 7 ½ Groschen Claus Morsin, 15 Groschen Lambertus Matthey, 9 Groschen Hannß Rübeler, 7 Groschen Andreas Steffen, 9 Groschen Blese Kleinschmidt.                                               Schmilkendorf: 5Scheffel Korn Schmidt, 5 Scheffel Jakob Niemann.              Opfergeld aus allen Dörfern 2 Silbergroschen ungefehrlich. Item[86]  – 2 Hufen in Tobynn,  2 Hufen zu Schmilkendorf.

Item:
1 Wiesen in der Bromberger oder Bollensdorfer Lug[87],
1 Wiesechen im Brandt.
Kornzehend: Von dreyßigsten Mandel[88] einer.
Fleischzehend: Von dreyßigsten ein Stück.
Von dreyßig Lämmern eines, von dreyßig Gänßen eine.
Item:
Wenn eine Sau wirft, vom dritten Wurf ein Ferkel. Und kann halten 15 Rinder, 15 Schweine.

Kirchweihe in Dobien

Am Sonntag den 29.11.1936 wurde die erneuerte Kirche in Dobien feierlich eingeweiht. Die Malerarbeiten wurden ausgeführt von Gustav Lerm, Wittenberg. Eine wesentliche Verbesserung erhielt die Kirche durch die neue Licht – und Heizungsanlage, sowie elektrischen Antrieb der Blasebälge, alles ausgeführt vom Überlandwerk Liebenwerda, Zweigstelle Wittenberg. Gemeindegesang und das Lied „Über den Sternen“ leiteten die schlichte erhebende Feier ein. Auch die Schulkinder unter der Leitung von Hauptlehrer Swoboda erfreuten mit einem Liedervortrag. Die Festpredigt hielt Superintendent Professor Meichßner. Ortspfarrer Brasche sprach die Schlußworte.


[1] Recht des Patrons

[2] Kasse

[3] Schulmeister, Lehrer

[4] Pfarrei, Kirchspiel

[5] Verzeichnis, Stamm, Hauptliste

[6] geweiht, eingesetzt

[7] Meister, Lehrer

[8] feierlich eingesetzt

[9] Wächter, Aufseher

[10] Gehilfe

[11] Eidesformel

[12] amtlicher Bescheid, Verfügung, Erlaß

[13] berief

[14] Recht der Berufung

[15] Berufungsurkunde

[16] Verteidigungsschrift

[17] Eintracht

[18] Erholung

[19] Auflassung

[20] 1618 – 1648 (führte am 24.10.1648 zum Westfälischen Frieden)

[21] schwarzer Tod

[22] Sonntag nach Pfingsten

[23] Dorf bei Grottkau an der sächsischen Grenze

[24] außerdem

[25] Vorgänger

[26] Heer

[27] Wächter, Aufseher

[28] Kasse

[29] etwa 90 Morgen

[30] In der ev. Kirche für Kirchenverwaltung, regionale Behörde

[31]  schriftl. Erklärung rechtlichen Inhalts

[32] altes deutsches Hohlmaß ( 1preuß. Scheffel = 16 Metzen = 54,9615 L;1 Dresdner Scheffel = 16 Metzen = 103,83 L; 1bayr.Scheffel = 16 Metzen = 222.358 L

[33] altes deutsches Hohlmaß ( 1Metze = 3,4351 Liter in Preußen; und 6,4893 Liter in Sachsen)

[34] Stadt im Fläming

[35] für

[36] gesiegt

[37] Genehmigung

[38] va|catlat., „es fehlt” (nicht vorhanden, leer)

[39] Stimmenmehrheit

[40] lat., „Erhöre!”  (6. Sonntag nach Ostern)

[41] Pfarrei; Amtsbezirk eines Geistlichen

[42] tätig sein

[43] gemeint ist bestimmt: alljährlich

[44] [invo’ka:vit] Bez. des ersten Fastensonntags

[45] sicherlich ist Dresden gemeint

[46]  Kompetent = sachverständig; befähigt; zuständig, maßgebend, befugt

[47] soll sicherlich heissen  „majora“ = Stimmenmehrheit

[48] Aufhebung

[49] einstimmig

[50] betrügerisch, täuschen

[51] maßgebende

[52] teilweise Jurist

[53] benachrichtigen

[54] Mithilfe bei der Feier

[55] amtliche od. gewohnheitsrechtliche Form des kirchl. Gottesdienstes, bes. der am Altar gehaltene Teil

[56] Pfarrei; Amtsbezirk eines Geistlichen

[57] Verschlag; Käfig; Stall

[58] veraltend für Geräte-, Wagenschuppen

[59] polnisch für leichte vierrädrige Kutsche

[60] unedle Birne

[61] Abordnung

[62] emeritieren =  in den Ruhestand versetzen, pensioniert

[63] lat., „bittet!” fünfter Sonntag nach Ostern

[64] bestimmt Substitaty weil von  Substitut = veraltend für Stellvertreter, Untervertreter

[65]griech.> Apostelbrief im N. T.; vorgeschriebene gottesdienstl. Lesung;Strafpredigt

[66] lat. Med. die Wirbelsäule, das Rückenmark betreffend; Kinderlähmung

[67] Bestattung

[68]  Liturgie = die amtliche od. gewohnheitsrechtliche Form des kirchl. Gottesdienstes, bes. der am Altar gehaltene Teil

[69] Vermögen

[70] Kollekte = Sammlung von Geldspenden in der Kirche; liturg. Gebet

[71] Kruzifix = plastische Darstellung des gekreuzigten Christus

[72]christl. Kirche – Hostienteller

[73] gedenke

[74]  Sexagesima = achter Sonntag vor Ostern

[75] Zeugnis

[76] Religionsunterricht

[77] religiös, sozial oder politische motivierte Erneuerungsbewegungen

[78] Philologie – Sprachwissenschaft

[79]  Vicarius –  (lat.) Stellvertreter

[80]   im ev. Kirchenrecht die während eines Gottesdienstes vorgenommene Einsetzung in das Pfarramt in Form der kirchl. Bestätigung für die Befähigung zum Amt der öffentl. Bezeugung des Evangeliums in Wort und Tat

[81] Lateinschule (Voraussetzung für das Studium zahlreicher Fächer)

[82] Montag nach dem IV. Advent

[83] Visitator

 

[84] Auszug

[85] lat. – derselbe

[86] lat. –  veraltet für ebenso, desgleichen; ferner

[87]   landsch. für Ausguck

[88] altes Zählmaß; Gruppe von etwa 15Garben;kleine Mandel=15 Stück, große Mandel=16 Stück