18. Wasag

Der „Dobiener“ stellt keine Beiträge mehr zum Wasag-Werk ein, diese sind nur noch unter…

Geschichts- und Forschungsverein „WASAG Haupt-Werk Reinsdorf“ e.V.

www.wasag-hauptwerk-reinsdorf.de

Vereinssitz: Heuweg 16
Geschäftsstelle: Heuweg 13A
06886  Lutherstadt Wittenberg / OT Apollensdorf Nord
+49 (0) 3491 4939649

info@wasag-hauptwerk-reinsdorf.de

2021.12.11. Super Sonntag

… und wieder wird Geld benötigt…

Wittenberg (red/aw). Die Wittenberger Unternehmer Daniel Hannemann, Geschäftsführer  Tesvolt, und Kurt Bolz, Geschäftsführer  Bauunion, haben eine Spendenaktion ins Leben gerufen, damit das   Wasag-Infozentrum  in Apollensdorf/Nord bis Juni nächsten Jahres fertiggestellt werden kann. „Wir können derzeit nicht weiterbauen, weil die Fördermittel angesichts der stark gestiegener Baupreise und neuer Auflagen nicht mehr ausreichen“, berichtet Joachim Zander,   Vorsitzender des Geschichts- und Forschungsvereins Wasag Haupt-Werk Reinsdorf. Er  ist  allen Unterstützern  sehr dankbar, die mit ihrer Spende  ein  Stück sehr bewegter Geschichte für die Öffentlichkeit zugänglich machen wollen.  „Das Wasag-Werk ist Teil der deutschen und Wittenberger Geschichte, das soll nicht verloren gehen“, erklären   Hannemann und   Bolz. Benötigt werden  mindestens 170.000 Euro.   Kurt Bolz hat bereits eine Zwischenfinanzierung bereitgestellt, da der Verein sämtliche Kosten bei dieser Förderung zunächst selbst aufbringen  muss.

Das Dokumentationszentrum soll in den sanierten Gebäuden der ehemaligen Lungenheilstätte Robert Koch und dem Krankenhaus Apollensdorf/ Nord entstehen und wird vom Geschichts- und Forschungsverein Wasag  geleitet. Auch die Deutsche Stiftung für Ehrenamt und Engagement unterstützt das Vorhaben mit  rund 72.000 Euro.
Bewegte Geschichte
Die Geschichte der Wasag Werke Reinsdorf von 1891 bis 1945 soll der Öffentlichkeit vor allem über Führungen und eine multimediale Ausstellung im „Informations- und Dokumentationszentrum Wasag Haupt-Werk Reinsdorf“ erzählt werden. Aber auch eine 18-teilige Vortragsreihe, weitere Veranstaltungen und gedruckte Publikationen sind geplant. „Provisorische Veranstaltungen wie Führungen und kleine Vorträge finden bereits seit 2019 regelmäßig in Zusammenarbeit mit der Touristinfo  statt und erfreuen sich einem zunehmenden Interesse“, erwähnt Zander. Der Wasag-Betrieb hätte  zu allen Zeiten viel in die Forschung investiert und innovative, sichere Bergwerks- und Gesteinssprengstoffe entwickelt. Dieser Sprengstoff kam u.a. beim Bau des Gotthardtunnels zum Einsatz und verkürzte dessen Vortriebszeit um die Hälfte. Auch ein  spezieller Sprengstoff wurde hier für das Stauffenberg-Attentat heimlich produziert. „Durch den Versailler Vertrag wurde der Wasag Reinsdorf ein Alleinstellungsmerkmal zugeordnet. Sie war die einzige Sprengstofffabrik im Deutschen Reich, die noch für das Militär produzieren durfte und musste“, so Zander.

Spenden können auf das Konto der Volksbank WB unter  DE42 8006 3598 0000 4171 90 eingezahlt werden.  
Weitere Infos unter www.wasag-hauptwerk-reinsdorf.de.

2020.02.29. Das Amtsblatt

2019.12.13. Wittenberger Sonntag

der Druckteufel hat zugeschlagen, Wasag Hautwerk Reinsdorf😂😂😂

Wasag-Verein erhielt Fördermittelbescheid in Höhe von 186.000 Euro

Dank guter Arbeit des ALFF: Wasag-Umbau ist in Sicht!

Wittenberg (wg). „Es hat lange gedauert, aber das Warten hat sich gelohnt“, erklärt Joachim Zander, Vorsitzender des Geschichts- und Forschungsvereins Wasag Hauptwerk Reinsdorf e.V., im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Der Fördermittelbescheid in Höhe von 186.000 Euro liegt vor, damit kann 2020 mit der Sanierung des ehemaligen Pförtnerhauses und der früheren Ambulanz des ehemaligen Krankenhauses Apollensdorf-Nord begonnen werden: Hier möchte der Verein ein Informations- und Dokumentationszentrum einrichten (der Wittenberger Sonntag berichtete). 

„Wir hatten den Antrag fristgerecht bis zum 1. März 2019 beim Landesverwaltungsamt eingereicht, doch dort kam es aus personellen Gründen zu erheblichen Verzögerungen“, bedauert Zander. Der Antrag wurde zur weiteren Bearbeitung an das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Anhalt weitergeleitet und diesem Amt bescheinigt Zander „eine richtig gute Arbeit“. 

„Eigentlich hätte unser Antrag spätestens vier Monate nach Antragstellung beschieden werden müssen, aufgrund der Verzögerung verschieben sich alle geplanten Bauleistungen auf das neue Jahr, bis Februar 2020 sollen die Ausschreibungen erfolgen“, kündigt Zander an. Den Winter wolle man für Eigenleistungen nutzen, wobei man tatkräftig von der Agrargenossenschaft Apollensdorf unterstützt werde, unter anderem sind Abrissarbeiten vorgesehen. 

Bis zum 30. September 2020 müssen die Baumaßnahmen nicht nur abgeschlossen, sondern auch abgerechnet sein. Zander ist optimistisch, den ehrgeizigen Zeitplan einhalten zu können, zumal die Baugenehmigung durch den Landkreis vorliegt, auch dank der guten Planungsleistungen der Bc Architekten und Ingenieure. „Viele Unternehmen haben uns ihre wertvolle Unterstützung zugesagt“, freut sich Zander. 

Im Herbst 2020 kann die eigentliche Arbeit beginnen: Der Aufbau einer multimedialen Ausstellung mit Originalexponaten und historischen Dokumenten zur Geschichte der Wasag im Zeitraum von der Gründung 1891 bis zur Demontage 1945. Dokumentiert werden soll nicht nur die Geschichte des Rüstungsbetriebs, sondern auch die Entwicklung der Lungenheilstätte „Robert Koch“ zum Krankenhaus Apollensdorf-Nord im Zeitfenster von 1953 bis zur Schließung 2005. 

Dabei will der Verein auch die Rolle des Rüstungskomplexes und der Zwangsarbeit im Dritten Reich thematisieren: „Wir sehen uns in der Pflicht, an die verheerenden Folgen der Kriegstreiberei in der NS-Zeit zu erinnern, dabei gilt unser besonderes Gedenken den Menschen und Zwangsarbeitern, die unter zum Teil unmenschlichen Bedingungen für die Kriegsführung missbraucht wurden und an den Folgen verstorben sind.“ So plant der Verein auch eine Neugestaltung des Ehrenfriedhofs der gestorbenen Zwangsarbeiter. 

Im Informations- und Dokumentationszentrum wird auch Platz sein für Vorträge, Workshops, Tagungen mit Historikern sowie für Projekttage mit Schulen. „Ein komplettes Forschungsarchiv mit allen zur Wasag noch verfügbaren Archivbeständen wird das Ganze vervollständigen“, erklärt Zander. „Was uns besonders freut, ist die Ankündigung von Prof. Dr. Johannes Preuss von der Gutenberg-Universität Mainz, dass er uns in Anerkennung unserer bisherigen Arbeit sein ganzes, über 35 Jahre intensiver Forschungsarbeit aufgebautes Wasag-Archiv übergeben wird.“ Preuss, der die Rüstungsaltlasten am Standort Reinsdorf detailliert untersucht und begutachtet habe, sei für den Verein der wertvollste Partner und Berater. 

Touristischer Geschichtslehrpfad

Mit dem „Touristischen Geschichtslehrpfad in Apollensdorf-Nord“ nimmt auch ein zweites Vorhaben konkret Gestalt an: „Wir erwarten in der kommenden Woche die Genehmigung seitens der Stadt, damit steht einer erfolgreichen Realisierung in 2020 nichts mehr im Wege.“ Der als Rundweg angelegte Lehrpfad soll die Entwicklung der Werkssiedlung Kolonie und Siedlung Reinsdorfwerke mit Hilfe von Informationstafeln anschaulich darstellen.  Mit Hilfe der Bundesagentur für Arbeit und des Jobcenters konnte Zander zum 1. Dezember des Jahres unbefristet als Museumsleiter und Projektkoordinator angestellt werden. Der langjährige Verwaltungschef des Krankenhauses Apollensdorf-Nord hatte schon Anfang der 1990er Jahre die Idee, ein kleines Museum zur Wasag-Geschichte und der Lungenheilstätte aufzubauen, doch die negativen Entwicklungen rund um die Klinik bis zur Schließung legten alle Aktivitäten auf Eis. Erst seit 2011 befasst sich Zander wieder intensiv mit dem Projekt, in das unzählige Arbeitsstunden und rund 50.000 Euro ohne Förderung geflossen sind.

2019.11.12. Mitteldeutsche Zeitung

Sprengstoffhersteller bei Wittenberg

Auf den Spuren der Wasag

Ab 2020 soll es einen ausgeschilderten Rundweg zu den baulichen Hinterlassenschaften des historischen Unternehmens geben.
Der Geschichts- und Forschungsverein „Wasag Haupt-Werk Reinsdorf“ bemüht sich seit geraumer Zeit erfolgreich darum, die Geschichte des historischen Sprengstoffunternehmens und dessen großen Anteil an
der Entwicklung der Stadt Wittenberg für die Allgemeinheit erlebbar
zu machen. Beispielsweise gibt es Führungen über das riesige,
insgesamt 5,5 Quadratkilometer große Werksgelände und auch das Informations- und Dokumentationszentrum im Pförtnerhaus des ehemaligen Klinikums in Apollensdorf nimmt Gestalt an.

Der Verein habe das Archiv eines inzwischen emeritierten Mainzer Professors übernehmen dürfen, der 35 Jahre über die Wasag mit
ihren Standorten in Reinsdorf und Coswig forschte, berichtet Vereinschef Joachim Zander, der selbst in seiner Freizeit sogar
schon seit 40 Jahren mit dem Thema befasst ist.

Erbe Apollensdorf-Nord

Jüngstes Projekt des Vereins ist die Einrichtung eines Geschichtslehrpfades auf den Spuren der Wasag, deren Hauptwerk ab 1893 in Reinsdorf errichtet wurde; das Unternehmen selbst war bereits 1891 im benachbarten Coswig gegründet worden. Eine Station ist auch die 1906 gegründete Werkssiedlung – eine von mehreren, die aber nicht alle erhalten sind – heute bekannt unter dem Namen Apollensdorf-Nord.

Markierte Orte werden Zander zufolge beispielsweise auch das landwirtschaftliche Gut, das Ärztehaus und die Fabrikantenvilla sein sowie die Reste des 1912 in Betrieb genommenen Personenbahnhofs. Später soll der Rundweg über B 187 und Schiene hinweg auch ins Alte Dorf führen, so zum historischen Schulhaus, weiteren Wohngebäuden an der Roßlauer Straße sowie zum – deutlich jüngeren – Mahnmal.

Metalltafeln im Querformat sollen in Text und Bild Auskunft geben über die Geschichte des jeweiligen Ortes. Die Oberflächen würden sicherheitshalber mit Graffiti-Schutz beschichtet, so Zander, die Gestelle spendiere das Reinsdorfer Unternehmen Feldbinder. Das ebenfalls auf den Tafeln befindliche Wasag-Logo – W und A übereinandergelegt in einem Kreis – habe er sich bereits nach 2001, dem endgültigen Ableben des Unternehmens, schützen lassen, so Zander.

Für den beschilderten Geschichtslehrpfad erwartet der Verein, der darüber hinaus Spenden und Eigenleistung einbringe, Fördermittel aus dem „Leader“-Programm; ein mündlicher Bescheid liege vor. Unvorhergesehene Verzögerungen bei der Bearbeitung des Antrags hätten allerdings dazu geführt, dass der Lehrpfad nun voraussichtlich erst im kommenden Frühjahr realisiert werden kann. „Im Winter möchte ich dort nicht bauen“, so Zander, allerdings könnten – vorbehaltlich des endgültigen Förderbescheids – in dieser Zeit die Stelltafeln angefertigt werden. Derzeit rechne er mit einer Übergabe des Rundwegs im April oder Mai.

Nur mit Genehmigung

In der vergangenen Woche hatte Joachim Zander Verein und Projekt im Kulturausschuss des Stadtrats vorgestellt, er traf dort auf einhellige Zustimmung. „Auch für die jetzige Friedenspolitik ist das schlau“, sagte zum Beispiel Grünen-Fraktionschefin Reinhild Hugenroth. Zum Weltfriedenstag hatte eine Fahrrad-Exkursion zum Informations- und Dokumentationszentrum im Pförtnerhaus geführt.

Die Zusammenarbeit mit der Tourist-Information sei „schon jetzt sehr gut“, sagte Zander mit Blick auf die vom Verein angebotenen Führungen. Für das kommende Jahr seien allein acht Termine in der Siedlung geplant. Hochoffizielle Betretungsgenehmigungen für das nicht ungefährliche ehemalige Werksgelände im Wald haben Zander zufolge nur er und der Apollensdorfer Maik Müller. Nur im Rahmen von Führungen darf auch die interessierte Öffentlichkeit mit hinein zu den Ruinen des einst so bedeutenden Sprengstoffherstellers.
Von Irina Steinmann


2019.10.04. Wittenberger Sonntag

04.10.2019

Geschichtsverein will an seinen ehrgeizigen Zielen festhalten

WASAG-Projekt: Landesverwaltungsamt verzögert den Baustart

Wittenberg (wg). Der Geschichts- und Forschungsverein WASAG hat die Förderanträge für die bauliche Sanierung des Museums und für den touristischen Geschichtslehrpfad fristgerecht beim Landesverwaltungsamt Halle eingereicht, die Behörde ist verpflichtet, binnen vier Monaten zu entscheiden, doch der Vereinsvorsitzende Joachim Zander wartet vergeblich: „Die Behörde ließ unsere Anträge sechs Monate einfach liegen, um sie dann weiterzuleiten.“ Nun ruht das wichtige Papier beim Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Anhalt. 

Der Verein hat sich die ehrgeizigen Ziele gesetzt, sowohl die Chronik und Betriebsgeschichte des Rüstungsbetriebs, als auch die Entwicklung von der Lungenheilstätte Robert Koch zum Krankenhaus Apollensdorf-Nord auf wissenschaftlicher Basis zu erarbeiten und zu dokumentieren. In dem ehemaligen Pförtnerhaus der Klinik und einem Teil der sich anschließenden früheren Ambulanz soll dazu ein Informations- und Dokumentationszentrum/Museum entstehen (der Wittenberger Sonntag berichtete). Beide Vorhaben sind von der Arbeitsgruppe „Wittenberger Land“ befürwortet und in die Prioritätenliste für die Leader-Förderung 2019 aufgenommen wurden. 

„Wir haben mit dem neuen Eigentümer, der Wittenberger Gemüse GmbH, einen langfristigen Pachtvertrag abgeschlossen, die Räume werden uns kostenlos zur Verfügung gestellt, ebenso Gas, Strom und Wasser“, berichtet Zander. Bereite im Dezember 2018 sei eine Baugenehmigung erteilt worden: „Alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung unserer Pläne sind gegeben, aber das Landesverwaltungsamt hat unseren Antrag leider nicht bearbeitet“, kritisiert Zander. 

In den Bauantrag und ähnliche Leistungen sind bereits fast 17.000 Euro investiert worden, in die inhaltlichen Vorbereitungen flossen etwa 49.000 Euro – ohne jegliche Fremdmittel. „Mehrere Wittenberger Firmen unterstützen uns, mit dabei sind die Stadtwerke, Tesvolt, Bau-Consult und Feldbinder, außerdem Stiftungen und Privatpersonen, insgesamt mehr als 80 Unterstützer“ freut sich Zander, „auch das Interesse an unseren Vorträgen und Führungen ist sehr groß, wir organisieren Projekte mit den Gymnasien, und Anfragen kommen aus ganz Deutschland, das zeigt uns, wir sind auf dem richtigen Weg.“ 

Der Verein möchte die Geschichte der WASAG von ihrer Gründung bis zur Demontage dokumentieren und dabei auch die Rolle des Rüstungskomplexes und der Zwangsarbeit im Dritten Reich thematisieren: „Wir sehen uns in der Pflicht, an die verheerenden Folgen der Kriegstreiberei in der NS-Zeit zu erinnern, dabei gilt unser besonderes Gedenken den Menschen und Zwangsarbeitern, die unter unmenschlichen Bedingungen für die Kriegsführung missbraucht wurden, manche sind an den Folgen gestorben.“ Daher plant der Verein auch eine Neugestaltung des Ehrenfriedhofs. 

Außerdem soll die Geschichte des Krankenhauses Apollensdorf-Nord dokumentiert und die Fragen der Altlastensanierung und möglichen Nachnutzung des für die Öffentlichkeit gesperrten Areals geklärt werden. Der Verein prüft, welche Ruinen für die wissenschaftliche Aufarbeitung gesichert werden können und bietet regelmäßig Geländeführungen an.

Die WASAG Reinsdorf soll als Modell nachgebaut werden, dazu sind Vereinsmitglieder mit der Bergakademie Freiberg im Gespräch. „Ein ganz wichtiger Partner ist Prof. Dr. Johannes Preuss von der Gutenberg-Universität Mainz, der 1993 im Auftrag der Stadt das Rüstungsaltlasten-Gutachten erstellte und über einmalige Einblicke in die Archive der Alliierten verfügt“, sagt Zander, „er möchte uns sein umfangreiches WASAG-Archiv übereignen, das ist eine enorme Wertschätzung unserer Arbeit.“ 

Das neue Museum soll zudem ein Dorfbegegnungszentrum werden. Bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 wurde das Pförtnerhaus als Wahllokal genutzt, gefördert über „Demokratie leben“. Damit konnten die Einwohner von Apollensdorf-Nord zum ersten Mal seit 12 Jahren wieder direkt vor Ort wählen, die Resonanz war enorm.

2019.02.06. Wittenberger Sonntag

Ende des Jahres beginnt Aufbau der Ausstellung

Info- und Dokumentationszentrum WASAG kommt voran

Apollensdorf (wg). „Wir sind sehr weit mit unserer Fachplanung“, bestätigt Joachim Zander, Vorsitzender des Geschichts- und Forschungsvereins WASAG Haupt-Werk Reinsdorf e.V., im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Der Verein hat sich die anspruchsvolle Aufgabe gestellt, im Pförtnerhaus und der Ambulanz des ehemaligen Krankenhauses Apollensdorf-Nord ein Informations- und Dokumentationszentrum der WASAG aufzubauen. 

Beide Objekte wurden von einer Tochtergesellschaft der Wittenberg Gemüse GmbH per Vertrag langfristig gepachtet. Die Baugenehmigung durch den Landkreis liegt vor, zum 1. März 2019 kann der Förderantrag für die bauliche Sanierung gestellt werden. Obwohl weder Fassade noch Statik verändert werden, war wegen der Umnutzung der beiden Objekte ein Bauantrag zwingend erforderlich, der Bestandsschutz war 2015 abgelaufen. 

„Bc Architekten und Ingenieure haben eine sehr zuverlässige Bauplanung erstellt und Dr. Wolfgang Bock, der für das Wittenberger Land zuständige LEADER-Manager, hat uns sehr gut beraten“, betont Zander. „Wir rechnen im Mai oder Juni mit dem Vorbescheid zur Förderung und hoffen, im Sommer mit den Baumaßnahmen beginnen zu können.“ Noch im November/Dezember des Jahres sollen die ersten Räume eingerichtet und mit dem Aufbau der Ausstellung begonnen werden. 

Rund 20.000 Euro Eigenmittel muss der Verein aufwenden, der dabei auf großzügige Geld- und Sachspenden zurückgreifen kann. Für die Ausstellung konnte ein Grafiker aus Bayreuth gewonnen werden, der die Entwurfsleistungen kostenfrei erbringt. 

Die Ausstellung wird in der ehemaligen Ambulanz zu sehen sein, dort wird auch ein Vortragsraum geschaffen, beide sind barrierefrei zugänglich. Im Pförtnerhaus wird der Verein seine Archiv- und Arbeitsräume haben. Auch eine Cafeteria wird es geben, die von den Vereinen, Senioren und anderen Interessierten aus Apollensdorf für Veranstaltungen und Feiern genutzt werden kann. 

Leben in der Ortschaft bereichern

„Wir wollen mit unserem Informations- und Dokumentationszentrum auch das Leben in der Ortschaft bereichern“, betont Zander. Durch die Schließung des Krankenhauses im Juli 2005 – „ein stilles Ende, ein Tod auf Raten“, so Zander – entgegen den Festlegungen im Fusionsvertrag von 1991 durch das Paul-Gerhardt-Stift, wurde vor allem Apollensdorf-Nord betroffen: „Infolge sehr schlechter Busverbindungen fühlen sich die Menschen abgekoppelt, es gibt keine Verkaufseinrichtungen mehr, keine Gaststätte, keine Kneipe und aus Kostengründen nicht mal mehr ein Wahllokal“, kritisiert Zander. 

Zur Europa- und Kommunalwal am 26. Mai 2019 wird der Verein in Kooperation mit Ortsbürgermeisterin Angela Menzel und dem Ortschaftsrat allerdings dafür Sorge tragen, dass im Pförtnerhaus ein Wahllokal eingerichtet wird, die Zustimmung der Stadt Wittenberg liegt vor. 

„Unser Informations- und Dokumentationszentrum soll zugleich auch ein Ortsbegegnungszentrum werden“, verspricht Zander. Um das Leben in der Ortschaft zu bereichern und zu entwickeln, hat der Verein bereits den „WASAG-Pokal“ ins Leben gerufen, ein Löschwettbewerb mehrerer Wehren im Rahmen des jährlichen Feuerwehrfestes. Ein „WASAG-Pokallauf“ ist in Planung. 

Zur Bereicherung des Ortslebens tragen auch die Vorträge zur WASAG-Geschichte bei, zu denen der Verein regelmäßig einlädt. „Die Resonanz ist sehr gut, der Raum im Vereinshaus des Kultur- und Traditionsvereins Apollensdorf ist mit 120 Besuchern immer bis auf den letzten Platz gefüllt“, so Zander. In Absprache mit dem Heimatverein Lutherstadt Wittenberg und Umgebung e.V. sollen die Vorträge deshalb künftig in der Leucorea wiederholt werden, damit interessierte Wittenberger ebenfalls in den Genuss kommen

2018.07.04. Wittenberger Sonntag

Kompliziertes Antragsverfahren verzögert das Vorhaben

Das Informations- und Dokumentationszentrum WASAG kommt

Apollensdorf (wg). „Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit, wir benötigen für das komplizierte Antragsverfahren einfach mehr Zeit“, erklärt Joachim Zander, Vorsitzender des Geschichts- und Forschungsvereins WASAG Haupt-Werk Reinsdorf e.V., im Gespräch mit dem Wittenberger Sonntag. Der Verein hat sich die anspruchsvolle Aufgabe gestellt, im Pförtnerhaus des ehemaligen Krankenhauses Apollensdorf-Nord ein Informations- und Dokumentationszentrum der WASAG aufzubauen. Pförtnerhaus und Ambulanz wurden langfristig gepachtet. 

„Wir wollen kein Provisorium, sondern das Gebäude ordentlich sanieren“, betont Zander. Obwohl es keine Veränderungen an Fassade und Statik gibt und auch der Denkmalschutz nicht betroffen ist, erfordern die Fördermittelmodalitäten, dass ein Bauantrag gestellt werden muss. Ein Brandschutzgutachten ist ebenfalls erforderlich. Außerdem will der Verein Stellungnahmen einholen, die die Bedeutung des Vorhabens für Stadt und Region auch aus touristischer Sicht unterstreichen. 

Entstehen soll eine multimediale Ausstellung, ein circa acht Meter langes und drei Meter breites Modell des WASAG-Werkes soll in Kooperation mit einer Hochschule für Architektur und Bauwesen geschaffen werden. Geplant sind themennahe Veranstaltungen und Konferenzen. Der Verein sucht WASAG-Zeugnisse aller Art wie Fotos, Betriebsausweise und andere historische Dokumente. „Exponate bekommen bei uns einen würdigen Platz, Fotos werden gescannt und zurückgegeben“, versichert Zander. Langfristig ist eine Dokumentation in Buchform geplant. 

Ein Werk mit mehr als 12.000 Mitarbeitern

Das Werk in Reinsdorf hatte zeitweise bis zu 12.500 Mitarbeiter, verfügte im Zeitraum von 1893 bis 1945 über 113 Reichspatente und hatte moderne Forschungsabteilungen, unter anderem wurde mit Festbrennstoffen für Raketen experimentiert sowie schlagwettersichere Bergwerks- und Gesteinssprengstoffe entwickelt. „Das Unternehmen war geprägt von einem Höchstmaß an Forschung und Innovation, unternehmerischen Geschick und sozialem Engagement auf hohem Niveau“, erläutert Zander, „jedoch leider auch von einer führenden Rolle in der Rüstungsproduktion in beiden Weltkriegen.“ 

Die dreimal pro Jahr geplanten Vorträge sollen zuerst im Kultur- und Traditionsverein Apollensdorf stattfinden, danach in Kooperation mit dem Heimatverein auch in Wittenberg. 

In der Arbeitsgruppe „Wissenschaft in Wittenberg“, die sich mit Blick auf die Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzeptes gegründet hat, konnte sich der Verein bereits vorstellen: „Unsere Anliegen wurden mit großem Interesse aufgenommen“, erklärt Zander, „wir sind gerne bereit, unseren Beitrag im Zusammenspiel von Wissenschaft, Kultur und Bildung zu leisten.“ 

Historische Dokumente gesucht 

Wer dem Verein historische Dokumente für die geplante Ausstellung zur Verfügung stellen möchte, wendet sich an: Geschichts- und Forschungsverein WASAG Haupt-Werk Reinsdorf e.V., Finkenweg 1b, 06886 Wittenberg/OT Apollensdorf-Nord. 

Spenden werden erbeten auf das Konto bei der Sparkasse Wittenberg, Konto-Nummer DE70 8055 0101 0101 0261 29. 

Weitere Informationen stehen im Internet unter
www.wasag-hauptwerk-reinsdorf.de

1998.12.23. Mitteldeutsche Zeitung

1998.05.28. Mitteldeutsche Zeitung

Treffen der „Wasagiten“
Ihre alte Heimat sahen kürzlich Senioren wieder, die in Apollensdorf/Nord aufgewachsen waren.
Den Organisatoren Lenk , Honigmund und Polz ist es zu verdanken, daß sich nach rund 50 Jahren ehemalige Bewohner wiedersahen, die in der damaligen Zeit im heutigen Apollensdorf/Nord beheimatet und da zur Schule gegangen waren. Rund 65 Personen kamen zu diesem Zweck aus allen Teilen Deutschlands zu diesem großen Wiedersehen. Viele trieb die Neugierde, und sie hat sich aber auch gelohnt. Es gab jedesmal ein großes Hallo, wenn sich „Ehemalige“ wiedererkannten, und viel Gelächter, wenn Schandtaten aus vergangenen Tagen ans Licht kamen. Einige nutzten dann den Vormittag für eine Stadtbesichtigung Wittenbergs bzw. für einen Ausflug in die nähere Umgebung. Am Nachmittag wurden gemeinsam alte Spielplätze, Straßen und Häuser im Heimatort aufgesucht.
Sehr vieles ist in den langen Jahren verändert worden. Und trotzdem hat sich jeder wieder zu Hause gefühlt. Ja, und dann wurde nur noch bis in die späten Abendstunden erzählt. Abschließend wurde beschlossen, sich in einem Jahr wieder zu treffen.
Erika Krahl, Apollensdorf/Nord

1912.07.28. Wittenberger Tageblatt

Explosion. In der Westfälisch-Anhaltischen Sprengstoffabrik
in Reinsdorf wurde heute kurz vor 8 Uhr beim Sieben von
Knallquecksilber das Siebhaus durch eine Explosion zerstört.
Hierbei wurde der Arbeiter Richard Proch getötet. Der Materialschaden ist gering, eine Betriebsstörung tritt nicht ein. Die Ursache des bedauerlichen Unfalls konnte nicht festgestellt werden.

1905.08.26. Allgemeine Zeitung

Unglücksfall. In der Sprengstofffabrik zu Reinsdorf verunglückten
gestern Abend gegen halb 10 Uhr der Meister Busse aus Coswig
und der Arbeiter Fuß aus Reinsdorf dadurch, daß sie durch
Selbstentzündung von Schießwolle ziemlich schwere Brandwunden
an Gesicht und Händen erlitten. Am meisten verletzt wurde der
Arbeiter Fuß, der nach Anlegung des ersten Verbandes nach seiner Wohnung gefahren wurde. Die Brandwunden bei Herrn Busse
erstreckten sich nur über die rechte Seite des Gesichts.

1898.04.03. Wittenberger Zeitung

Unglücksfall. Gestern Mittag kurz vor zwölf Uhr explodirte auf
auf den Reinsdorfer Sprengstoffwerken ein Patronirraum,
wobei zwei junge Arbeiter, Rehfeld aus Schmilkendorf und
Cörbin aus Reinsdorf, getödtet wurden. Der Materialschaden
ist unerheblich und findet keinerlei Betriebsstörung statt.

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Betriebsausweis der WASAG

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WASAG

Die Geschichte eines Unternehmens 1891 – 1966
von Wolfram Fischer

Die Geschichte eines Unternehmens 1891-1966.
Ausgabe Berlin 1966.
Aufgabe dieser Geschichte der WASAG war, zum 75jährigen Jubiläum der Firma den Werdegang des Unternehmens einer kritischen Prüfung zu unterziehen und eine „Chronik“ der wichtigsten Stationen aufzuzeichnen.
In der Darstellung hat der Autor versucht, einen Kompromiss zu finden zwischen den Bedürfnissen des Forschers, den die Vorgänge im Detail interessieren, und denen der Leser, die vor allem einen knappen Überblick über die Schicksale des Unternehmens suchen.
Berichte von Firmenangehörigen nehmen in einigen Kapiteln breiten Raum ein.

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