Dobien

Inhaltsverzeichnis

 21. Aus alten Zeitungen

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Alte Zeitungen berichten wichtig und manchmal empört von Vorfällen aus Dobien.                                                    Manches mutet aus heutiger Sicht etwas sonderbar an!
Die Abschriften entstammen aus der " Wittenberger Zeitung "


1873.03.25.
Civileinwohnerzahl nach der Zählung vom 01.12.1871
Dobien 241
Braunsdorf 163
Reinsdorf 281

1873.04.18.
Aufforderung.
Diejenigen Einwohner Wittenbergs, an welche der Fuhrmann Gottlieb Retzke aus Klein-Wittenberg in den Monaten December v.J.                      und Januar, Februar, März d.J. Kohlen von der Grube Germania in Dobin (orig. Schreibweise ) verkauft resp. geliefert hat,                                bitte ich hiermit dringend, ihre Adresse gefl. an Unterzeichneten unfrancirt abzugeben.                                                                     Weitläufigkeiten und Unannehmlichkeiten erwachsen den Herren dadurch nicht, da es nur gilt, Betrügereien,                                                  welche vorgefallen sind, auf die Spur zu kommen.
Piesteritz Alb.W. Stursberg

1873.08.09.
Wittenberger Getreide-Preise
                                           thl.  sgr.  pf.      thl    sgr  pf.
Weizen pro Centner von     4    18     9  bis    4    23     3
Roggen pro Centner           3     10     0  bis    3   13     2
Hafer pro Centner              2     25     0  bis    3     0      0

1873.08.15.
Werth des österreichischen Silberguldens ist an den Börsen-Plätzen
18Sgr. 9 Pf.
Das Comité.

1874.07.01.
Bekanntmachung
Als Gemeindevorsteher in Dobien wurde gewählt, Schering, Gottfried Halbhüffner
Als Schöffen Hennig, Gottfried Hüffner und Schering, Christian Hüffner

1874.05.10.
Die Pfarrscheune zu Dobien soll den 14.Mai nachmittags 3 Uhr an den Meistbietenden auf Abbruch verkauft werden.                                      Nähere Bedingungen zu erfahren in der Pfarre.

1874.09.28.
In den Braunkohlendruben zu Dobien, welche seit einigen Fahren durch Ankauf in einer Hand vereinigt sind und wesentliche Verbesserungen     und Erweiterungen ( erhöhter Maschinen- und Grubeneisenbahnbetrieb erfahrenhaben, ist während des ganzen Sommers und Herbstes            nur sehr wenig für den Verkauf gefördert worden. Da mit dem Etablissement eine große die ausgedehnteste Fabrikation berechnete Dampfziegelei verbunden ist, so ist der eigene Verbrauch ein sehr bedeutender, und hat sich daher der Verkauf an vielen Tagen nur                     in Hunderten von Hectolitern bewegen können. Hauptsächlich ist diese geringe Förderung aber durch Umfassende Grubenbauten,                      die sich nach und nach nothwendig gemacht hatten, veranlaßt worden.
Wie wir aus guter Quelle vernehmen, wird sogar eine Vertiefung des Schachtes für den nächsten Winter beabsichtigt, da die Ergiebigkeit          des jetzigen Flachbaues zu Ende geht. Durch die diversen Bauten aber, welche die gedachte Tiefschachtung nothwendig im Gefolge              haben muß, wird die Förderung und der Kohlenverkauf in den Dobiener Kohlengruben in nächster Zeit voraussichtlich ganz aufhören,               dem Kohlen consumirenden Publikum wird es freilich nicht lieb sein, dies zu vernehmen.

1875.04.16.
Bekanntmachung
Der Ziegeleibesitzer Franz Mussil beabsichtigt auf seiner unweit des Dorfes Dobien an der Wittenberg-Dobiener Straße                             belegenen Ziegelei einen neuen Ziegelbrennofen zu erbauen.
Indem wir dies in Gemäßheit des § 17 der Gemeindeordnung vom 21. Juni 1869 zur öffentlichen Kenntnis bringen,                                         fordern wir hierdurch auf, etwaige Einwendungen gegen die Anlage binnen 14 Tagen präclusivischer Frist bei uns anzubringen                            und bemerken, daß nach Ablauf derselben Einwendungen in dem Verfahren nichts mehr gemacht werden können.
Situationsplan und Zeichnung liegen in unserm Bureau zur Einsicht aus.
Wittenberg , den 15.April 1875
Der Kreis-Ausschuß des Kreises Wittenberg
v. Koseriß, Königlicher Lamdrath

1875.08.09.
Am Montag verunglückte die Frau des Müllers in der Grünthalmühle dadurch, daß Sie mit ihren Kleidern dem Getriebe zu nahe kam                      und von demselben erfaßt wurde. Schrecklich verstümmelt und selbstredend todt wurde die bedauernswerthe Frau vorgefunden                      und herausgezogen.


1875.08.23.
Der von Teuchel nach Dobien führende Communicationsweg bei Grube Germania ist wegen der Unsicherheit in Folge leicht                         eintretenden Bruches für den öffentlichen Verkehr gesperrt.
Das betheiligte Publikum wird daher hiermit angewiesen, dafür den bei jener Stelle entlang laufenden Privatweg der Grube Germania zu benutzen.
Amt zu Piesteritz, den 23.08.1875
Der Amtsvorsteher.
Liepe.

1875.09.29.
Arbeiter,
die sich für Berg-Tiefbau qualificieren, finden dauernde und lohnende Beschäftigung.
Kohlengrube und Dampfziegelei "Germania"
Dobien bei Wittenberg /Elbe

Braunkohle in bester Qualität, trocken, auch Stück- und Knorpelhaltig, zu Haushaltungen und industriellen Feuerungsanlagen gleich bewährt,      für den Preis pro Hectoliter
Stückkohle 45 Pf.,
Knorpelkohle 35 "
Förderkohle 28 "
klare Kohle 15 "
ab Grube zu haben und kann jeder Anforderung Genüge geleistet werden. Aufträde resp. Lieferungen werden prompt erlrdigt

1876.02.24.
Der Buchbinder Franziskus jun. hier hat jetzt zwei seltene Thiere ausgestopft, die er Liebhabern von Naturmerkwürdigkeiten gern vorzeigt.         Es ist ein Hase von ganz merkwürdig heller Isabell-Farbe und eine Fischotter. Wenn nun auch der Hase, der auf der Bleesernschen Flur geschossen ist, nur eben eine Spielerei der Natur ist, so hat die Fischotter, die mit einer in einem Bache hinter Dobien gefangen wurde,           doch einen gewissen wissentschaftlichen Werth und ist deshalb und ihres hier seltenen Vorkommens wegen wohl des Ansehens werth.

1878.03.12.
Der Director Busse von den Werken der Germania in Dobien hat der Stadt Wittenberg ein sehr schönes Geschenk aus der mit den Werken verbundenen Kunsttöpferei gemacht.
Es ist die Natur der Weisheit, eine weibliche Figur von 1,30 Meter Höhe, eine große Vase von der selben Größe und zwei kleine Schaalen.
Die Gegenstände sind von gebranntem Thon, haben eine sehr schöne gelbliche Farbe und zeichnen sich die beiden größeren durch                    ihre klassische Formen aus. Besonders ist die Vase mit ihrer reichen, im italienischen Styl gehaltenen Ornamentirung,                                            ein Meisterwerk der Kunsttöpferei. Die Gegenstände sollen zum Frühjahr in den Anlagen aufgestellt werden und                                            werden dort einen wesentlichen Schmuck derselben bilden.
Erst durch diese Schenkung wird Wittenberg von dem Dasein einer Kunstanstalt unterrichtet, die sich in aller Stille bereits einen                       guten Ruf in weiteren, besonders Baukreisen erworben hat und die schon seit längerer Zeit durch Lieferung von Bauornamenten,                 Gesimsen und Wappen zu Rohbauten mit Erfolg mit älteren Anstalten dieser Branche concurrirt, worin sie durch die künstlerische            Ausführung und durch den ansprechenden Farbenton ihrer Erzeugnisse wesentlich unterstützt wird.

1910.02.04.
Wie sich die Ortschaften in der Nähe Wittenbergs in der Richtung nach Straach zu vergrößern, zeigt das ehemals kleine Dorf Braunsdorf,           wo zum 01.April d.J. eine Gemeindevertretung gewählt wird.                                                                                                                                     An Wählern sind vorhanden: 3 in der ersten, 7 in der zweiten und 30 in der dritten Abteilung.
Dobien hat sich in 10 Jahren an Größe verdoppelt.                                                                                                                                                     Die Belziger Chaussee ist heute mit den Nebenstraßen schon mehr als die Dorfstraße ( Alt-Dobien ).                                                                       Bei der Wahl der Gemeindevertretung kommen nicht weniger als 80 Wähler in Betracht.

1910.02.11.
Verschüttet. In dem zur Dampfziegelei "Germania" bei Dobien gehörigen tiefen Tonschacht, stürzte am Dienstag eine Tonwand                    plötzlich ab und verschüttete den Arbeiter Hermann Bresigk aus Dobien. Da das Unglück von den in der Nähe beschäftigen                         Arbeitern bemerkt worden war, so wurde sofort die Bergung des Verschütteten aufgenommen, und derselbe dem Paul-Gerhardt-Stift               hier zugeführt, wo zwar keine Knochenbrüche, wohl aber innere Quetschungen festgestellt wurden.  Auch schmerzhafte Abschürfungen             im Gesicht hat der Verunglückte davongetragen.

1910.04.20.
Durch die Explosion einer Dynamitpatrone wurde Montag der 11 Jahre alte Knabe Otto Schering von hier so schwer verletzt,                              daß er in das Paul-Gerhardt-Stift in Wittenberg aufgenommen werden mußte. Während die Mutter mit häuslichen Arbeiten beschäftigt war,    sollte derselbe die Aufsicht über das kleine Brüderchen übernehmen. Dabei räumte er in einem Schranke herum und                                            fand eine Dynamitpatrone, die schon seit 2 Jahren an dieser Stelle lagerte, wo sie vom Steinsprengen übrig geblieben war.                                Der Junge nahm die Patrone, deren Gefährlichkeit er nicht kannte, trug sie in den Hof und warf einen Stein darauf. Die Patrone explodierte      und verletzte den Knaben an den Händen, am ganzen Körper und im Gesicht schwer. Das eine Auge dürfte verloren sein.

1911.10.02.
In preußischen Schulen wurde die 45 minütige Unterrichtsstunde eingeführt.